MaJuni
Guten Morgen, ich mache mir gerade Sorgen um mein Kind (6 Jahre, im September eingeschult). Es war immer altersgerecht entwickelt, kognitive wahrscheinlich auch eher bei den schnellen dabei. Gutes Händchen für Zahlen und Mengen. Im Frühjahr hat es angefangen zu rechnen, eigentlich aus dem Nichts, auch vom kleinen 1x1 das 2er,3er,4er und 5er relativ sicher. Das war eine Phase von ein paar Wochen, dann war das Interesse weg. Die Vorfreude auf die Schule war rießig und die ersten Wochen auch alles sehr gut. Wir haben dann nach ca 4 Wochen festgestellt, dass es bereits gut lesen kann, also keine Probleme mit dem zusammenziehen hat. Das wurde dann freiwillig gerne geübt und klappt schon richtig gut. Der Klassenlehrer kam dann auf uns zu mit der Nachricht, dass unser Kind im Unterricht sehr viel stört, er denkt aus Langeweile, da es eben deutlich schneller versteht, arbeitet und auch fertig ist und sich langweilt. Wir haben mit unserem Kind gesprochen und die Lösung war, dass es leise lesen darf, wenn fertig. Das klappte gut, dachten wir. Heute war es sehr traurig, es hat keine Lust auf Schule, es sei alles so langweilig. Ich war dann doch sehr überrascht, da ich dachte die Lösung mit dem Lesen wäre so okay. Es möchte nicht mehr in die Schule gehen. Anscheinend ist es recht anstrengend, dann ruhig zu bleiben und auf die anderen zu warten. Der Lehrer ist sehr neu, das ist die erste Klasse die er hat. Ich finde ihn auch sehr bemüht, aber mir fehlen da die Erfahrungen. So z.B. wäre es für mich natürlich wichtig zu wissen, ob davon auszugehen ist, dass sich dieser Vorsprung, den mein Kind aktuell hat bald relativieren wird, oder wird das so bleiben bzw. Noch schlimmer. Habt vielleicht jemand Erfahrungen in so einer Konstellation? Vielen Dank vorab.
Ich würde das mit dem Klassenlehrer direkt besprechen, sicher findet ihr eine Lösung. Was ist den mit "stören" gemeint?... Quatscht es viel, dann könnte ein anderer Sitznachbar besser sein den es vielleicht auch unterstützten kann (neue Aufgabe); kann es sich aufs Lesen nicht konzentrieren weil zu laut, vielleicht Kopfhörer aufsetzen und in die Ecke für "Stillarbeit) gehen (bei uns im Klassenzimmer möglich) ... also vielleicht hier nochmal ansetzen und neu denken. Ich halte "Lesen" auch nicht für die Lösung ... meine Tochter meint auch oft es wäre langweilig ... das bezieht sich vorallem auf die vielen Wiederholungen / Schreibübungen / Rechenübungen ... sie braucht das nicht (sagt sie), da sie das ja schon kann ... Bei uns bekommen die Kinder "Extra"-Aufgaben, z.B. Liesmal-Hefte selbstständig bearbeiten oder auch mal Anton auf dem Tablet machen. Manche Kinder machen so schon den Stoff der 2. Klasse und gehen dann im nächsten Schuljahr direkt in die 3. Klasse.
Ja, vom Klassenlehrer kam eben die Idee mit dem leise lesen. Eine andere hatte er auch nicht. Er hat aber auch einen Vorschlag auf ein Treffen meinerseits abgelehnt, und auf den Elternabend Mitte Dezember verschoben. Malen ist leider vom Kind eine sehr unbeliebte Beschäftigung. Die Lies mal Hefte wären vielleicht eine Idee, das behalte ich mir im Kopf für das Gespräch. Danke.
