Mitglied inaktiv
Hallo Dr. Bluni, mal wieder ein paar Fragen an Sie: 1. Welche Käsesorte kann man essen, welcher nicht aus Rohmilch sind? 2. Stimmt es, dass man in der vorangegangen Schwangerschaft (30. SSW)sich mit nichts mehr anstecken kann, z.B. mit Ringelröteln oder Toxoplasmose? 3. Wie läuft eine Vorsorgeuntersuchung bei einer Schwangeren ab, bei der Schwangerschaftszucker festgetsellt wurde? Vielen Dank für die Antwort. Liebe Grüße Antje
hallo, 1. der Verzicht auf Rohmilchprodukten bezieht sich auf das Risiko, sich mit Listerien zu infizieren. Frische Vollmilch ist nicht gleich Rohmilch, da sie wärmebehandelt ist. Rohmilch ist die auf dem Bauernhof erhältliche, unbehandelte Milch. Schwangere und kranke Personen sollten Rohmilch und Rohmilchprodukte wie Rohmilchkäse meiden, da in ihnen krankheitserregende Keime wie Listerien und E-coli-Bakterien enthalten sein könnten, die zu entsprechenden Krankheitserscheinungen bei den Patienten oder gar den ungeborenen Kindern führen können. Rohmilchkäse ist höchstens auf 40 Grad erhitzt (beim herkömmlichen Käse werden durch das starke Erhitzten (Pasteurisieren) der Milch etwa 99 % der natürlichen Bakterien abgetötet), dadurch bleiben im Rohmilchkäse die Keime erhalten, wodurch er ein vollmundigeres Aroma bekommt. Dadurch können eventuell in der Milch vorhandene Keime in den Käse gelangen. Nach veterinärmedizinischer Begutachtung ist der Verzehr eines lang gereiften, harten Rohmilchkäses nach dem Typ Edamer oder Emmentaler wesentlich weniger bedenklich, als der eines frischen Rohmilchkäses, der aus dem Quark direkt gewonnen wird. Frische Weichkäse können eher gesundheitsgefährdende Keime enthalten als Hartkäse, die monatelang lagern. Welcher Käse jetzt im einzelnen einem Rohmilchkäse zuzuordnen ist, kann ich Ihnen am besten der Käsehändler sagen. Unser ehemaliger Mitarbeiter, Peter aus der Kochecke, hat hier mal eine sehr schöne Auflistung zu den verschieden Käsesorten gegeben. Diese, nicht komplette Liste kopiere ich hier einfach mal hierein und hoffe, dass dieses ausreicht: "Vorweg: industrielle dänische Käsesorten werden aus sterilisierter Milch hergestellt. Ausnahmen sind da ausschließlich private Bauernkäsereien, die ihre Ware über Spezialgeschäfte vetreiben. Der Kuhmilch-Feta, Gouda und Edamer sind in Ordnung. Der normale Gouda wird aus sterilisierter Milch hergestellt. Nur Bauern-Gouda, wie man ihn in Spezialitäten-Geschäften und gut sortierten Marktständen oder Bio-Läden bekommt, wird auch Rohmilch hergestellt. Bei deutschen Camemberts sollte auf den Packungsaufdruck geachtet werden: steht drauf: aus Rohmilch oder aus frischer Milch hergestellt, dann besser meiden.. Steht drauf Hitzebehandelt oder Wärmebehandelt, dann ist er ok. Anders sieht es bei französischen Käsesorten aus. Bei einigen stehts drauf, bei anderen nicht. Also lieber verzichten, wenn man sich nicht sicher ist. Parmesan gehört zwar auch zu den Rohmilchkäsen - wird aber bei der Produktion standardgemäß genügend erhitzt: ok. Hier ein paar Käse, die garantiert aus Rohmilch hergestellt werden und somit gemieden werden sollten: Brie de Meaux ist immer aus Rohmilch Brie de Melun ist immer aus unbehandelter Kuhmilch. Camembert aus Rohmilch wird mit dem Zusatz "au lait cru" versehen. Ziegenkäse aus Rohmilch: Crottin de Chavignol Aus Rohmilch hergestellter Munster führt die Bezeichnung Munster fermier Comté alpage alt extra AOC Emmentaler 16 Monate feuchtgereift Gruyere 16 Monate feuchtgereift L´Albaron fermier La Chivita Parmigiano-Reggiano Pecorino Saccaia Pedroches Pyrénées chèvre fermier Pur Ovella Raclette vin blanc Saint Nectare fermier AOC Camembert de Normandie Coulommiers Fourme d´Ambert AOC Langres petit AOC Le Chanbestan fermier Le Pampille d´Auvergne Livarot petit AOC Pyramide fermier Vacherin Mont d´Or AOC Hersteller Switzerland: Appenzeller CLASSIC SWITZERLAND Appenzeller EXTRA SWITZERLAND Raclette-Zeller SWITZERLAND Appenzeller SURCHOIX SWITZERLAND Appenzeller ¼-fett mild SWITZERLAND Appenzeller ¼-fett räss SWITZERLAND Emmentaler SWITZERLAND Emmentaler réserve SWITZERLAND Greyerzer SWITZERLAND Greyerzer réserve SWITZERLAND Sbrinz SWITZERLAND Tête de Moine SWITZERLAND " Ende der Auflistung. Bitte bedenken Sie, dass die Liste erstens nicht komplett ist bei ca. 6000 Käsesorten und dass sich hier zwischenzeitlich Änderungen im Herstellungsverfahren ergeben haben können. Deshalb ist es immer sinnvoll, im Zweifel den Fachhändler oder Hersteller zu fragen. 2. diese Frage verstehe ich so leider nicht. 