Christiane Schuster

Dr. Sears contra A. Kast-Zahn

Antwort von Christiane Schuster

Frage:

Hilfe, liebe Christiane!

Jetzt, nach 5 Monaten und 7 Tagen (inkl. 6 Tagen als 24. Std. Esser) habe ich nun "endlich" so eine Stinkwut auf unser wirklich ansonsten Freude verbreitendes Baby, daß ich zum ersten Mal gut Kurzschlußreaktionen anderer Mütter nachvollziehen kann! Es erscheint mir zum Wohle von Nico und mir nun wichtig, es nicht länger der Zeit zu überlassen, bis alles besser wird, denn ich bin körperlich und seelisch nahezu erschöpft.

Vom ersten Anlegen an wußte ich, daß unser Nico ein Genießer ist, der sich das Recht herausnimmt, zwischendurch immer längere Trinkpausen zu machen, wenn ihm das Umweltgeschehen wichtiger erschien. Er ist sehr aufgeweckt und neugierig, will alles genau untersuchen und "geht" hellwach durchs Leben. Er lacht unwahrscheinlich viel und oft, meistert ungewohnte Situationen eher neugierig als ängstlich und erzählt bereits seit seiner 4. Lebenswoche wie ein Wasserfall. Seit er Beikost bekommt (regelmäßig seit nun ca. 8 Tagen), ißt er auch gut und mit Freude (aber wehe, er bekommt mittags und abends zu den festen Zeitpunkten die Beikost, sondern Brust! Erst nach Gemüse bzw. Brei ist er wieder zufrieden und ausgeglichen.). Er und seine 3 1/2 J. alte Schwester lieben sich von Herzen, und weil er sie so anhimmelt, erspart mir das sicher viele Eifersüchteleien. Von der Seite könnte ich mir also kaum ein besseres Kind wünschen.

ABER: Und das zehrt an meinen Kräften und Nerven, seit nun eben jenen 5 Monaten und 7 Tagen habe ich keine Nacht mehr länger als 2 Std. am Stück geschlafen. Ehe ich wieder ins Bett zurück komme, vergehen oft bis zu 3 Std., weil er und ich manchmal dabei einschlafen, durch das Stillen im Sitzen (andere mütterliche Körperhaltung lehnt er von Geburt an - vielleicht wegen der verengten Luftröhre? - entschieden ab und läßt sich auch nicht austricksen) irgendwann wieder aus dem Halbschlaf hochschrecken und weiter geht das Genuckel. Tagsüber kann ich den Schlafentzug nicht kompensieren, denn da schläft er noch weniger (als ob er Angst habe, etwas zu verpassen) und wenn er doch mal bis zu 1 Std. schläft, dann möchte ich diese kostbare Stunde meiner Großen widmen (ich habe wegen ihr auch schon gemailt unter "neues Ausloten der Rechte"). Nico kann, wenn er richtig fit ist - und möglichst die Schwester in Sichtweite, sich bis zu einer halben Stunde alleine beschäftigen und amüsiert sich gut dabei (auch wenn ich nicht immer in Sicht bin). Manchmal scheint er sogar mit seinen Gedanken meilenweit fort zu sein, denn machmal erschrickt er ganz fürchterlich (mit weinen), wenn man ihn unvermittelt anspricht, jemand husten od. niesen muß.
Seit nun 6 Tagen ißt er eigentlich fast non-stop (Gläschen, Brust, Brei, Obst und auch Brotkanten und dergleichen mehr), so daß ich mich langsam frage, ob sein Eßstopp bei Sättigung funktioniert. Und ich bin mir sicher, würde dasvon den Abmessungen passen, er hätte auch schon unsere 8-Kilo-Katze mit Haut und Haaren verschlungen, denn wenn er mit den Augen alleine essen könnte, es bliebe auch für uns nicht auf dem Teller übrig.- Ich dachte ja, jetzt müßte er doch nachts endlich länger schlafen, aber Pustekuchen, er scheint jetzt noch öfter zu kommen und sucht jedesmal gierig die Brust, so daß ich es nicht übers Herz bringe, ihn schreien zu lassen. Flasche und Schnuller verweigert er. Bei uns im Bett schlafen will er nicht (und bei nur 1,40 m ist das zu dritt auch ziemlich knapp bemessen, um erholt aufzuwachen, davon abgesehen, befürchte ich, daß das Eifersucht hervorrufen könnte, weil für vier Personen einfach kein Platz ist). Sein Bett paßt nicht ins Schlafzimmer, da das zu klein ist, ebensowenig eine Matratze neben das Bett (sind nur ca. 30 cm zwischen Bett und Schrank und noch weniger zwischen Bett und Wand). Somit ist Dr. Sears Familienbett also nicht realisierbar und wie gesagt, Nico schläft auch nach mehrmaligen Versuchen nicht in unserem Bett. Nachts kann ich ihn zwar schon mal für eine Schlafphase mitnehmen, aber einschlafen oder länger aushalten tut er es nicht, dann wird er so unruhig, daß ich noch weniger zum Schlafen komme. Aber den Rat meines Kinderarztes, es nach dem Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" zu machen, geht mir irgendwo gegen meine mütterlichen Instinkte. Solange er so verzweifelt die Brust sucht, wie kann ich sicher sein, daß er die - da er nachts doch erst einmal sehr intensiv saugt, was er tagsüber nicht macht - Milch nicht tatsächlich noch braucht, ich also nicht einfach nur der Schnullerersatz bin?

