Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Bis wann gilt eine prompte Bedürfnisbefriedigung?

Frage: Bis wann gilt eine prompte Bedürfnisbefriedigung?

Kunderella

Beitrag melden

Sehr geehrter Herr Dr. Posth, ich habe Ihr Buch schon oft+sehr gerne gelesen. M.Freunden haben wir diskutiert, bis wann die prompte Bedürfnisbefriedigung strikt gilt+wie das prompt zu interpretieren ist? Klar ist, dass man das Kind nicht absichtlich ("Erziehung") warten lassen+ebenso selbstverständl. hinzueilen sollte, wenn es weint. Ich weiss aber von Leuten, die große Angst haben, dem Kind zu schaden, wenn sie z.B. bei einem Laut eines 9-Monatigen, das neben ihnen auf einer Decke liegt (Laut: eher "Sprechen" denn Meckern) nicht sofort alles (!) fallen lassen, hinzueilen+Kind hochnehmen. Dies führt zu extrem genervten Eltern+einem Kind, das keine 2 Min. am Boden (aber auch nicht wirklich länger getragen werden!) sein mag, sondern ständige Positionsänderung durch die Eltern wünscht. Ich erinnere mich, dass Sie sagten ein Kind sei "kein rohes Ei". Wo liegen im Sinne von Eltern+Kind die Grenzen der prompten Bedürfnisbefr.? Danke!


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

Beitrag melden

Stichwort: erste Erziehungsschritte Hallo, es freut mich sehr, dass Sie so oft in meinem Buch lesen und sich so viele Gedanken machen. Ihre Frage ist vollkommen berechtigt und Worte sind immer interpretierbar. "Prompt" heißt für mich ohne gezielte oder berechnende Verzögerung. Der Säugling entscheidend mit der Art wie er sich meldet, wie die Bezugsperson zu reagieren hat. Schreit er panisch los, läuft man sofort hin und sieht nach, was passiert ist. Man nimmt sein Kind auch sofort hoch und versucht es zu beruhigen, den es hat große Angst und benötigt Hilfe wie auch immer (das ist sein Bedürfnis). Nörgelt und meckert aber der kleine Säugling in seinem Bettchen oder auf der Spieledecke und äußert Unlust und Unzufriedenheit, kann man abwarten, ob er nicht selbst eine Dreh findet wieder zur Ruhe zu gelangen. Und das gelingt sehr oft. Man muss also gar nicht unbedingt hingehen und Präsenz zeigen (auch das kann ein Bedürfnis sein). Mit dem erzieherischen Verzögern haben sie den richtigen Problempunkt angesprochen. Da "Erziehen" im eigentlichen Sinne bei einem Säugling noch nicht geht, und bei einem jungen Kleinkind auch nur begrenzt, ist die Reaktion der Eltern oder Bezugspersonen auf die stimmliche Äußerung hautpsächlich eine Methode der Konditionierung. Laufen sie sofort bei jedem Muckser hin und nehmen ihren Säugling auf den Arm, erzeugen sie damit eine einfache Erwartungshaltung. Der Säugling bekommt dadurch keine Chance, eine Methode zu finden, allein wieder zufrieden zu werden. Da aber das Leben im Meistern und Bewältigen von Aufgaben besteht und dieses Meistern und Überwinden Freude und später auch Stolz erzeugt, weden die Kinder damit abhängig gemacht und unerfahren in ihrer eigenen Leistungsfähigkeit. Diese Kinder werden mit der Zeit eher schwach im Bewältigen ihrer Aufgaben sein. die Eltern werden daurch immer unzufriedenenr, machen sich aber nicht klar, dass sie selbst an dieser Entwicklung Schuld tragen. Scheitert das Kind aber an seiner Aufgabe und erfährt dabei keine Unterstützung durch seine Bezugspersonen zu erhalten (weint also oder schreit ohne Hilfe zu erlangen), wird es ebenfalls schwach und abhängig, weil es im Stress nichts lernt als Angst vor der Zurückweisung und Verlassenheit zu empfinden. Also "das Kind ist kein rohes Ei", aber man darf es durchaus anfassen. Viele Grüße


Bei individuellen Markenempfehlungen von Expert:Innen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. Selbstverständlich stehen weitere Marken anderer Hersteller zur Auswahl.