Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Stehen / Umfallen

Antwort von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Frage:

Sehr geehrter Herr Prof. Jorch!
Meine Drillinge kamen 32+1 auf die Welt, sind mittlerweile 9 Monate (korrigiert 7) alt und alle drei haben praktisch gleichzeitig vor 4 Tagen einfach so angefangen sich aufzuziehen und zu stehen. Das erscheint mir doch etwas früh, oder? Ich mache mir etwas Sorgen wegen der Wirbelsäule, denn sitzen können sie ohne Unterstützung noch nicht.
Ausserdem wollte ich gerne wissen, ab welchen Stürzen man u.U. ins Kh sollte. Henrik ist heute, da er natürlich noch nicht sicher steht natürlich auf seinen Hinterkopf (auf Parkettboden) geknallt. Er hat sofort mächtig gebrüllt und es scheint soweit alles ok. Aber ich weiss einfach nicht, wieviel so ein Kinderkopf erträgt. Jetzt mache ich mir natürlich mächtig Sorgen und leider auch Vorwürfe. Hätte ich doch zum Arzt gemusst, oder gehören solche Stürze einfach auch dazu? Sind solche noch tolerierbar?
Vielen Dank für Ihre Antworten
Anna

von Anna am 08.08.2002, 19:27 Uhr

 

Antwort auf:

Stehen / Umfallen

Kinder entwickeln sich eben sehr unterschiedlich - auch Drillingsfrühgeborene: Gratuliere!

Stürze: Sie werden vermutlich in den nächsten Jahren in Summe mindestens 30 Stürze auf den Kopf erleben. Natürlich können Sie nicht immer ins Krankenhaus gehen. In mindestens 99 % aller Fälle kommt es durch Stürze wie von Ihnen geschildert zu keinen Hirnverletzungen. Das Nervenwasser, in dem das Hirn gewissermaßen "schwimmt", polstert eine Menge ab. Außerdem ist das Hirngewebe sehr elastisch. Wenn es zu einer gefährlichen Blutung (meistens im Bereich der Hirnhäute) kommt, bemerkt man das innerhalb der ersten Stunden danach durch

- Schläfrigkeit, mangelnde Erweckbarkeit, Trägheit
- Blickabweichungen (Schielen), verzögerte Pupillenreaktion auf Licht
- Krampfanfall

Das beste, was Sie tun können, ist also, Ihr gestrütztes Kind in den ersten 6 Stunden nach dem Ereignis hinsichtlich dieser Symptome zu beobachten. Wenn es einschläft (z.B. weil ohnehin Schlafenszeit ist) müssen Sie stündlich Weckbarkeit und Pupillenreaktion prüfen. Das sind übrigens auch im Krankenhaus die entscheidenden Maßnahmen. Rö-Schädel ist nur dann angebracht, wenn Verdacht auf eine Impressionsfraktur besteht (Eindellung des Schädelknochens). Bis etwa 6 Monaten kann man Blutungen durch Ultraschall ganz gut erkennen. Ich glaube aber kaum, daß eine relevante Blutung ohne die oben genannten Symptome einhergeht.

Selten können auch chronisch, d.h. langsam sich entwickelnde Blutergüsse im Hirn vorkommen. Diese sind nicht akut bedrohlich, fallen aber ähnlich wie Hirntumoren am ehesten durch Wesenveränderung, Gangunsicherheit und Blickabweichungen /Schielen)auf.

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 12.08.2002

Antwort auf:

Stehen / Umfallen

Unser zweites Kind ist jetzt 10 Monate (korrigiert 8 1/2). Sie kann auch noch nicht frei sitzen, zieht sich aber auch überall hoch und fällt natürlich um. Oftmals auf den Hinterkopf. Ich denke, so was gehört einfach dazu und so lange hinterher nichts Auffälliges ist (wie z. B. Erbrechen oder Unwohlsein) würde ich mir keine Sorgen machen. Sollte sich der Kleine allerdings auffällig verhalten, würd ich schon lieber ins KH fahren.


Viel Spaß noch (die Stürze sind nicht die letzten). :-))

von Gala am 11.08.2002

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