Leise lesen finde ich in dem Alter grundsätzlich schwierig bzw. es kommt darauf an, wie gut er schon lesen kann und was er liest. Ein Kind muss eine bestimmte Lesefähigkeit/Lesegeschwindigkeit haben, um leise sinnerfassend zu lesen. Wenn er die nicht hat, macht es keinen Spaß und ist mühsam - also es ist eher eine Strafe dann. :-) Liesmal z.B. ist ja so aufgebaut, dass diese leise bearbeitet werden können und der Schwierigkeitsgrad nach und nach steigt. Ein Kinderbuch ist möglicherweise (noch) zu schwer, um es leise zu lesen. Da könnt ihr mal schauen, ob man das Lesefutter noch optimieren könnt. Hier gibt es Rätselhefte, z.B. Lupe ermittelt ... Vielleicht wäre das was? Wir selber haben diese nicht ausprobiert, da unsere Tochter je nach Aufgabe eher laaaangsam arbeitet und träumt. ;-) Vielleicht sind solche Hefte auch in den gängigen Buchhandlungen vorrätig oder können zur Ansicht bestellt werden, gibt bestimmt mehrere verschiedene Hefte.
Ich glaube auch, da müsst ihr euch in Ruhe mit dem Lehrer zusammensetzen, mögliche Lösungen überlegen, und dann ausprobieren. Und ganz wichtig, im Austausch bleiben, ob die getroffenen Maßnahmen helfen. Also zum Beispiel alle 2 Wochen eine kurze Nachfrage, wie es gerade läuft. Bei uns haben die Kinder, die bei Stillarbeiten schneller fertig sind, Extra-Arbeitshefte zur Verfügung. Die gibt es entweder mit herausfordernden Aufgaben, oder mit "schönen" Aufgaben, zum Beispiel Ausmalbilder mit Rechenaufgaben. Außerdem gibt es "Helfer-Schilder". Diese dürfen sich die Kinder nehmen, die schon fertig sind und dann kann ein anderes Kind, das nicht weiter kommt, sie um Unterstützung bitten. Wenn es mit lesen nicht klappt, wäre vielleicht Malen etwas für deinen Sohn? Entweder Ausmalen, oder freies Zeichnen. Oder Bewegungsangebote, die nicht stören, wie Knetball, Gummiband am Stuhl, Sitzkissen... Wenn du befürchtest, dass der Lehrer aufgrund der fehlenden Erfahrung überfordert ist: Vielleicht kannst du anregen, das noch jemand bei dem Gespräch dabei ist. Das könnte die Schulsozialarbeiterin sein, eine andere (Fach-)Lehrkraft, die die Klasse auch kennt, oder die Schulleitung. Die fehlende Erfahrung solltest du dann natürlich nicht direkt dem Lehrer vorwerfen, sondern es eher in die Richtung begründen, dass du es begrüßen würdest, wenn das Thema ganzheitlich angegangen wird. Generell würde ich auch nochmal mit deinem Sohn sprechen, dass nicht alle Kinder auf dem gleichen Stand sind, und er darauf Rücksicht nehmen muss. Während der Lehrer ein neues Thema der Klasse vorstellt, muss er natürlich trotzdem zuhören, da ihm sonst etwas entgeht. Es kommt ja auch nicht nur auf den Stoff an, sondern dass man die Vorgaben des Lehrers umsetzen kann. Dadurch, dass die Vorfreude so groß war, ist es verständlich, dass sich bei deinem Sohn jetzt die Enttäuschung breit macht. Da solltet sowohl ihr als Eltern als auch er eine realistische Erwartungshaltung haben. Schule ist nun mal auch Pflicht, und wenn er eine schnellere Auffassungsgabe hat, muss er sich damit arrangieren, dass das Tempo für ihn "zu langsam" ist. Ich denke, das Thema wird ihn schon die nächsten Jahre begleiten, denn wenn ihm das 1x1 und das Lesen so leicht gefallen sind, wird er einfach kognitiv zu den fitteren gehören. Ansonsten würde ich auf jeden Fall schauen, dass du deinem Sohn neben der Schule viel Input gibst: Neue Sportart, Musikinstrument, vhs-Kurse... Bei uns gibt es auch spezielle Kurse für Hochbegabte, die außerhalb der Schulzeit stattfinden.
