Frage im Expertenforum Kochen für Kinder an Dipl. oec. troph. Birgit Neumann:

Zweijährige mit großem Appetit - Essen rationieren?

Frage: Zweijährige mit großem Appetit - Essen rationieren?

Sunny_31

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Sehr geehrte Frau Neumann, unsere Tochter (inzwischen 26 Monate alt) ist 85cm groß und wiegt ca. 12,5 kg. Sie ist mit einem sehr gesunden Appetit gesegnet. Dies ist auf der einen Seite schön, weil sie immer völlig unkompliziert fremde Nahrungsmittel probiert und auch gerne Gemüse isst (sogar Brokkoli und Konsorten), andererseits aber auch problematisch, weil wir den Eindruck haben, dass sie kein wirkliches Sättigungsgefühl besitzt und v.a. sehr gerne in Gesellschaft isst (Krippe, Familientisch am Wochenende). In der Krippe gibt es um 9.00 Uhr Frühstück, um 11.30 Uhr essen die Kinder dort zu Mittag. Nachdem ich in einem Gespräch mit den Erzieherinnen erfahren habe, dass mein Kind im Vergleich deutlich mehr isst als der Durchschnitt, haben die Erzieherinnen vorgeschlagen, mein Kind mal "nüchtern" in die Krippe zu schicken, um zu sehen, ob sich ihr Essverhalten verändert und ob man hier ggf. Kalorien einsparen könnte. Ergebnis: Sie ist exakt genauso viel wie immer, sie liebt es einfach, zum Buffet zu gehen und sich dort die Lebensmittel zu holen. Und nachdem sie schnell verstanden hat, dass es nur Nachschub gibt, wenn der Teller leer ist, isst sie ihn schnell (leider ist sie eine absolute Schnell-Esserin) auf. Die Erzieherinnen versuchen nun, sie ein bisschen zu bremsen, wenn es zu extrem werden sollte (z.B. auch bei Wurst und Süßwaren, die es hin und wieder gibt), sind aber der Meinung, dass ich dieses Thema ja nicht in ihrer Gegenwart ansprechen sollte, damit es nicht zum Thema meines Kindes wird. Insgesamt versuche ich, meine Tochter gesund zu ernähren und ihr Freude an der Bewegung zu vermitteln (sie ist auch ein richtiges Energiebündel, das gerne rumtobt), aber ich habe den Eindruck, dass dies allein inzwischen nicht mehr ausreicht. Macht es Sinn, ihre Essensrationen zu beschränken? Oder soll ich auf besonders zuckerhaltige Lebensmittel, wie Weintrauben, Bananen oder Cocktailtomaten verzichten? Sie bekommt zuhause ein Frühstück (meistens ein belegtes Brot in der Größe eines Toastbrots), dann eben in der Krippe ein zweites Frühstück sowie ein Mittagessen (frisch und abwechslungsreich mit Bioprodukten gekocht, dort liebt sie vor allem Kartoffeln in jeglicher Darreichungsform), nachmittags Obst und evtl. wieder eine Scheibe Brot (sie isst die Dinge am liebsten immer in ihrem ursprünglichen Zustand, also Brot ohne Butter o.ä.), abends aber dann nochmal eine ordentliche Brotzeit (eine ganze Breze oder eben wieder Brot, hin und wieder eine Scheibe Schinken, als Rohkost Tomaten, Gurke, Paprika etc.). Käse etc. mag sie nicht so gerne, aber Joghurt mit Müsli isst sie ebenfalls gerne zu Abend. Sie bekommt ausschließlich Wasser zu trinken, Schokolade etc. sehr selten (z.B. an Ostern, vielleicht mal ein paar kleine Vollkornkekse nach dem Kinderturnen), isst aber wahnsinnig gerne Obst und das auch in rauen Mengen. Ist das vielleicht zu viel Fruchtzucker? Problematisch sehe ich auch, dass sie immer etwas zu essen haben will, wenn sie etwas bei uns Erwachsenen sieht. Beispiel: Sie hat bereits zu Abend gegessen, mein Mann kommt nach Hause und hat logischerweise auch Hunger und sie bettelt ihm dann immer noch ein Stück Breze o.ä. ab. Dieses "Daueressen" (oder sehe ich das zu streng, wie mein Mann meint?) finde ich nicht in Ordnung. Wie beurteilen Sie als Expertin dieses Essverhalten? Machen wir Eltern irgendwo Fehler? Herzliche Grüße!


