Neelia25
Hallo Herr Dr. Gagsteiner, mein Mann und ich sind 29 Jahre alt, seit 1,5 Jahren im Kinderwunsch und seit 4 Monaten in der Kinderwunschklinik. Für die Tatsache, dass es in 1,5 Jahren nicht geklappt hat, gibt es keine wirkliche Erklärung. Ich hatte nach dem absetzen der hormonellen Verhütungsmittel immer einen regelmäßigen 28-30 Tage-Zyklus, erhielt dann von meinem Frauenarzt Clomifen, zur Unterstützung, weil mein Eisprung zu spät im Zyklus erfolgte und nach 5 erfolglosen Clomifenzyklen letztendlich die Überweisung für die Kinderwunschklinik. Das Spermiogramm meines Mannes zeigte anfänglich leichte Abweichungen, zwischenzeitlich ist es aber gut. Wir haben nun zwei IUI's hinter uns, die dritte steht nun an. Ich frage mich, wie es danach weitergehen kann/soll, sollte auch diese IUI scheitern. Unsere Werte sind alle gut und ergeben keine Auffälligkeiten. Meine Gerinnung wurde getestet - unauffällig. Die Durchgängigkeit der Eileiter wurde getestet - unauffällig. Meine Schleimhaut ist nie wirklich hoch aufgebaut, aber ausreichend bei +- 6-7 mm. Unsere Ärztin ist noch ziemlich entspannt (für sie sind wir vermutlich kein außergewöhnlicher Fall und verhältnismäßig noch jung). Ich bin mit der Tatsache, dass keine weitere Diagnostik erfolgt, weil sie keine Indikation dafür sieht (ich hatte bspw. um eine Gebärmutterspiegelung gebeten) nicht ganz zufrieden. Das Protokoll bei den IUI's ist auch immer das selbe (ZT 5-9 Letrozol und ab IUI Progesteron) auch das stört mich irgendwo, weil bspw. meine Schleimhaut medikamentös hätte optimiert werden können. Nach der dritten IUI dürfen wir auf IVF umsteuern, das hat sie uns bereits zugesagt. Macht es Sinn, doch nochmal um weitere Diagnostik zu beten (und wenn ja welche?) oder um eine Veränderung im Protokoll (und wenn ja welche?) Ich freue mich über Ihre Rückmeldung!
Guten Tag,, vielen Dank für Ihre offene und sehr reflektierte Schilderung. Ich kann gut nachvollziehen, dass Sie sich medizinisch grundsätzlich korrekt betreut fühlen, gleichzeitig aber das Bedürfnis haben, noch genauer hinzusehen und vorhandene Stellschrauben besser zu nutzen. Beides ist absolut berechtigt. 1. Ihre aktuelle Situation Rein leitlinienorientiert gelten Sie als Paar mit ungeklärter Infertilität: Sie sind jung, haben regelmäßige Zyklen, Eisprünge finden statt, die Eileiter sind durchgängig, die Gerinnungsdiagnostik ist unauffällig und das Spermiogramm Ihres Mannes ist aktuell „normal“. Aus dieser Perspektive sind drei IUI-Versuche mit ähnlichem Schema medizinisch vertretbar – das bedeutet aber nicht, dass man nichts weiter optimieren oder hinterfragen darf. 2. Qualität der Insemination: ein oft unterschätzter Faktor Nicht jede IUI ist technisch gleichwertig. Entscheidend ist, wie die Spermien vor der Insemination aufbereitet werden. In spezialisierten Zentren werden moderne Separationsverfahren eingesetzt, die gezielt eine hohe Zahl schnell beweglicher und funktionell guter Spermien anreichern. Es ist daher völlig legitim, konkret nachzufragen: wie die Aufbereitung erfolgt wie viele progressiv bewegliche Spermien tatsächlich inseminiert werden 3. Spermiogramm: „unauffällig“ heißt nicht automatisch optimal Ein normales Spermiogramm bedeutet lediglich, dass die WHO-Grenzwerte überschritten werden. Diese Grenzwerte entsprechen statistisch etwa dem unteren 5-Prozent-Bereich fruchtbarer Männer. Werte nahe dieser Grenze sind funktionell häufig eher ein „knappes Ausreichend“ als wirklich gut. Deshalb ist es sinnvoll, genauer hinzusehen und ggf. ergänzend zu prüfen: Qualität der Motilität und Anzahl nach Aufbereitung bei Bedarf eine DNA-Fragmentationsanalyse, die trotz normalem Spermiogramm auffällig sein kann 4. Schleimhaut und Stimulation – „ausreichend“ ist nicht gleich „optimal“ Eine Schleimhaut von 6–7 mm ist formal ausreichend, aber nicht immer ideal. Antihormonelle Medikamente wie Clomifen oder Letrozol können bei manchen Frauen den Schleimhautaufbau limitieren. In solchen Fällen ist es durchaus sinnvoll, über Alternativen zu sprechen, z. B.: milde FSH-Stimulation, die oft einen physiologischeren Schleimhautaufbau ermöglicht ggf. zusätzliche Östrogenunterstützung 5. Eisprungauslösung und Lutealphase: genauer hinschauen Wir empfehlen eine klare Ovulationsauslösung (z. B. mit Ovitrelle) und nicht nur eine pauschale Unterstützung der zweiten Zyklushälfte. Sinnvoll ist: ca. 7 Tage nach dem Eisprung die Bestimmung von Progesteron und Estradiol, um sicherzustellen, dass der Gelbkörper ausreichend arbeitet und die Unterstützung wirklich passt. 6. Weitere Diagnostik vor IVF – ja, das darf man wünschen Eine Gebärmutterspiegelung ist bei Ihnen nicht zwingend erforderlich, aber bei ungeklärter Infertilität absolut vertretbar, insbesondere wenn man vor dem Schritt zur IVF innerlich „alles geklärt“ haben möchte. Kleine Befunde, die im Ultraschall nicht sichtbar sind, lassen sich so ausschließen. 7. Wie es weitergehen kann Der Wechsel zur IVF nach der dritten IUI ist medizinisch absolut sinnvoll und kein „Versagen“. Sehr häufig liefert die IVF erstmals zusätzliche Informationen zur Eizellreifung, Befruchtung und Embryonalentwicklung, die vorher nicht zugänglich waren. Mein Fazit Sie sind kein komplizierter Fall, aber auch kein Fall, der einfach schematisch „durchlaufen“ werden muss. Es ist völlig legitim, jetzt gezielt nachzufragen nach: Qualität der Spermienaufbereitung genauer Einordnung des Spermiogramms möglicher Zusatzdiagnostik (z. B. DNA-Fragmentation, Hysteroskopie) Anpassung des Stimulationsprotokolls aktiver Kontrolle der Lutealphase Diese Fragen sind Ausdruck von verantwortungsvoller, informierter Mitentscheidung – nicht von Misstrauen. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger von Bestfertility
Neelia25
Hallo Herr Dr. Gagsteiner, vielen lieben Dank für Ihre schnelle und ausführliche Rückmeldungen. Ihr letzter Satz ist an dieser Stelle sehr treffend. Oft habe ich das Gefühl, ich löse Misstrauen mit meinen Nachfragen aus, aber darum geht es mir überhaupt nicht. Wenn ich alles besser wissen würde, wäre ich nicht im Kinderwunschzentrum. Ich bin keine Ärztin und vertraue da voll und ganz auf die Profis, das Mitdenken kann und will ich dennoch nicht ausstellen. Wir sind in einem relativ modernen Kinderwunschzentrum, von daher gehe ich davon aus, dass die Aufbereitung der Spermien auch dementsprechend erfolgt, werde hier im nächsten Zyklus dennoch nachfragen und auch die Untersuchung der DNA-Fragmentierung anstoßen. Ovitrelle erhalte ich bereits, das hatte ich bei meiner Schilderung vergessen und auch die Hormonwerte werden regelmäßig im Zyklus mittels Blutabnahme gecheckt. Nun bin ich gespannt und gut vorbereitet für den nächsten Zyklus. Ich danke Ihnen sehr!
Ähnliche Fragen
Hallo, ich weiß nicht was ich machen soll :( Ich bin 30 und habe einen sehr guten AMH Wert von 4,6. Leider habe ich nur noch einen Eierstock, in dem sich zwei Dermoidzysten mit 2cm und 1.5cm Durchmesser befinden. Nun die Frage, ob ich eine IUI machen soll und es riskiere, dass die Zysten ggf. wachsen, den Eierstock zerstören, etwas mit dem Kind ...