Das mit den Helfer Schildern finde ich auch eine ganz schöne Idee, das gibt es hier leider nicht. Es ist eine kleine Grundschule, es gibt nur eine 1. Klasse und außer Sport haben die Kinder GU bei eben diesem Lehrer nur. Ob es einen Schulsozialarbeiter gibt, weiß ich gar nicht, da müsste ich mich schlau machen. Dann wäre das natürlich auch eine Option. Mein Kind kann schon Rücksicht nehmen, allerdings wahrscheinlich an machen Tagen mehr als an anderen und die sind dann das Problem. Ich hätte mir einfach erhofft, dass da von der Schule mehr input kommt, wie das Kind (und wir) damit umgehen können. Im Endeffekt denke ich, dass man in jeder ersten Klasse Kinder hat, die quasi fließend lesen und schreiben können und das Gegenteil, dass außer dem eigenen Namen nichts geht. Das wäre ja Aufgabe der Lehrer die Kids da abzuholen, wo sie stehen. Vielleicht waren wir da zu blauäugig. Sport macht es sehr viel nachmittags, Instrument war eigentlich erst für in 1 oder 2 Jahren gedacht.
Hallo! Aus meiner Erfahrung jetzt heraus würde ich immer dazu tendieren, frühzeitig eine Begabungsdiagnostik durchzuführen. Erstens, man hat was in der Hand und zweitens, die Therapeuten und KJP kennen sich halt in der Bereich halt einfach bestens aus, eine vergleichbare Expertise wirst du bei einem Lehrer kaum finden. Sie haben einfach einen anderen Blick und mit Klasse überspringen oder schwerere Aufgaben alleine ist es häufig nicht getan. Nach der Diagnostik gibt es ja die Elternberatung mit konkreten Vorschlägen (auch für die Schule). Wir haben uns bei unserer Tochter gegen eine Diagnostik vor der Einschulung entschiedenen, mittlerweile machen wir es jetzt, weil einfach Auffälligkeiten aufgetreten sind, allerdings andere als bei euch. Der kleine Bruder kommt nächstes Jahr in die Schule, auch hier überlegen wir, die Begabungsdiagnostik durchführen zu lassen und diesmal deutlich früher.
Meine Tochter hat dann mit 5 Jahren im letzten KITA-Jahr in der Musikalischen Früherziehung Noten gelernt und in der 1. Klasse mit Gitarre angefangen. Da muss sie dann auch ein bisschen was üben. :-) Ansonsten lesen, lesen, lesen .... es gibt ja so schöne (Sach-)Bücher für Kinder.
Mein Kind war im Kindergarten nie besonders auffällig, bzw. wurde uns nur mitgeteilt, dass es alles gut mitmacht und diese "Tests" für die Entwicklungsgespräche gar keine Probleme darstellen. Angemerkt wurde nur immer das außergewöhnliche Verständnis für Zahlen (da war es 3-4 Jahre alt). Um so eine Diagnostik zu starten braucht man wahrscheinlich mehr "Gründe" oder Empfehlungen vom Lehrer, Kita oder so nehme ich an? Ich kenne ein Hochbegabtes Kind, das bereits mit 3 lesen, schreiben und rechnen. Spielt mega gut Klavier, Gitarre, das typische für Hochbegabte Kinder irgendwie. So sehe ich mein Kind nicht. Es spielt auch gerne mit anderen usw. Zu Weihnachten habe ich schon ein paar Sachbücher über Weltraum, Sport usw. ausgesucht, ich denke das wird gut ankommen.