Lange Rede, kurzer Sinn, ich bin wirkllich verzweifelt. Ich schlucke Johanniskraut-Kapseln, in der Hoffnung sie helfen meinen Nerven, als wären sie Drogen und ich ein Junkie, ich mache autogenes Training, um meine Reizschwelle im Griff zu halten, aber immer mal wieder kommt ein Tag wie heute, wo ich plötzlich sehr gut nachvollziehen kann, wie es zu Mißhandlungen im Affekt kommt und dann erschrecke ich über mich selbst und fühle mich im Grunde genommen noch mieser, noch ausgelaugter und kämpfe mit den Tränen. Es will mir nicht in den Kopf, woher Nico seine Energien gegen das Schlafen nimmt, auch wenn er eindeutig müde ist. Egal wie ruhig ich ihm die Randbedingungen, gerade am Tage, auch bereite, keine Chance. Im Kinderwagen, manchmal, aber das kann es ja nicht dauerhaft sein, denn kaum steht der Wagen länger als zehn Minuten schreit er schon wieder.

Was das Trinken an der Brust betrifft, so schafft er es eigens dafür, sich aus der Rückenlage, wenn ich ihn zum Pullihochschieben auf meinen Schoß lege, in fast Sitzposition zu heben, ohne daß ich ihm dabei helfen müßte, nur um schnellstmöglich das begehrte Ziel im Mund zu haben. Hält ihn mal jemand anderes, bis ich die Brust freigemacht habe, so scheint er fast an meine Brust springen zu wollen, so groß sind seine Augen und so weit lehnt er sich zu mir rüber.

Ehe er vor 14 Tagen eine saftige Bronchitis hatte (die Bronchien sind seit seiner 1. Woche immer wieder angegriffen und laut Kinderarzt wird das in diesem Winter wohl auch nicht mehr besser, dennoch gedeiht er prächtig und ist fit und munter), trank er zumindest noch hin und wieder eine Flasche, so daß ich mir auch mal Ausgang ohne Kind gönnen konnte. Jetzt verweigert er die Flasche. Das heißt, von mir nimmt er sie mit List und Tücke und viel Geduld (aber sehr selten) inzwischen wieder an, doch von Papa oder Oma will er sie nicht, egal ob ich da bin oder eindeutig weg bin.

