Rund um die Erziehung

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Geschrieben von CIaudiaUSA am 27.05.2006, 18:47 Uhr

Hi

Hi!

Ich lese mich gerade durch dieses Forum durch. Ziemlich interessant.

Hier ein Beitrag, wie es bei uns zugeht. Freue mich auf Austausch.

Ich habe einen 6 jaehrigen Sohn, Maxi. Was bei uns "klappt" ist folgender Stil:

Wir versuchen, Maxi so viel (Mit-)entscheidungen wie moeglich zu geben. Wir moechten einen Sohn, der nicht unsere Befehle ausfuehrt, sondern, der von SICH AUS Entscheidungen trifft, die fuer ihn und uns OK sind. Ich gebe ihm Optionen, aus denen er waehlen kann. WIchtig ist, dass alle Optionen fuer uns Eltern OK sind, damit das Kind frei waehlen kann.

Ein Beispiel: Maxi ist verstopft. Ich habe Glycerinzaepfchen gekauft. Gleichzeitig habe ich aber auch das koernigste Brot aller Zeiten mit 150 % (;o)) Ballaststoffen gekauft.Nun stell ich Maxi vor die Wahl: Du bist verstopft und die Zaepfchen helfen Dir. Du kannst also Dein normales Essen haben, dafuer danach das Zaepfchen, damit es Deinem Bauch besser geht. Oder Du isst das koernige Brot, was Du nicht so gerne magst, aber dafuer brauchen wir dann hoffentlich kein Zaepfchen.

Maxi hat sich fuer das koernige Brot entschieden. Drei Stunden spaeter kam er vom Klo, ganz stolz. "Ich hab das gut gemacht, dass ich das Brot gegessen habe, meinem Bauch gehts viel besser!" Und ich habe ihm auch zu seiner Wahl gratuliert.

Es haette auch anders gehen koennen, mit viel Geschrei. Aber so haben wir beide eine Win - Win Situation gehabt, wie der Ami sagt.

Ich will Maxi zeigen, dass er sich selbst um sich kuemmert. Dass er mit seinen Entscheidungen und den Konsequenzen leben muss.

Anstatt ihm zu sagen, was ich fuer richtig empfinde, ziehe ich es vor, ihm selbst die Loesungen finden zu lassen. Beispielsfragen: Was ist passiert? Was moechtest Du gerne, was als naechstes geschehen soll? Was hast Du schon versucht? Was koenntest Du noch versuchen? Ist es Dir das wert? Wie kannst Du Dich am besten in dieser Situation um Dich selbst kuemmern? Was koennte man noch versuchen? Was glaubst Du, was der andere will? Was wuerdest Du Dir wuenschen von dem anderen? Hilft Dir das? Wie wichtig ist es Dir? Kannst Du Dir andere Alternativen vorstellen? Was passiert, wenn Du erwischt wirst? Kannst Du mit der Konsequenz leben?

Wir versuchen, zuzuhoeren, Fragen zu stellen anstatt Ratschlaege zu erteilen. Es ist total faszinierend, wie gut das funktiniert, wie stolz er auf sich ist, wie gut er sich um sich kuemmert und wie gut wir als Eltern damit fahren. Wesentlich weniger Stress.

Anstatt zu sagen: "Mensch, das macht mich gluecklich, dass Du Dein Zimmer aufgeraeumt hast!", geben wir ihm eine gute Konsequenz fuer SEIN Leben. Er soll lernen, dass er Sachen nicht macht, um ANDERE gluecklich zu machen, sondern dass es Folgen fuer SEIN Leben hat. "Du hast schoen aufgeraeumt, jetzt kannst Du draussen mit Deinen Kumpels spielen!".

