Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Weiterer Weg

Frage: Weiterer Weg

Blaumeise

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Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger,  ich wende mich noch einmal an Sie, da ich Ihre Meinung und Ihre Beiträge hier im Forum sehr schätze.  Ich fasse einmal meine Situation zusammen:  Ich bin 37, mein Mann 39, und wir haben seit dreieinhalb Jahren einen unerfüllten Kinderwunsch.  Bisherige Behandlungen:  drei Inseminationen  zwei ICSIs mit 6 Embryotransfers danach Klinikwechsel 3. ICSI, Embrace Test, dann 2 x Transfer von jeweils einer euploiden Blastozyste Befunde/Medikation:  Adenomyose (einmalig erfolgte eine Downregulation über 2 Monate vor Transfer, ohne Erfolg) Mikrobiom wurde dieses Jahr untersucht und mit Antibiotikum und Probiotikum behandelt  Keine Endometritis Mehrfache Verwendung von Granocyte bei KIR Profil AA  Beim letzten Transfer zusätzlich Heparin + ASS + Prednisolon  Ich fühle mich ausgelaugt. Ich bin psychisch sehr angeschlagen (habe schon psychologische Betreuung) und die Arbeit belastet mich zusätzlich. Ich funktioniere nur noch und selbst Urlaub bringt keine richtige Erholung.  Eine Pause zu machen sehe ich aber kritisch, wegen meines Alters.  Mein Mann und ich möchten nun ins Ausland gehen, um eine neue Stimulation mit PGTA machen zu können. Das ist ein großer Schritt, und gleichzeitig belastet mich folgende Frage:  Meine Ärztin in Deutschland hat mir zu einer Bauchspiegelung geraten, um eventuelle Endometriose-Herde entfernen zu lassen. Gleichzeitig soll eine erneute Gebärmutterspiegelung durchgeführt werden.  Ich habe seit 15 Jahren starke Regelschmerzen, aber im Ultraschall sieht man nur die Adenomyose. Bisher haben mir alle Ärzte von einer Bauchspiegelung abgeraten. Ich habe einerseits Angst vor dem Eingriff, andererseits möchte ich es gern abgeklärt haben nach dieser langen Zeit. Ich frage mich sonst ständig, welchen Einfluss die Endometriose haben könnte.  Eine Bauchspiegelung und die neue ICSI kurz nacheinander wirken auf mich gerade sehr bedrückend, da beides Eingriffe mit Narkose sind, die den Körper belasten. Hinzu kommen die Hormone und der psychische Stress.  Wie schätzen Sie meine Situation ein?  Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.  Herzliche Grüße  N.


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Sehr geehrte Frau N., ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Sie nach dreieinhalb Jahren, mehreren ICSIs und inzwischen sogar zwei Transfers euploider Blastozysten erschöpft sind. Gerade die beiden erfolglosen Transfers euploider Embryonen sind für mich ein Grund, noch einmal systematisch nach möglichen Faktoren auf Seiten der Gebärmutter zu suchen. Bei 15 Jahren ausgeprägter Regelschmerzen und bekannter Adenomyose halte ich den Verdacht auf eine zusätzliche Endometriose durchaus für nachvollziehbar. Dass im Ultraschall keine Herde sichtbar sind, schließt eine Endometriose nicht sicher aus. Deshalb finde ich in Ihrer besonderen Situation die Überlegung einer Bauchspiegelung – gegebenenfalls kombiniert mit einer erneuten Gebärmutterspiegelung – durchaus berechtigt. Allerdings würde ich Ihnen nicht versprechen, dass eine Operation anschließend automatisch die Einnistung verbessert. Gerade an den Eierstöcken sollte sehr zurückhaltend operiert werden, da dort jeder Eingriff auch gesundes Eierstockgewebe und damit die Eizellreserve beeinträchtigen kann. Gleichzeitig verstehe ich Ihre Sorge um die Zeit. Mit 37 Jahren würde ich deshalb nicht zu einer langen, unbestimmten Pause raten. Eine interessante Strategie könnte vielmehr sein, zunächst Eizellen beziehungsweise Embryonen zu sichern. In einigen Ländern bestehen hierfür deutlich weitergehende Möglichkeiten: Nach einer neuen Stimulation können Eizellen kryokonserviert oder nach Befruchtung und entsprechender genetischer Untersuchung (z. B. PGT-A) geeignete Embryonen eingefroren und für einen späteren Transfer aufbewahrt werden. In Deutschland sind insbesondere die genetische Untersuchung und Auswahl von Embryonen wesentlich strenger gesetzlich reguliert; eine PID ist nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. Danach könnten Sie sich die notwendige Zeit für die weitere Abklärung der Adenomyose beziehungsweise einer möglichen Endometriose und vor allem auch für Ihre eigene Erholung nehmen. So würde die biologische Uhr der Eizellen während dieser Zeit gewissermaßen angehalten. Und noch einen Gedanken möchte ich Ihnen mitgeben. Es gibt ein schönes, sinngemäßes Bild aus der Reproduktionsbiologie: Die Natur „prüft“ vor einer Schwangerschaft sehr sorgfältig, ob die Bedingungen stimmen. Ich würde das nicht als wissenschaftlich bewiesenen Schutzmechanismus Ihres Körpers verstehen. Aber als Bild finde ich es bei Ihnen durchaus passend: Sie beschreiben sich selbst als erschöpft, psychisch angeschlagen und am Ende Ihrer Kräfte. Vielleicht sollten wir deshalb nicht nur fragen: Was können wir medizinisch noch zusätzlich tun?, sondern auch: Wie bekommen wir Ihre persönlichen Ampeln wieder von Rot auf Grün? Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Ihre Erschöpfung die bisherigen Misserfolge verursacht hat. Aber eine Schwangerschaft verlangt Ihrem Körper und Ihrer Seele nochmals viel ab. Einige Wochen oder auch wenige Monate, in denen bereits Eizellen oder Embryonen gesichert sind und Sie wieder Kraft sammeln können, können deshalb etwas völlig anderes sein als eine verlorene Kinderwunschpause. Mein persönlicher Weg wäre daher eher ein Vorgehen in Etappen: zunächst Eizellen bzw. Embryonen sichern, anschließend die Endometriose-/Adenomyose-Frage und die Gebärmutterhöhle gezielt klären, Ihnen Zeit zur Regeneration geben und erst danach mit möglichst guten Voraussetzungen den nächsten Transfer angehen. Sie müssen diesen Weg nicht im Sprint laufen. Entscheidend ist, dass Sie am Ende noch genügend Kraft für das haben, worum es eigentlich geht: eine Schwangerschaft und hoffentlich Ihr Kind. Herzliche Grüße Friedrich Gagsteiger


Blaumeise

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Vielen Dank, das hilft mir auf jeden Fall weiter. 🙏🏻


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung – darüber freue ich mich sehr. 🙏🏻 Wir machen diese Beratung hier freiwillig und mit viel Herzblut, weil es uns wichtig ist, Menschen auf ihrem Kinderwunschweg ein Stück zu begleiten. Wenn Sie sich dafür bedanken möchten, freuen wir uns sehr über eine freundliche und wohlwollende Google-Bewertung für BestFertility. Sie finden uns ganz einfach über www.bestfertility.de. Damit helfen Sie nicht nur uns, sondern vielleicht auch anderen Paaren, die auf der Suche nach Unterstützung und einer guten Anlaufstelle für ihren Kinderwunsch sind. Herzlichen Dank – und für Sie weiterhin alles Gute! 🍀


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