DariaCaro90
Ohne Famenita war mein ES bei einem Zyklus von 24 Tagen am ZT 14-17, und somit meine Lutealphase zu kurz. Jetzt nehme ich seit 6 Monaten Famenita, aber mehrere Frauenärzte wollen mir nicht glauben, dass sich trotz der Einnahme von Famenita mein ES nicht dem neuen Zyklus angepasst hat. Ja, meine Lutealphase wird länger, da meine Periode aufgrund des Progesterons später kommt, aber meine Follikelphase wurde dadurch kürzer. Mit Famenita kommt mein Eisprung bereits am Zyklustag 7, nur 2-3 Tage nach Ende meiner Periode. Sollte die Reifung der Eizelle nicht erst nach Beenden der Einnahme von Famenita starten? Falls ja, warum kommt mein ES so früh? Und wie soll ich es so schaffen meinen Zyklus auf 30 Tage zu kriegen? Wenn ich Famenita noch länger nehme als ES+16 habe ich Angst dass ich während des ES noch blute. Was mache ich falsch?
Sie machen nichts „falsch“ – im Gegenteil: Ihre Beobachtungen sind physiologisch plausibel und werden in der Praxis leider häufig missverstanden. Aber ist alles andere schon abgeklärt worden? Spermiogramm, Eileiter? Ich erkläre Ihnen das Schritt für Schritt und auch, warum Ihre Erfahrung real ist, obwohl sie vielen Kolleg:innen kontraintuitiv erscheint. 1. Der zentrale Denkfehler: Progesteron „steuert“ nicht den Eisprung Progesteron (Famenita) verlängert die Lutealphase, verzögert die Blutung, stabilisiert die Schleimhaut, 👉 aber es steuert nicht aktiv die Follikelreifung oder den Zeitpunkt des Eisprungs. Der Eisprung wird ausschließlich durch die Follikelphase bestimmt, also durch: FSH-Anstieg früh im Zyklus Geschwindigkeit der Follikelreifung individuelle ovarielle Dynamik Progesteron wirkt nach dem Eisprung – nicht davor. 2. Warum Ihr Eisprung unter Famenita so früh kommt Ihre Ausgangslage (ohne Famenita) Zyklus: ca. 24 Tage Eisprung: ZT 14–17 Lutealphase: zu kurz 👉 Klassisch für eine verkürzte Lutealphase, nicht zwingend für eine schlechte Follikelphase. Was unter Famenita passiert Wenn Sie Famenita einnehmen: Die Blutung wird künstlich nach hinten verschoben Die Hormonachse (Hypothalamus–Hypophyse–Ovar) bleibt aber unbeeindruckt Das führt zu folgendem Effekt: 🔹 Die Blutung beginnt später, 🔹 aber der neue Zyklus startet hormonell trotzdem früh, 🔹 FSH steigt früh an → Follikelreifung beginnt sofort. 👉 Ergebnis: Die Follikelphase wird kürzer, der Eisprung rutscht scheinbar nach vorne (z. B. ZT 7). Das ist kein Fehler Ihres Körpers, sondern eine Nebenwirkung der zeitlichen Verschiebung durch Progesteron. 3. Die entscheidende Antwort auf Ihre Kernfrage „Sollte die Reifung der Eizelle nicht erst nach Beenden von Famenita starten?“ Nein. Das ist der entscheidende Punkt. Die Follikelreifung startet unabhängig davon, ob Sie Progesteron nehmen. Sie wird nicht „angehalten“ durch Famenita. Progesteron ist kein Reset-Knopf für die Ovarien. Deshalb kann: trotz Progesteron sehr früh ein dominanter Follikel entstehen und ein Eisprung erfolgen 4. Warum ein 30-Tage-Zyklus so nicht erreichbar ist Ein Zyklus von 30 Tagen setzt voraus: Eisprung etwa ZT 16–18 stabile Lutealphase von 12–14 Tagen Das erreichen Sie nicht, indem man nur die zweite Zyklushälfte verlängert. 👉 Sie verlängern aktuell nur die Blutungsfreiheit, nicht aber die biologische Zykluslänge. 5. Warum Ihre Sorge mit dem Bluten absolut berechtigt ist „Wenn ich Famenita länger nehme als ES+16, habe ich Angst, dass ich während des ES noch blute.“ Diese Sorge ist völlig berechtigt. Denn: Wenn der Eisprung extrem früh kommt und Progesteron sehr lange gegeben wird kann es zu asynchronen Verhältnissen kommen: Blutung Eisprung Schleimhaut Zervixschleim 👉 Das ist nicht zielführend für eine Schwangerschaft. 6. Was stattdessen sinnvoll wäre (ganz konkret) ✅ Option 1: Progesteron erst nach sicherem Eisprung (z. B. ES+2 oder ES+3) Kein „Vorziehen“ des Eisprungs Lutealphase wird stabilisiert Zyklus bleibt physiologischer 👉 Das ist leitliniennah und oft deutlich besser verträglich. ✅ Option 2: Zyklusverlängerung über die Follikelphase (z. B. mild) Wenn das Ziel wirklich ein längerer Zyklus ist: milde Zyklussteuerung (z. B. Clomifen- oder Letrozol-Strategie, individuell!) nicht allein Progesteron 👉 Das gehört in erfahrene reproduktionsmedizinische Betreuung. ✅ Option 3: Akzeptieren, dass Ihr Körper einen kürzeren Zyklus hat – aber ihn gezielt optimieren Ein 24–26-Tage-Zyklus kann absolut fertil sein, wenn: Eisprung korrekt Lutealphase ausreichend Progesteron passend eingesetzt wird 7. Warum Ihre Ärzt:innen Ihnen Unrecht tun Dass mehrere Ärzt:innen sagen: „Das kann nicht sein“ liegt daran, dass: in vielen Lehrbüchern Progesteron nur als Lutealphasenstütze betrachtet wird zyklische Rückkopplungen zu wenig berücksichtigt werden Patientinnenbeobachtungen oft unterschätzt werden 👉 Ihre Zyklusbeobachtungen sind valide. Ich hoffe sehr, dass Ihnen diese Erklärung ein Stück Klarheit und Sicherheit geben konnte. Gerade bei so fein abgestimmten hormonellen Abläufen ist es wichtig, dem eigenen Körper zuzuhören und ernst genommen zu werden. Wenn Ihnen meine Ausführungen geholfen haben und Sie sich gut begleitet gefühlt haben, würden wir uns als kleines Dankeschön sehr über eine kurze Bewertung auf www.bestfertility.de oder über unsere Homepage freuen. Damit helfen Sie auch anderen Frauen und Paaren, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger Bestfertillity Kinderwunschzentrum
DariaCaro90
Vielen lieben Dank für die ausführliche und erkenntnisreiche Erklärung. Das hat mir wirklich sehr geholfen! Ich werde als Dank definitiv eine gute Bewertung schreiben. Spermiogramm ist bereits zwei Jahre her, aber war sehr gut. Eileiter- und weitere Untersuchungen werden dann wahrscheinlich beim Termin im Wunschzentrum Mitte Februar erfolgen. Dort hoffe ich, dass die Ärzte ebenfalls Ihr Fachwissen mitbringen. In der Zwischenzeit werde ich das Progesteron zeitnah (ES+14) nach negativem Frühtest absetzen, damit meine Schleimhaut genügend Zeit hat sich aufzubauen. Nochmals Danke!
Sehr gerne geschehen! Ich wünsche Ihnen eine schöne Weihnachtszeit!
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