Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Spätfolgen?

Antwort von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Frage:

Sehr geehrter Herr Prof. Jorch,
erst einmal vielen herzlichen Dank für Ihre wertvolle Arbeit in diesem Forum!
Kurzhintergrund:
Unsere Tochter kam mit SSW 24+5 (750g) zur Welt und ist jetzt korrigiert ca. 11 Monate alt. Sie wurde 3 1/2 Monate intensivmedizinisch behandelt und hatte einen künstl. Darmausgang für ca.3 Monate (aufgrund eines Mekoniumpropfes-keine Entzündung!) bis kurz vor der Krankenhausentlassung. Nur während der OPs und kurz in Folge wurde sie maschinell beatmet; ansonsten hing sie bis ca. zur 32.SSW am CPAP und bekam in dieser Zeit die Stimulatien Doxapram und Coffein. Sie hatte 3 schwere Sepsen und wurde mehrere Wochen (insges. ca. 45 Tage) mit verschiedenen Antibiotika behandelt (Vancomycin, Meronem, Theopyllin, u.a.). Leider mußte der Anus praeter soweit oben im Dünndarm angelegt werden, daß eine parenterale Ernährung über ca. 3 1/2 Monate (ca. 18 ZVKs und unzählige PVKs) notwendig war.
Meine Fragen:
a) Sind Ihnen Studienergebnisse zu möglichen Spätfolgen der Atemstimulation und Antibiotika bei Einsatz während der so frühen Entwicklungsphase bekannt (z.B. Einfluß auf Hirnentwicklung oder Schädigung anderer Organe?)?
b) Ist mit einer eventuellen Leberschädigung durch die lange Zeit der künstl. Ernährung während der so frühen Phase zu rechnen?
c) Heilen die durch die unzähligen PVKs und ZVKs geschädigten Venen Ihrer Erfahrung nach vollständig aus und
d) allgemein, gibt es Dinge bei möglichen späteren medizinischen Behandlungen zu berücksichtigen, die aus der früheren Intensivbehandlung resultieren?
Vorab schon einmal besten Dank für Ihre Rückmeldung!

von MariaL am 16.12.2009, 12:21 Uhr

 

Antwort auf:

Spätfolgen?

Mich freut, wenn Ihnen meine Arbeit im Forum hilft.
Zu Ihren Fragen:
a) Nein, Spätfolgen sind nicht bekannt, was nicht sicher ausschließt, dass es sie nicht gibt. Ich glaube aber, dass diese beiden Risiken eher zu vernachlässigne sind.
b) Ja bis hin zur Leberzirrhose, aber selten. Fast immer heilen die Leberschäden im Rahmen der parenteralen Ernährung aus.
c) Unterschiedlich. Narben auf dem Handrücken oder an der Stirn durch PVK´s sind nach Jahren manchmal die schwerwiegendste Spätfolge der Intensivbehandlung und Frühgeburtlichkeit. Gerade, wenn alle anderen Befürchtungen sich nicht realisiert haben, werden diese als ärgerlich empfunden. Spätfolgen nach ZVK´s hängen davon ab, ob schwerwiegende Venenthrombosen vorgekommen sind. In seltenen Fällen z.B. bei Kurzdarm, können diese sogar überlebensbestimmedn sein. Deshalb empfiehlt es sich, von Anfang an PVK´s und ZVK´s umsichtigt anzulegen.
d) Die Frage ist sehr allgemein gestellt. E gibt sicher welche. Ich kann jetzt aber keine umfassende Liste erstellen. Um meinen guten Willen zu demonstrieren, nenne ich ein Beispiel: Wenn ein Frühchen durch Langzeitintubation einen einengende Narbe der Luftröhre erlitten hat (kommt heute sehr selten vor), kann das bei späteren Intubationsnarkosen Probleme machen.

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 18.12.2009

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