Wichtig fuer uns ist auch, dem Kind ein gutes Beispiel zu sein. Wenn ich z. B. ihn anmaule, dann habe ich kein Problem damit, mich bei ihm zu entschuldigen. Wenn ich was moechte, dann sage ich: " Maxi, kannst Du mir das bitte holen!" und bedanke mich auch dafuer. ICh finde, man kann von den Kindern nicht erwarten, dass sie ein gutes Benehmen haben, wenn die Eltern sich nicht ebenso benehmen.

Grenzen und Informationen sind auch wichtig. Beispiel Geschaeft: sagen wir mal, Aldi ist von 8 - 19 Uhr auf. Anstatt um 20 Uhr dort hinzufahren, hole ich mir erstmal per Anruf oder im Internet die Info raus, wann genau geoeffnet ist. ICh bin nicht auf das Geschaeft sauer, wenn ich um 20 Uhr vor geschlossener Tuer stehe. Das naechste (oder uebernaechste, oder ueberuebernaechste) Mal bin ich eben schlauer und komme in den Oeffnungszeiten. Wenn um 20 Uhr aber eine Verkaeuferin prahlt: "Sehen Sie, das haben Sie nun davon, ziemlich dumm, nach 19 Uhr noch zu Aldi zu kommen", fahre ich bestimmt nicht mehr in das Geschaeft.

So ist es auch bei Kindern. Ich versuche, Maxi klare Informationen zu geben. Z. B.: ich wasche heute abend Waesche. Wenn Du Deine dreckige Waesche bis dann in der Waschkueche hast, wasche ich sie gerne mit. Wenn er es vergisst, wird es nicht gewaschen. Wenn am naechsten Tag die Fussballuniform noch dreckig ist, muss er damit leben. Ich sage: "Ja, das ist wirklich aergerlich, dass Du jetzt mit der Uniform so Fussball spielen musst. NAechstes Mal klappt es hoffentlich besser. Versuchen wir es dann nochmal. Uebermorgen ist wieder Waeschetag." Anstatt ihn anzunoelen: "Aetsch, hab ich doch gesagt, jetzt haste Pech gehabt." So wollen wir Erwachsenen doch auch nicht behandelt werden!?

Es gibt immer ein Morgen,immer einen neuen Versuch.

Gefuehle sind OK, ein Unterschied zu Aktionen. Gefuehle sind weder richtig oder falsch, sie sind einfach. Wenn er mir sagt: "Ich wuerde Elliott so gerne eine hauen!", sprechen wir drueber. Ich hoere zu und FRAGE ihn (s.o.), wie er die Situation handhaben will. Es ist OK, das Gefuehl zu haben, dem anderen gerne eine klatschen zu wollen, die AKTION, jemanden zu hauen ist, nicht OK. Durch Fragen und Zuhoeren stellt er die Konsequenzen einer Schlaegerei fest und ueberlegt sich Alternativen. Natuerlich ist folglich in unserem Haus sowieso eine Kindersichere Zone, kein Arschvoll, keine Ohrfeige. Sonst wuerde es keinen Sinn machen, denn dass Erwachsene hauen duerfen, aber Kinder nicht, wollen wir ihm nicht beibringen. Dass der STaerkere/Aeltere mehr Rechte hat als der Schwaechere/Juengere.

Das Wichtigste in unserer Familie aber ist der Humor. Den Ernst des LEbens gibt es draussen noch genug, hier sind wir oft so albern, dass man denkt, mein Mann und ich sind die unreifsten Eltern der Welt und des Universums.

Ich koennte hier ewig weiterschreiben. Wer Interesse hat, ich habe einen Vortrag von Jane Bluestein besucht, die mir die Augen in vieler Hinsicht geoeffnet hat. Die Webseite ist in Englisch: www.janebluestein.com.

