Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Intralipid

Frage: Intralipid

Mathilda83

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger,  bei mir ist ein künstlicher Kryozyklus mit vorheriger Downregulierung geplant. Das heißt bei mir konkret: Decapeptyl 3,75mg sieben Tage vor Zyklustag 1. Start Östrogen mit Zyklustag 1. Da die Killerzellen im Blut erhöht sind, soll unterstützend Intralipid gegeben werden. Nach welchem Schema würden Sie hier vorgehen? Erste Infusion mit Zyklusbeginn oder bereits im Vorzyklus? Wieviele Infusionen werden üblicherweise vor dem Transfer verabreicht und mit welchem Abstand? Danke!!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Maria, bei Intralipid gibt es kein allgemein anerkanntes Standardschema. Die Datenlage ist insgesamt schwach; ASRM/ESHRE empfehlen solche Immuntherapien nicht als Routine, sondern höchstens als individuelle Zusatzmaßnahme nach Aufklärung. Wenn man es dennoch einsetzt, würde ich pragmatisch so vorgehen: Die erste Infusion mit Zyklusbeginn bzw. zu Beginn der Östrogengabe reicht in der Regel aus. Eine Gabe bereits im Vorzyklus ist aus meiner Sicht meist nicht zwingend nötig, außer die betreuende immunologische Praxis hat dafür ein eigenes Konzept. Üblich wäre etwa: 1. Intralipid-Infusion: ZT 1 bis ZT 3, also mit Beginn der Östrogene. 2. Infusion: etwa 7–14 Tage später, idealerweise noch vor Progesteronstart oder vor Transfer. Bei positivem Test wird manchmal weitergegeben, z. B. alle 2–4 Wochen bis etwa SSW 10–12, aber auch das ist nicht standardisiert. Wenn der Transfer relativ früh liegt, wären vor Transfer also meist 1–2 Infusionen realistisch. Ich würde eher nicht zu viele Infusionen „auf Vorrat“ geben, sondern das Schema schlank halten. Wichtig: Erhöhte Killerzellen im Blut bedeuten nicht automatisch, dass die Situation in der Gebärmutterschleimhaut problematisch ist. Deshalb sollte Intralipid immer als experimentelle Zusatztherapie verstanden werden – nicht als gesicherte Haupttherapie.


Mathilda83

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ganz herzlichen Dank für Ihre hilfreiche und ausführliche Antwort. Bei mir ist es so, dass die uterinen Killerzellen per Endometriumbiopsie untersucht wurden und unauffällig waren.  Lediglich bei der Blutuntersuchung war die Aktivität der Killerzellen erhöht.  Auch wenn die Datenlage nicht klar ist - kann man ggf ableiten, dass die uterinen Killerzellen der "wichtigere" Wert für Einnistung und erfolgreiche Schwangerschaft sind? Ich würde beim nächsten Transfer gerne getreu dem Motto "soviel wie nötig, so wenig wie möglich" vorgehen...  Herzlichen Dank!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, ja, das kann man aus meiner Sicht vorsichtig so einordnen: Wenn die uterinen Killerzellen in der Endometriumbiopsie unauffällig waren, ist das für die Einnistung wahrscheinlich der relevantere und beruhigendere Befund als eine isoliert erhöhte NK-Aktivität im Blut. Die Gebärmutter ist immunologisch ein eigener „Mikrokosmos“. Die uterinen NK-Zellen sind nicht einfach dasselbe wie die NK-Zellen im Blut. Sie haben in der Gebärmutterschleimhaut sogar wichtige Aufgaben bei Einnistung, Gefäßumbau und Plazentaanlage. Deshalb ist ein Blutwert nur begrenzt auf die Situation in der Gebärmutter übertragbar. Fachgesellschaften bewerten immunologische Zusatzdiagnostik und Therapien bei wiederholtem Implantationsversagen insgesamt zurückhaltend, weil robuste Belege für bessere Lebendgeburtraten fehlen. Für Ihr Motto „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ würde ich daher sagen: Ein unauffälliger uteriner Befund spricht eher gegen eine aggressive Immuntherapie nur aufgrund eines Blutbefundes. Man kann Intralipid in Einzelfällen erwägen, aber ich würde es dann nicht als zwingend notwendig darstellen. Wenn überhaupt, dann eher als zurückhaltende Begleitmaßnahme nach individueller Abwägung – nicht als Therapie, ohne die ein Transfer keine Chance hätte. Wichtiger wären aus meiner Sicht weiterhin die gut belegbaren Punkte: optimal aufgebaute Schleimhaut, korrekter Progesteronstart, ausreichend hohe Progesteron- und Östradiolwerte um den Transfer herum, guter Ausschluss von Entzündung/Mikrobiomstörung und ein möglichst stressarmes, klares Schema. Kurz gesagt: Ja, der unauffällige uterine NK-Befund ist beruhigend und vermutlich klinisch näher an der Einnistung als der Blutwert. Daraus lässt sich gut ableiten, beim nächsten Transfer nicht unnötig viele immunologische Zusatzmaßnahmen einzusetzen. Herzliche Grüße Ihr Dr. Gagsteiger


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