Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Zu wenig Muttermilch - wie lange versuchen?

Frage: Zu wenig Muttermilch - wie lange versuchen?

Snail1

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Liebe Biggi und Kristina, meine Stillberaterin ist jetzt 3 Wochen auf Urlaub. Daher wendie ich mich an euch. Mein Sohn, 3,5 Wochen, war von Anfang an ein schlechter Trinker und ist inmer eingeschlafen beim Stillen. Zuhause habe ich dann nach 1 Woche vorwiegend Apatamil gegeben, weil er nicht zugenommen hat. Ich môchte aber wieder stillen, habe aber zu wenig Milch. Meine Stillberaterin riet mir, 7x am Tag abzupumpen, damit die Milchproduktion erhöht wird. Dazu nehme ich Boxhornkleekapseln und TCM Kräuter. Mir riet man zu 1 Woche versuchen und dann eine Entscheidung zu treffen. Allerdings ist es jetzt so, dass ich nach 15 Min pumpen (das ist die empfohlene Zeit), keine Milch mehr habe. Bis dahin bekomme ich bei beiden Brüsten ca 30-50ml. Es ändert sich also die Milchmenge nicht, auch die Zeit in der ich sie erhalte ändert sich seit 3 Tagen nicht. Meine Frage: Soll ich nach 15 Minuten weiterpumpen, auch wenn nichts mehr kommt - regt das den Milchfluss an? Oder ist davon auszugehen, dass es keine Verbesserung geben wird? Wenn weiterpumpen, wie lange noch? Eine Woche? Vielen Dank im Voraus für eure Antwort. LG Petra


Biggi Welter

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Liebe Petra, welche Pumpe verwendest Du denn? Wenn gepumpt wird, dann sollte eine möglichst effektive Pumpe verwendet werden, am besten eine vollautomatische, elektrische Kolbenpumpe mit Doppelpumpset. Zu wenig Milch ist eine medizinische Indikation für die Verordnung der Pumpe durch den Arzt (auf der Verordnung muss "mit Zubehör" stehen, sonst musst Du das Zubehör selbst zahlen). Es hat sich bewährt, nach dem Schema 7 Minuten pumpen unterbrechen zum Massieren der Brust 5 Minuten pumpen massieren der Brust 3 Minuten pumpen, vorzugehen. Eine Brustmassage kann auch dazu beitragen den Fettgehalt der abgepumpten Milch erhöhen. Die besten Erfahrungen habe ich mit vollautomatischen, elektrischen Pumpen mit Doppelpumpset gemacht. Diese Pumpen sind von den Firmen Medela und Ardo erhältlich und können auch in Apotheken und Sanitätshäusern ausgeliehen werden. Da eine Pumpe nicht die gleichen Gefühle auslöst wie ein Baby, musst Du vor allem anfangs Deinen Milchspendereflex anregen. Dazu kannst Du einige der folgenden Methoden der physischen und psychischen Stimulation einsetzen: Abpumpen in einer vertrauten und angenehmen Umgebung, vielleicht immer am gleichen Platz, im gleichen bequemen Sessel (ideal wäre ein Stuhl, der Deine Arme in einer bequemen Haltung stützt und es Dir ermöglicht den ganzen Körper zu entspannen). Störungen so gering wie möglich halten. Du solltest z.B. das Telefon aushängen, etwas entspannende Musik anschalten und alles was Du brauchen könntest bei der Hand haben. Dazu können ein Glas Wasser oder Saft, ein gesunder Imbiss oder etwas zu lesen gehören. Einhalten eines Rituals vor dem Abpumpen. Das Einhalten eines bestimmten Ablaufs vor dem Abpumpen, kann Deinen Milchspendereflex anregen und auch als psychologischer Auslöser dafür wirken. Einige der folgenden Vorschläge können eventuell auch Ihnen helfen: • Wärmeanwendungen auf den Brüsten, entweder trocken oder feucht. Dazu können feuchte, warme Kompressen oder ein Heizkissen verwendet werden, oder aber Du duschst warm. • Da Wärme entspannend wirkt, solltest Du Dir eine Decke oder eine Jacke über die Schultern legen, oder Dich in die Nähe einer Heizquelle setzen. • Sanfte Brustmassage, entweder in der Dusche oder direkt vor dem Abpumpen. Das hilft besonders dann, wenn Du angespannt bist. • Brustwarzenstimulation, durch sanftes Reiben oder Rollen der Brustwarzen. • Fünf Minuten Entspannung. Die Anwendung der Atemübungen aus der Geburtsvorbereitung oder einfach nur ruhiges Dasitzen und sich dabei etwas Angenehmes vorstellen (einen warmen Sandstrand mit Wellen, die ans Ufer plätschern, ein Gebirgsbach oder eine tropische Brise). Das Abpumpen mehrmals unterbrechen um die Brust zu massieren. Es sollte möglich sein, den Milchspendereflex mehrfach stimulieren, indem Du das Abpumpen nach etwa zehn Minuten unterbrichst, Deine Brust massierst und dann wieder pumpst. (Bei der La Leche Liga Deutschland kannst Du das Infoblatt „Die Marmet Methode" über das Handausstreichen und Massieren der Brust bestellen) Rhythmische Bewegungen beim Abpumpen um das Saugverhalten des Babys nachzuahmen. Um Deinen Milchspendereflex möglichst wirkungsvoll anzuregen, solltest Du versuchen, das Saugverhalten Deines Babys an der Brust nachzuahmen. Um die Milchproduktion richtig in Gang zu bekommen, solltest Du häufiger als fünf Mal pro Tag pumpen. Dein Babys würde anfangs mindestens acht bis zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden an Ihrer Brust trinken. Versuche etwa ebenso oft zu pumpen, wie ein Baby trinken würde, also etwa alle zwei bis drei Stunden. Ob Du nachts eine längere Pause einlegst (etwa sechs Stunden) oder nicht, musst Du ausprobieren. Manche Mütter bevorzugen eine Nachtpause, andere kommen besser zurecht, wenn sie auch in der Nacht regelmäßig weiter pumpen. Insgesamt solltest Du auf eine Pumpzeit von mindestens 100 Minuten innerhalb von 24 Stunden kommen. Es ist sinnvoller häufiger kürzer abzupumpen als seltener und länger. Iss genügend und ausgewogen (ausreichend kohlenhydrathaltige Nahrung) und trinke entsprechend Deinem Durstgefühl. Eine zu hohe Flüssigkeitsaufnahme wirkt sich nicht positiv auf die Milchmenge aus. Viel trinken macht NICHT viel Milch, im Gegenteil. Solange Du Dich nicht ausgedörrt fühlst, Dein Urin hell ist und Du keine Verstopfung bekommst, trinkst Du genug. Es gibt keinen wirklichen Beweis für die Wirksamkeit von Milchbildungstees. Wenn Du Milchbildungstee trinken willst, dann bitte nicht mehr als zwei bis drei Tassen täglich, mehr kann Bauchprobleme beim Kind verursachen. Auch sollte sich eine Kollegin vor Ort einmal die Trinktechnik des Babys ansehen. Adressen von Stillberaterinnen findest Du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). Ich hoffe, ich konnte erstmal weiterhelfen, ganz llliebe Grüße Biggi


Snail1

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Liebe Biggi, hab vielen Dank für die rasche und ausführliche Antwort! Die Tipps sind sehr hilfreich. Pumpe ist demnach i.O.,ist eine Medela Doppelpumpe aus dem Sanitätshaus. Liebe Grüße und danke noch einmal Petra


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