Lieben Gruss von
Claudia

 
12 Antworten:

Re: Hi

Antwort von phifeha am 27.05.2006, 18:55 Uhr

egal wo du es liest:

ich bin mir am überlegen ob es sinn macht, für mich auch eine art baromether anzulegen. so in die richtung....mit blitze wolken und sonne, und da darf philipp ganz frei wählen, was er abends hinhängen mag um mir auch mal zu zeigen..hey mama klasse, oder hey mama doof...

was meinst du/ihr denn dazu...

klingt nach ner menge arbeit, aber ist sicherlich für meine "erziehung" zur guten mama auch förderlich!

oder wäre das zuviel auf einmal...???

aber ich will ja was ändern!

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Re: Hi

Antwort von Löwemama am 27.05.2006, 20:04 Uhr

Liebe Claudia,

mit großem Interesse habe ich über deine Erziehungsmethoden gelesen. Es sind für mich einige Anregungen dabei, die ich für mich als umsetzbar empfinde. Seit wann habt ihr denn die Mitsprache in dieser Form eingeführt? Ich glaube fast , dass ein 6Jähriger diese kognitiven Leistungen (z.B. Wie kannst Du Dich am besten in dieser Situation um Dich selbst kuemmern? Was koennte man noch versuchen? Was glaubst Du, was der andere will?) nur schwer vollbringen kann. Es ist ziemlich anspruchsvoll, da das Einfühlungsvermögen in diesem Alter eher rudimentär ausgebildet ist. Wenn er sich aber nicht überfodert fühlt, dann ist das sicherlich eine gute Methode ihn zu einem selbständigen Menschen heranzubilden.
Mein Sohn ist im Moment noch 9 Monate alt. Als weit entfernz von 6 Jahre. Ich versuche im einen klar gegliederten Tag anzubieten, an den er sich orientieren kann. Jetzt, wo er so beweglich wird, versuche ich ihm mit sparsam dosierten "Neins" seinen Erfahrungsraum abzugrenzen, wo er genau weiß, das darf ich und das nicht. Bisher klappte es ganz gut. Ich bin gespannt wie es weiter geht.
Also sei lieb gegrüßt
von Claudia

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Re: Hi

Antwort von CIaudiaUSA am 27.05.2006, 20:24 Uhr

Hi Phi!

Ich finde es grundsaetzlich gut, dem Kind ein Sprachrohr zu geben.

Maxi hat kein Problem damit, mir zu sagen, dass er irgendwas doof findet. Anstatt ihm zu sagen, dass sein Empfinden falsch ist, reden wir drueber und ich erfahre, warum er so denkt. Und dann das altbekannte Spiel: Fragen und Zuhoeren. Oder, wenn er keinen Bock hat zu quatschen, fragen: "Moechtest Du spaeter drueber reden?"

Es heisst nicht, dass ich gegen Authoritaet bin, im Gegenteil. Aber ich finde, man kann als Kind und als Erwachsener gluecklich sein, ohne Bestrafungen und Androhungen. Beide koennen gewinnen, ohne dass einer die Alleinherrschaft hat. Freie Entscheidungen mit den dazugehoerigen Konsequenzen. Beispiel: Wenn Du keinen Bock auf Hausaufgaben hast, wie meinst Du, dass die LEhrerin reagiert? Was fuer Konsequenzen gibt sie Dir? KAnnst Du Dich damit wohlfuehlen? Ist das OK fuer Dich? Es ist erstaunlich, wie er fuer sich Entscheidungen trifft, auch, wenn es ein paarmal dauert... Beispiel 2: Maxi, nachdem Du Dein Zimmer aufgeraeumt hast, magst Du danach Schwimmen gehen oder draussen spielen? Hm, Du willst Dein Zimmer nicht aufraeumen? DAs kann ich gut verstehen, ich mache auch nicht gerne sauber. Aber wenn Du es geschafft hast, gehen wir an den Strand, oder Du kannst draussen spielen (oder was er eben gerne macht).

Weiss jetzt nicht genau, ob ich Deine Frage richtig verstanden habe.

