Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Kind jammert beim Essen

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo! Ich beobachte immer wieder, dass meine kleine (9 monate) kurz nach der anfänglichen Euphorie, nach einigen Löffeln Brei anfängt zu jammern. Wir haben Beikost mit 5 Monaten begonnen, mittlerweile bekommt sie vier Mahlzeiten am Tag. Der brei ist noch relativ weich, ich versuche immer wieder in etwas stückiger zu machen z.b. indem ich einen Apfel oder eine Birne in den drei reibe. Sie wirkt sehr oft, kann sich anscheinend mit der etwas härteren Textur nach nicht anfreunden. Außerdem fängt sie immer recht schnell an zu jammern, es hat sich so an als würde sie sich beschweren. Jedoch wenn ich ihr weitere Löffel anbiete nimmt sie diese schon noch, aber nicht mit so viel Euphorie wie am Anfang. Können Sie sich vorstellen was das bedeutet? Ist sie einfach satt? Aber warum nimmt sie dann noch weitere Löffel?

von Mom2bedec2019 am 07.09.2020, 10:12 Uhr

 

Antwort auf:

Kind jammert beim Essen

Hallo Mom2bedec2019
vielleicht möchte deine Tochter jetzt vermehrt auch schon selbständig essen. Mit 9 Monaten könnt ihr auf Familienkost umstellen bzw euren Plan stark erweitern. Familienkost, die ab dem 10. Lm Einzug im Essalltag halten kann, ist kein Ersatz für die gewohnten Breie, aber sehr wohl eine wunderbare Ergänzung. Babys zeigen ihre Begeisterung für die Familienkost meist sehr deutlich und sie fordern das Probieren, Abbeisen, Matschen, Spielen.
Biete Brot an. Schön in kleine Häppchen geschnitten, damit deine Tochter diese selbst essen kann.
Familienkost ist Erlebnis! Lass dein Kind riechen, kosten, matschen, picken, kosten, kauen, lecken, abbeissen, bei dir mitessen, u.v.m.
Wichtiges Kriterium der Familienkost ist es, dass ein Kind nun als vollwertiges Familienmitglied behandelt wird, mit eigenem Teller und Besteck. Dein Kind soll feste Nahrung, festere Nahrung selbständig greifen, befühlen und zum Mund führen.
Kann deine Tochter beide Hände zum Essen benutzen?
Richte zunächst den Essplatz deiner Tochter so her, dass sie euch Eltern beim Essen gut sehen kann. Deine Tochter muss nun auch aufrecht, stabil und sicher für die Dauer der Mahlzeit sitzen. Schau einmal, ob das Sitzen im Hochstuhl bei euch wirklich optimal ist. Ihre Füße sollten auf einer Fußleiste/Unterlage aufstehen. Bitte infomiere dich noch einmal und finde eine für deine Tochter passende Sitzgelegenheit/Sitzhaltung für die Dauer der Mahlzeiten. Sie sollte ihre beiden Hände frei bewegen können, um sich die Speisen selbständig vom Teller, mit der Hand in den Mund zu geben.
Im Prinzip könntest du nun direkt vom feiner pürierten Brei zu festerer Kost/breifrei (weiche Speisen) überleiten. Fingerfood bzw breifreie Angebote werden allmählich zum Hauptbestandteil der Mahlzeiten. Brei wird immer weiter in den Hintergrund treten - hier kommt es ganz auf dein Kind an, wie sich die Übergänge gestalten werden. Viele Babys lehnen Brei plötzlich ab und wollen nur noch selbständig und breifrei essen. Manche Babys lieben ihre Breie noch bis weit in das zweite Lebensjahr hinein.
Fingerfood und insbesondere Brot sollte möglichst trotzdem ein regelmäßiger Bestandteil im täglichen Speiseplan werden. Es fordert und fördert die Kaumuskulatur und es macht satt. Es ersetzt auch nach und nach den GOB.
Vielleicht hilft dir auch diese Info weiter:
Mit etwa 10 Lm ist die Zeit des schnellen Wachstums allmählich vorbei und die Gewichtszunahme stagniert. Und jetzt kommt die Schlussfolgerung für dich: weil ein Kind jetzt gerade nicht mehr so schnell wächst wie in den ersten Lebensmonaten zuvor und dadurch weniger Kalorien benötigt, ist auch der Appetit vermindert. Die wichtigsten Nährstoffe bekommt dein Baby weiterhin mit Milch. Empfehlenswert sind täglich etwa 400-500 ml Pre-Milch - und nach Bedarf vorübergehend auch mal mehr, für den Fall das dein Baby Säuglingsmilch bekommt. Stillen kannst/darfst du nach Bedarf.
Um den 10. Lm herum machen (alle) Babys einen großen Wachstumsschub. Dieser Wachstumsschub wirkt sich auch auf die kognitiven und die motorischen Fähigkeiten aus. Das Wachstum passiert also nicht nur körperlich. Babys wollen jetzt (vermehrt) kauen, Geschmack erleben, selber essen und haben jetzt die Fähigkeit. Diese neuen Fähigkeiten müssen und wollen sie ausprobieren und vefeinern. Das heist für euch: Üben!
Manche Babys wollen plötzlich gar keinen Brei mehr essen, wollen gar nicht mehr gefüttert werden.
Familienkost ist jetzt genau richtig! Biete deiner Tochter Vielfalt - zum eigenständigen Erleben, mit ihren Händen.
Zelebriert eure Mahlzeiten gemeinsam am Esstisch sitzend. Biete Farben, Formen, Muster, Düfte, Aromen, Geschmack, Spaß!
Biete ihr eine altersentsprechende Kost: wenig gewürzt, weich, mit den Kauleisten zerdrückbar, gut schluckbar, lecker, verschiedene Kosnsistenzen, greifbar,....
Pflege jetzt ruhig gewisse Gewohnheiten im Speisenplan und füge langsam immer mehr und Neues hinzu.
Statt einem Brei kannst du Kartoffelstückchen, Möhrenstückchen, verschiedene Gemüsestückchen anbieten. Lass deine Tochter das Essen erleben und mit allen Sinnen erfahren: durch schmecken, riechen, fühlen, sehen...

