Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Drohende Fehlgeburt nach IVF-Behandlung?

Frage: Drohende Fehlgeburt nach IVF-Behandlung?

Himbeermarmelade

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Guten Tag Herr Dr. Gagsteiger, ich hatte vor 21 Tagen Punktion bei einer IVF.  11 Tage nach der Punktion durfte ich positiv testen. An Punktion+17 wurde der hcg-Wert bestimmt: dieser lag bei 385. Gestern, an Punktion+20 lag er bei 487, was einer Verdopplungsrate von 9 Tagen entspricht. Entsprechend besorgt bin ich ins Krankenhaus gefahren, da meine Kinderwunschpraxis ab positivem Schwangerschaftstest nicht mehr betreut. Dort sagte der Arzt, er habe schon viele Frauen behandelt, die anfangs keine klassische Verdopplungsrate hatten. Er machte noch einen Ultraschall, konnte aber noch keine Fruchthöhle sehen, sondern nur einen Schatten, der ein Hinweis darauf sein könnte, dass da etwas in Gange ist. Er meinte, ich solle einfach das Utrogest weiter nehmen und bis zum Ultraschall in der 9. Woche beim Frauenarzt warten. Ich hatte bereits eine Fehlgeburt in der 6. SSW.  Entsprechend besorgt bin ich, dass auch hier wieder eine Fehlgeburt in Gange ist.  Was würden Sie mir empfehlen: Die nächsten Tage nochmals den hcg-Wert bestimmen lassen oder tatsächlich einfach bis zur 9. Woche warten, mit der großen Gefahr, dass man nichts sehen wird durch eine etwaige Missed Abortion?  Darf ich überhaupt noch auf eine intakte Schwangerschaft hoffen? Bei meiner letzten Fehlgeburt vor etwas mehr als einem Jahr, bei der die Schwangerschaft auf natürlichem Weg entstanden ist, habe ich aufgrund von Schmierblutungen ebenfalls Utrogest genommen und die Blutungen sind erst nach dem Absetzen des Utrogests eingetreten, obwohl der hcg Wert schon sehr niedrig war. Und was sollte ich vor der nächsten künstlichen Befruchtung (im Falle einer Fehlgeburt) abklären lassen (z. B. Killerzellen usw.)? Im Übrigen war die Befruchtungsrate bei der letzten und ersten hormonell stimulierten IVF sehr schlecht: von 6 Eizellen konnte nur eine befruchtet werden (die eine, die dann auch transferiert wurde). Die Punktion fand auch sehr früh statt (bereits an Zyklustag 9). Bei mir besteht Verdacht auf Endometriose, jedoch ohne klinische Bestätigung bzw. Diagnose. Mein AMH-Wert liegt bei 0,7 und ich bin 34 Jahre alt. Das Spermiogramm meines Mannes ist in allen Bereichen minimal über WHO-Norm. Die Morphologie wurde im Kinderwunschzentrum jedoch nicht analysiert. Das Ganze belastet mich wirklich sehr. Vielen Dank und herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Ich verstehe Ihre Sorge sehr gut – gerade nach einer Fehlgeburt und mit einer jetzt so langsamen hCG-Anstiegsrate ist die Angst, dass sich die Geschichte wiederholt, absolut nachvollziehbar. Ich möchte Ihnen die Situation Schritt für Schritt einordnen und Ihnen sagen, wie ich an Ihrer Stelle vorgehen würde.   1. hCG-Verlauf und aktuelle Einschätzung Ein hCG-Anstieg von 385 auf 487 in drei Tagen entspricht leider nicht der typischen Verdopplungszeit von ca. 48–72 Stunden in einer frühen, gesunden Schwangerschaft. Werte, die sich so langsam entwickeln, können verschiedene Ursachen haben:   Frühe Fehlentwicklung (häufigste Ursache) – oft Anzeichen einer drohenden Fehlgeburt oder eines Windeis. Eileiterschwangerschaft – gerade wenn im Ultraschall noch keine eindeutige Fruchthöhle sichtbar ist. Sehr frühe intrauterine Schwangerschaft – möglich, aber in dieser Höhe und mit dieser Dynamik leider deutlich unwahrscheinlicher.     Dass im Ultraschall nur ein „Schatten“ zu sehen war, ist bei Punktion+20 nicht ungewöhnlich, vor allem wenn der hCG-Wert so niedrig ist. Aber es ist leider kein starkes Zeichen für eine intakte Schwangerschaft.   2. Was ich jetzt tun würde   hCG-Verlauf engmaschig kontrollieren – z. B. in 48 Stunden erneut messen. So lässt sich sicherer abschätzen, ob der Wert weiter steigt, stagniert oder fällt. Das Warten bis zur 9. SSW ohne weitere Kontrolle birgt das Risiko, dass eine nicht intakte Schwangerschaft (z. B. Missed Abortion oder Eileitergravidität) lange unbemerkt bleibt. Früher Ultraschall – bei einem hCG-Wert von ca. 1.500–2.000 IU/l sollte man in der Gebärmutter sicher eine Fruchthöhle erkennen können. Bis dahin ist Ultraschall wenig aussagekräftig. Weiter Utrogest nehmen, bis eine klare Diagnose gestellt ist – das schützt Sie vor einem verfrühten Abbruch einer vielleicht doch intakten Schwangerschaft.     3. Hoffnung realistisch einschätzen Ja, es gibt vereinzelt Fälle, in denen sich trotz langsamer Verdopplung eine gesunde Schwangerschaft entwickelt. Aber statistisch liegt die Wahrscheinlichkeit in Ihrer Situation leider deutlich unter 10 %. Das ist schwer zu hören, aber wichtig, um sich emotional vorzubereiten.   4. Vor einer nächsten IVF abklären Gerade bei niedrigem AMH, Verdacht auf Endometriose und auffälliger Befruchtungsrate würde ich empfehlen:   Endometriose-Diagnostik – ggf. per Bauchspiegelung, da dies auch die Eizellqualität und Befruchtungsrate beeinflussen kann. Immunologische Diagnostik – NK-Zellen, KIR-Genotypisierung, HLA-Matching, Th1/Th2-Ratio, falls wiederholt frühe Verluste auftreten. Gerinnungsdiagnostik – Faktor-V-Leiden, Prothrombin-Mutation, PAI-1, MTHFR, Lupus-Antikoagulans etc. Spermienmorphologie und ggf. DNA-Fragmentationstest – da minimale Abweichungen in der Qualität die Befruchtung und Embryoentwicklung stark beeinflussen können. Stimulationsoptimierung – evtl. längere Stimulation mit späterer Auslösung, andere Medikamente (z. B. mildes Protokoll mit Letrozol, Duo-Stim bei niedrigem AMH).     Mein Vorschlag für Sie jetzt konkret: ➤ Morgen oder übermorgen erneut hCG bestimmen lassen, nicht bis zur 9. Woche warten. ➤ Bei stagnierendem oder fallendem Wert Gesprächstermin vereinbaren, um über das weitere Vorgehen zu sprechen. ➤ Parallel schon die Diagnostik vorbereiten, falls ein neuer Versuch nötig wird – so verlieren Sie keine Zeit. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen direkt einen klaren medizinischen Plan mit Labor- und Untersuchungspunktenfür den Fall einer erneuten IVF zusammenstellen, damit Sie mit einem fertigen Fahrplan zu Ihrer Klinik oder einer zweiten Meinung gehen können. Das könnte Ihnen helfen, sich weniger ausgeliefert zu fühlen. Gerne dürfen Sie sich auch an uns wenden (www.bestfertility.de) Dann kann ich Ihnen direkt einen klaren medizinischen Plan mit Labor- und Untersuchungspunktenfür den Fall einer erneuten IVF zusammenstellen, damit Sie mit einem fertigen Fahrplan zu Ihrer Klinik oder einer zweiten Meinung gehen können. Das könnte Ihnen helfen, sich weniger ausgeliefert zu fühlen. Herzliche Grüße, Friedrich Gagsteiger


