Stepi
Lieber Dr. Posth, mein Kind (forumsgerecht) ist 1,5 J alt. Ich merke verstärkt, d. man mit Agieren aus Kindersicht auf wenig Gegenliebe stößt. Ich verstehe halt beim kürzl. begonnen Trotzen Grund, kann es daher vermeiden o. wenns nicht anders geht geduldig bleiben. Sie schläft weiterhin nicht durch ( z.T. Zahnen, Schnupfen, oft Grund unklar. Sie sagten schon d. wir alles richtig machen). Schlafe neben ihr u. irgendwann wirds schon klappen. Freunde sagen "du machst dich zum Sklaven d. Kindes" o. Beispiele aus Frankreich wo gesagt wird glückl. Mutter ist gute Mutter & Kind MUSS daher "mitspielen". Ich fühle mich mit meinem Vorgehen auch glücklich, aber klar ist es auch anstrengender. Kind entwickelt sich gut, lacht viel. Hörte nun, so erzieht man sich Tyrann. Anerkennung bekommt man so kaum u. Bekannte, die autoritär erziehen werden gelobt, da sie alles im "Griff" haben. Übertreibe ich? Viele Grüße
Hallo, nein, Sie übertreiben überhaupt nicht. Was Sie mir berichten, ist der gesellschaftliche Grundtenor, der lautet, dass Kinder weit unter ihren Eltern stehen und sich mit ihren Wünschen Bedürfnissen und Willensäußerungen nach den Eltern und ErzieherInnen zu richten haben. Um diese Kind-unfreundliche Grundhaltung aber zu kaschieren, weil sie mit unserer Ethik und Moral sich schlecht verträgt, werden solche Hilfskontrukte geboren wie "nur eine glückliche Mutter ist eine gute Mutter". Die Betonung liegt auf "glücklicher Mutter", nicht auf glücklichem Kind, das aber sein Glück angeblich nur aus der mütterlichen Zufriedenheit beziehen kann. Damit kann man natürlich alle Menschen als glücklich bezeichnen, die dazu beitragen, dass man in erster Linie sich selbst glücklich fühlt, und die mit ihrer Unterwürfigkeit dafür sorgen, dass der selbstgenügsame Anspruch auch Realität wird. Mit dieser Haltung ist schon viel Unglück in der Menschheit angerichtet worden. Im Vordergrund sollte das Glück des anderen stehen, der, wenn man ihn glücklich gemacht hat, umgekehrt dazu beiträgt, dass man sich selbst glücklich fühlt. Das ist keine dialektische Spitzfindigkeit und auch kein blinder Idealismus, es ist eine moralische Grundhaltung auf der Basis von Gewissen und Vernunft. Natürlich gelingt das nicht immer, aber deswegen die Vorzeichen einfach umzukehren, das ist schlichtweg unethisch. So ist die Behauptung, man ziehe sich einen Tyrannen heran auch nur der Versuch, der eigenen Verpflichtung für den Anderen auszuweichen. Man beschwört einen Dämon, weil man sich selbst hüten möchte, die Verpflichtung dem anderen gegenüber, hier dem schwachen Kind, auch tatsächlich mit Inhalt zu füllen. So setzt dann das Lob des autoritär Erziehenden allem noch die Krone auf, weil man sich Legitimation von denjenigen holt, deren Egoismus als Rechtfertigung für die eigene fehlende Bereitschaft herhalten muss, dem Kind mit seinen Ansprüchen und Bedürfnissen den Vorrang vor der Selbstgenügsamkeit zu geben. Viele Grüße und machen Sie weiter so!
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