Marie2201
ich bin 41 Jahre alt, mein Mann 43. Unsere Tochter wurde im November nach ICSI geboren (stark eingeschränktes Spermiogramm, OAT2–3). Bei mir besteht eine immunologische Problematik (fehlende KIR-Gene); im erfolgreichen Zyklus habe ich Prednisolon und Granocyte erhalten. Mein AMH lag vor 3 Jahren bei 2,6. Die Geburt endete nach Einleitung und Wehensturm in einer Sectio. Wir wünschen uns zeitnah ein Geschwisterkind und planen aufgrund unseres Alters eine PID-Behandlung im Ausland (z. B. Spanien oder Prag). Aktuell stille ich noch voll, plane aber ggf. in 3–4 Monaten abzustillen. Da bei PID zunächst Stimulation und Kryokonservierung erfolgen, würde sich ein Transfer ohnehin verzögern. Meine Fragen: Ab wann nach Sectio ist eine ovarielle Stimulation medizinisch vertretbar? Muss das Stillen vor Beginn der Stimulation vollständig beendet sein? Ab wann wäre realistisch ein Embryotransfer möglich? Vielen Dank für Ihre Einschätzung.
Vielen Dank für Ihre sehr klare und gut strukturierte Schilderung – und zunächst herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer Tochter. Ihre Überlegungen sind medizinisch absolut nachvollziehbar, insbesondere vor dem Hintergrund Ihres Alters, der bisherigen ICSI-Indikation und der immunologischen Konstellation. Ich gehe Ihre Fragen der Reihe nach durch. 1. Ab wann nach Sectio ist eine ovarielle Stimulation vertretbar? Aus medizinischer Sicht gilt: Die ovarielle Stimulation belastet die Kaiserschnittnarbe nicht direkt, da sie weder den Uterus mechanisch noch hormonell in einer Weise beansprucht, die die Narbenheilung gefährden würde. Entscheidend ist vielmehr Ihr allgemeiner postpartaler Erholungszustand. Pragmatische Empfehlung aus der Reproduktionsmedizin: Eine ovarielle Stimulation ist frühestens ab etwa 3 Monaten nach Sectio vertretbar, sicherer und in der Praxis häufiger ab 4–6 Monaten post partum, insbesondere wenn: keine Wundheilungsstörungen bestanden, keine relevante Anämie oder Infektion vorliegt, Sie sich körperlich wieder stabil fühlen. Da Sie ohnehin eine „Stimulation mit Kryokonservierung“ (Freeze-all) planen und kein frischer Transfer vorgesehen ist, ist dieser zeitliche Ansatz medizinisch sehr gut vertretbar. 2. Muss das Stillen vor Beginn der Stimulation beendet sein? Kurz gesagt: Ja – zumindest weitgehend. Etwas differenzierter: Warum Stillen problematisch ist: Stillen führt zu erhöhten Prolaktinwerten. Prolaktin kann: die ovarielle Antwort auf FSH abschwächen, die Follikelreifung stören, zu unvorhersehbaren Hormonverläufen führen. Zusätzlich sind Gonadotropine, Trigger-Medikamente und ggf. Begleitmedikation (z. B. Cortison) nicht für die Stillzeit zugelassen. Empfehlung: Für eine qualitativ gute Stimulation, insbesondere in Ihrem Alter: vollständiges Abstillen vor Beginn der Stimulation anschließend eine kurze hormonelle „Beruhigungsphase“ von ca. 4–6 Wochen, damit: Prolaktin sich normalisiert, der Zyklus wieder zuverlässig steuerbar wird. ➡️ Ihr Plan, in 3–4 Monaten abzustillen, ist daher medizinisch sehr sinnvoll. 3. Ab wann wäre realistisch ein Embryotransfer möglich Hier müssen wir zwei Zeitachsen berücksichtigen: PID-Logistik und Gebärmutter-Erholung nach Sectio. a) PID-Ablauf (realistisch): Abstillen 4–6 Wochen Zyklusnormalisierung Ovarielle Stimulation Eizellentnahme ICSI + Blastozystenkultur PID-Analyse Kryokonservierung → Dauer bis „fertige“ Embryonen: ca. 2–3 Monate b) Uterus & Sectio-Narbe: Unabhängig von der Stimulation empfehlen die meisten Leitlinien und Zentren: Embryotransfer frühestens 6 Monate nach Sectio, manche Zentren bevorzugen 9–12 Monate, insbesondere nach: Wehensturm, sekundärer Sectio, längerem Geburtsverlauf. Das hat weniger mit der Gefahr einer Ruptur zu tun, sondern mit: optimaler Endometrium-Rezeptivität, ausreichender Narbenkonsolidierung, geringerer Rate an: Plazentationsstörungen, frühen Aborten. Realistische Gesamtplanung: Wenn Sie: in 3–4 Monaten abstillen, danach stimulieren, Embryonen kryokonservieren, ➡️ Ein Embryotransfer wäre realistisch etwa 8–12 Monate nach der Geburt, abhängig von: Ihrem gynäkologischen Befund (Narbenultraschall), Zyklusstabilität, immunologischer Strategie (z. B. erneuter Einsatz von Prednisolon / Granocyte). Ein wichtiger zusätzlicher Punkt (gerade bei Ihnen) Aufgrund: Ihres Alters, der bekannten fehlenden KIR-Gene, der Tatsache, dass der erfolgreiche Zyklus immunologisch begleitet war, würde ich sehr klar empfehlen: die Immuntherapie bereits in der Stimulations- und Transferplanung mitzudenken, auch im Ausland (Spanien/Prag) vorab verbindlich abzuklären, ob: Prednisolon, ggf. Granocyte oder alternative NK-Modulation akzeptiert und umgesetzt werden. Nicht jedes PID-Zentrum handhabt das gleich. Zusammenfassung in Kürze Stimulation nach Sectio: ✔️ möglich ab ca. 4–6 Monaten, medizinisch vertretbar Stillen: ❌ sollte vor Stimulation beendet sein ✔️ danach 4–6 Wochen Pause Embryotransfer: ✔️ realistisch ab 8–12 Monaten post partum, abhängig von Narbenheilung Ihr Plan insgesamt: 🟢 medizinisch gut durchdacht 🟢 zeitlich sinnvoll 🟢 dem biologischen Zeitfenster angemessen Ich wünsche Ihnen für diesen Weg viel Zuversicht – Sie gehen ihn sehr reflektiert und medizinisch klug. Viel Erfolg!
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