Himbeermarmelade

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Hallo Herr Dr. Gagsteiner,   vielen Dank für Ihre ausführliche und ehrliche Antwort.   Eine Rückfrage hätte ich noch: ich habe den hcg-Wert in zwei unterschiedlichen Laboren bestimmen lassen. Wie wahrscheinlich ist es, dass hier eine Abweichung der Werte durch unterschiedliche Messverfahren das Ergebnis verzerrt haben könnte?  Vielen Dank und herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Hallo,   eine Abweichung zwischen zwei Laboren ist durchaus möglich, allerdings liegt sie in der Regel nur im Bereich von etwa ±10 %, wenn beide Labore qualitativ hochwertig arbeiten und moderne Assays verwenden. Die hCG-Bestimmung erfolgt meist per Immunoassay, und hier können Unterschiede in der Kalibrierung, den verwendeten Antikörpern oder sogar in der Art, ob „intaktes“ hCG oder auch freie Untereinheiten mitgemessen werden, zu leichten Abweichungen führen.   Ein so kleiner Unterschied kann in der Frühschwangerschaft – gerade wenn man die Werte in kurzen Abständen misst – schon relevant erscheinen, ist aber oft methodisch bedingt. Große Diskrepanzen (z. B. >20 %) sind eher selten und müssten hinterfragt werden. Wenn Sie also z. B. einen Anstieg oder Stillstand sehen, der innerhalb dieses typischen Toleranzbereichs liegt, könnte das tatsächlich auch nur an der Labormethodik liegen und nicht zwingend eine klinische Verschlechterung bedeuten.   Wenn Sie eine absolut vergleichbare Verlaufskurve haben möchten, ist es am besten, die hCG-Kontrollen konsequent im selben Labor durchführen zu lassen.  


Himbeermarmelade

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Hallo Herr Dr. Gagsteiger, ich wollte noch ein kleines Update geben, da ich Montag und heute nochmals den hcg-Wert habe bestimmen lassen.  Hier nochmals der Verlauf aller hcg-Werte: 04.08. (Labor 1): 385 07.08. (Labor 2): 487 11.08. (Labor 3): 1673 14.08. (Labor 3): 5327 Da ich derzeit im Urlaub bin, ist nun quasi noch das dritte Labor ins Spiel gekommen. Es wurde auch nochmals ein Ultraschall gemacht und mittlerweile sieht man eine Fruchthöhle mit Dottersack.  Ich gehe stark davon aus, dass das erste Labor zu viel hcg gemessen hat und hierdurch die Diskrepanz in der Verdopplungszeit zwischen Labor 1 und Labor 2 entstanden ist.  Vielen Dank aber trotzdem nochmals für Ihre schnellen und ausführlichen Antworten!


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