Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Wie lange?

Frage: Wie lange?

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Ich stille meine Kleine jetzt schon 7 Monate voll und wir haben bis jetzt noch keine Probleme gehabt. Ich bin auch sehr selbstbewußt an die Sache herangegangen und hatte einen lieben Mann der mich immer wieder bestärkt hat wenn mal wieder jemand meinte:" Wann wollt ihr denn nun endlich zufüttern". Einen Satz der ganz toll ist.... so nun mein Problem, ich war mit meine kleinen zur U6 und da meinte der Arzt ich sollte mal langsam anfangen ihr feste Nahrung zu geben, weil die MUMI ja nicht mehr so viele Mineralien und andere wichtige Stoffe enthält. Ich bin aber nicht so weit um abzustillen und meine Kleine auch nicht. Ist das ok, wenn ich weiter stille? Ich denke , die Natur hat das so eingerichtet, das ein Baby so lange trinken kann, bis es " sagt" so nun möchte ich was anderes. Ich hab manchmal auch das Gefühl, ich hab nicht genug Milch,obwohl sie nach dem Stillen nicht weint oder schlechte Laune hat.Vieleicht irre ich mich aber auch. Ist das eigentlich normal das meine Kleine nur max.5 Minuten trinkt? Wenn ich abpumpe, dann trinkt sie länger ( hab extra einen Milchsauger von Avent ab 6+mon) und sie trinkt dann natürlich wohl auch mehr? Sie schafft dann 150ml,wenn ich die Zeit abpumpe, wie sie trinkt komme ich nie auf so viel....hm...,beim durchlesen des Textes ist mir mal wieder klar geworden, daß so eine Aussage doch sehr verunsichert. Ich würde mich auf baldige antwort feuen... Lieben gruß Kathrin& Annalena


Biggi Welter

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? Liebe Kathrin, der Zeitpunkt, zu dem die Einführung der Beikost beginnen sollte, sollte immer vom Kind abhängig gemacht werden und nicht vom Kalender. Es ist durchaus möglich, ein Baby deutlich länger als sechs Monate ausschließlich mit Muttermilch zu ernähren, ohne dass es dabei zu Mangelerscheinungen kommt, doch die Initiative sollte immer vom Kind ausgehen. Ein Baby gibt normalerweise deutlich zu erkennen, wann es so weit ist, dass es zusätzlich und ergänzend zur Muttermilch andere Nahrung haben möchte. Die Bereitschaft zur Beikost erkennst Du an den folgenden Anzeichen: • es ist in der Lage alleine aufrecht zu sitzen, • der Zungenstoßreflex, durch den das Baby feste Nahrung automatisch wieder aus dem Mund herausschiebt, hat sich abgeschwächt, • es zeigt Bereitschaft zum Kauen, • es kann selbstständig Nahrung aufnehmen und in den Mund stecken, • es zeigt ein gesteigertes Stillbedürfnis, das sich nicht mit einer Erkrankung, dem Zahnen oder einer Veränderung in seiner Umgebung oder in seinem Tagesablauf in Verbindung bringen läßt. Wenn alle diese Punkte erfüllt sind, ist der Zeitpunkt für den Beginn der Beikost gekommen (meist ist das Kind dann etwa ein halbes Jahr alt, es kann aber auch eventuell jünger (eher selten) oder älter (nicht ganz so selten) sein) und Du kannst deinem Kind langsam zusätzliche Nahrung ergänzend zur Muttermilch anbieten. Der Beginn der Beikost bedeutet ja nicht, dass das endgültige Abstillen direkt um die Ecke lauert, ihr könnt noch eine lange schöne Stillzeit genießen. Schau dir dein Kind an und lass dich von ihm leiten, es wird dir zeigen, wann es so weit ist, dass es nicht mehr nur Mamamilch haben mag. Nochmals kurz zu den angeblichen Mangelerscheinungen. Die Hauptsorge ist in den meisten Fällen das Eisen. Eine finnische Studie ergab jedoch, dass bei neun Monate alten Kindern, die immer noch ausschließlich gestillt werden, ein Eisenmangel in weniger als 25 % der Fälle auftritt. Ohnehin ist der Zeitpunkt, wann ein Baby Beikost erhalten muss recht willkürlich gewählt und hat sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert, ohne dass es einen echten Beweis für die absolute Richtigkeit des jeweiligen Zeitpunktes gibt. Muttermilch enthält zwar weniger Eisen als zum Beispiel künstliche Säuglingsnahrung oder Kuhmilch, doch die Verfügbarkeit des Eisens in der Muttermilch ist um ein Vielfaches höher als die des in der künstlichen Säuglingsnahrung enthaltene Eisen. Hier auch noch ein Auszug aus einem Artikel von Dr. Alfredo Piscane anlässlich der 15.internationalen LLL-Konferenz in Washington. „Zusammenfassend ist festzustellen, dass ein gesunder vollgestillter Säugling seinen Zeitpunkt des ersten Zufütterns selbst bestimmen kann, ohne Bedenken dadurch einem Eisenmangel ausgesetzt zu werden. Selbst bei Kindern, die sich dem ersten Geburtstag nähern, hat der Autor keine Bedenken, wenn sie einen fitten Eindruck machen. Niedriger Eisengehalt im Blut des Kindes ist nur behandlungswürdig bei gleichzeitigen anderen Krankheitsanzeichen. Seiner Meinung nach sind die festgelegten Grenzwerte (auch in der Schwangerschaft) überholungsbedürftig und wenig gesichert. Tatsächlich erhöht sich die Gefahr einer Anämie bei zu früher Beikost, wenn sie nicht sehr eisenhaltig ist, da die optimale Eisenaufnahme der Muttermilch durch Beikost behindert wird. Es wird 50% des Muttermilcheisens resorbiert, aber nur 5% bei Flaschennahrung! Zuviel Eisen erhöht evtl. eine mögliche Erkrankung wie z.B. Malaria und ist gefährlicher als ein Eisenmangel. Bei sechs Monaten ausschließlich muttermilchernährten Kindern liegt die Gefahr einer Anämie bei 4%. Bei den jetzt noch gültigen Grenzwerten ändern wir das, was sich seit einer halben Millionenjahre bewährt hat. Bei der LLL-Europakonferenz in Nottingham im letzten Sommer hat ein spanischer Kinderarzt einen sehr interessanten Vortrag zum Thema „Essen" gehalten. Dr. Gonzales hat eine Aufstellung gemacht, wie viel Muttermilch (MM) ein Baby im Alter zwischen neun und zwölf Monaten benötigt, um den empfohlenen Bedarf an verschiedenen Nährstoffen zu decken: Energie: 830 kcal = 1185 ml MM Eiweiss: 9,6 g = 910 ml MM Vitamin A: 350 µg = 700 ml MM Vitamin B: 0,4 µg = 412 ml MM Vitamin C: 25 mg = 625 ml MM Diese Angaben zeigen, dass Muttermilch den Bedarf des Kindes an vielen Nährstoffen lange zu decken vermag und nicht unbedingt Eile geboten ist, das Kind zum Essen zu zwingen. Dein Kind entleert deine Brust auch sehr viel schneller und effektiver als es eine Pumpe kann. Selbst die beste Pumpe der Welt ist nicht so effizient wie ein gut saugendes Kind. Auch an der Flasche kann dein Baby sehr viel länger für die gleiche Menge brauchen wie an der Brust. Lass dich daher von den Zeiten und Mengen mit Brust, Flasche und Pumpe nicht verwirren. Wie schon gesagt, lass dein Kind entscheiden, es weiß selbst am Besten, wann es was braucht. LLLiebe Grüße Biggi


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