Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Kryotransfer

Frage: Kryotransfer

MarieCurie2025

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Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, mich würde das Thema Kryotransfer nochmal interessieren: Hier gibt es ja den Unterschied zwischen einem künstlichen und einem natürlichen Kryotransfer, soviel ist mir bekannt. Wonach wird denn entschieden, welche Variante durchgeführt wird. Gibt es hier auch Unterschiede bei der Erfolgsquote?   Vielen Dank schonmal vorab.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend Natürlicher oder künstlicher Kryozyklus – was ist der Unterschied und was ist besser?   Wenn ein Embryo nach einer IVF oder ICSI eingefroren wurde, stellt sich bei einem späteren Transfer die Frage, in welchem Zyklus man diesen Embryo am besten zurückgibt – also „auftaut“ und in die Gebärmutter einsetzt. Dabei gibt es zwei grundsätzliche Möglichkeiten: den natürlichen Zyklus oder den sogenannten künstlichen (substituierten) Zyklus.   Im natürlichen Zyklus baut der Körper die Gebärmutterschleimhaut selbst auf, ein Eisprung findet statt, und der Transfer wird exakt an den natürlichen Hormonverlauf angepasst – entweder nach dem spontanen Eisprung oder nach einer gezielten Eisprung-Auslösung. Diese Variante kommt infrage, wenn der Zyklus regelmäßig ist, der Eisprung gut bestimmbar ist und auch der Ultraschall zeigt, dass sich die Schleimhaut gut entwickelt. Wichtig ist: Nicht jeder Zyklus – auch wenn er regelmäßig erscheint – ist automatisch ein guter Transferzyklus. Eine stabile Eizellreifung, eine ausreichend aufgebaute Schleimhaut und vor allem eine gute Gelbkörperfunktion nach dem Eisprung sind entscheidend. All das kann man im Ultraschall und durch Hormonwerte gut überprüfen.   Ein natürlicher oder auch leicht unterstützter Kryozyklus ist oft die physiologischere Variante. Er nutzt den eigenen Rhythmus, verzichtet weitgehend auf zusätzliche Hormone und kann durch die natürliche Gelbkörperbildung eine bessere Ausgangssituation für die Einnistung und frühe Plazentabildung schaffen. Allerdings ist er auch aufwendiger in der Überwachung und weniger gut planbar – etwa wenn Wochenenden oder Feiertage eine Rolle spielen. Deshalb wird diese Variante zwar medizinisch häufig empfohlen, organisatorisch aber nicht überall bevorzugt.   Der künstliche oder substituierte Zyklus bietet dagegen maximale Planbarkeit: Mit Östrogen- und Progesterontabletten wird der Zyklus von außen aufgebaut, unabhängig vom eigenen Eisprung. Das kann besonders hilfreich sein bei Frauen mit unregelmäßigem Zyklus, hormonellen Schwankungen oder nach Voroperationen an den Eierstöcken. Auch in Kliniken mit sehr hohem Patientenaufkommen wird oft auf diesen Weg zurückgegriffen, weil er sich einfacher timen lässt.   Doch gerade hier lohnt ein genauer Blick: Wenn über mehrere Monate hinweg ausschließlich sogenannte „reihenweise substituierte Zyklen“ durchgeführt werden – also ohne überhaupt zu prüfen, ob nicht ein natürlicher oder leicht unterstützter Zyklus möglich wäre – verliert man etwas Wichtiges aus dem Blick: die individuelle Eignung jedes einzelnen Zyklus. Studien deuten zudem darauf hin, dass sich in substituierten Zyklen die Plazentaanlage minimal verändern kann, was möglicherweise mit einem leicht erhöhten Risiko für Schwangerschaftskomplikationen verbunden ist.   Was heißt das für Sie konkret? Wenn Ihr Zyklus regelmäßig ist, die Schleimhaut sich gut aufbaut und eine gute Gelbkörperphase vorhanden ist, spricht vieles dafür, einen natürlichen oder unterstützten Zyklus zu nutzen – zumindest als ersten Versuch. Ist der Zyklus dagegen schwankend, die Reifung oder Gelbkörperleistung eingeschränkt oder eine gute zeitliche Planung erforderlich, kann ein künstlicher Zyklus eine sehr gute Alternative sein.   Die Entscheidung sollte also immer individuell getroffen werden – und nicht nach dem Kalender. Denn nicht jeder Zyklus ist gleich gut, und nicht jede Frau braucht die gleiche Unterstützung. Lassen Sie sich gut beraten, welche Variante in Ihrem Fall die besten Voraussetzungen bietet. Denn es geht nicht nur um Timing – sondern darum, die biologisch beste Ausgangssituation für Sie und Ihren Embryo zu schaffen. Viel Glück!    


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