Also bitte, liebe Christiane, wenn Du auch nur irgendeinen guten Tip für mich hast, oder Erfahrung mit dem Schreienlassen von Babys, irgendetwas MUSS geschehen, denn noch mal fünf Monate auf diese Weise will und kann ich nur sehr schwer überstehen, ohne hinterher Anti-Depressiva zu benötigen :-(

Ach ja, ich führe auch seit 8 Tagen, also seit ich die festen Zeiten für Beikost und das täglich (zuvor gab es nur mal zwischendurch Karotten) eingeführt habe, auch ein Schlafprotokoll, mit dem Ergebnis, daß er binnen 24 Stunden nur zwischen 8 bis 12 Stunden schläft. Das erscheint mir ehrlich gesagt für sein Alter etwas zu wenig, denn müde ist er ja, aber er kämpft dagegen an, egal was ich versuche.

Liebe Grüße
von einer etwas verzweifelten Kerstin

von Kerstin am 27.01.2000, 22:20 Uhr

 

Antwort auf:

Dr. Sears contra A. Kast-Zahn

Hallo Kerstin
Dass Ihre Nerven immer schwächer werden, kann ich mir gut vorstellen. Auch Mütter brauchen ausreichend Schlaf um den tägl. Anforderungen gewachsen zu sein!! Wenn Ihr Sohn satt und erst mal zufrieden in seinem Bett liegt, geben Sie ihm ein T-Shirt von Ihnen zum Kuscheln, sodass er im Falle des Aufwachens den gewohnten Duft riechen kann. Vielleicht legen Sie ihm auch eine Spieluhr mit hinein, die er sich selbst aufziehen kann. Wenn er nachts wirklich Durst auf Muttermilch hat, pumpen Sie abends doch mal ab und füllen es für die Nacht in eine Flasche. Wahrscheinlich wird er aber keinen Durst auf Milch sondern auf Wärme und Zuneigung haben! Reden Sie viel mit ihm, während Sie ihn ins Bett legen, streicheln Sie ihn und erklären Sie ihm immer wieder, dass Sie da sind und auch "nur" schlafen. Da er tagsüber alles zu haben scheint, was er braucht um glücklich und zufrieden zu sein, hoffe ich, dass auch Sie bald morgens erholt aufwachen können. Es wäre auch mal einen Versuch wert, ihn mit in das Zimmer seiner Schwester zu legen, denn dann hat er vielleicht das Gefühl gross zu sein, wenn Sie es ihm vorher sagen. Mit ca. 12 Std. Schlaf scheint er auszukommen, sonst würde sein Tagesablauf nicht so problemlos verlaufen. Sie wissen ja schon: jedes Kind hat ein anderes Schlafbedürfnis. Verzweifeln Sie nicht und probieren Sie`s mal aus!
Bis bald?

von Christiane Schuster am 28.01.2000

Antwort:

PS zu: Dr. Sears contra A. Kast-Zahn

Übrigens bekommt Nico nach 19 Uhr nur noch Milch an der Brust, so daß ein zu voller Magen, wenn er dann zwischen 23 Uhr und Mitternacht endlich einschläft, kein Grund für unruhige Nächte sein dürfte.

von Kerstin am 28.01.2000

Antwort auf:

Dr. Sears contra A. Kast-Zahn

Hallo Kerstin,
wir haben eine Tochter von bald 6 Mon. die auch fast alle 2h an die Brust will oder auch mal alle 3 h, aber manchmal schreit sie dann zwischendurch nach ihrem Schnulli... Die Lösung habe ich auch nicht und schreien lassen will ich auch nicht. Sie schläftbjetzt in ihrem Bettchen neben meiner Seite, was natürlich die Sache etwas erleichtert. Gegen 3/4 Uhr morgens ziehe ich aus und mein Mann kümmert sich um sie. Meistens schläft sie dann bis 7, manchmal wird sie auch zwischendurch nochmal wach, aber meist beruhigt sie sich wieder ohne Mamas Brust. So kann ich es einigermaßen überleben.
Viel Glück
Susanne

von SusanneU am 29.01.2000

Antwort auf:

