Deniselich
Sehr geehrter Herr Gagsteiger, wir haben gerade unseren ersten ICSI-Versuch hinter uns. Es wurden frische Spermien verwendet, allerdings war die Qualität so schlecht, dass mein Mann (29) vor Ort nochmal abgeben musste. Am Ende konnten zwar 3 Eizellen für die ICSI vorbereitet werden – aber leider kam es zu keiner Befruchtung. Die Werte des letzten Spermiogramms sahen wie folgt aus: Ejakulatvolumen: 0,8 ml (Norm > 1,4 ml) Konzentration: 9,8 Mio./ml (Norm > 16 Mio./ml) Gesamtspermienzahl: 0,64 Mio. (Norm > 39 Mio.) Gesamtmotilität: 5 % (Norm > 42 %) Progressive Motilität: < 1 % (Norm > 30 %) Morphologie: n/a (Norm > 4 %) PMSC (progressiv bewegliche Spermien): < 0,1 Mio./ml Jetzt sind wir ziemlich ratlos, wie es weitergehen soll. Unsere Fragen: Macht es bei so einem schlechten Spermiogramm überhaupt Sinn, eine weitere ICSI mit kryokonservierten Spermien zu versuchen? Oder wäre es besser, gleich eine TESE in Betracht zu ziehen, weil die Chancen mit Kryo ohnehin sehr gering sind? Wir sind gerade etwas verunsichert und würden uns sehr über Erfahrungen oder Einschätzungen freuen. Vielen Dank schon mal fürs Lesen und Ihre Antwort!
Guten Tag, vielen Dank, dass Sie Ihre Situation so offen schildern. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Sie nach dem enttäuschenden Ergebnis des ersten ICSI-Versuchs nun verunsichert sind. Das von Ihnen mitgeteilte Spermiogramm zeigt deutliche Einschränkungen in mehreren Parametern: das Ejakulatvolumen ist vermindert, die Konzentration sowie die Gesamtzahl der Spermien liegen deutlich unter der Norm, und vor allem die progressive Motilität ist mit < 1 % praktisch nicht vorhanden. Das bedeutet, dass im frischen Ejakulat nur extrem wenige Spermien zur Verfügung stehen, die für eine ICSI genutzt werden können. Dass unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch drei Eizellen zur Befruchtung vorbereitet werden konnten, zeigt, dass die Andrologen bereits das Maximum aus dem Material herausgeholt haben. Leider ist es in solchen Fällen nicht ungewöhnlich, dass es zu keiner Befruchtung kommt. Zu Ihren Fragen: Grundsätzlich kann man mit kryokonservierten Spermien einen weiteren ICSI-Versuch durchführen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Befruchtungsraten bei sehr geringer Spermienqualität im Kryomaterial häufig noch schlechter sind als mit frischen Proben, da die Kryokonservierung die Beweglichkeit zusätzlich reduziert. In Ihrem Fall wäre es also eher unwahrscheinlich, dass die Chancen mit eingefrorenem Material besser wären. Eine TESE (testikuläre Spermienextraktion) kann in solchen Situationen eine sinnvolle Option darstellen. Der Hintergrund: Die im Hoden gewonnenen Spermien sind zwar unreifer, aber häufig genetisch intakter und werden durch den Einfriervorgang meist besser erhalten. Vor allem bei einer so niedrigen progressiven Motilität wie im vorliegenden Spermiogramm lässt sich mit TESE-Material manchmal eine deutlich bessere Befruchtungsrate erzielen. Wichtig ist dabei, dass die TESE in einem spezialisierten Zentrum durchgeführt wird, das Erfahrung in enger Zusammenarbeit mit dem IVF-Labor hat. Bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird, empfehle ich: Andrologische Abklärung (inklusive Hormondiagnostik, genetischer Untersuchungen wie Karyogramm und Y-Chromosom-Mikrodeletion), um die Ursachen der ausgeprägten Einschränkung zu verstehen. Klärung, ob überhaupt verwertbare Spermien im Hoden vorhanden sind – das lässt sich im Rahmen einer diagnostischen TESE sicherstellen. Gespräch mit dem IVF-Labor: Manche Labore haben mit Kryo-Spermien noch gute Erfahrungen, andere empfehlen in so ausgeprägten Fällen fast immer eine TESE. Auch wenn die aktuelle Situation für Sie enttäuschend ist: Es gibt durchaus Paare mit ähnlich schwierigen Ausgangsbedingungen, die über TESE-ICSI erfolgreich schwanger geworden sind. Wichtig ist, dass Sie nun gemeinsam mit Ihrem Zentrum eine klare Strategie entwickeln. Gerne begleite ich Sie auf diesem Weg und bespreche mit Ihnen, wie die nächsten Schritte individuell sinnvoll geplant werden können. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger
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