Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Welche Stillkombination ist sinnvoll?

Frage: Welche Stillkombination ist sinnvoll?

JaNee87

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Guten Tag, mein Sohn ist jetzt 12 Tage alt. Ich Stille ihn mit Stillhütchen, da wir im Krankenhaus Probleme hatten und er die Brust immer wieder verlor nach zwei Zügen. Mit dem Hütchen klappt es ganz gut. Jedoch habe ich das Gefühl, dass die Zeiten in denen er wirklich trinkt immer weniger werden. Manchmal hört er schon nach 5 min auf und meine Versuche ihn zu annimieren fruchten auch nicjt wirklich... Jetzt habe ich um mal zu wissen wieviel Milch ich habe, abgepumpt und bin so auf knapp 95 ml gekommen, aus beiden Brüsten zusammen. Habe ihm davon die Hälfte gegeben und er wollte danach direkt noch die andere Hälfte und war danach voll zufrieden. Kommt mir etwas viel vor für eine Mahlzeit oder? Ich muss ihn auch überwiegend wecken wenn es Zeit zum Trinken ist. Kann er schon nach 5 min satt sein oder gibt er auf? Er ist auch immer sehr unzufrieden nach dem trinken und schreit sehr viel danach. Mit Blähungen und Luft im Bauch haben wir auch sehr zu kämpfen. Nun meine Frage ob es eine sinnvolle Kombination aus Abpumpen oder aptamil Nahrung mit dem stillen gibt? Eine Idee von mit war zB nach dem stillen den Rest anzupumpen und ihm direkt dann zu geben, doch so erziehe ich ihn ja noch mehr dazu sich nicht anzustrengen an der Brust oder? Oder aber Mahlzeiten durch aptamil zu ersetzen? Vielen Dank schonmal. VG Janina


Biggi Welter

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Liebe Janina, die Menge, die du abpumpst, erlaubt keinen zuverlässigen Rückschluss auf die tatsächlich vorhandene Milchmenge, darum ist und bleibt das Wichtigste: Anlegen, anlegen, anlegen. Egal wie oft, egal wie lang! So kleine Babys wollen im Schnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Im Schnitt heißt, es gibt Babys die seltener nach der Brust verlangen (eher wenige Babys) und es gibt Babys, die häufiger an die Brust wollen (die Mehrzahl). Nun ist es jedoch nicht so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys. Besonders gehäuft treten diese Stillepisoden am Nachmittag und Abend auf, wie überhaupt die Abstände zwischen den Stillzeiten im Verlauf des Tages immer kürzer werden. Dazu kommt, dass in bestimmten Altersstufen Wachstumsschübe zu erwarten sind, in denen die Baby manchmal schier ununterbrochen an die Brust wollen. Wachstumsschübe sind Zeiten erhöhter Nachfrage, in denen das Baby sehr oft gestillt werden möchte. Wird das Baby dann auch häufig angelegt (etwa alle zwei Stunden, manchmal sogar noch häufiger), erhält der Körper der Frau das Signal „mehr Milch bilden" und nach ein paar Tagen ist der Spuk vorbei und die Milchmenge hat sich dem Bedarf des Babys wieder angepasst. Stillen funktioniert nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Wird in dieser Situation zugefüttert, wird der Brust kein erhöhter Bedarf signalisiert und die Milchmenge kann sich auch nicht auf den erhöhten Bedarf einstellen. Das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wird gestört und es kann der Beginn eines unfreiwilligen Abstillens sein. Darum raten wir erst dann zur Gabe von künstlicher Milch, wenn keine andere Maßnahme geholfen hat - oder das Kind deutlich zu wenig zugenommen hat! Aber auch ohne Wachstumsschub ist es normal, dass ein so kleines Baby mindestens acht bis zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden will. Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut und der Organismus eines Babys ist auf häufige Mahlzeiten eingestellt. Es kann sein, dass dein Baby effektiv trinkt und tatsächlich SATT ist, war möchtest Du dann zufüttern??? Nimmt dein Baby denn zu? Hat es nasse Windeln? Die Blähungen können davon kommen, dass dein Baby saugverwirrt ist. Die Trinktechniken an Brust und Flasche (künstlichem Sauger) unterscheiden sich grundlegend. Manche Kinder kommen mit dem Wechsel zwischen den beiden Techniken nicht klar und versuchen dann mit der falschen Technik an der Brust zu trinken. Das funktioniert nicht, das Kind bekommt an der Brust keine oder nur wenig Milch, ist frustriert und lehnt die Brust dann im schlimmsten Fall sogar ab. In dieser Situation spricht man dann von einer Saugverwirrung. Bei den Beruhigungssaugern handelt es sich um künstliche Sauger. Und unabhängig davon, ob sie auf einer Flasche oder als Beruhigungssauger Anwendung finden, können sich künstliche Sauger negativ auf das Stillen auswirken, Dies ist eines der Probleme, die sich aus dem Gebrauch von Beruhigungssaugern beim gestillten Baby ergeben können, insbesondere dann, wenn das Baby noch nicht gelernt hat, korrekt an der Brust zu saugen. Das Saugen an einem künstlichen Sauger unterscheidet sich wie bereits geschrieben grundlegend vom Saugen an der Brust. Der künstliche Sauger ist bereits vorgeformt und relativ steif. Die Brust ist weich und nachgiebig. Ein Schnuller kann in den geschlossenen Mund eines Babys gesteckt werden. Um die Brust zu erfassen, muss das Baby den Mund weit öffnen, die Brustwarze reicht dann weit nach hinten in den Mund, wo die Bewegungen des Kiefers und der Zunge nicht stören. Auch die Bewegungsmuster der Muskeln von Mund, Gesicht und Zunge, sind am künstlichen Sauger ganz anders, als an der Brust. Mit der Saugtechnik, die das Baby beim Trinken an einem Flaschensauger oder beim Nuckeln an einem Beruhigungssauger anwendet, kann es kaum Milch aus der Brust bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass dir der Besuch einer Stillgruppe gut tun könnte, denn dort findest du Frauen, die ganz ähnliche Fragen haben wie du, oder schon Antworten darauf gefunden haben. Kompetente Unterstützung und der Austausch von Mutter zu Mutter sind unendlich wertvoll, wenn wir die neue Erfahrung des Mutterseins machen. Eine Stillberaterin in deiner Nähe findest Du im Internet unter http://wwwlalecheliga.de (La Leche Liga), http://www.afs stillen.de (Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl stillen.de (Still und Laktationsberaterinnen IBCLC). LLLiebe Grüße Biggi


JaNee87

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Vielen Dank für die schnelle Antwort. Die Flasche habe ich ihm bis jetzt ein einziges Mal gegeben...Sonst trinkt er nur über das Stillhütchen. Er wird jeden Tag gewogen von der Hebamme. Er hat die letzten Tage abgenommen jedoch beim letzten wiegen wieder 80g zugenommen. Er hat sehr oft volle Windeln. Er kommt mir halt so sehr unzufrieden vor nach dem stillen.


Mamarie2212

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Hallo! Ich habe anfangs auch mit Stillhütchen gestillt, da es nicht richtig funktioniert hat. Meine Tochter hatte täglich mit Bauchweh zu kämpfen. Mir ist dann aufgefallen, dass sich das Hütchen teilweise gelöst hat und kein "Vakuum" mehr gezogen hat. Dadurch hat sie einfach viel Luft gezogen. Als ich dann ohne Hütchen probiert habe - von jetzt auf gleich waren die Blähungen verschwunden. Nur als Tip - aber mal gucken ob das Hütchen fest auf der Brust sitzt :) Viel Erfolg weiterhin


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