Kuhmilcheiweißallergie

Interview mit Dr. med. Susanne Reibel
Fachärztin für Kinderheilkunde

Was ist eine Kuhmilcheiweißallergie und wie erkennt man sie? Was ist der Unter­schied zur Laktose­unverträg­lich­keit und worauf müssen Eltern von Kindern mit Kuhmilch­eiweiß­allergie achten? Wir haben mit Dr. med. Susanne Reibel über dieses Thema gesprochen.

  Dr. med. Susanne Reibel - Kinderärztin

Frau Dr. Reibel leitete in der Universitätsklinik Charité in Berlin lange Jahre die Ambulanz der pneumologischen und allergologischen Abteilung und ist spezialisiert auf Nahrungs­mittel­allergien. Sie ist heute niedergelassene Kinderärztin in Berlin und darüber hinaus langjährige Expertin bei Rund-ums-Baby.de im Expertenforum "Allergien und Allergieprävention".

Redaktion:

Wie kommt es bei Kindern zu einer Kuhmilcheiweißallergie?

Dr. med. Susanne Reibel:

In den letzten Jahrzehnten haben Nahrungsmittelallergien (Hühnereiweiß, Kuhmilch, Erdnuss) bei Kleinkindern sehr stark zugenommen. Gerade im Säuglingsalter wird die Kuhmilcheiweißallergie mit bis zu 3% angegeben. Das Risiko für eine allergische Erkrankung liegt bei 20-40% wenn ein Elternteil allergisch ist. Dies kann sich auf 60-80% erhöhen, wenn beide Eltern an derselben allergischen Erkrankung leiden.

Redaktion:

Gibt es Warnzeichen oder typische Symptome, die bei Babys auf eine Kuhmilch­eiweiß­allergie hindeuten können?

Dr. med. Susanne Reibel:

Typische Symptome, die auf eine Kuhmilch­eiweißallergie (schon in den ersten Lebens­monaten möglich) hinweisen, können sich an verschiedenen Organbereichen zeigen. Häufig ist der Magen-Darm-Bereich betroffen. Es können Erbrechen, Aufstoßen, Blähungen, Bauchschmerzen bis zu Koliken sich steigernd, Durchfälle (zum Teil mit Blutbeimengung) oder Verstopfung auftreten. Mangelnde Gewichts­zunahme kann die Folge sein. Im Hautbereich kann sich ein nessel­sucht­artiger Ausschlag zeigen und/oder Juckreiz.

Bei Säuglingen, die unter einer atopischen Dermatitis leiden, können sich die ekzematösen Hautbereiche extrem verschlechtern. Schwellungen im Augen- und Lippenbereich können auftreten. Im Atembereich können Schnupfen oder keuchende Atmung Probleme bereiten. In sehr seltenen Fällen können lebensbedrohliche Symptome das Warnzeichen sein.

Redaktion:

Eine Kuhmilcheiweißallergie ist ja nicht das Gleiche wie eine Laktose­unverträg­lich­keit. Wo liegen konkret die Unterschiede?

Dr. med. Susanne Reibel:

Die Kuhmilcheiweißallergie ist eine allergische Erkrankung des Immunsystems. Deshalb können meist kuhmilchspezifische IgE-Antikörper im Blut durch einen Allergietest (Blut) später (Pricktest) nachgewiesen werden. Eine Nahrungs­mittel­über­empfind­lichkeit (Intoleranz) ist die Laktoseunverträglichkeit. Die Laktoseaufspaltung im Darm ist verändert. Die Beschwerden können ähnlich wie der Kuhmilch­eiweiß­allergie z.B. Blähungen und Durchfälle sein, treten aber deutlich später (erst ab dem 3. Lebensjahr) auf. Sie tritt sehr viel häufiger als eine Allergie auf.

Redaktion:

Wie soll ein Baby mit Kuhmilcheiweißallergie nach der Stillzeit ernährt werden?

Dr. med. Susanne Reibel:

Ein Säugling mit einer Kuhmilcheiweißallergie kann gestillt werden, allerdings unter der Voraussetzung, dass sich die Mutter streng kuhmilchfrei ernährt. Nach der Stillzeit sollten hypoallergene Säuglingsmilchen verabreicht werden. Dies sind Spezialnahrungen mit stark aufgespaltenen Kuhmilcheiweißen oder Amino­säure­mischungen. Diese sind speziell entwickelt worden, um einen optimalen Ersatz für die Kuhmilch zu garantieren. Sie sind angereichert mit Proteinen und Mikronährstoffen (Zink, Vitamin D, Kalzium).

Redaktion:

Was müssen Eltern von Kleinkindern mit Kuhmilcheiweißallergie beachten?

Dr. med. Susanne Reibel:

Bei Kindern mit Kuhmilcheiweißallergie muss auf ausreichende Energiezufuhr geachtet werden, damit das Wachstum richtig verläuft und somit keine Gedeih­störung auftritt. Ebenso sollte der Kalzium, Zink und Vitamin D Haushalt beobachtet werden. Genau dafür bieten die o.g. hydrolisierten Säuglingsmilchen Sicherheit.

Redaktion:

Bedeutet das nun automatisch, dass so ein Kind auch später niemals Kuhmilch vertragen wird?

Dr. med. Susanne Reibel:

Die Prognose für die Kuhmilcheiweißallergie ist gut! Bereits über 50% verlieren die Beschwerden durch Kuhmilchallergie bis zum 1. Lebensjahr, über 85% bis zum 3. Lebensjahr. Bis zur Einschulung sind fast alle Kinder mit Kuhmilcheiweißallergie beschwerdefrei beim Verzehr der Kuhmilch.

Frau Dr. Reibel, vielen Dank für das Gespräch.

Zuletzt überarbeitet: April 2019

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