Birgit Neumann

Birgit Neumann

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Hallo Sunny_31 eigentlich ist es doch schön, dass eure Tochter mit einem so großen Appetit zu essen pflegt. Größe und Gewicht sind auch völlig normal und altersentsprechend. Im Rahmen meiner Arbeit hier im Forum Kochen für Kinder kann und darf ich dies jedoch nicht beurteilen. Wenn du wegen des großen Appetits besorgt bist, solltest du dich einmal mit dem KiA besprechen. Vielleicht kann er dir deine Sorgen nehmen und du kannst deine Tochter wieder mit mehr Freude essen sehen. Gesunde Kinder haben nämlich tatsächlich ein sehr gutes Bauchgefühl in Bezug auf die Signale "Hunger" und "Satt". Manche Kinder brauchen größere Mengen um optimal satt zu werden und manche Kinder brauchen nur kleine Mengen. Manche Kinder essen gerne und viel und am liebsten immer und manche Kinder essen nur wenig und selten. Wichtig ist, dass Wichtig ist dafür, dass Kinder aus einem großen Repertoire mit gesunden Angeboten schöpfen können. Dies ist, wie du schreibst, bei euch gegeben. Du als Mama darfst also ruhig weiterhin das Angebot bestimmen und dein Kind darf die jeweilige Essmenge bestimmen. Auch in der KiTa. Nur bei Kuchen, Keksen und anderen Süßigkeiten, Snacks und Co darfst und solltest du die Menge vorgeben. Mit 3 (möglichst) gemeinsamen Hauptmahlzeiten und 2 ZMZ kann sich dein Kind aus dem ausgewogenen, gesunden Speisenangebot bedienen und sich nach ihrem Ermessen satt essen. Kinder können hier gut für sich selbst sorgen. Es ist gut, wenn du dich an den üblichen Empfehlungen orientierst, aber es ist nicht notwendig, dass du die Essmengen deines gesunden Kindes täglich kontrollierst. Die Mengenangaben können auf eine Woche hochgerechnet werden. Denn häufig ist es so, dass auf scheinbare Freßtage, Tage an denen ein Kind schier unersättlich scheint auch wieder Picky-eating Tage folgen, also Tage an denen ein Kind nur lustlos im Essen stochert. So gleicht sich das wieder aus.. Auch Wachstumsschübe gehen mit größerem Appetit und entsprechend größeren Essmengen über einen begrenzten Zeitraum einher. Ernährungsempfehlungen müssen trotzdem immer individuell überprüft und angepasst werden. Exakt angepasste und damit ideale Empfehlungen gibt es nur für Max Mustermann bzw für den "Durchschnittsbürger/Durchschnittskind". Empfehlungen sind grobe Richtlinien. Sie können als Orientierung dienen und evtl grobe Unterschiede, sowie z.B. auch andere besondere Auffälligkeiten zeigen. Hier ist zunächst einmal ein Überblick über Essmengen, die für viele 2-jährige Kinder grob gut passen: 120g Getreide/Brot 140g Kartoffeln (bzw Reis, Nudeln etc) 150g Gemüse 150g Obst 330ml Milch, Milchprodukte (Kuhmilch)** 35g Fleisch/Wurst 1-2 Eier pro Woche 25g Fisch pro Woche 20g Streichfett/Öl geduldet sind ca 10% Süßigkeiten am Gesamtanteil der zugeführten Energiemenge* (*tägl Energiemenge ca 1100 kcal) die Angaben entsprechen OptiMIX. Konkret bedeutet das etwa: 2-3 Scheiben Brot (je nach Größe) 2 mittelgroße Kartoffeln 1 mittelgroßes Stück Gemüse (1/2 Zucchini + 1 Möhre) 1 kleiner Apfel und 1/2 Banane 1 B Joghurt (150g) plus 1 großes Glas Milch (200ml) oder 2 Sch Schnittkäse (30g) + 1 kleines Glas Milch (150ml) Bedenke auch: manche Kinder haben dennoch einen größeren Appetit. Der Energiebedarf ist von mehreren Faktoren abhängig und kann nicht pauschal genannt werden. Kennst du OptiMIX, die sog. optimierte Mischkost? Diese Ernährungs-Empfehlungen