Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Baby trink sehr wenig

Frage: Baby trink sehr wenig

JessicaEmily

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Hallo, ich hatte schon mal geschrieben, dass ich nur wenig Milch habe und gerne weiter stillen möchte. Habe schon von stündlich anlegen, abpumpen, viel trinken und essen, Stilltee u.s.w. alles probiert. Habe sehr abgenommen nach der Geburt, wiege jetzt 49 Kilo, Normalgewicht war 52 Kilo. Inzwischen gebe ich seit einigen Wochen täglich 1-2 Fläschen. Ich weiss, dass ist nicht förderlich, aber Sie hatte immer hunger. Sie nimmt die Medela Calma Flasche gerne und hat Anfangs auch gut getrunken, ca. 120- 150ml. An der Brust hat Sie seit jeher 5 Minuten getrunken, außer in der Nacht / Morgen, dann wenn viel da war auch gerne 10 Minuten. Sie ist jetzt 21 Wochen alt und seit 1 Woche trinkt Sie immer nur 2 Minuten an der Brust, Nachts dann 5 Minuten und aus der Flasche ca. 20- 120ml. Ich stille meistens alle 2-3 Stunden und gebe je nach Gefühl dann noch ein Fläschchen. Sie sieht allerdings gut genährt aus. Wiegt 5900g und ist 62cm groß.In der Stillgruppe mache ich immer eine Stillprobe, da ist immer aus beiden Brüsten zusammen ca. 100-120g. Anfangs dachte ich, das ist ja nicht so wenig, aber jetzt ist Sie schon größer und trinkt statt mehr, eher weniger. Ist das normal? Oder trügt mich mein Gefühl und Sie braucht nicht mehr, oder ich habe doch genug Milch? LG


