Brahms
Sehr geehrter Herr Dr. Paulus, ich bin in der 6. SSW. Ich habe mir heute zum Frühstück eine Pural Hafergrütze zubereitet. Hierbei handelt es sich um grob zerkleinerte Haferkörner, die ich mit der 3fachen Menge Milch verrührt habe, dann habe ich sie aufkochen und bei mittlerer Hitze ca. 25 Minuten ohne Deckel köcheln lassen. Gewaschen habe ich die Mischung vorher nicht. Ich mache mir jetzt Gedanken, weil mir danach wieder eingefallen ist, dass man in der Schwangerschaft rohes Getreide meiden sollte. Gilt diese Hafergrütze als rohes Getreide? Besteht hier Anlass zur Sorge? Welche Gefahren sehen Sie hier ggf und was kann ich jetzt tun? Viele Grüße, Brahms
Ein genereller Verzicht auf „rohes Getreide“ in der Schwangerschaft ist wissenschaftlich nicht begründet. Roher Teig bzw. größere Mengen unbehandelten Mehls sollten wegen des Risikos einer Kontamination mit E. coli – Bakterien vermieden werden. Ein klassisches Frischkornmüsli aus frisch geschrotetem oder gequetschtem Getreide ist nicht mit rohem Mehl gleichzusetzen und nach nicht grundsätzlich bedenklich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Mehl ein rohes pflanzliches Lebensmittel ist und mit Shigatoxin-bildenden E. coli (STEC/EHEC) kontaminiert sein kann. Nachgewiesen wurden diese Bakterien unter anderem in Weizen-, Roggen-, Dinkel- und Buchweizenmehl. Deshalb wird vom Verzehr ungebackener Teige grundsätzlich abgeraten. Durch vollständiges Backen bzw. ausreichendes Erhitzen werden die Erreger in der Regel abgetötet. Da es sich bei Ihnen nicht um Hafermehl gehandelt hat und Sie die Grütze ohnehin aufgekocht haben, sehe ich hier keinerlei Vorbehalte wegen einer bakteriellen Kontamination.