3. der Gestationsdiabetes (Diabetes in der Schwangerschaft) resultiert aus einer gestörten Glukosetoleranz (Glucose=Zucker), die erstmals in der Schwangerschaft entdeckt wird. Ebenso wie der insulinabhängige Diabetes in der Pubertät ist die Schwangerschaft eine mehr oder weniger starke Herausforderung für die Stoffwechselsysteme der werdenden Mutter. In der Gravidität kommt es zur Mobilisierung von Energiereserven mit dem Ergebnis einer erhöhten mütterlichen Glukosebelastung, begleitet von erhöhten Insulinspiegeln. Die ursächlichen Mechanismen Schwangerschaftsdiabetes sind nicht endgültig geklärt. Der Gestationsdiabetes gehört zu den häufigsten Erkrankungen in der Schwangerschaft, dennoch wird ein Screening in den Mutterschaftsrichtlinien in Deutschland noch nicht berücksichtigt. Aufgrund der in den Mutterschaftsrichtlinien angegebenen Urinzucker - Bestimmungen als Diabetes - Suchtest und damit verbunden ein unzureichendes Gestationsdiabetes - Screening, streuen die Angaben zur Häufigkeit des Gestationsdiabetes in Deutschland zwischen 1 -3 (5) %. Das Risiko "Gestationsdiabetes" sollte nicht unterschätzt werden. Im Zusammenhang mit einem Gestationsdiabetes können Unterzuckerungen bei Neugeborenen nach der Geburt zu Entwicklungsstörungen der Kinder (minimal brain damages) führen. Nach den Perinatalerhebungen in der Bundesrepublik liegt die perinatale Sterblichkeit von Kindern diabetischer Mütter mit 3 bis 4 %- (in Perinatalzentren unter 2 %) - um ein Mehrfaches höher als im Durchschnitt der Bundesbevölkerung. Die Frühgeburtlichkeit vor der vollendeten 37. SSW beträgt noch fast 20%. Die Frequenz kindlicher Fehlbildungen ist noch immer erhöht. Letale Fehlbildungen (die ein Überleben unmöglich machen) werden zwei- bis dreimal häufiger als bei Kindern stoffwechselgesunder Frauen beobachtet. Mütterlicherseits besteht eine verstärkte Neigung zu Hochdruck, zu Infekten der Harnwege, der Scheide und Zervix sowie zu Placentainsuffizienz und vorzeitigen Wehen. Es können Zustände der Unterzuckerung auftreten. Eine diabetisch bedingte Mitbeteiligung der Augen und/oder der Nieren kann sich verschlechtern. Eine Diabetikerin kann heute eine Schwangerschaft in aller Regel "normal" austragen und ein gesundes Kind zur Welt bringen. Es ist aber zu fordern, daß sie sich schon bei der Planung, spätestens sofort nach Feststellung der Schwangerschaft, von einem diabetologisch erfahrenen Internisten und einem mit diabetologischen Problemen vertrauten Gynäkologen gemeinsam betreuen lässt. Wichtigstes Ziel der Prophylaxe und Behandlung ist eine normoglykämische (normale Zuckerwerte) Diabeteseinstellung. Dieses Ziel ist erreicht, wenn die Blutglukosewerte vor den Mahlzeiten unter 90 mg/dl, eine Stunde nach dem Essen unter 140 mg/dl, zwei Stunden danach unter 120 mg/dl liegen. In der ersten Schwangerschaftshälfte soll das HbA1c im oberen Normbereich, später im unteren Normbereich stoffwechselgesunder Schwangerer liegen (Normbereich mit 4,8 bis 6,0 %). Insbesondere bei nicht diagnostiziertem Gestationsdiabetes in der Schwangerschaft bzw. einer nicht entdeckten Glukosetoleranzstörung ist es die diabetische Fetopathie, die in ihrer Prognose auch heute noch nicht endgültig zu beurteilen ist. Das Atemnotsyndrom wird bei 1 - 2 % aller reifen Neugeborenen diabetischer Mütter beobachtet. Die Mutterschaftsvorsorge bei Diabetikerinnen ist während der ganzen Schwangerschaft intensiver als bei stoffwechselgesunden Frauen. Die Zusammenarbeit mit einem Perinatalzentrum, das in der Betreuung diabetischer Schwangerer Erfahrung hat, ist zumindest geboten. Neben dem Frühultraschall zur genauen Berechnung des SS-Alters sollte in der 20.-22.SSW eine eingehende US-Untersuchung zum Ausschluss von Organfehlbildungen durchgeführt werden. Das zunächst vierwöchentliche Intervall von US-Untersuchungen sollte in der Spätschwangerschaft durch zweiwöchige Intervalle ersetzt werden. Hier sollte neben dem Gewicht des Kindes auch die Fruchtwassermenge beurteilt werden. Ab der 28. SSW wird eine intensivierte fetale Zustandsdiagnostik mit Kontrolle der fetalen Bewegungen, einem CTG (Cardiotokogramm) und eine Doppler-Untersuchung empfohlen. Die Häufigkeit sollte individuelle festgelegt werden. Das CTG sollte ab der 32.-33. SSW 2x/Woche und ab der 35. SSW 3x/Woche durchgeführt werden. Bei problemlosem Verlauf ist eine vaginale Entbindung am Termin anzustreben. Ein Austragen über den Termin hinaus sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Die letzten Empfehlungen stammen von der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft bei der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. VB
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