Sylvia Ubbens

Freundschaft der Kinder

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Mein Sohn ist fast 5 Jahre alt. Bei uns im Haus lebt u. a. eine Familie mit 2 Kindern im Alter meines Sohnes. Die Kinder sind seit einem Jahr befreundet und hatten schon öfters entweder bei uns oder bei den Nachbarn zusammen gespielt. Nun ist es so, dass ich mit der Mutter der Kinder nicht zurecht komme. Wir hatten schon immer Missverständnisse. Nun gab es vor einigen Wochen eine Auseinandersetzung vor dem Haus, wo sich die Mutter der Kinder sehr aggressiv mir gegenüber verhalten hat. Sie hat komplett die Fassung verloren, hat mich beschimpft , bedroht und angebrüllt, das alles vor den Kindern. Eigentlich ist das schon Grund genug, komplett den Kontakt einzustellen, aber die Kinder sind eng befreundet.

Mein Problem ist weiterhin, dass ich die Kinder der Nachbarin mittlerweile auch als sehr anstrengend und schlecht erzogen empfinde (hab ich der Mutter gegenüber aber nie zur Sprache gebracht, weil mir das nicht zusteht und weil ich keinen Streit provozieren wollte). Wenn die Kinder zu uns spielen kommen, selbst wenn nur eins der Kinder kommt, dann bin ich einfach nur noch genervt. Die Kinder sind sehr fordernd, frech und unruhig. Alle 3 Minuten werde ich angesprochen und mit Wünschen, Forderungen oder Bedürfnissen konfrontiert. Ich finde das Verhalten unnatürlich, weil ich es so kenne, dass die Kinder, die zu Besuch kommen, erst einmal ca. ¾ Stunde auf die Spielkameraden und Spielsachen fokussiert sind. Diese Kinder aber belagern mich ständig mit Sonderwünschen oder erfinden permanent Probleme, wo keine sind oder fragen mir Löcher in den Bauch, z. B. Warum sind deine Vorhänge weiss, warum ist die Lampe blau, was habt ihr heute zu Mittag gegessen, wo wart ihr gestern, warum, wieso, weshalb...so geht es in einer Tour nonstop. Auch wenn ich dann für 10 Minuten in die Küche gehe und vorgebe, dass ich was zu tun habe, kommen die hinterher und fragen mich dort weiter aus. Ich sage dann schon, dass ich zu tun habe. Aber die lassen nicht ab. Und ich bin nach diesem Kinderbesuch immer fix und fertig. Mir wird das langsam alles zu viel.

Es gab auch letztens eine Situation, da haben die Nachbarskinder vom Balkon runter gespuckt und das hat mein Sohn abgekriegt – weil die oft miteinander kommunizieren, wenn die am Balkon stehen und mein Sohn gerade im Vorgarten ist. Ich habe ausdrücklich gesagt, dass die damit sofort aufhören sollen und wenn die weiterhin spucken, darf mein Sohn nicht mehr mit ihnen spielen (die Mutter befand sich währenddessen in unmittelbarer Nähe und hat nicht eingegriffen, kam auch nicht näher ans Fenster, um das Fehlverhalten ihrer Kinder zu korrigieren, also hatte sie wohl nichts dagegen). Zunehmend hab ich auch das Gefühl, dass die Nachbarskinder meinen Sohn manipulieren und ihn immer irgendwelche Aufträge erteilen und anstiften, er soll dies oder jenes. Das mit dem Spucken jetzt gerade mit dem Corona Virus ist eigentlich unverzeihlich. Grundsätzlich sehe ich keine Aggressionen oder Böswilligkeit im Verhalten dieser Kinder. Aber es sind alles so seltsame Aktionen und Verhaltensmuster, die ich nicht normal finde und wo ich mittlerweile wirklich Abstand halten möchte. Das Sozialverhalten der Kinder ist fragwürdig und die Eltern mag ich sowieso nicht, nach dem Streit von letztens sind meiner Meinung nach auch Grenzen des Respekts überschritten worden. Nur mein Sohn mag die Kinder und die Kinder wollen permanent miteinander kommunizieren. Nun stehe ich vor der schwierigen Aufgabe, wie ich das alles lösen kann. Grundsätzlich habe ich mich nie eingemischt, mit wem mein Kind befreundet sein möchte. Aber in diesem Fall habe ich die Befürchtung, dass weitere Konflikte entstehen. Ich möchte eigentlich, dass wir mit dieser Familie gar nichts mehr zu tun haben, in mir krampft alles zusammen, wenn ich die schon höre oder sehe. Wie soll ich mich weiter verhalten?

Ein Gespräch mit der Mutter der Kinder bringt nichts, weil sie sich und ihre Familie als super toll einstuft. Ein Gespräch möchte ich zu der Mutter gar nicht mehr suchen, weil ich ja bereits die Erfahrung machen musste, dass sie völlig überreagiert, alles mögliche in ihrem Sinne verdreht und imstande ist, völlig durchzudrehen. Ich möchte mich nicht nochmal beschimpfen und bedrohen lassen. Dass die Kinder sich einfach zufällig mal am Spielplatz treffen ist auch nicht planbar, weil die Mutter selten mit den Kindern auf dem Spielplatz ist und wenn ich danach fragen würde, würde sie es so einfädeln, dass ich mit meinem und ihren Kindern alleine zum Spielplatz gehen soll und den Babysitter spiele.
Was würden Sie mir raten?

VG
Amelie

von Amelie1979 am 27.04.2020, 17:12 Uhr

 

Antwort auf:

Freundschaft der Kinder

Liebe Amelie,

Kinder sind sehr unterschiedlich und das Verhalten bzgl. der "Belagerung" der Erwachsenen, wenn die Kinder bei anderen spielen, ist für viele Kinder ganz normal. Die Kinder suchen ganz viel Aufmerksamkeit. Sie sind so fasziniert von den unterschiedlichen Gegebenheiten und meinen es nicht böse. Es ist kein schlechtes Verhalten, nur eben anstrengend.

Sie als Mutter müssen entscheiden, wie Sie mit den Kontakten der Kinder untereinander umgehen wollen. Wichtig ist, einen festen Standpunkt gegenüber Ihrem Sohn zu vertreten. Die Kinder sind anstrengend oder die Mama ist nicht so freundlich sind für Kinder keine verständlichen Argumente. Für Ihren Sohn ist es sicherlich einfacher zu akzeptieren, wenn Sie Kontakte zu anderen Kindern in der Umgebung pflegen, so dass er von den Kindern im Haus abgelenkt ist.
Auf der anderen Seite sollten Sie überlegen, inwiefern Sie Ihren Unmut gegenüber der Mutter auf die Kinder übertragen und diese nicht zumindest in unregelmäßigen Abständen vielleicht einzeln mit Ihrem Sohn spielen dürfen, weil Ihr Sohn Freude daran hat.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 28.04.2020

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