PD. Dr. med. Lars Hellmeyer

Sollte ich auf eine natürliche Geburt verziechten?

Antwort von PD. Dr. med. Lars Hellmeyer

Frage:

Sehr geehrter Herr Dr. Hellmeyer,
Ich bin schwanger in der 34.Woche. Mein erstes Kind wurde vor 26Monaten mittels sectio entbunden. Es gab damals objektiv gesehen keinen wirklichen Grund fuer die sectio. Ich lebe im Ausland mit einer 80-90% sectio Rate in Privatkliniken. Auch meine damalige Gynaekologin hatte es geschafft mir mit (falschen) Vorhersagen ueber Disproportionen genuegend Angst zu machen um mich in eine sectio hineinzureden. Meine Tochter wurde mit 3,77kg entbunden.
Nun bin ich bei einem Gynaekologen der lange in England gearbeitet hat und einer VBAC sehr positiv gegenueber steht.
Aus persoenlichen Gruenden waere mir eine natuerliche Geburt schon wichtig (auch wenn die erste sectio absolut problemlos ablief).
Der einzige Haken ist fuer mich die Tatsache, dass es in den Privatkrankenhaeusern einen Anaesthesisten und eine zweite OP-Besatzung (falls die erste gerade beschaftigt ist) nachts nur auf Bereitschaft mit der damit verbundenen Wartezeit gibt. Es liegen wohl auch nur zwei Beutel 0/negativ fuer den Notfall bereit. Weiteres Blut muesste man erst von der stadtzentralen Blutbank anfordern.
Ich weiss natuerlich, dass eine Ruptur mit ca 0,5% eher unwahrscheinlich ist, aber Irgendjemanden muss es ja treffen. Mein Mann hat Angst vor einer VBAC und ich moechte meinen Wunsch nach einer natuerlichen Geburt nicht einfach durchkaempfen. Falls etwas passiert und das Kind fuer laengere Zeit hypoxisch waere, muesste ich mir auf ewig Vorwuerfe machen.
Wie sehen sie dies aus deutscher Sicht (mit 24h-Vollversorgung)?
Sollte ich bei einer natuerlichen Geburt auf eine PDA verzichten und auch eine Induktion ausschliessen?
Vielen Dank fuer ihre Antwort

von ulla1 am 28.02.2012, 18:17 Uhr

 

Antwort auf:

Sollte ich auf eine natürliche Geburt verziechten?

Hallo, grundsätzlich finde ich es gut, dass Sie eine Spontangeburt anstreben wollen, zumal es keine Kontraindikation zu geben scheint. Jede logistische Situation sollte kein Grund dafür sein, sich eine Operation zuzumuten. Ein gewisses Restrisiko bleibt immer. Selbst bei uns könnten wir im schlimmsten Fall nicht 3 Kaiserschnitte gleichzeitig machen, wenn das Team feststeht, aber das passiert nicht. Kein Krankenhaus kann sich ein geschädigtes Kind erlauben, das wäre bei Selbstverschulden das "Aus" jeder geburtshilflichen Klinik. Es gibt immer noch viele Geburtshäuser in Deutschland, die Frauen nach Kaiserschnitt normal entbinden und da ist weder Arzt noch OP-Team in Reichweite. Viele Kliniken in Deutschland müssen noch den Facharzt bei jeder OP von zu Hause holen, das ist nicht vorteilhaft, klappt aber eigentlich auch immer. Also, ich glaube, Sie können es wagen. Auch beim Kaiserschnitt können nämlich zahlreiche Komplikationen auftreten.
Alles Gute für die Entscheidung.

von Dr. med. Lars Hellmeyer am 29.02.2012

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