Mitglied inaktiv
Hallo, heute hatten wir ein aufwühlendes Gespräch im Lehrerzimmer, weil eine Kollegin einen wirklich schwierigen Schüler mit Unterstützung des Rektors in die Nachbarklasse versetzen möchte (auch 2. Klasse) Dieser Schüler machte ihr bereits in der ersten Klasse Schwierigkeiten und ließ sich teilweise auch nicht mehr von ihr beschulen. Unsere Schule besteht aus vielen kleinen Schulorten. Wir, vier Kollegen, haben uns intensiv darüber ausgetauscht. Die Kollegin, die ihn wird nehmen müssen, ist wirlich nicht begeistert, weil sie selbst seit einem Jahr schwierige Schüler unterrrichtet. Meine "erfahrenen" Kollegen meinten einstimmig: Wo kämen wir dahin, wenn ich mit einem Schüler nicht zurechtkomme und ihn dann einfach abschiebe!" Ich finde, wir Lehrer sollten uns endlich von dem Denken verabschieden, alles können zu müssen. Ich konterte heftig, stoß aber nicht wirklich auf Verständnis. Der anderen Kollegin wird jetzt unterschwellig Inkompetenz unterstellt. Ist es unüblich, als Lehrer auch Schwächen zuzugeben? Wie ist es in der freien Wirtschaft? Gruß Cella
Hallo Cella, ich würde mir wünschen, dass mehr Kollegen Schwächen zugeben würden. Damit habe ich KEIN Problem. Aber dann mögen sie bitte auch so professionell sein und richtige Hilfe suchen. Es kann doch keine Lösung sein, einen schwierigen Schüler querzuversetzen? Wo bleibt denn da bitte die Ursachenforschung? Das kommt so ein bisschen so rüber: "Ich kann nicht mehr, jetzt bist du mal dran. Ich habe nämlich auch keine Lust mit dem Kind durch die Mühlen der Ursachenforschung zu gehen und mich im ungünstigsten Fall noch mit den Eltern anzubinden." Und so läuft es halt wirklich nicht. Habt ihr schon ein sonderpädagogisches Gutachten? Hat irgendjemand das Kind mal angeschaut? Ggf. von außerhalb? SPZ? Habt ihr ein Beratungs- und Förderzentrum in der Nähe? Schule für psychiatrisch erkrankte Kinder? Schule für Erziehungshilfe? Ambulante Erziehungsberatung? Dort überall sitzen Profis, die vielleicht helfen können. Aber so, wie es gerade läuft, sieht es für mich tatsächlich nach "Abschieben" aus. Wenn das Kind nicht beschulbar ist, dann muss die Schulpflicht temporär ruhen, ggf. ein Einzelunterricht eingerichtet werden. Also für meine Begriffe, macht sich die Kollegin das in der Tat ein wenig einfach. Und die andere Kollegin ist zu Recht angefressen. Wie gesagt: Sie MUSS nicht mit schwerstauffälligen Kindern klarkommen können, aber dann ist es zumindest ihre Pflicht eine Alternative zu finden, bei der das Kind besser gefördert wird und es sich nicht "irgendwie" vom Hals zu schaffen. VlG Annette
Also, ich bin ja keine Lehrerin- das vorab. Aber ich denke so wie momworking- hier wird das Problem- das ja auf seiten des Jungen zu sein scheint- nicht geloest, sondern verwaltet- auf die naechste Lehrerin. Und wieso spricht man hier von Schwaeche zeigen? Wenn man ein Problem hat, das man lleine nicht loesen kann, zeigt man doch keine Schwaeche. Man hat ja auch keine Staerken wenn man besonders gute Schueler hat. Ansonsten- bei uns ist es manchmal so, dass Leute mit anderen nicht zurechtkommen, Vorgesetzte mit Weisungsgebundenen, Haeuptlinge mit Indianern. Meist wird das " so" ausgelebt, im Ernstfall gibt es Mediation, Personalrat, " Abraeumen"- also einer kommt weg und zwar soll der ( groessere Problemmacher gehen).. Bei uns verliert man allerdings mit sowas- mehr oder weniger, karrierefoerdernd ist es nie. Kurzum- ich denke, man muss hier die Ursachen erforschen um die Sache langfristig zu klaeren, nicht abscheiben. Benedikte
Hai, was heißt eigentlich "schwieriger Schüler"? Das sagt so gar nichts aus. Ich habe schon erlebt, dass ein Schüler bei klarer und durchgreifender Linie eines Lehrers durchaus "beschulbar" war und bei einer anderen Lehrerin nicht. Sie kam mit dem Schüler nicht klar, weil sie sich nicht so gut durchsetzen konnte. Sie war einfach nicht durchsetzungsfähig genug für für die etwas erziehungsresistentere Schüler-Fraktion. Das würde ich dann auch Schwäche nennen - auf Seiten der Lehrerin. Falls es aber wirklich ein schwieriger Schüler ist, der auch anderen Lehrern die gleichen Probleme macht, dann würde ich ähnliche Fragen stellen wie momworking. Ansonsten würde ich auch aus dem Grund die Veresetzung befürworten, wenn die Chemie zwischen Klassenlehrerin und Schüler gar nicht stimmt. K. (...bin übrigens Musiklehrin in einer Hauptschule in Berlin)