Lieben GRuss von
Claudia

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Re: Hi - Loewenmama

Antwort von paulchen71 am 27.05.2006, 20:52 Uhr

Hi,

mein Kleiner ist auch 9 Mon. alt. Wir versuchen es auch mit nein. Er schuettelt dann auch seinen Kopf und macht froehlich weiter ;-). Ich denke mal, dass sie in dem Alter noch nicht so den Sinn erkennen (koennen).

LG Paulchen

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Re: Hi

Antwort von CIaudiaUSA am 27.05.2006, 20:53 Uhr

Hi Claudi!

Viele Fragen hab ich als Anregung geschrieben... Natuerlich ist einiges noch zu schwierig fuer Maxi. Aber es ist schon interessant, wieviel Kinder fuer sich selbst verstehen und entscheiden koennen, wenn sie die Moeglichkeit dazu bekommen. Ich gebe ihm ja auch Entscheidungsmoeglichkeiten, mit denen ICH auch gluecklich bin. Z. B. frage ich nicht: "Was willst Du zum Mittag? Schokolade, Gemuese oder Vollkornbrot?". Natuerlich ist er nicht so weit, um zu erkennen: "Hey, ich brauch Vitamine und Naehrstoffe, keine Schoki."

Ich leite ihn ja schon, er merkt es nur nicht ;o). Fuer ihn sind es Entscheidungen, die ER getroffen hat.

Aber die Goldene Regel, die ich liiiiiiiiiiiebe: "Behandle andere so, wie Du selbst behandelt werden willst." kommt schon oft bei ihm an.

Ein Beispiel eines Gespraeches, das wir erst hatten.Maxi: "Elliot haenselt mich, ich will ihn schlagen!" "Maxi, ich kann gut verstehen, dass du obersauer bist!!! Hast Du eine Idee, was man ausser schlagen tun kann? ICh meine, wie wuerdest DU Dich fuehlen, wenn Dich jemand schlaegt?" "Das waere gemein! Ich waere sehr traurig und wuetend! Ausserdem krieg ich ja Aerger mit der Lehrerin, wenn ich schlage!" "Dann findest Du also auch, dass Schlagen nicht gut ist. Hast ja auch Recht, der Aerger mit der Lehrerin, daran hatte ich gar nicht gedacht! Lass uns ueberlegen, was man also machen kann... Faellt Dir was ein?" "Nee." ( Wenn Alternativen kommen, gehe ich unbedingt drauf ein und spare mir meine Tips!!!)"Was haelst Du davon: Mach einen Themawechsel mit einem guten Witz. Oder zwinker ihm einfach zu. Oder sag: "Hey, Recht hast Du, ich bin bloed, spiel doch lieber mit jemand anderem!" Maxi fand es eine gute Idee, ihm erst zu sagen: "Lass das, ich mags nicht, wenn Du so oft meckerst!" und dann einen Witz zu erzaehlen. Wenn es immer noch oder wieder Probs gibt, bin ich sicher, dass er zu mir kommt. Oder er macht es alleine mit sich aus. Auf jeden Fall weiss er, dass seine Gefuehle OK sind, dass es nicht falsch ist, jemandem eine ziehen zu wollen, dass selbst Mami manchmal solche Gefuehle hat.

ICh behandle Maxi so, wie ich selbst behandelt werden will.Wenn ich ein Problem habe, mag ich auch nicht hoeren: "Stell Dich nicht so an, ist doch gar nicht so schlimm, man, bist Du doof, das wuerde MICH aber nicht sauer machen, etc. pp." ICh finde es besser, wenn man meine Gefuehle respektiert und mir zuhoert. Und zusammen sich austauscht und nicht ein Befehl des anderen bekommt : " SEi doch nicht so." oder sowas.

Jeder macht, was in seiner Familie funktioniert. Bei uns klappts so am besten, fuer uns und fuer unseren Maxi.

Alles Gute weiterhin mit Deinem Baby ;o).