Der übliche Beikostplan für Babys ab dem 10. Lm sieht in etwa so aus:
morgens: Brot und Säuglingsmilch, ggf etwas Obst. Brot eignet sich ideal, da morgens die Bereitschaft zum Kauen hoch ist. Kauen ist wichtig für die Ausbildung einer kräftigen Kaumuskulatur.
ZMZ: Brot oder Obst
je nach dem wie lange die Zeitspanne bis zum Mittagessen ist, kann eine Zwischenmahlzeit sinnvoll sein. Hier gibt es entweder etwas Obst oder je nach dem evtl auch noch einmal etwas Brot.
Mittag:
Mittagessen entweder sehr basic in Anlehnung an die üblichen Breie oder bereits bekannte einfache Gerichte und/oder Familienkost
neu ist jetzt, dass neben dem üblichen Brei und bekanntem Fingerfood auch schon Familienkost, vermehrt stückige Nahrung und das selbständige Essen, das Erlebnis ganz besonders im Vordergrund der Mahlzeit stehen.
Nachmittag/ZMZ:
Obst (als Brei oder als Fingerfood) ggf Babykekse, erste, wenig süß schmeckende Muffins, Waffeln etc - je nach Hunger und Mittagsschlafrhythmus.
Vielen Babys reicht es aus, einfach "nur" Obst (Obst-Fngerfood) zu essen.
nachmittags ist ein Energienachschub durch Kohlenhydrate (Obst und/oder Getreide) erwünscht. Diese Mahlzeit sollte milchfrei (stillen erlaubt) sein. Milch als Bestandteil von Kuchen und Co ist ab und zu o.k.
Abends:
Brot und Säuglingsmilch (oder: Grießbrei, Haferbrei/müsli), Nudeln und Säuglingsmilch etc
die Kombination aus Getreide mit Milch fördert den guten Nachtschlaf.
dazu Obst/Gemüse
tagsüber zwischendurch bzw nach den Mahlzeiten:
Wasser, ggf Tee
Hast du noch konkrete Fragen - melde dich gerne noch einmal.
Also dann
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 08.09.2020

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