Frage im Expertenforum Medikamente in der Schwangerschaft an Dr. med. Wolfgang Paulus:

CMV-Reinfektion bei bekannter Immunität in der 11. Schwangerschaftswoche

Frage: CMV-Reinfektion bei bekannter Immunität in der 11. Schwangerschaftswoche

MarieCl

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Sehr geehrter Herr Dr. med. Wolfgang Paulus, ​ich wende mich mit großer Verunsicherung an Sie und hoffe sehr auf Ihre Einschätzung. ​Ich bin aktuell in der 11. Schwangerschaftswoche (11. SSW). Bei meiner ersten Tochter hatte ich im Jahr 2021 eine bestätigte Immunität gegen das Cytomegalievirus (CMV), die im Mutterpass dokumentiert ist. Im Vertrauen auf diesen bestehenden Immunschutz habe ich mir bisher keine großen Gedanken gemacht und meine Tochter weiterhin im Alltag versorgt (z. B. beim Nase abwischen und auf der Toilette), wobei ich immer auf Handhygiene geachtet habe. ​Leider ist es in letzter Zeit häufiger vorgekommen, dass sie mir ins Gesicht gehustet und geniest hat (ich habe mir danach zwar immer das Gesicht gewaschen, mich aber dennoch mit einer vermutlich viralen RSV-Infektion angesteckt). ​In diesem Zusammenhang habe ich nun von der Möglichkeit einer CMV-Reinfektion gelesen und mache mir große Sorgen, ob ich dadurch meinem ungeborenen Kind in dieser frühen Phase der Schwangerschaft geschadet haben könnte. ​Dazu hätte ich gerne Ihre fachliche Einschätzung zu folgenden Fragen: ​Ist es bei bereits bekannter, älterer Immunität sinnvoll, auf eine eventuelle CMV-Reinfektion testen zu lassen? ​Wie hoch ist das tatsächliche Risiko einer Schädigung für das ungeborene Kind bei einer Reinfektion unter diesen Voraussetzungen? ​Gibt es im Falle einer Reinfektion in der 11. SSW therapeutische Optionen oder Handlungsmöglichkeiten? ​Vielen herzlichen Dank für Ihre wertvolle Arbeit und Ihre Zeit! ​Mit freundlichen Grüßen Marie


Dr. Wolfgang Paulus

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Eine verlässliche Häufigkeit echter CMV-Reaktivierungen während der Schwangerschaft ist nicht bekannt. Reaktivierung des im Körper ruhenden Virus und Neuinfektion mit einem anderen CMV-Stamm lassen sich in der Routine meist nicht auseinanderhalten. Eine frühere Infektion schützt nicht vollständig. Für Schwangere mit vorbestehender Immunität wird das Risiko einer Übertragung auf das Kind insgesamt auf etwa 0,5–1,5 % geschätzt. Das ist deutlich niedriger als nach einer erstmaligen CMV-Infektion in der Schwangerschaft, bei der etwa 30–40 % der Feten infiziert werden. Hygienemaßnahmen bleiben sinnvoll, besonders sorgfältiges Händewaschen nach Kontakt mit Urin oder Speichel kleiner Kinder und das Vermeiden gemeinsam benutzter Bestecke, Becher oder Zahnbürsten. Valaciclovir wird in europäischen Empfehlungen zur Vorbeugung der Übertragung nach einer gesicherten erstmaligen CMV-Infektion um die Empfängnis oder im ersten Trimenon empfohlen. Ein Nutzen bei Reinfektion oder Reaktivierung ist noch nicht ausreichend belegt.


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