Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Fleischkonsum

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo,
vielen Dank für die Beantwortung meiner letzten Frage.

Mein Sohn mag mittags nur Fingerfood. Er wird 11 Monate. Breikost lehnt er nach wenigen Löffeln ab und er will sich auch nicht füttern lassen. Früher hat er Gläschen erhalten, mit Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei. Seitdem er das ablehnt, ist es schwierig, ihm Fleisch Nahe zu bringen. Ich gare ihm z.B. Putenfleisch und biete es ihm in kleinen Stücken an, damit er es sich selbst nehmen kann. Meist spielt er aber damit und wenn er es isst, spuckt er es meist nach kurzer Zeit wieder aus.
Nun mache ich mir Sorgen, dass er zu wenig Nährstoffe dadurch bekommt. Was gut klappt, ist, dass er abends mal eine Wiener isst. Ersetzt dies den Fleischkonsum?
Dankeschön im Voraus!

von Namid am 03.06.2016, 13:17 Uhr

 

Antwort auf:

Fleischkonsum

Hallo Namid
es ist alles richtig und gut. Dein Baby ist jetzt ein Kleinkind und der Hunger hat nachgelassen. Dies markiert den Zeitpunkt für die Familienkost.
Der Zeitpunkt für die vermehrt anzubietende Familienkost beginnt in der Regel um den 10.Lm herum. Man merkt dies meist deutlich, dass die Kleinen einen Wachstumssprung (größer und selbständiger geworden sind)hinter sich haben.
Babys wachsen in den ersten Monaten sehr schnell. Nicht nur das Längenwachstum geht rasant, sondern die gesamte Entwicklung, auch das Anlegen von "Fettreserven" zählt dazu und äußert sich in dieser Zeit durch "Hunger". Auch ist das Saugbedürfnis in dieser ersten Zeit sehr ausgeprägt.
Mit 10Lm etwa ist die Zeit des schnellen Wachstum allmählich vorbei und die Zunahme stagniert.
Da dein Kind jetzt nicht mehr so schnell wächst und dadurch weniger Kalorien benötigt, ist auch der Appetit vermindert.
Die Größen und Gewichtszunahme stagniert nun ein ganze Weile.
Der Verdauungstrakt ist auch schon besser in der Lage sich auf neue Lebensmittel einzustellen und zu verdauen. Auch das Schlucken größerer Partikel fällt den Babys leichter. Der Reifeprozess ist vorangeschritten und die Babys neugierig. Sie wollen selber essen, wollen am Familienleben teilhaben, wollen ihr Essen erkunden und freuen sich über neue Geschmackserlebnisse. Auch als Eltern freut man sich über neue Essgewohnheiten, dass die Babys selbständiger werden und man nicht mehr so aufpassen muss. Erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten.
Hier kannst du beobachten, wie dein Baby mit den Speisen umgeht, wie sie gekaut werden und geschluckt werden und nicht zuletzt in der Windel wieder ankommen :-)
Besonders gut ist Fingerfood, weil so das Essen spielerisch erlebt wird, was die Akzeptanz erhöht, Essmengen steigern kann und zusätzlich die Feinmotorik schult.
Nicht alles, was euer Baby jetzt in den Mund nimmt, wird es auch hinunterschlucken. Trotzdem erreicht ihr damit eine erste Annäherung an die Speisenvielfalt. Dafür sind dann die Basics gut, denn die sättigen :-)
Schneide Butterbrot in kleine Stückchen, die dein Kind selber essen kann. Gib ihm selbst ein Löffelchen in die Hand. Richte ein Obsttellerchen, mit ganz kleingeschnittenen Früchten. Abwechselnd esst ihr beide davon. Mach daraus ein Spiel. Biete als Grundlage eine gewöhnliche Mischkost mit 3 Hauptmahlzeiten und 2 ZMZ.
Dein Kind kann essen, ohne dass du grammgenau kontrollieren musst, Gesunde Babys essen nicht zu viel und nicht zu wenig.
Der Fokus liegt ab jetzt besonders in der Vielfalt der Speisen - bei Geschmack und neuen Eindrücken, Gemeinsamkeit bei Tisch, Esskultur., das Erleben neuer und auch einmal aussergewöhnlicher Geschmackserlebnisse.

Schneide etwa eine halbe Scheibe mit Butter/Margarine bestrichenes Mischbrot o.ä. (fein vermahlenes VK-Brot oder Kartoffelbrot oder Roggenbrot,....), vorerst noch ohne Rinde, in kleine mundgerechte Stückchen. Diese kleinen, mundgerecht portionierten Stückchen locken dein en Sohn zum Zugreifen.
Die Brotmahlzeit ist empfehlenswert, damit die Kleinsten ausreichend Gelegenheit haben, das Kauen zu trainieren. Die Kaumuskulatur muss gefordert werden, um sich gut auszubilden.
Butter/Margarine reichen als Brotbelag vorerst aus. Aber durchaus gut geeignet wären, um mehr Geschmacksvielfalt zu bieten:
Avocadomus, Frischkäse, weisses Mandelmus, Fleischbrei aus dem Gläschen, vegetarische Brotaufstriche (ggf selbst gemacht) u.v.m.
Gepökelte Wurstwaren, bzw Schinken, Salami, Rohwurst oder Rohmilchkäse sind in größeren Mengen noch nicht ganz optimal geeignet.
Den Mittagsbrei kannst du weiterhin so geben wie bisher. Dazu Familienkost, die gewürzt sein darf und Fingerfood, das am besten pur sein sollte. So klappt der Umstieg auf Familienkost meist wunderbar - indem deine Kleine eigene Esserfahrungen mit Essen machen kann.
Besonders gut eignen sich einfache Speisen wie Kartoffeln, kleine Nudeln, weiche Gemüsesorten, weiches Obst, Brot. Biete gewöhnliche Lebensmittel und Speisen an, damit sich dein Kind daran gewöhnen kann.
Familienkost solltest du am besten zusätzlich zum Brei und dem sonstigen gewohnten Essen anbieten. Denn mit dem ihm bekannten Essen kann er sich satt essen und nebenbei seine persönlichen Esserfahrungen mit neuen Speisen machen. Er kann sich damit zwanglos und in seinemTempo an neuen Aromen und Konsistenzen gewöhnen.
Macht die gemeinsamen Mahlzeiten zum Erlebnis. Farbenvielfalt, verschiedene Gerüche, die sich schon beim Kochen in der Wohnung verteilen, Kostproben direkt am Herd. All das macht Lust und Neugier auf Essen.
Du kannst deinen Sohnr ab jetzt zu noch mehr Selbständigkeit anleiten und ihn viele Dinge selber essen lassen - mit den Händen.

Grüße
B.Neumann

von Birgit Neumann am 05.06.2016

Antwort auf:

Fleischkonsum

Nachtrag: wird er überhaupt satt von dem wenigen Fingerfood? Er aß teilweise ein 190g Glas. Auf diese Menge kommen wir mittags schon lange nicht mehr. Ändert sich das irgendwann wieder oder muss ich jeden mittag zusätzlich die Brust zum stillen anbieten?

von Namid am 03.06.2016

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