Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Dr. med. Vincenzo Bluni:

Gelbkörperhormonspritze

Frage: Gelbkörperhormonspritze

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Hallo Dr. Bluni! Ich hatte 3 FG, für den nächsten Versuch möchte ich wieder sicherheitshalber das Gelbkörperhormon zu mir nehmen. Dies habe ich auch mit meiner Frauenärztin abgesprochen. Beim letzten Versuch hatte ich Utrogest Kapseln vaginal genommen. Von einer Bekannten habe ich gehört, dass sie das Gelbkörperhormon gespritzt bekommen hat. Bei ihr ist alles gut verlaufen. Ist dies wirksamer? Können Sie ein bestimmtes Präparat empfehlen? Ich glaube meine Frauenärztin hat mit Gelbkörperhormonspritzen keine Erfahrung, sie hat mir nur Gel oder Kapseln empfohlen. Wie oft sollte man die Gelbkörperhormonspritzen bekommen? Eine Frage hab ich noch zu dem Präperat Medyn, ich habe gelesen, das viele Frauen die einen Gerinnungsdefekt haben auch das Mittel Medyn nehmen. Ich habe auch einen Gerinnungsdefekt, nehme erhöhte Folsäure und Vitaverlan seit absetzen der Pille, ASS 100 und Herparin bekomme ich ab positivem SS-Test. Wäre es zu empfehlen, dass ich auch Medyn nehme? Vielen Dank! sunshine.80


Dr. med. Vincenzo Bluni

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Hallo Sunshine, 1. es ist ein nicht ungewöhnlicher Vorgang, dass manche Frauen erst ein oder zwei Fehlgeburten haben oder zwischendurch eine Schwangerschaft austragen, bevor eine sich dann (wieder) ein intakte Schwangerschaft entwickelt. Dabei sind genetische Störungen die häufigste Ursache für eine frühe Fehlgeburt, dann folgen anatomische Ursachen, Infektionen und Medikamente. Auch können sowohl Gerinnungsstörungen als auch immunologische Ursachen eine Rolle spielen. Erst, wenn sich Fehlgeburten häufen (mehr als dreimal hintereinander), wird empfohlen, eine weiterführende Diagnostik zu veranlassen. In Ausnahmefällen schon früher. Hierzu gehört neben der Untersuchung der Frau, der Genetik der Eltern ggf. auch die Suche nach den oben genannten Blutgerinnungsstörungen. Diese bleiben die häufig unerkannt, aber dennoch sind sie in einer nicht unerheblichen Zahl die Ursache für wiederholte Fehlgeburten und Probleme in der Schwangerschaft. Als hormonelle Ursachen kommen unter anderem Schilddrüsenfunktionsstörungen, wie eine Unter- oder Überfunktion in Frage. Ein Gelbkörpermangel ist sicher eher selten die Ursache. 2. bei bekannter Gerinnungstörung ist dann auch eher diese für gehäufte Fehlgeburten verantwortlich. 3. eine rein prophylaktische Substitution von eines Gelbkörperhormons, in der Absicht, eine frühe Fehlgeburt zu verhindern, ist in aller Regel nicht indiziert. Auch, wenn es nach wie vor häufig so gehandhabt wird, gibt es für den Sinn dieses Vorgehens keine harten wissenschaftlich bewiesenen Daten ("evidence based"), die das rechtfertigen würden. Allerdings ist dieses im Rahmen der Maßnahmen einer künstlichen Befruchtung sicher anders zu betrachten. Bitte sprechen Sie sich aus diesem Grund zum weiteren Vorgehen und der Bedeutung der Werte mit Ihrer behandelnden Frauenärztin/Frauenarzt ab. 4. Liegt bei der Schwangeren ein Risiko vor: Zustand nach Thrombose oder eine angeborene Blutgerinnungsstörung, so kann eben die Verordnung z.B. eines niedermolekularen Heparins zur Blutverdünnung notwendig werden. Dieses reduziert dann ganz erheblich das durch die Gerinnungsstörung oder die Situation nach einer durchgemachten Thrombose erhöhte Risiko für eine Thrombose oder Embolie. Dieses sollte dann über 6 Wochen nach der Geburt fortgesetzt werden. Die Verabreichung von ASS in dieser Situation wird von den meisten FAchvertretern abgelehnt. 5. bei dem genannten Mittel handelt es sich um eine Kombination aus Vitamin B6 und Folsäure. 6.im Zusammenhang mit einigen Gerinnungsstörungen kann ein erhöhter Homocysterinspiegel aufreten. Damit kann eine größere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Neuralrohrdefektes verbunden sein. Frauen, die ein erhöhtes Risiko für ein Kind mit einem Neuralrohrdefekt tragen, sollten bereits präkonzeptionell (vor Eintreten der Schwangerschaft ) bis zum Ende des I. Trimenons Folsäure in einer Dosierung von 5 mg pro Tag erhalten. 7. Bitte sprechen Sie sich aus diesem Grund zum weiteren Vorgehen mit Ihrer behandelnden Frauenärztin/Frauenarzt ab. VB


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