Frage im Expertenforum Stillberatung an Kristina Wrede:

Baby schläft nur durch Stillen ein

Frage: Baby schläft nur durch Stillen ein

Miezenmama

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Meine Tochter ist nun 6 Monate alt und ich stille sie nach einem schweren Stillstart seit 5 Monaten voll und gerne. Seit ca. 4 Wochen schläft sie tagsüber wenn wir Zuhause sind und abends nur noch beim Stillen ein. Abends und nachts ist es ziemlich anstrengend da sie selten länger als 2 Stunden am Stück schläft und in der Nacht auch gern dauernuckelt. In den letzten Monaten ist sie auch mal alleine eingeschlafen oder der Papa hat sie ins Bett gebracht bzw. beim Aufwachen wieder beruhigen können. Das geht nun überhaupt nicht mehr. Da ich nächste Woche auf eine Weihnachtsfeier gehe und meine Mutter auf die Kleine aufpassen wird,mache ich mir nun sorgen, wie das Einschlafen funktionieren soll. Milch würde ich abpumpen aber wie erleichtern ich der Kleinen das Einschlafen ohne Brust? Macht es Sinn, dass mein Mann und ich die Woche nutzen um sie ohne Stillen zum Einschlafen zu bringen oder soll ich meine Mutter einfach machen lassen? Sie kann generell super mit der Kleinen (auch wenn sie nicht allzu oft da ist) und trägt sie wenn es sein muss auch mal eine Stunde durch die Gegend ... Ich würde auch gerne den Papa stärker einbinden, aber momentan brüllt sie wie am Spieß wenn er sie beim nächtlichen Aufwachen beruhigen soll. Was kann ich da am Besten tun? Danke für eine kurze Antwort. Euer Forum ist toll und hat mir schon des Öfteren geholfen.


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Liebe Miezenmama, alle Babys durchlaufen bestimmte Phasen, nicht immer sind sie gleich getaktet. Will heißen: Es gibt Säuglinge, die am Anfang total "pflegeleicht" sind und dann "Probleme" machen, bei anderen ist es umgekehrt. Normal ist beides. Und viel tun dagegen lässt sich nicht. Unterdrückst du ihre natürlichen Bedürfnisse, so kann das zwar Erfolg haben (wie bei den so genannten Schlaftrainings), jedoch hat es immer auch Folgen. Und die sind aus psychologischer Sicht nicht so sinnvoll. Ein gestörtes Selbstwertgefühl, mangelndes Urvertrauen usw. sind Dinge, die häufig erst viele Jahre später an die Oberfläche kommen... Die Zeiten des wenigen Schlafs sind verglichen dazu schneller vorbei und leichter zu ertragen. Vielleicht ist es auch für dich erträglicher, wenn du dir vorstellst, dass in 3 Monaten alles ganz anders aussehen wird. Ja, jetzt bist du die Nummer 1 für dein Kind, und der Papa kann dich nur wenig entlasten. Glaub mir, in ein paar Jahren wirst du das vielleicht sogar vermissen :-) Es hat seinen Grund, warum stillende Mütter die besten Einschlafhilfen SIND. Beim Saugen an der Brust findet ein Baby das, was es braucht: Trost, Nahrung, Sicherheit. Es liegt vermutlich an einer gewissen neurologischen Unreife, wenn einige Babys das mehr brauchen als andere, und es "verwächst" sich wirklich von alleine!! Dein Baby braucht also vor allem eines: Zeit zum Reifen. Vielleicht "schenkst" Du ihm einfach noch ein bisschen von dieser Zeit, in der du ihm gestattest, so zu sein, wie es ist. Du machst nichts falsch! Wichtig ist, dass Du weißt, dass dies zwar eine lange Phase ist, aber sie WIRD vorbei gehen! Bis dahin ist es meist einfacher, das Drumherum zu ändern, als das Baby. • Nimm ALLE Hilfe an, die Du bekommen kannst. Erkundige dich mal, ob Du nicht eine Haushaltshilfe bekommen kannst (wegen absoluter und chronischer Erschöpfung). Möglicherweise kann dir auch deine Mutter, Schwiegermutter, Schwester oder eine Freundin (selbstverständlich auch das männliche Pendant dazu) etwas unter die Arme greifen. Das können ganz simple Dinge sein z.B. einmal alle Fenster putzen, deinen Bügelkorb leerbügeln, einige vorgekochte Mahlzeiten für deine Tiefkühltruhe, ein Nachmittag Babysitten während Du in die Sauna gehst oder sonst etwas für dich tust ... • Vielleicht findest Du auch einen verantwortungsbewussten Teenager, der gegen geringes Entgelt bereit ist, mit deinem Kind zu spielen oder spazieren zu gehen. In dieser Zeit solltest Du dann aber wirklich entweder schlafen (bzw. ruhen) oder DIR etwas Gutes tun. • Lass den Haushalt auf Sparflamme laufen. Nicht alles muss gebügelt werden. Wenn Handtücher nach dem Baden und Duschen wieder aufgehängt werden, statt auf dem Fußboden zu landen, können sie mehrmals benutzt werden, das spart Wäsche. Es ist nicht wesentlich mehr Arbeit die doppelte Menge Spaghettisoße zu kochen, aber Du hast dann eine fast fertige Mahlzeit für die Tiefkühltruhe. Es schadet nicht der Gesundheit der Familie, wenn Du die Fenster erst wieder im nächsten Jahr putzt. Du wirst sicher einiges finden, was im Haushalt nicht so perfekt gemacht werden muss. • Achte darauf, dass Du genügend isst und trinkst. Du musst keine perfekten Menüs kochen und essen, einigermaßen ausgewogen reicht und es darf auch Tiefkühlgemüse statt frischem Gemüse sein (dann sparst Du dir auch das Schälen und Putzen). Eine hungrige Mutter ist nicht so belastbar. Überlege dir auch einmal zu einem Stillgruppentreffen zu gehen und tausch dich dort mit den anderen Müttern aus. Vielleicht hast Du sogar das Glück so wie ich vor Jahren, dass Du dort Mütter oder eine Stillberaterin kennen lernst, die bereits ältere Kinder haben und Du kannst miterleben, dass es sich lohnt noch etwas durchzuhalten. Eine Stillberaterin in deiner Nähe findest Du im Internet unter http://wwwlalecheliga.de (La Leche Liga), http://www.afs stillen.de (Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl stillen.de (Still und Laktationsberaterinnen IBCLC). Lieben Gruß, Kristina


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