Wenn dein Kind gerne liest, würde ich regelmäßige Besuche in der Bücherei empfehlen. Was wir da schon ausgeliehen haben, würde bei uns nicht in die Bücherregale passen 🙈 Ob eine Schule bzw. eine Lehrkraft gut auf die kognitiv fitten Kinder eingestellt ist, ist sehr individuell. Da muss schon die Lehrkraft engagiert sein, und auch freie Ressourcen haben. Denn Prio 1 sind erstmal die schwächeren Kinder, damit diese nicht komplett abgehängt werden. Die fitten Kinder laufen oft Gefahr, "hinten runter zu fallen". Gerade, wenn die Lehrkraft sowieso schon am Limit ist, weil z.B. die Klasse sehr groß ist, ein paar schwierige Kinder drin sind, oder wie bei eurem Lehrer vielleicht noch die Routine fehlt. So läuft es zumindest meistens, was ich so aus dem Umfeld mitbekomme. Dass der Lehrer auf den Elternabend verweist, finde ich seltsam. Zumindest bei uns gibt es an den Elternabenden keine Gelegenheit für ein persönliches Gespräch. Interessant wäre, ob dein Sohn aktuell wieder/immer noch den Unterricht stört. Oder ob er nur unzufrieden ist. Letzteres kann man erstmal beobachten und ihm Gelegenheit geben, sich an das System Schule (was auch immer ganz individuell an der Lehrkraft hängt) zu gewöhnen. Nach meinem Eindruck braucht es teils das ganze erste Schuljahr, bis die Kinder so richtig "drin" sind. Wenn es dagegen aktuell oft Probleme im Unterricht gibt, würde ich aktiver vorgehen. Evtl. im Sekretariat nachfragen, ob es bei euch Schulsozialarbeit oder andere Beratungsangebote in die Richtung gibt. Vielleicht bekommt ihr so neue Ansätze, wie ihr mit der aktuellen Unzufriedenheit deines Sohnes umgehen könnt. Und dann hättet ihr ein paar konkrete Vorschläge für den Lehrer.
Hallo, ich würde hier nicht zu viel hinein interpretieren. Ich bin selbst Lehrerin, und dein Sohn klingt für mich einfach wie ein ganz normales Kind, das sich noch etwas schwer tut damit, in der Schule längere Zeit ruhig zu bleiben und zu sitzen. Das geht sehr vielen Erstklässlern so, und hier vor allem Jungs. Sie sind tendenziell motorisch unruhiger als Mädchen und der Schulstart fällt ihnen daher (nach der ersten Euphorie) oft besonders schwer. Weißt du, wir Eltern wecken ja im Vorfeld bei den Kindern oft auch etwas unrealistische Erwartungen an die Schule. Wir erzählen dem Kind in begeistertem Ton, wie großartig es sein wird, bald ein Schulkind zu sein, und feiern den Schuleintritt, als sei er das Tollste, was es gibt. Das ist gut gemeint. Aber nach einigen Wochen holt der Alltag das Kind ein. Und auf einmal dämmert ihm: Sooo großartig ist es gar nicht, jeden Morgen in die Schule zu müssen, dort stundenlang sitzen zu müssen, nicht reden oder beliebig herumlaufen zu dürfen. Und es macht auch gar nicht ununterbrochen Spaß, Aufgaben zu lösen und daheim noch Hausaufgaben zu machen. Die dürre Wahrheit ist: Schule ist natürlich auch Pflicht. Oft muss man Aufgaben lösen, obwohl man vielleicht gerade gar keine Lust dazu hat. Erstklässler sind natürlich vom Kindergarten her noch das völlig freie Spiel mit Toben, Herumlaufen, Reden, Rufen usw. gewöhnt. All das geht plötzlich nicht mehr, und das führt nach einigen Wochen zu einer starken Ernüchterung. Was das Lernniveau angeht: Es ist normal, dass einige Kinder weiter sind als andere, vor allem im ersten Schuljahr. Aber auch später ist das noch so, in jeder Klasse gibt es die schnelle