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe JessicaEmily, die Vorstellung, dass die Brust (ähnlich wie eine Flasche) nach dem Stillen leer ist und erst wieder aufgefüllt werden muss, ist so nicht richtig. Zwar wird zwischen den Stillmahlzeiten Milch produziert, der Hauptanteil der Milch wird jedoch erst während des Stillens gebildet. Das Saugen des Kindes gibt das entsprechende Signal zur Milchbildung, der Milchspendereflex wird dann ausgelöst. Deshalb ist es auch falsch zwischen den Stilmahlzeiten eine längere Pause einzulegen, damit sich die Milch in der Brust sammelt, sondern es muss häufiger angelegt werden, um die Milchmenge zu steigern. Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut und der Organismus eines Babys ist auf häufige Mahlzeiten eingestellt. So kleine Babys wollen im Schnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Im Schnitt heißt, es gibt Babys die seltener nach der Brust verlangen (eher wenige Babys) und es gibt Babys, die häufiger an die Brust wollen (die Mehrzahl). Nun ist es jedoch nicht so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys. Besonders gehäuft treten diese Stillepisoden am Nachmittag und Abend auf, wie überhaupt die Abstände zwischen den Stillzeiten im Verlauf des Tages immer kürzer werden. Das Dauerstillen kann sehr anstrengend und auch nervend sein, aber es hat seinen Sinn. Rein wissenschaftlich gesehen ist es so, dass das Baby durch den Stillmarathon die Prolaktinausschüttung anregt und so dafür sorgt, dass die Milchbildung angeregt wird und genügend Milch für das Kind zur Verfügung steht. Wird in dieser Situation zugefüttert, wird der Brust kein erhöhter Bedarf signalisiert und die Milchmenge kann sich auch nicht auf den erhöhten Bedarf einstellen. Das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wird gestört und es kann der Beginn eines unfreiwilligen Abstillens sein. Darum raten wir erst dann zur Gabe von künstlicher Milch, wenn keine andere Maßnahme geholfen hat - oder das Kind deutlich zu wenig zugenommen hat! Es kann sein, dass Ihr Baby durch die Flasche saugverwirrt ist und deshalb weniger an der Brust trinkt. Eine Saugverwirrung ist für alle Beteiligten belastend und zerrt an den Nerven. Sie kann aber mit viel Geduld und der richtigen Anleitung überwunden werden. Ein Baby, das mit der Flasche gefüttert wurde, hat einen sofort einsetzenden, gleichmäßigen Milchfluss kennengelernt. An der Brust reagiert es dann frustriert, weil nicht der von ihm erwartete, sofortige und stetige Milchfluss einsetzt. Es ist daher wichtig, dass Sie Ihre Milch bereits vor dem Anlegen zum Fließen bringen. Versuchen Sie, den Milchspendereflex durch Ausstreichen, Brustmassage und Wärmeanwendung oder eventuell mit einer Pumpe auszulösen ehe Sie Ihr Baby anlegen. Warten Sie nicht, bis Ihr Kind sehr hungrig ist. Ein aufgeregtes, hungriges Baby ist nicht unbedingt bereit, etwas Neues (also das korrekte Trinken an der Brust) zu lernen. Wählen Sie eine bequeme Stillhaltung, um möglichst entspannt zu sein und achten Sie auf eine korrekte Anlegetechnik (eine gute Beschreibung der Anlegetechnik finden Sie in dem Info Blatt „Stilltechniken, die funktionieren", das Sie bei der La Leche Liga Deutschland und jeder LLL Stillberaterin (auch bei uns) bestellen können. Das Stillen im Rückengriff (auch Unter dem Arm Haltung genannt, in dieser Position ruht der Kopf des Kindes in Ihrer Hand und seine Beine liegen seitlich neben Ihrem Körper und zeigen nach hinten) eignet sich gut, weil Sie in dieser Haltung den Kopf Ihres Babys gut kontrollieren können und genau sehen, was es macht. Vermeiden Sie es, Ihre Kind am Gesicht oder seitlich am Kopf oder mit geringem Fingerdruck am Hinterkopf zu berühren. Derartige Berührungen können dazu führen, dass der Suchreflex beim Baby ausgelöst wird und es seinen Kopf in Richtung der Berührung dreht. Fester, gleichmäßiger Druck auf den Hinterkopf bedeutet normalerweise kein Problem für das Baby. Wenn Sie im Rückengriff stillen, können Sie eine Windel zwischen Ihre Hand und den Kopf Ihres Babys legen oder es fest in eine Decke einwickeln, deren obere Ecke Sie unter seinen Kopf legen. Stützen Sie den Kopf und den Nacken Ihres Babys in Höhe der Ohren mit Ihrer Hand. Will Ihr Kind nicht an der Brust bleiben, nachdem es sie zunächst erfasst hat, können Sie während des Stillens etwas zuvor ausgestrichene Milch auf die Stelle tropfen, an der seine Lippen Ihre Brust berühren. Es wird die Milch schlucken und dabei seine Zunge abflachen, so dass es die Brust richtig fassen kann. Es wäre günstig, wenn Sie sich an eine Stillberaterin vor Ort wenden würden, die Ihnen im direkten Gespräch Tipps geben kann und eventuell auch sieht, wie Ihr Baby an der Brust trinkt. Adressen von Stillberaterinnen finden Sie im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). LLLiebe Grüße Biggi Welter


JessicaEmily

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Hallo, ich geh jede Woche zur Stillgruppe, wo eine Stillberaterin ist. Sie meint, dass meine Kleine richtig angelegt ist und auch die richtigen Trinkbewegungen macht. Sie hatte mir die gleichen Tipps gegeben, abpumpen vorm stillen, oft anlegen u.s.w. hat nicht geholfen. Im Rückengriff will Sie nicht, weint. Sie mag nur den Wiegegriff. Aber mehr Sorgen macht mir, dass Sie immer weniger an der Brust trinkt, aber auch an der Flasche! Ich stille innerhalb der 24 Stunden inkl.mit Flasche geben ca. 6-9x. Abends geht Sie um 18:30Uhr ins Bett, wacht 1x in der Nacht zum stillen auf und schläft dann bis 7-8 Uhr. das macht Sie seit der 10. Woche. Ab da wurde es noch schlimmer mit der Milch, anfangs habe ich immer bis spät Abends stündlich abgepumpt, um die Brust anzuregen, war mir dann aber zu anstrengend. Mir ist vorallem wichtig, dass Sie genug bekommt, egal ob beim stillen oder mit Flasche. Gerne würde ich weiter voll stillen, aber in erster Linie muss Sie satt werden. Trinkt Sie genug? LG


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe JessicaEmily, das kann ich aus der Ferne nicht beurteilen, bitte wende dich an die Kollegin vor Ort, die dein Baby Sehern kann! Sorry, dass ich nicht mehr dazu sagen kann. LLLiebe Grüße Biggi


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