Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Paleo in der Stillzeit

Frage: Paleo in der Stillzeit

Koala2206

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Liebe Stillberaterinnen, Ich habe vor 18 Tagen mein zweites Kind bekommen. Stillen läuft wie bei der ersten gut, hab genug (sehr viel!) Milch, sie nimmt kräftig zu und ist munter. Wir kämpfen etwas mit dem spucken aber es scheint langsam besser zu werden jetzt wo sich die Menge langsam etwas reguliert. Leider habe ich während der Schwangerschaft 23 kg zugenommen und war schon schwerer gestartet als ich eigentlich wollte. Davon sind nun ca 14/15 kg schon weg weil ich auch sehr stark Wasser eingelagert hatte aber ich möchte gerne möglichst zügig die restlichen Kilos auch los werden weil mir nix passt und ich mich so nicht mag. Natürlich möchte ich aber auch mind 6-9 Monate lang stillen wie bei meinem ersten Kind. Mein Mann und ich haben schon mal sehr erfolgreich mit Paleo abgenommen und gleichzeitig auch ein recht taffes Workout (Kraft und Ausdauer) gemacht. Nun will mein Mann zum 1.1. wieder auf Paleo umstellen und ich würde gerne mitmachen, habe allerdings vor die Umstellung langsamer zu machen (über ca 6 Wochen sukzessive die Kohlenhydrate reduzieren da ich eine abrupte Umstellung in der Vergangenheit schlecht toleriert habe). Spricht aus ihrer Sicht was gegen diese langsame Umstellung auf Paleo Ernährung und dann schließlich voll Paleo während ich stille? Und wie sieht es mit Sport in der Stillzeit aus? Was darf man da? Ich hatte einen Kaiserschnitt von daher muss ich leider eh noch etwas warten aber dann möchte ich schon gern wieder sehr viel aktiver werden ... Vielen Dank und viele Grüße K


Biggi Welter

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Liebe K, selbstverständlich kann eine stillende Mutter auch Gewicht abnehmen, doch "echte" Fastenkuren und Fastentage sind in der Stillzeit in jedem Fall nicht sinnvoll. Zwar gibt es inzwischen neuere Untersuchungen, die keinen Zusammenhang mehr zwischen dem Abbau der Fettdepots und dem Schadstoffgehalt der Muttermilch finden konnten. Dennoch ist es besser langsam abzunehmen und so auch dem JoJo Effekt auszuweichen. Ich weiß, dass Trennkost nicht empfehlenswert ist (u.a. da bei dieser Ernährungsform Blutzuckerschwankungen auftreten können). Gegen eine moderate Diät spricht nichts. Ob jedoch Low Carb oder ganz ohne KH für dich sinnvoll ist, müsste dir eine Ernährungsberaterin sagen. Der Wert deiner Milch wird nicht beeinträchtigt, aber vielleicht fehlt dir dann etwas, das dein Organismus braucht? Wir sind KEINE Ernährungsberaterinnen, darum solltest du die Frage wirklich den Profis in diesem Bereich stellen (viele Krankenkassen bieten dazu sogar einen Online-Service an!). Wir orientieren uns an den allgemeinen Empfehlungen, die da lauten: Eine stillende Frau sollte ihre tägliche Kalorienmenge nicht unter 1800 Kalorien sinken lassen und nicht mehr als 500 g pro Woche (2 kg im Monat) abnehmen. Ein paar interessante englischsprachige Informationen zum Thema Stillen und Low Carb findest du hier: http://kellymom.com/nutrition/mothers-diet/mom-lowcarb/ http://www.lalecheleague.org/faq/lowcarb.html Du solltest es mit dem Sport gerade zu Beginn etwas langsam angehen und auf Sportarten, die eine hohe Belastung der Oberarmmuskulatur mit sich bringen, oder bei denen ein hohes Risiko für Stöße gegen die Brust (z.B. Barrenturnen) besteht eher verzichten. Prinzipiell kannst Du jedoch jede Sportart betreiben und es gibt auch (voll) stillende Spitzensportlerinnen. Viele Frauen empfinden einen gut sitzenden Sport BH als angenehm, aber auch dies ist kein Muss. Es ist ein Ammenmärchen, dass Sport die Milchmenge zurückgehen ließe oder die Milch sauer macht oder was sonst noch so alles erzählt wird und immer wieder in der Regenbogenpresse aufgewärmt wird. Entgegen anderslautenden Veröffentlichungen in Zeitschriften, gibt es auch keinen Grund, das Stillen nach sportlicher Betätigung hinauszuschieben. Im Jahr 1992 berichteten die Zeitungen über eine Untersuchung, die sich mit der Zusammensetzung der Muttermilch vor und nach anstrengendem Training befasste und Vergleiche dazu anstellte, wie die Babys auf die vor dem Training bzw. nach dem Training abgepumpte Milch reagierten (Wallace 1992). Nach dem Training wurde in der Milch eine Erhöhung der Milchsäure festgestellt. Die Babys hätten die Milch nach dem Training weniger gerne angenommen. Die Schlussfolgerungen aus dieser Untersuchung erregten großes Aufsehen: stillende Mütter sollten ihre Babys vor dem Training stillen oder Milch für eine spätere Mahlzeit abpumpen und es vermeiden, unmittelbar im Anschluss an das Training zu stillen, eventuell sogar etwa 90 Minuten lang nicht. Diese Schlussfolgerungen sind aus mehreren Gründen zu hinterfragen. Zunächst einmal erhielten die Babys die Vor und Nachtrainings Milch mit einer Tropfpipette, einer neuen, für sie ungewohnten Art der Fütterung. Die Forscher zogen aber nicht in Betracht, dass diese veränderte Fütterungsmethode die Babys in Bezug auf ihre Akzeptanz der Milch beeinflusst haben könnte. Bei der Durchsicht der Literatur zum Thema Stillen und Sport führten Dewey und McCrory (1994) noch weitere Beispiele für die eingeschränkte Aussagekraft dieser Studie an. Die Mütter in dieser Untersuchung trainierten bis an ihre Leistungsgrenze, aber die Empfehlungen der Forscher unterscheiden nicht zwischen moderater und maximaler sportlicher Betätigung. Die Milchsäurewerte sind bei maßvoll trainierenden Müttern wahrscheinlich viel niedriger. Außerdem waren die Unterschiede in der Akzeptanz der Vor bzw. der Nachtrainingsmilch durch die Babys nur gering, auch wenn die Mütter angaben, dass die Babys die Milch nach dem Training weniger akzeptierten. Auf einer Scala von 1 (Schreien) bis 9 (Lachen) erreichte die Einschätzung einen Punktwert von 6,7 für die durchschnittliche Vortrainingsmilch und 4,7 für die durchschnittliche Nachtrainingsmilch. Es kommt noch dazu, dass keine der Mütter davon berichtete, dass ihre Babys bei einer früheren Gelegenheit negativ auf das Stillen nach dem Training reagiert hatte. Nach der Durchsicht verschiedener Studien kamen Dewey und McCrory zu dem Schluss, dass Sport bei stillenden Müttern die kardiovaskuläre Leistungsfähigkeit verbessert und sportliche Betätigung während der Stillzeit bei den meisten Frauen kein Gefahrenpotential birgt. Auch "ist es in den meisten Fällen unwahrscheinlich, dass sich aus der veränderten Akzeptanz der Muttermilch aufgrund erhöhter Milchsäurewerte nach dem Training Probleme ergeben". Allerdings solltest Du unbedingt darauf achten, dass der Beckenboden wieder erholt ist, ehe Du Sportarten betreibst, die den Beckenboden belasten. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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