Maria364
Sehr geehrter Herr Doktor Paulus , Ich bin aktuell in der 8. SSW und neige seit vielen Jahren zu Hyperpigmentierungen im Gesicht. Daher habe ich den Sonnenschutz im Gesicht in der SSW sehr ernst genommen und in den letzten Wochen mehrfach die Sonnencreme von Ladival „Allergische Haut - Sonnenschutzgel für das Gesicht LSF 30“ verwendet. Hier die Inhaltsstoffe: Sonnenschutz-Gel LSF 30 Aqua, Dibutyl Adipate, C12-15 Alkyl Benzoate, Glycerin, Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate, Ethylhexyl Salicylate, Propylheptyl Caprylate, VP/Hexadecene Copolymer, Diethylhexyl Butamido Triazone, Triacontanyl PVP, Tocopheryl Acetate, Bis-Ethylhexyloxyphenol Methoxyphenyl Triazine, Phenylbenzimidazole Sulfonic Acid, Acrylates Copolymer, Caprylyl Glycol, Perlite, Silica, Vitis Vinifera (Grape) Seed Extract, Microcrystalline Cellulose, Sodium Hydroxide, Sodium Gluconate, Galactoarabinan, CI 77891, Alcohol, Carnosine, Plankton Extract, Propanediol, Bisabolol, Caprylhydroxamic Acid, Cellulose Gum, Mica, Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Citric Acid, Lecithin, Tin Oxide, Tocopherol, Tetrahexyldecyl Ascorbate, Diisopropyl Adipate, Ubiquinone Als wichtige Inhaltsstoffe werden Photolyase, Bisabolol und Glycerin genannt. Über Ersteren (Photolyase) bin ich nun ins Nachdenken gekommen. Laut meiner Recherche handelt es sich um ein DNA-Reparaturenzym, sodass ich mir jetzt Sorgen mache, ob die Anwendung in der Schwangerschaft Risiken für das Kind birgt? Ich habe die Sonnencreme an ca 10 Tagen im Gesicht und an einzelnen Tagen auch zusätzlich im Hals-Nackenbereich und an den Unterarmen verwendet. Ich verwende sie aktuell nicht mehr sondern bin jetzt auf die Sonnencreme „AntheliosUVMune 400 Invisible Fluid für empfindliche Haut LSF 50“ von LaRochePosay umgestiegen. Wobei auch hier eine Restunsicherheit bleibt und ich versuche sie nicht täglich anzuwenden. Über eine Rückmeldung Ihrerseits zu meinen Bedenken wäre ich sehr dankbar. Beste Grüße
Photolyasen sind Enzyme, die an der Reparatur der DNA beteiligt sind. Sie kommen auch in der Natur bei Bakterien und Beuteltieren (z. B. Känguru) vor. Das Enzym ist auch in einigen Sonnenschutz- und DNA-Reparaturcremes (z. B. bei aktinischen Hautschäden) enthalten. Es wird auf die Haut aufgetragen und wirkt lokal. Enzyme wie Photolyasen sind große Eiweißmoleküle und werden über die intakte Haut praktisch nicht in relevanten Mengen in den Blutkreislauf aufgenommen. Daher ist eine relevante Belastung des Ungeborenen biologisch unwahrscheinlich. Die wichtigsten Bestandteile der genannte Sonnencreme sind: • UV-Filter wie Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate (Uvinul A Plus), Ethylhexyl Salicylate (Octisalate), Diethylhexyl Butamido Triazone (Iscotrizinol), Bis-Ethylhexyloxyphenol Methoxyphenyl Triazine (Tinosorb S) und Phenylbenzimidazole Sulfonic Acid (Ensulizole). Diese werden in Sonnenschutzmitteln verwendet und haben bei äußerlicher Anwendung eine geringe systemische Aufnahme. • Pflegestoffe und Antioxidantien wie Glycerin, Vitamin E (Tocopherol/Tocopheryl Acetate), Traubenkernextrakt, Bisabolol, Coenzym Q10 (Ubiquinone) und ein Vitamin-C-Derivat (Tetrahexyldecyl Ascorbate), die nicht als schwangerschaftsrelevant problematisch gelten. • Mineralische Pigmente wie Titanium Dioxide (CI 77891), die als Pigmente auf der Hautoberfläche verbleiben. Titandioxid (TiO2) ist eines der weltweit am häufigsten verwendeten Nanomaterialien. Der in der Lebensmittelindustrie verwendete Zusatzstoff E171 enthält TiO2. Die orale Exposition des Menschen gegenüber diesen Nanopartikeln ist umfangreich, was die Frage nach ihren Auswirkungen auf die Gesundheit aufwirft. Die tägliche orale Aufnahme von E171 bei Ratten in für den Menschen relevanten Mengen wurde mit einem erhöhten Risiko für chronische Darmentzündungen und Tumorentwicklung in Verbindung gebracht. Eine Übertragung von TiO2-Nanopartikeln von der Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft sowie eine Exposition des Kindes durch das Stillen konnte nachgewiesen werden. Die Verwendung von E171 bei der Herstellung von Lebensmitteln wurde inzwischen in vielen Ländern als Vorsichtsmaßnahme ausgesetzt (Cornu et al 2022). Titandioxid war als weißer Farbstoff in Lebensmitteln, Kosmetika, Zahnpasta und sogar Medikamenten zugelassen. Das Einatmen von Titandioxid stufte der Risikoausschuss der Europäischen Chemikalienagentur als vermutlich krebserregend ein. Die französische Gesundheitsbehörde entschloss sich 2019 aufgrund der mangelnden Datenlage Titandioxid als Zusatzstoff in Lebensmitteln nicht länger als "unbedenklich" einzustufen. Seit Mai 2021 gilt der Verzehr von Lebensmitteln mit Titandioxid laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auch in Deutschland als "unsicher". Der Verdacht auf eine erbgutschädigende Wirkung konnte durch aktuelle Studienergebnisse nicht entkräftet werden. Auf einen Vorschlag der Europäischen Kommission ist die Verwendung von Titandioxid in Lebensmitteln in Deutschland seit Februar 2022 verboten. In Deutschland war Titandioxid durch die Farbstoff-Verordnung seit 1959 als Lebensmittelfarbstoff für die Verwendung in Lebensmitteln bis 2022 zugelassen. Hinweise auf fruchtschädigende Effekte liegen bislang nicht vor. In vielen Kosmetika (z. B. auch Sonnencremes) und Medikamenten ist Titandioxid weiterhin enthalten. Für die meisten kosmetischen Inhaltsstoffe gibt es keine großen Studien speziell an Schwangeren. Daher kann man selten von „bewiesen sicher“ sprechen. Die vorliegenden Daten und die geringe Aufnahme über die Haut sprechen jedoch dafür, dass ein Sonnenschutz mit dieser Zusammensetzung als mit einer Schwangerschaft vereinbar angesehen werden kann. Das gilt auch für das von Ihnen genannte Alternativprodukt „AntheliosUVMune 400 Invisible Fluid für empfindliche Haut LSF 50“ von LaRochePosay.
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