Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Vancomycin

Antwort von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Frage:

Unser Sohn wurde in SSW 30 + 2 wegen intrauteriner Wachstumsretardierung und Bradykardie im CTG am 08.08. per Notsectio geboren. Er musste nicht beatmet werden und war erstaunlich fit. Nach zwei Wochen Intensivstation wurde er auf die "normale" Frühchenstation" verlegt, wo er sich leider sofort eine Infektion zugezogen hat. Nach zehn Tagen Standardantibiose und drei Tagen Pipril bekommt er jetzt seit sechs Tagen Vancomycin 500 (22,5 mg alle 18 Stunden). Als Erreger wurden Enterokokken nachgewiesen. Da die CRP-Werte immer noch bei 1,2 liegen, wurde die Antibiose heute auf voraussichtlich vierzehn Tage verlängert, was natürlich auch das Risiko der Nebenwirkungen nochmals erhöht. Uns (Musikereltern) graut insbesondere vor einer irreversiblen Innenohrschädigung. Können Sie uns sagen, wie hoch das Risiko bei der eingesetzten Dosierung ist? Die Ärzte in der behandelnden Klinik speisen uns mit der lapidaren Bemerkung ab, das Risiko könne nicht eingegrenzt werden und wir hätten doch sowieso keine Alternative, also sei es müßig sich aufzuregen.
Da wir ohnehin mit der Klinik nicht zufrieden sind, möchten wir unser Kind spätestens Ende September/Anfang Oktober notfalls auf eigene Verantwortung nach Hause zu holen. Er nimmt gut zu, hält die Temperatur, trinkt derzeit etwa die Hälfte seiner Nahrung (Mumi) aus der Flasche selbst (bei täglicher "Leistungssteigerung"), hat allerdings immer noch leichte Sauerstoffabfälle bei heftigen Bewegungen und ein bis zwei leichtere Bradykardien pro Tag bzw. Nacht, von denen er sich mittlerweile meist ohne jede Stimulation erholt. Die Ärzte halten unsere Planung für unrealistisch und glauben, dass er vor Ende Oktober nicht entlassen wird (geplanter ET war der 15.10.). Wie sehen Sie das? Für Ihre Antwort danken wir im voraus sehr herzlich.

von Amelie am 10.09.2001, 12:08 Uhr

 

Antwort auf:

Vancomycin

Vancomycin ist im Prinzip ototoxisch (innenohrschädigend), allerdings meistens in Verbindung mit zu hoher ( 30 mg) oder zu langdauernder Dosierung ( 14 Tage), sowie in Kombination mit anderen ototoxischen Medikamenten (z.B. Gentamycin) oder bei Niereninsuffizienz.

Bei sehr widerstandsfähigen Enterokokken ist manchmal Vancomycin das Mittel der Wahl, um einer Herzklappenentzündung vorzubeugen.

Liegt noch ein zentraler Katheter?

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 10.09.2001

Antwort auf:

Vancomycin

Herzlichen Dank für Ihre prompte Antwort, Nein, ein zentraler Katheder liegt nicht. Aber mit 14 Tagen wären wir ja dann wirklich schon im kritischen Bereich, oder? Gibt es wirklich keine Alternative? Und was machen wir, wenn die Werte nach 14 Tagen immer noch nicht in Ordnung sind?

von Amelie am 10.09.2001

Antwort auf:

Vancomycin

Wenn kein Fremdmaterial liegt (Katheter, Ventil o.ä.), müßte der Erreger nach 14 Tagen verschwunden sein. Das CRP allein ist nicht ausreichend für die Antibiotikagabe.

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 12.09.2001

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