Lieben Gruss
Claudia

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Re: Hi - Loewenmama

Antwort von Löwemama am 27.05.2006, 21:29 Uhr

Hallo Paulchen,

sicher ist es mit dem Nein nicht so einfach, wie ich es dargestellt habe. Ich habe ihm bestimmt 20mal sagen müssen: "Nein - nicht an die Bücher!" - sehr bestimmend und seine Hände in meine Hände legend. Danach hat er es glaube ich verstanden und geht jetzt da auch nicht mehr dran. Genauso "Nein - nicht an den Computer" oder "Nein - nicht in den Mund" usw.
Aber sicher gibt es auch wieder Tage, wo es dann wieder so verlockend ist an das Bücherregal zu gehen. Aber dafür ist er auch erst 9 Monate.

Liebe Grüße Claudia

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Re: Hi

Antwort von Mathildas_mama am 28.05.2006, 7:04 Uhr

Hallo, Claudia,

einige Ansätze finde ich ebenfalls interessant, aber auf der einen Seite irritieren mich ein paar Beispiele, und auf der anderen Seite die "Unehrlichkeit" Deines Vorgehens.

Ich fange mal mit Deinem 2. Posting an, da ich dies im Kopierspeicher habe:

"Ich gebe ihm ja auch Entscheidungsmoeglichkeiten, mit denen ICH auch gluecklich bin. Z. B. frage ich nicht: "Was willst Du zum Mittag? Schokolade, Gemuese oder Vollkornbrot?". Natuerlich ist er nicht so weit, um zu erkennen: "Hey, ich brauch Vitamine und Naehrstoffe, keine Schoki."

Ich leite ihn ja schon, er merkt es nur nicht ;o). Fuer ihn sind es Entscheidungen, die ER getroffen hat. "

Ah ja, eigentlich darf er nicht entscheiden. Und auf der einen Seite traust Du ihm sehr viel zu, aber das, was bereits ein Neugeborenes kann - nämlich genau das essen, was es wirklich benötigt, das wiederum traust Du ihm nicht zu. Warum nicht? Nur weil er die aktuellen Nähwerttabellen nicht lesen kann? Kinder wissen es normalerweise instinktiv, was sie benötigen, besser als wir.

Und dies ist mir aufgefallen:

"Anstatt zu sagen: "Mensch, das macht mich gluecklich, dass Du Dein Zimmer aufgeraeumt hast!", geben wir ihm eine gute Konsequenz fuer SEIN Leben. Er soll lernen, dass er Sachen nicht macht, um ANDERE gluecklich zu machen, sondern dass es Folgen fuer SEIN Leben hat. "Du hast schoen aufgeraeumt, jetzt kannst Du draussen mit Deinen Kumpels spielen!". "

Das ist doch keine echte Konsequenz für sein Leben. Es ist blumig umschrieben, aber am Ende steht doch: wenn Du dies oder das tust, dann ERLAUBE ich Dir, draußen zu spielen. Die Entscheidung hast Du als Erwachsener. Würdest Du es nicht verbieten, könnte jedes Kind auch draußen spielen, ohne aufgeräumt zu haben.

Eine Konsequenz für sein Leben, wäre, ohne hin und wieder mal aufzuräumen findet man nichts wieder - wobei, Menschen wie ich finden sich nur im Chaos zurecht ;).

Gut finde ich Deine grundsätzliche Einstellung, Dein Kind so u behandeln, wie Du selbsgt behandelt werden möchtest. Da spricht grundsätzlich großer Respekt vor dem Kind heraus, aber an den von mir angführten Beispielen merkst Du, daß Du es (meiner Meinung nach) nicht sehr konsequent umsetzt.