Hallo! Im Jahr 2022 hatte ich meine erste IUI, ich musste an einem Donnerstag mit Ovitrelle auslösen und am Freitag war dann schon die IUI. Gleich erfolgreich und alles ist super verlaufen. Nun möchten wir ein weiteres Kind und heute hatte ich meine zweite IUI. Die erste letzten Monat war erfolglos. Nun beschäftigt mich die Vorgehensweise, ob es ü ...
Lieber Herr Dr. Gagsteiger, 2020 war ich erstmalig nach drei Übungszyklen schwanger und habe ein gesundes Kind zur Welt gebracht. Im letzten Jahr war ich nach 12 Übungszyklen erneut schwanger. Leider endete die Schwangerschaft in der 12. Woche in einem missed abort. Nun versuchen wir es seit 7 Monaten erneut, leider erfolglos. Ich bin 37, daher ...
Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt, Ich habe meine erste IUI gemacht. Ich habe mir am Sonntag um 21 Uhr eine Ovidrel-Injektion gespritzt und am Montag um 12 Uhr war die IUI fertig. Mein Follikel war 17 mm groß. Ich habe gelesen, dass die IUI 36 Stunden nach der Einnahme der Ovidrelle-Injektion erfolgen sollte. Warum hat mein Arzt es erst nach 15 St ...
Hallo Herr Dr. Gagsteiger, mein Mann und ich befinden uns gerade im 2. IUI-Zyklus. Gestern hat die Insemination (2 Tage vorher Blutentnahme und Ultraschallkontrolle) stattgefunden. Ich hätte eigentlich mit Ovitrelle auslösen sollen, habe es aber aufgrund einer Thrombose-Angststörung nicht geschafft, sodass wir es unstimuliert versuchen wollten. ...
Guten Tag. Mein Mann (35) und ich versuchen seit 1 Jahr auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Mein Mann hat 2 SGs, das letzte ist vom März 25 und hat folgende Parameter: Volumen: 2,4 ml pH: 7,4 Viskosität: normal Verflüssigung: vollständig Mikroskopische Beurteilung: Spermatozoen-Konzentration: 16,6 Mio./ml Gesamt-Spermatoz ...
Guten Tag. Mein Mann (35) und ich versuchen seit 1 Jahr auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Mein Mann hat 2 SGs, das letzte ist vom März 25 und hat folgende Parameter: Volumen: 2,4 ml pH: 7,4 Viskosität: normal Verflüssigung: vollständig Mikroskopische Beurteilung: Spermatozoen-Konzentration: 16,6 Mio./ml Gesamt-Spermatozoenanzahl: ...
Hallo, ich habe eine wichtige Frage .. wir haben heute unsere 2 iui hinter uns . Und bei diesem Mal lief alles irgendwie anders ich habe das Gefühl alles fand viel zu früh statt ...Ich habe mit gonal F 50 IE stimuliert .. am ZT 9 beim Ultraschall war ein Follikel zu sehen 10mm und die GMS war bei 6mm dann wurde mir Blut abgenommen ( estradiol 10 ...
Guten Tag Dr. Emig, Ich habe Zuhause eine IUI mit Katheter durchgeführt und auch Kinderwunschgleitgel angewendet. Ich habe auch ein Spekulum angewendet es war so nach der Insemination ist auch wieder Sperma rausgelaufen aber nun habe ich Unterbauchziehen..wollte nur fragen ob es normal ist? Und besteht trotz herauslaufen von Sperma schwanger zu ...
Sehr geehrter Herr Dr. Robert Emig, mein Freund (m, 35j.) & ich (w, 37j,) hatten dieses Jahr auf natürlichem Weg, Anfang Januar, einen positiven SST in den Händen. (3 Übungszyklen, und beim 4. hatte es dann geklappt) Leider wurde aber Ende Februar ein Operativer Abort durchgeführt. Auf anraten des Arztes, haben wir bis Juli abgewartet, da ...
Die letzten 10 Beiträge
- Weitere Vorgehensweise nach IUI?
- Hcg-Wert verdoppelt sich nicht - trotzdem alles okay?
- 10 Wochen nach der Geburt stechen in der Scheide
- Verspäteter Eisprung oder Östrogendominanz?
- Lutealinsuffizienz?
- Streiten nach Embryotransfer
- Streit mit Partner nach Embryotransfer
- Geplante Schwangerschaft nach Fehlgeburt + Fernreise
- Fehlende Periode nach Ausschabung - Asherman?
- 2. Kinderwunsch