Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Nachtrag Reizüberflutung was tun?

Frage: Nachtrag Reizüberflutung was tun?

catchwoman

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Hallo Herr Posth, mein Sohn war ein Notkaiserschnitt (Plazentaablösung). Hat von Anfang an viel geschrien-Schreikind (5 Std. täglich). Er ist bis heute ein schlechter Schläfer. Schläft von 20:00-0:00 Uhr super, danach alle 1-2 Std. wach und brüllt. (Kein Hunger!) Wir sind auf Ihn immer sofort eingegangen wenn er gebrüllt hat. Mittlerweile lassen wir Ihn aber auch ein bisschen schreien, da er sich selbst besser beruhigt. Er saugt die ganze Umwelt auf wie ein Schwamm. Ist stark an der Umwelt interessiert, kann es aber nicht richtig verarbeiten. Wir bieten Ihm einen ruhigen Tagesablauf. Viel spazieren, ruhige Atmosphäre, ruhiges Abendritual, wenig Stress. Sobald mehrere Leute anwesend sind kippt das ganze und er brüllt sich teilweise richtig in Rage. Können Ihn nur schwer beruhigen. Er ist ein schwieriges Kind-war schon von Geburt an so. Er bekommt viel Liebe, Aufmerksamkeit, ... Waren schon in der Schreiambulanz, Osteophat, Krankengymnastik. Er ist kerngesund. Lieber Gruß


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Stichwort: Säuglingsschreien / Schreibaby Hallo, ein körperliches Problem ist das auch nicht, was Ihren Sohn so belastet. Man spricht in Entwicklungspsychologie von einem schwierigen Temperament. Im Wesentlichen besteht diese Veranlagung daraus, dass die Säuglinge immer gleich "von null auf hundert gehen". Das heißt die innere emotionale "Überflutung" (nicht die äußere Reizüberflutung), der hohe Grad an Impusivität und die schlechte Steuerung der Affekte (Ausdruck von Emotionen) ist das Problem. Solche Kinder profitieren ganz wesentlich von viel Ko-reglation, spricht von der liebevollen Hilfe ihrer Eltern. Darüber gibt es empirische Studien. Also der Einsatz, den Sie jetzt bringt, erspart Ihnen später große Schwierigkeiten im Sozialverhalten. Sogar die Intelliganz scheint sich zu verbessern, wenn Eltern viel positive Emotionalität investieren. Es ist also ganz anders, als die gewöhnlich Psychologie einem weißmachen möchte. Der Säugling/das Kleinkind will Sie nicht steuern, sondern er/es ruft um Hilfe, damit Sie es "steuern" oder regulieren. Die verbundene Empfindlichkeit auf zuviel Trubel drumherum wird in der nächsten Zeit immer mehr nachlassen. Da können Sie sicher sein. Mit Schreien lassen, auch wenn es im ersten Moment so scheint, dass es helfen könnte, erreichen auf Dauer das Gegenteil. Die einsetzenden Verdrängungsmechanismen belasten das Kind dann immer stärker. Viele Grüße und berichten Sie einmal wieder


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