Ernährungsberaterin Birgit Neumann

Kochen für Babys und Kinder

Ernährungsberaterin Birgit Neumann

   

 

Darf mein Sohn so selektiv essen?

Liebe Frau Neumann,

ich habe mir Ihre Antwort zu ähnlichen Fragen durchgelesen, aber möchte gern noch nachhaken.
Mein Sohn wird im April 4 und isst sehr selektiv. Das war nicht immer so, aber da es bei seiner kleinen Schwester jetzt auch langsam so ähnlich wird, möchte b ich gerne wissen ob wie was ändern sollten.
Wir kochen meist abends, manchmal gemeinsam. Da mein Mann und ich Vegetarier sind, gibt es nur selten Fleisch für die Kinder, aber etwa einmal die Woche Fisch. Im Kindergarten gibt es öfter Fleisch für meinen Sohn.
Wir kochen also viel Gemüse, VK- Nudeln, Reis, Kartoffeln... Und etwa 2-3mal/Woche Linsen- oder Erbseneintopf, den mein Sohn gern isst und in dem ich alles an Gemüse "verstecke", was er so essen sollte.
Ich bitte ihn immer Dinge zu probieren, aber er lässt sich selten überreden und ich möchte ihn auch nicht zu sehr drängen, weil ich keinen Machtkampf aus dem Essen machen will. Ich möchte aber auch nicht jeden Tag eine extra Portion für ihn kochen, weil er ja sehen soll dass man auch Brokkoli usw essen kann...
Aber er isst dann oft nur Nudeln oder Reis ohne alles und wenn er garnichts mag, isst er Müsli.
Er ist sehr sensibel und ich glaube auch, dass es manchmal die Konsistenz ist, die ihn stört. Darf er denn mehrmals die Woche einfach Nudeln essen bzw. zwei Mal am Tag Müsli?
Ich möchte das Thema nicht zu wichtig machen, weil das immer schief geht bei ihm, aber ich möchte natürlich dass er gesund bleibt und offener gegenüber neuen Sachen wird.
Haben Sie vielleicht Tipps für uns, die nicht zu "invasiv" sind..?

von Franz_mama am 08.01.2019, 21:03 Uhr

 

Antwort:

Darf mein Sohn so selektiv essen?

Hallo Franz_mama
es kann schon gut sein, dass dein Sohn manchmal Probleme mit der Akzeptanz von Speisen hat, wenn ihm die Konsistenz nicht behagt oder sehr fremd ist. Ich weiß jetzt leider nicht wie viele und welche Antworten du zu diesem Thema in meinen Antworten bereits gelesen hast.
Ich versuche dir jetzt einfach kurz und knapp die wichtigsten Punkte zusammenzufassen und mit Links zu ergänzen.
Die am besten funktionierende Methode ist es, wenn du dein Kind (deine Kinder) einfach mitessen lässt. Bei der Speisenzubereitung, beim Angebot und bei der Präsentation kannst du nach Belieben variieren und eure üblichen Familienspeisen den Bedürfnissen deiner Kinder entsprechend ergänzen (auch für euch Eltern) aber nichts ersetzen. Auf diese Art lernen deine Kinder "dass gegessen wird was auf den Tisch kommt", was lnagfristig gesunde Essgewohnheiten fördert. Natürlich solltest du dich nicht an die Vorlieben deiner Kinder haften und eure Familienkost nur nach ihren Bedürfnissen ausreichten aber eine Mischvariation bei Tisch/Kompromisse sind durchaus in Ordnung.
Ein Beispiel:
Du möchtest Brokkoli als Gemüsebeilage servieren?
Wie würde der Brokkoli auf den Tisch kommen? Pur oder in Sosse? Irgendwo (in Auflauf) drin?
Du möchtest dass deine Kinder Brokkoli essen?
Eine Garantie gibt es nicht, dass sie es tun werden aber eine Möglichkeit, dass sie essen werden - die besteht.
Und zwar:
Brokkoli immer wieder in der gleichen Erkennungsform auf den Tisch bringen - nicht in der einen Woche im Auflauf, in der anderen Woche auf der Pizza und beim nächsten Mal pur oder in Sosse.
Bringe den Brokkoli jedes Mal in der gleichen Weise, mit deutlichem Wiedererkennungseffekt auf den Tisch.
Esst selbst genussvoll aber komentarlos euren Brokkoli. Immer und immer wieder. Irgendwann wird euer Sohn etwas von diesem Brokkoli auf seinem Teller platziert dulden. Er wird ihn vermutlich nicht sofort mit Begeisterung essen, wird ihn ggf mit einem lauten "bäh" vom Teller schieben. So what. Kein Kind "muss" Brokkoli essen. Es wäre nur "vorteilhaft" für deine Kinder, wenn sie mitessen würden, weil du den Brokkoli gekocht und dir Mühe gemacht hast.
Ein Kompromiss könnte sein: Koche den Brokkoli zusammen mit verschiedenen anderen Gemüsesorten (z. B. Möhren, Zucchini, Blumenkohl, etc). So kann jeder aus dem Gemüsetopf das nehmen, was er mag. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Brokkoli auch einmal probiert wird wächst dadurch enorm.
Manche Kinder mögen Gemüse tatsächlich aber viel lieber, wenn sie es nicht sehen und sie nichts an den Brokkoli den sie kennen erinnert. Der Brokkoli in der pürierten Cremesuppe ist dann keiin Brokkoli mehr für sie, sondern etwas eigenes, nämlich Suppenbrokkoli. Das ist für dein Kind etwas ganz anderes.
Und wenn Kinder über die Cremesuppe erst einmal an den Geschmack gewöhnt sind, mögen sie den echten Brokoli irgendwann (irgendwann!!) auch in seiner vollen Schönheit und Ganzheit. Entweder weil sie mutiger werden (Eintritt in die Schule) oder weil sie vernünftiger werden oder weil sie neugierig sind und sich irgendwann dran wagen, an das zarte Röschen und es vorsichtig benagen und für "essbar" empfinden.
Das kann alles sein. Trotzdem wird es immer Kinder geben, die keinen Brokkoli essen. Weil sie den Geschmack nicht mögen, weil er iihnen ggf zu bitter schmeckt oder sonstige subjektive Empfindungen so schlimm für sie sind, dass sie ihn nicht essen "können". Sicher kennst du selbst das Gefühl, dass dir etwas partout nicht schmeckt und du es partout nicht schlucken kannst oder sogar gar nicht erst in den Mund nehmen möchtest.