wurden aus umfangreichen Forschungsarbeiten zusammen getragen und sind praxisnah formuliert. ** - 100 ml Milch entsprechen ca 15 g Schnittkäse/30 g Weichkäse, 100g Naturjoghurt etc * - je 100 kcal = 1 Kugel Eiscreme / 45 g Obstkuchen /4 Butterkekse /4 EL Flakes /4 TL Zucker /2 EL Marmelade / 30 g Fruchtgummi oder 20 g Schokolade/ 10 Stck. Chips / 1 Glas (200 ml) Limonade, Fruchsaftgetränk hier noch einmal: das tägliche Essen/wöchentliche Essen sollte bestehen aus: Reichlich Getreideprodukte wie Brot, Nudeln, Reis etc reichlich Obst und Gemüse, etwa 5 P am Tag (3 P Gemüse, 2 P Obst) 1 P = die Füllmengen einer hohlen Kinderhand. gefolgt von Kuhmilch- und Milchprodukten (ca 300 ml am Tag) dann Fleisch, Fisch, Eiprodukte schliesslich noch einen kleinen Anteil an sichtbaren Fetten und Ölen am wenigstens sollte der Anteil Süßigkeiten sein ausreichend Getränke, Wasser Das empfohlene Maß von ca 330ml Milch(-produkten) am Tag solltet ihr nicht zu häufig in zu großem Ausmaß überschreiten. und: Essmengen werden häufig subjektiv beurteilt. Was auf dem Teller als "viel", d.h. als große Portion erscheint, kann aufgrund eines niedrigen Nährwertes (=wenig Kalorien) wenig sättigen. Und umgekehrt, kann eine kleine Menge Essen (= kleine Portion) mit hohem Energiewert (=viel Kalorien) schnell und lange sättigen. Fazit: verschiedene LM sättigen unterschiedlich. Fett hat viele Kalorien, aber nimmt nur wenig Volumen ein, sodass eine Mahlzeit zwar klein erscheinen mag, weniger Essaufwand erfordert, aber trotzdem gut sättigt. Ein kleines Stück Pizza (mit Öl, Salami und Käse) ist länger sättigend als ein dünn mit Butter bestrichenes und mit Putenwurst belegtes Brotscheibchen. Auch wenn beide Mahlzeiten optisch gleich groß erscheinen. Zu einem ausgewogen zusammen gestellten und satt machenden Hauptgericht gehört: eine Portion Gemüse oder Salat und neben einer eiweissliefernden Speise wie Fleisch Käse, Fisch etc auch eine stärkehaltige Zutat wie Nudeln, Reis, Kartoffeln. So macht das Essen satt. Ich möchte hier kurz nachhaken. Bei deiner Schilderung (welche jedoch nur einen sehr kleinen Einblick in die Essgewohnheiten zeigt) fällt mir bspw auf, dass die Speisenauswahl deiner Tochter sehr kohlenhydratlastig ist mit einer Tendenz zu fettarm? Trockenbrot, viel Obst, Kartoffeln, Gemüse, Schinken .... Jetzt schau dir einmal euren Plan und die bevorzugte Speisenauswahl deiner Tochter genauer an. Stellst du größere Abweichungen zu den üblichen Empfehlungen fest? Oder fällt dir auf, dass bspw eine Lebensmittelgruppe zu übermäßig oder eine Gruppe bspw zu gering wird? Wie ist es mit Milch, Fleisch, Fisch, Ölen, stärker kalorienhaltigen Mittagsspeisen? Solange sich eure Tochter ganz normal entwickelt, Größe und Gewicht stimmen, brauchst du nach meiner Meinung eigentlich nichts zu ändern. Lass deine Tochter weiterhin mit Spaß, Freude und Genuß essen und handle du instinktiv bzw intuitiv. Wenn du den Eindruck hast, dass es zu viel von Etwas wird, dann darfst du deine Tochter ruhig bremsen. Und auch im Kiga funktioniert das auf diese Weise sicher gut. Die Erzieherinnen könnten bspw auf eine freundliche Art darauf hinweisen, dass die anderen Kinder von der Speise auch noch etwas bekommen dürfen und sollten und dass es jetzt reicht. Auf diese Weise lernt deine Tochter einen achtsamen Umgang. Hilft dir das weiter? Also dann Grüße Birgit Neumann


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