Dr. Sears contra A. Kast-Zahn

Liebe Christiane,

Spieluhr haben wir, die mag er, wenn man bei ihm bleibt, bis sie abgelaufen ist. Das ist so eine, bei der dann ein beleuchtetes Bild zur Meldoie läuft. Er hat auch eine gewöhnliche Spieluhr, aber aufziehen kann er die (noch) nicht. Ab wann kann ein Baby so etwas denn gezielt? Ich glaube auch nicht, daß er da nachts auf die Idee käme, sich selbst die Spieluhr aufzuziehen.
Das Zimmer seiner Schwester ist leider bereits auch sein Zimmer, die zwei teilen sich das Zimmer aus Platzmangel von Anfang an. Das wäre auch keine Neuerung. Einzige Neuerung hier ist, daß er zuerst im unteren Bett des Hochbettes geschlafen hat, wir nun aber trotz der nur 9 qm Fläche ein Kinderbett an die gegenüberliegende Wand gestellt haben, so daß sich beide Kinder sehen können und es für uns auch leichter ist, ihn raus und reinzulegen, da durch das Schutzgitter am großen Bett zuvor nur noch eine Öffnung von knapp 40 cm Höhe vorhanden war, das war dann oft ein ziemliches Puzzlespiel, ihn da wohlbehalten ins Bett rein oder raus zu bekommen.

Versteht ein fünf Monate altes Baby tatsächlich schon den Sinn, wenn ich ihm erkläre, daß ich doch auch nur schlafe und dies doch ganz langweilig sei? Ich kann mir das gar nicht vorstellen, obwohl ich sicher bin, daß Kinder und Babys mehr verstehen, als man ihnen altersbedingt zutraut.

Ich habe mir schon überlegt mit der Großen vorübergehend auf das breite Ausziehsofa auszuziehen, damit sie in Ruhe schlafen kann, wenn ich Nico wirklich schreien lasse, da habe ich nämlich die größten Bedenken, daß sie dann durch die lange Schreierei ständig aufwacht. Kurze Schreiphasen hört sie nicht, aber wenn es länger als 10 Minuten sind, ist sie schon manches Mal aufgewacht. Hängt auch immer von ihrer eigenen Schlafphase ab.

Und kann ich wirklich davon ausgehen, daß ein Kind, das wirklich Hunger hat, letztlich die Flasche von einer anderen Bezugsperson, also z.B. Papa oder Oma, akzeptieren wird? Oder hängt das vom Dickkopf des Babys ab? Ich schätze, wir haben da einen ziemlich ausgewachsenen Dickschädel. Es kam schon vor, daß er alleine mit Papa bei Oma und Opa zu besuch war und Nico dann lieber geschrien hat, bis er erschöpft eingeschlafe ist, als daß er die Flasche auch nur angerührt hätte. Im Gegenteil, die hat ihn dann nur noch wütender gemacht.

Noch etwas, wenn ich nachts versuche, die Zeiten zu strecken, hätte ich dann, da er ja schreien muß, nicht genau den Effekt, daß er lernt: ich muß nur lange genug schreien, dann bekomme ich die Brust? Aber wie sonst könnte ich ihm die Zeiten zwischen den nächtlichen Mahlzeiten ausdehnen?

Gruß Kerstin


PS: Da wir gestern mit der Großen im Kindergottesdienst waren, wo es ein sog. Klangspiel statt des Glockengeläuts gab, mußte ich feststellen daß Nico das ganz spannend fand und er war absolut ruhig und gebannt und gut gelaunt. Jetzt suchen wir auch so ein Klangspiel, doch was ich finden konnte (bisher) fing bei nahezu 200,- DM an, soviel wollten wir ja nun doch nicht ausgeben, weißt Du vielleicht auch, wo man so etwas finden kann? Musikläden? Spielwaren? Wenn man diese Sachen sucht, findet man ja nichts mehr. Braucht man es nicht, gibt es die Dinge überall...

von Kerstin am 29.01.2000

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