... das habe ich gerade von der abgebenden Lehrerin erfahren. Der Rektor versucht jetzt zu beweisen, dass eine Diagnose von fachlicher Seite zwingend erforderlich ist. Wenn sich Eltern aber gegen einen Test verwehren, kann die Schule diesen auch nicht durchführen. (So die Schulleitung) Cella
Hallo, natürlich darf diese Querversetzung keine fachkundige Diagnose und Hilfe ersetzen und muss Teil eines ganzen Pakets von Maßnahmen sein. Die Eltern können sich nicht gegen eine fachkundige Hilfe wehren, wenn du sie einleitest. 1. hast du jederzeit auch ohne Zustimmung der Eltern das Recht, den schulpsychologischen Dienst in Anspruch zu nehmen, der sich das Kind dann in der Schul anguckt. 2. Ein Verfahren zur Feststellung des sonderpädgagosichen Förderbedarfs bedarf nicht das Einverständnis der Eltern. Das ist allein deine Aufgabe. 3, Unbedingt von Klassenkonferenzen, Schulverweisen, Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen Gebrauch machen. Alema
Hallo, ich arbeite auch an einer Grundschule, aber als Sonderpädagogin. Da wir eine Brennpunktschule sind, sind schwierige Schüler Alltag bei uns. Und da die Qualitätsentwicklung auch vor Schulen nicht Halt macht, begegnen wir Problemen mehr oder weniger professionell. Wir haben eine Sozialpädagogin und sind zu den Grundschullehrerinnen 5 Sonderpädagogen. Somit beraten wir uns kollegial, richten Fördergruppen ein und arbeiten außerschulisch mit Experten zusammen. Wir leisten uns außerdem eine Psychologin, die intensiv mit den Kindern arbeitet. Sie nimmt uns sehr sehr viel Arbeit ab, berät uns und macht Mut. Meist kommt aber raus, dass die Kinder sehr schlimme Dinge zu Hause erlebt haben. Ein Klassenwechsel ist bei uns also nie Versagen einer Person sondern eine Chance für das Kind und nie isoliert zu sehen, sondern mit vielfältigen Maßnahmen verbunden (z.B. Schulpsychologischer Dienst, Erziehungsberatungsstelle, Therapeuten usw.). Ich denke das eine regelmäßige Weiterbildung sehr wichtig ist, um sich selbst weiterzuentwickeln und nicht mehr "das alte Denken" zu haben. lg
@biohuschel
das sind ja traumhafte bedingungen... toll!
ich bin bei uns leider die einzige sonderpäd...
lg, katpa
Aber ich habe als Kind damals und jetzt auch schon als Mutter mit meinen beiden grundverschiedenen Söhnen erlebt, dass Schüler-Lehrer-Probleme wirklich BILATERAL sein können. (*)
In der Klasse des Kindes unterrichtet ja sicher nicht nur die Klassenlehrerin.
Wie kommen die anderen Lehrer mit dem Kind klar?
Wenn nur mit der Klassenlehrerin das Problem besteht, warum soll nicht erst mal die Chance genutzt werden, durch Klassenwechsel eine Lösung herbeizuführen, ohne das Kind gleich zu pathologisieren??
Trini
(*) Mein großer Sohn konnte mit seiner Schwimmlehrerin im Bronzekurs wirklich überhaupt gar nicht.
Und für den Kleinen ist sie genau die Richtige. ![]()
...ist meiner Meinung nach noch was anderes als dieser "Offenbarungseid". Du kennst die Kollegin besser. ist sie eine, die unangenehme oder anstrengende Arbeit gern abschiebt? Ansonsten würde ich denken, dass jemand so einen Vorschlag nicht ohne Not äußert. Es sollte eine Lösung gefunden werden,die dem Kind eine möglichst angenehme und erfolgreiche Schullaufbahn ermöglicht. und wenn das der Klassenwechsle ist, naja. Manchmal hilft ein Neuanfang. Das sollte dann aber bei 1 Wechsel bleiben und von kind und ELtern mit getragen werden und wie eine Hilfe und nicht wie eine Strafe angeboten werden.
Hallo, also ich hatte gerade auch einen solchen Jungen in meiner Klasse. Er hat in die Parallelklasse gewechselt, weil ich überfordert war, die Situation sich weiter zuspitzte und er auch gewalttägig gegen mich schwangere Lehrerin wurde. In der Parallelklassse benimmt er sich übrigens jetzt genauso. Zu einem kompetenten Umgang mit schwierigen Schülern gehört immer ein offener und sachkundiger Austausch. Wieso sollte das nur die Schwäche der Lehrerin sein, die ihn bisher unterrichtet hat? Sicherlich stimmt auch etwas mit dem Kind, seiner alltäglichen Umgebung etc. etwas nicht. An Erziehung sind immer mehrer Faktoren beteiligt, so dass die Verantwortung niemals allein bei einer Lehrerin gesucht werden kann. Ich finde, Schwäche zeigen, ist dafür ein absolut falscher Begriff. LG Alema
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