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Nucki oder Daumen

"Nucki" oder Daumen?

Kleine Leinwandläppchen, gefüllt mit einer Mischung aus zerkautem Zucker, Zwieback oder Wasser, so sahen vor 200 Jahren die Vorfahren des so heiß geliebten Schnullers aus. Kein Wunder, dass sie den Babys das Leben versüßten, oder - durch Zusatz von Mohn oder Bier - auch zu tiefem Schlaf verhalfen. Kein Wunder aber auch, dass Karies die Zähne oft schon im ersten Lebensjahr zerstörte.
 

Um 1840 revolutionierte der "Wonnesauger" die Geschichte des Nuckels: Er bestand aus schwarzem Kautschuk und war zwar hart, aber nicht spröde. Nur war der Preis für die Befriedigung des Saugtriebes häufig deformierte Gaumen, die zur Grundlage von Gebissfehlstellungen, kosmetischen Problemen, Sprachstörungen und sogar von Krankheiten des Verdauungstraktes werden konnten. So entwickelten die beiden Zahnärzte Dr. med. dent. Adolf Müller und Dr. med. univ. Dr. med. dent. Wilhelm Balters einen möglichst natürlichen, kiefergerechten und der mütterlichen Brustwarze nachempfundenen Schnuller. Der erste "Nucki" war geboren.

Babys erlernen das Saugen nicht erst, wenn sie auf der Welt sind. Beim Feinultraschall oder Screening sieht man die Föten schon Wochen vor der Geburt an ihren Fingern nuckeln - oft so heftig, dass Saugblasen entstehen. Der Finger im Mund bringt nicht nur Übung für das spätere Stillen, er verhilft auch zur Beruhigung, zum Stressabbau und nicht zuletzt zur Unterhaltung.
Ein Säugling unterscheidet in seinen Saugbewegungen klar zwischen Nahrungsaufnahme und "Seelenkosmetik": Nuckeln bedeutet Lustgewinn in verschiedener Hinsicht; schließlich ist der Mund anfangs das fast einzige Organ, das vom Kind willkürlich bewegt werden kann.

Nicht oder nur teilweise gestillte Kinder haben ein stärkeres Bedürfnis, den Saugtrieb außerhalb der Mahlzeiten zu befriedigen als Brustkinder. Der Grund liegt darin, dass sie von der Flasche schneller satt werden und nicht genug Zeit zum Nuckeln haben.

Aus welchem Grund manche Kinder ausschließlich ihrem Daumen treu bleiben, andere bald den Schnuller zu ihrem besten Freund machen, wissen nur sie selbst. Vorbehalte einiger Zahnärzte und Kieferorthopäden, der Nucki würde immer noch Fehlstellungen begünstigen, haben sich in den meisten Fällen als weitgehend unbegründet erwiesen. Im Gegenteil: In den ersten etwa 18 Monaten ist es nahezu unerheblich, wie oft und woran das Kind seinen Saugtrieb ausleben möchte. Danach aber liegen die Nachteile des Daumens auf der Hand. Er wächst mit, normalerweise verhältnismäßig schneller als der Kiefer, so dass die Zahnstellung begeisterter Nuckler beeinflusst werden kann. Und: Der Daumen ist angewachsen, der Schnuller nicht.

Und wie finden sich Eltern im Nuckidickicht zurecht? Welcher spendet Babys Trost und schadet nicht?

Grundsätzlich besteht die Wahl zwischen Silikon- und Kautschuksaugern. Erstere sind durchsichtig, klar wie Glas und aus sehr dichtem Material. Schadstoffbelastung wird so gut wie nie nachgewiesen, allerdings haben so manch scharfe Milchzähne schon Löcher hineinbeißen oder gar kleine Stückchen absäbeln können.

Kautschuk sollte vor Gebrauch mindestens einmal gründlich ausgekocht oder vaporisiert werden, er enthält manchmal Schadstoffe. Die Schnuller sind honigfarben und durchscheinend. Egal ob Silikon oder Kautschuk, sobald sich eine Trübung oder ein Belag zeigt, muss auch der geliebteste Nucki in den Müll wandern.

Die meisten Firmen bieten Nuckel in verschiedenen Größen an, passend für Neugeborene ebenso wie für "große" Kleinkinder. Spezialschnuller haben ein Depot für Inhalationsstoffe oder Medikamente - aber ihr Gebrauch sollte mit dem Kinderarzt abgeklärt werden. Andere Schnuller zeigen die Temperatur des Kindes an, doch das Thermometer ist nicht sehr genau; wenn damit Fieber festgestellt wird, ist es besser, seine genaue Höhe noch einmal rektal zu überprüfen.

Welcher Nuckel auch immer - er muss immer sauber sein und darf nie in Süßstoffe getaucht werden! Und er darf nie um den Hals des Kindes gehängt werden, die Strangulierungsgefahr wäre zu hoch. Spezielle Schnullerkettchen schützen vor Verlust und Verletzung und sehen außerdem witzig aus.

Nucki und Daumen sind also durchaus gesunde Trostspender. Aber was ist mit der Nuckelflasche? Ihr Dauergebrauch schadet nachgewiesenermaßen dem Kiefer und den Zähnen - insbesondere dann, wenn sie mit gesüßten Getränken gefüllt ist. Viele Ärzte empfehlen daher, Säuglinge die Flasche nicht selbst halten zu lassen und Kleinkindern die Getränke möglichst aus der Tasse zu geben.

Und was, wenn die Schnullerzeit zu Ende geht? Der Abschied erfolgt meistens im dritten Lebensjahr und erweist sich oft als weniger schmerzhaft als befürchtet. Viele Familien inszenieren eine kleine Geschichte: Vielleicht wird der Nucki beim Weihnachtsmann oder beim Osterhasen gegen Geschenke getauscht, oder das Christkind erhält ihn, damit es in seiner Krippe auch ein Spielzeug hat. Vielleicht steht jemandem in der Verwandt- oder Bekanntschaft Nachwuchs mit Nuckelbedarf ins Haus. Und vielleicht gehört Ihr Kind ja zu denen, die von selber beschließen, doch schon viel zu groß für den Schnuller geworden zu sein.
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Nucki oder Daumen?
Fragen zu diesem Thema:
  
*Frage an Hebamme Martina Höfel
Schnuller oder Daumen?
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Muss der Schnuller sein?
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Daumenlutscher, was tun?
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