Truppe, die ihre Aufgaben immer schon fertig hat, während die anderen noch mittendrin stecken. Als Lehrerin fange ich das auf, indem ich die Schnellen natürlich beschäftige mit freien Lernmaterialien, z.B. Projektheften, in denen sie eigenständig und beliebig weiter arbeiten dürfen (sozusagen Bonusaufgaben). Kinder sind nicht gleich. Dass ein Kind im ersten Schuljahr schneller oder weiter ist als die anderen, bleibt aber oft nicht so, sondern es kann sich auch nivellieren. Der Anfang ist nicht sehr aussagekräftig. Mein Rat wäre: gelassen bleiben! Es ist völlig normal, dass Kinder keine Lust auf Schule haben, nachdem die unvermeidliche Ernüchterung eingetreten ist. Ich würde auch nicht übertrieben darauf eingehen oder deinen Sohn löchern, wieso das jetzt so ist. Sondern ich würde es eher beiläufig handhaben und gar nicht sehr darauf eingehen. Du kannst ihm morgens einmal erklären: "Zur Schule gehen ist ein bisschen so, wie zur Arbeit gehen. Mama und Papa gehen morgens ins Büro, und du gehst in die Schule. Das ist dein Job." Kinder verstehen das meist ganz gut. Dabei darf man es auch bewenden lassen. Denn je mehr man mit dem Kind über die Schule diskutiert, desto mehr Gewicht bekommt die Unlust. Deshalb ist es besser, hier Selbstverständlichkeit zu vermitteln das Ganze nicht zu breit zu reden. Dein Sohn wird bald in der Schule ankommen, du wirst sehen. Alle Kinder schaffen diesen Schritt, die einen früher, die anderen ein bisschen später – und beides ist normal und sagt auch rein gar nichts über den weiteren Weg des Kindes aus. Spätestens im zweiten Schuljahr wissen Kinder, wie Schule funktioniert und haben sich daran gewöhnt. Oft geht es aber auch schneller. Was das Stören angeht, muss man klar sagen: Es ist die Aufgabe der Lehrerin, das mit deinem Sohn zusammen in den Griff zu bekommen. Denn SIE ist es, die im Unterricht anwesend ist, nicht du. Du kannst deinen Sohn nicht von zuhause aus fernsteuern, Ermahnungen daheim sind in der Klasse sofort vergessen und fürs Kind nicht abrufbar, dafür ist es viel zu abgelenkt. Ich würde also auch gegenüber der Lehrerin gelassen bleiben. Frage sie z.B. freundlich: "Ich verstehe, dass das ärgerlich ist. Was werden Sie tun, um meinem Sohn zu helfen, damit er das in den Griff bekommt?" So spielt man den Ball ein wenig an die zurück, die zuständig ist: nämlich die Pädagogin. Ich selbst heule Eltern möglichst nie die Ohren voll, dass ihr Erstklässler noch stört, weil ich das als meine Aufgabe ansehe. Die Eltern können ja schlecht in meinen Unterricht eilen, um ihr Kind zur Ruhe zu bringen. (Einzige Ausnahme sind deutlich verhaltensauffällige Kinder, aber dazu gehört dein Sohn nicht.) LG
Die Kinder, bei denen sich der Vorsprung verwächst, sind meistens die, mit denen vor der Schule z.B. von den Eltern vorgearbeitet wurde. Die wirklich fitten Kinder lernen einfach schneller. Da nutzt es nichts, wenn die vor der Schule keinen Schulstoff beherrschten, und für die passt es frühestens am Gymnasium. Für unsere Tochter ging es auch am Gymnasium zu langsam bzw. es war zu oberflächlich. Aber sie hat glücklicherweise eine Menge Frustrationstoleranz... Hochbegabte/überdurchschnittlich begabte Kinder müssen nicht durch filmreife Leistungen im jungen Alter beeindrucken. Die meisten dieser Kinder lernen Dinge einfach nur schneller als das Durchschnittskind, was