Bakerzyste

Dr. med. Jan Matussek Frage an Dr. med. Jan Matussek Chefarzt für Kinderorthopädie und Kindertraumatologie am Klinikum Emil van Behring, Berlin

Sehr geehrter Herr Dr. Matussek, bei unserer fast 9jährigen Tochter haben wir Ende Mai eine hühnereigrosse Beule in der rechten Kniekehle festgestellt und haben beim Orthopäden Anfang Juni nach Untersuchung (mit Ultraschall) mitgeteilt bekommen, dass es sich wohl um eine Bakerzyste handelt bzw. Poplitealzyste. Meine Tochter lies sich das ,,Zystenwasser" mit einer Spritze absaugen und wir sollten uns nach einer Woche nochmals vorstellen. Exakt nach einer Woche war immer noch alles gut, nur noch eine kleine Beule im Ultraschall sichtbar und wir wurden mit dem Hinweis entlassen, sobald sich Zyste wieder füllen würde, sollten wir direkt MRT-Überweisung abholen, damit man die Ursache am Knie ausfindig machen kann, da ursächlich im Ultraschall nichts festzustellen war. Auch das Zystenwasser lieferte keinen Hinweis auf etwas Rheumatisches. Exakt in der Nacht nach dem Kontrollbesuch beim Arzt, füllte sich die Zyste jedoch wieder erheblich, so dass wir nun eine Überweisung und bereits den Termin beim Radiologen im Juli haben. Meine Frage bzw. Sorge ist die, dass derartige Schwellungen in seltenen Fällen auch auf ein Weichteilsarkom hindeuten können. Für mich als Mutter ist es jetzt bis zum MRT noch eine gefühlte Ewigkeit, und auch wenn die Wahrscheinlichkeit natürlich naheliegender ist, dass es eine Zyste ist, machen wir Eltern uns natürlich Sorgen. Da das ,,Zystenwasser" abgesaugt wurde: könnte man einen bösartigen Tumor auch einfach so absaugen, so dass allein dadurch schon ausgeschlossen werden kann dass etwas Bösartiges dahintersteckt? Oder hat das damit nichts zu tun, dass es abgesaugt werden kann? Wird Zystenwasser neben den rheumatischen Faktoren auch gleichzeitig auf Tumorzellen untersucht? Nachdem bei der Nachsorge beim Arzt zunächst alles in Ordnung war und die Zyste sozusagen über Nacht nachgekommen ist, habe ich mir diese Fragen beim Arzt noch nicht gestellt sonst hätte ich natürlich sofort beim Orthopäden vor Ort nachgefragt. Über eine Einschätzung Ihrerseits wäre ich dankbar! Besten Dank vorab! K.

von Kaffeebecher am 21.06.2022, 16:37



Antwort auf:

Bakerzyste

Liebe Familie, liebe Eltern, leider kommt meine Antwort jetzt etwas spät und dennoch kann ich Sie mit höchster Wahrscheinlichkeit sehr beruhigen: Das was sie beschrieben haben, und das, was auch in den von Ihnen berichteten Untersuchungen dann als Resultate herauskam, spricht weder für eine Bakerzyste ,noch für ein Weichteilsarkom. Die Baker-Zyste kommt typischerweise bei älteren Menschen im Rahmen von rheumatischen Erkrankungen oder aber von chronischen Entzündungen , meist im Kniegelenk, vor. Das kann man ja angesichts der Vorgeschichte und auch angesichts der Resultate der Punktion bei ihrem Kind ausschließen. Auch ein Weichteilsarkom ist mit höchster Wahrscheinlichkeit auszuschließen. Das Wahrscheinliche ist immer noch das Wahrscheinlichste: Es handelt sich hier höchstwahrscheinlich um eine typische kindliche harmlose Kniekehlenzyste, die ihren Ursprung an den Sehnenscheiden der dort kreuzenden kräftigen Sehnen hat. Manchmal sind diese Zysten auch Semimembranosus-Zysten oder auch Gastrocnemius- Sehnenzysten: Jeweils ausgehend von den Sehnenscheiden der entsprechenden Sehnen. Diese Diagnose kann einfach im Ultraschall gestellt werden, da sie ein ganz typisches Bild und eine ganz typische Zuordnung in der Kniekehle hat. Auch eine Kernspintomografie hätte dies darstellen können. Wie es zu der sehr sehr seltenen Verdachts- Diagnose "Weichteilsarkom" kommen konnte, ist mir unklar. Entweder haben Sie im Internet gegoogelt und damit sind sie einer der vielen "Millionen" "Orchideen- Diagnosen aufgesessen, oder aber ein Radiologe hat sie verwirrt, weil er diese Art von Zysten nicht kennt. Eine lange Phase der Verängstigung hätte man sich ersparen können, wenn der behandelnde Arzt, der die Zyste punktiert hatte, Ihnen gleich am Anfang das Wahrscheinlichste nahegelegt hätte, und nicht mit in welchen "exotischen Quatsch" gekommen wäre. Natürlich lege ich mich weit aus dem Fenster, da ich weder Ihre Tochter kenne, noch die Bilder, die sicherlich gemacht worden sind, gesehen habe. Aber als verantwortlicher Arzt muss man zunächst einmal an das Wahrscheinliche denken und dies auch dann kommunizieren. Wenn irgend ein Arzt in ein extrem seltenes Weichteilsarkom in der Kniekehle punktiert hätte, dann wäre das ein schwerer Kunstfehler gewesen. Erschrocken verbleibe ich mit Grüßen; Ihr JM     Wenn sie immer wieder kommen, werden sie operativ entfernt und kommen dann nur noch in seltenen Fällen wieder.  

von Dr. J. Matussek am 06.07.2022


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