Kinder lernen essen aber auf jeden Fall auch nonverbal und ohne dein Zutun. Kinder lernen sogar sehr viel durch einfaches Beobachten, ganz automatisch. Brokkoli? Einfach selber essen und abwarten.

Es hilft auch, wenn ihr zusammen kocht. Oder binde dein Kind aktiv in die Essensvorbereitung mit ein, unauffällig und spielerisch, zwanglos und kreativ. Lass dir von deinem Sohn ein Brokkolimonster auf den Teller legen. Gib ihm Zuckeraugen in die Hand und ein paar Schnittlauchstängel, Petersilienbüschel u.a. Zutaten. Und los geht´s, Lass ihn spielen.
Im Foto im Anhang siehst du ein Beispiel mit Blumenkohl....
Es geht hier lediglich darum , dass dein Sohn die Nahrung sieht, fühlt, riecht, sich spielerisch annähert, Ängste abbaut und Essen zum Freund wird.

Ganz allgemein:
Alle Kinder dieser Welt haben eine Präferenz für Speisen mit den folgenden Merkmalen:
süß, fettig, weich, mild gewürzt, bunt, kohlenhydratreich, klare Formen, u.a Merkmale
Für Kinder haben Speisen mit den genannten Kriterien ein sog. gutes sensorisches Level
Beispiele: Toastbrot = weich, tendentiell süßlich. Quetschie = süß, klare Form. Nudeln = weich, kohlenhydratreich.
Alle typischen Kindergerichte stimmen mit diesen (und anderen) Eigenschaften überein.
Kurz gesagt: Kinder präferieren diese Speisen. An diese Speisen sind sie sozusagen genetisch angepasst.
Auch angepasst bzw durch die Mutter via Schwangerschaft und Stillzeit geprägt sind Kinder an den Geschmack von Speisen, die die Mutter in dieser Zeit sehr häufig konsumiert hat. Auf diese Weise werden Kinder in Geschmacksfragen meist auch kulturell vorgeprägt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Sohnr diese Speisen mag sind sehr hoch. Lass ihn darum ruhig öfter auch breiige Speise probieren, koche ggf für euch vermehrt Gemüsecremesuppen.
Kinder müssen nun stetig dazu lernen und müssen lernen auch neue, d.h. ihnen noch unbekannte Speisen kennen - und mögen zu lernen. Sie sollten lernen auch andere Aromen und Konsistenzen zu akzeptieren. Sie sollten kontinuierlich lernen neue Lebensmittel mit verschiedenen sensorischen Eigenschaften und anderen Eigenschaften als die oben genannten (die mit dem guten, perfekten sensorischen Level) zu akzeptieren. Dies lernen sie in dem sie eine neue Speise immer wieder in kleinen Probiermengen kosten und sich an den neuen Geschmack und die neuen und unbekannten Eigenschaften (fest, knackig, gummiartig, bröselig, schleimig, kantig, bizzelig etc) der Speise gewöhnen. Sie müssen durch wiederholtes Probieren lernen auch neue und ihnen noch unbekannte Speisen/Lebensmittel zu mögen. Das ist ein fortlaufender Prozess und dauert Jahre.
Und der Geschmack ist zunächst auch nur ein Kriterium zur Bewertung einer Speise. Erst wenn das Lebensmittel im Körper verdaut ist und den Körper nährt, kann das Kind (unbewusst) über Gefallen oder Nichtgefallen entscheiden. Wenn der Körper Gutes mit der verzehrten Speise erfährt, wächst der Appetit darauf, die Lust auf Wiederholung. Erst dann ist der Probierprozess der über Gefallen oder Nichtegefallen entscheiden abgeschlossen.

siehe auch hier:
in diesem Posting wird es ab etwa der Hälfte im Text interessant für dich:
https://www.rund-ums-baby.de/kochen-fuer-kinder/beitrag.htm?id=46477&suche1=wochenplan&seite=1

Weißt du wie alle Kinder Salat essen? Zum Beispiel aiuf Burgern oder in Wraps! Isst dein Kind Salat? Wenn nicht, dann macht am Wochenende eine Burgerparty mit vegetarischen Bratlingen. Lass deinen Sohn den Burger selbst belegen, inklusive Salat!

Also dann
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 09.01.2019

Antwort:

Anhang

Blumenkohlschäfchen aus BLumenkohlpüree
schau mal, was dir dein Sohn aus Gemüse zaubern kann!

siehe auch hier:
https://www.rund-ums-baby.de/forenbilder/index.htm?seite=6&forum=kochen-fuer-kinder&bild=6#start
https://www.rund-ums-baby.de/forenbilder/index.htm?seite=7&forum=kochen-fuer-kinder#start

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von Birgit Neumann am 09.01.2019

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