schon vollkommen ausreicht, um in einer normalen Grundschulklasse ziemlich unterfordert zu sein. In jeder Grundschulklasse sind durchschnittlich 1 oder 2 hochbegabte/überdurchschnittlich begabte Kinder. Das ist nicht super mega selten. Das Problem ist, dass in den Grundschulklassen meistens nur nach unten differenziert wird. Die langsamen Kinder werden gefördert, die besonders fitten Kinder sollen sich gefälligst friedlich vor sich hin langweilen. Man muss dabei bedenken, dass überdurchschnittlich begabte/hochbegabte Kinder ähnlich weit weg von den Durchschnittskindern sind, wie diese von lernbehinderten Kindern. Ich wette, niemand würde von einem durchschnittlich begabten Kinder erwarten, sich brav an das Tempo von lernbehinderten Kindern anzupassen... Nach meiner Erfahrung brauchen solche Kinder mehr anspruchsvollen Input und zwar nicht (nur) nachmittags privat, sondern in der Schule. Keine 5 Wiederholungen wie die anderen, wenn das Kind es beim 2. mal kapiert hat, sondern dann anspruchsvollere Aufgaben. Das heißt nicht unbedingt, dass das Kind im Stoff vorgreifen muss. Das kann auch etwas links oder rechts des Stoffs sein. Unser Sohn wollte in der 2. Klasse die Schule kündigen, weil er meinte, er würde da eh nichts lernen. Die Lehrerin hat sich geweigert, ihn zu fordern. Er musste dann eine Klasse überspringen, weil er den Frust in seiner Klasse durch das langsame Tempo nicht ausgehalten und ständig gestört und gebockt hat. (Er hat ADHS. Das spielte sicherlich ebenfalls eine Rolle.) In der Klasse darüber gab es dann überhaupt keine Probleme mehr mit der Disziplin. Wir hätten niemals geglaubt, dass unser Sohn knapp unterhalb der Hochbegabung liegen könnte. Unsere Tochter, ja, aber bei ihm blitzt(e) das immer nur bei bestimmten Themen auf.
Guter Beitrag, genau so ist es. Was man bei den musisch begabten Kindern auch bedenken muss, dass sie auch einen riesigen Ehrgeiz oder Interesse haben, zu üben. Da werden locker mal 1-2 Stunden pro Tag geübt. Ich hab während meiner Geigenkarriere in Schnitt 1-2 Stunden pro Woche geübt. :-) Musisch hochbegabten Kinder lernen schneller, aber sind in der Regel eben auch fleißig. (Hoch)begabte Kinder, die breit gefächerte Interessen haben, fallen da schon wesentlich weniger auf.
Vielen lieben Dank für eure Einschätzungen 😊 Ich gebe zu, dass ich mein Kind nie als überdurchschnittlich gesehen habe, da das hochbegabte Kind, welches ich kenne, natürlich überhaupt nicht vergleichbar ist. Wie es sich weiter entwickeln wird, wissen wir ja nicht. Vielen Dank auch für die Anmerkung, mit der Anpassung der durchschnittlichen kinder an lernbehinderte, den Gedanken finde ich ganz interessant und wirklich schlüssig. Wir hatten nun gestern doch ein relativ ausführliches Gespräch mit dem Lehrer und da einen ganz guten Plan gemacht. So hoffe ich zumindest. Mein Kind soll nun (wenn es sich nicht nur um ein paar wenige Minuten handelt) wählen dürfen, ob es Rätsel machen möchte, oder schwierigere Aufgaben, oder vielleicht einem Mitschüler helfen kann. So sieht es die extra Aufgaben nicht als Bestrafung, da es ja die Möglichkeit zu wählen hat. Ob der Plan so aufgeht, werden wir sehen. Es gab nie eine Diskussion darüber, ob es zur Schule geht oder nicht, es äußert aber eben die Unlust und begründet dies. Das ist für mich völlig okay und ich versuche natürlich zu helfen.