"Ich gebe ihm Optionen, aus denen er waehlen kann. WIchtig ist, dass alle Optionen fuer uns Eltern OK sind, damit das Kind frei waehlen kann. "

Hier ist doch entscheidend für die Entscheidungsfreiheit des Kindes, wie viele Optionen für die Eltern wirklich ok sind.
Und was machst Du, wenn die von Dir zur Auswahl gestellten Optionen dem Kind nicht zusagen und es eine andere bevorzugt?

LG Elke

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Re: Hi

Antwort von CIaudiaUSA am 28.05.2006, 17:04 Uhr

Hallo Elke!

Danke fuer Deinen Beitrag.

Meiner MEinung nach muss es Optionen geben, mit denen wir alle leben koennen. Es MUSS eine Win Win Situation fuer alle Beteiligten sein, damit wir ALLE zufrieden sind.

Wenn Maxi alleinige Entscheidungskraft haette, gaebe es kein Gleichgewicht. DAs nennt Bluestein Lose-Win. Das Kind ueberschattet die Beduerfnisse der Eltern (das andere Ungleichgewicht ist Win-Lose, die Eltern ueberschatten das Kind).

Es ist eben wichtig (alles meiner Meinung nach, klar ;o)), dass ein Kind seine Grenzen weiss, in denen er sich wohl und sicher fuehlt. Ansonsten herrscht Chaos und Maxi wird nicht lernen, sich mit produktiven Moeglichkeiten selbst weiterzuentwickeln. Das Kind fuehlt sich ohne Grenzen, ohne Limits, ohne Struktur wahnsinnig unsicher.

Ohne Maxi Grenzen zu setzen waere ich als Elternteil frustriert, wuerde mich ueberpowert und am Ende fuehlen, Maxi wuerde immer weiter versuchen, die Grenzen zu finden.

Maxi muss lernen, dass er sich in der Gesellschaft - und sei sie auch nur so klein wie unsere Familie - zurechtfinden muss. Dass durch TEamwork, Austausch und gegenseitiges Helfen das Leben besser funktioniert.

Wenn ich ihm - um beim Beispiel zu bleiben - Schokolade und Eis zum Mittag praesentiere, waere er zwar gluecklich, aber ich waere mit dieser Auswahl unzufrieden. Anstatt dessen gebe ich ihm eine AUswahl, was er gerne essen moechte und mit der ich leben kann ;o). Sagt er trotzdem "ich mag Eis" sage ich z. B.: "OK, ich mag Dir gerne Eis geben, ich hab auch Lust auf eins, lass uns aber erst Mittag essen. Ist das ein Deal? Willst Du dann Vanilla oder das mit den Keksen drin?"

Und nochwas: wenn ich ihm eine Auswahl gebe, die er nicht mag, koennen wir zusammen was anderes finden. Durch Fragen und Zuhoeren. Oder ich frage ihn, was an Konsequenzen dafuer zu erwarten sind und wenn er sie tragen will, OK. In sichereren SItuationen OK, natuerlich nicht auf die Strasse laufen, andere Schlagen, erstechen, etc. Aber wenn er meint, in der Schule Aerger haben zu wollen, weil er nicht hoert oder keine Hausaufgaben gemacht hat, dann ist das seine Entscheidung. Den Aerger hat er dann uebrigens in der Schule, nicht zu Hause. Das Fragen und Reden und Zuhoeren gibt es hier.

Ich finde, in einer funktionierenden Familie muss es das geben, dass alles ein wenig "verrueck-bar" ist und nicht hammerfest. Dass es viel Grau gibt und nicht nur Schwarz Weiss.

Maxi komplett antiauthoritaer zu erziehen, und ihn einfach machen zu lassen was nur ER will hoert sich ausserdem unattraktiv an, weil er dann denkt, die ganze Welt dreht sich nur um seine Person. Dass es nicht wichtig ist, die Gefuehle und die Limits der anderen zu BERUECKSICHTIGEN. Gerade DAS finde ich an MAxi total bemerkenswert: er hat ein ganz liebes Mitgefuehl in seinem Herz.

Mein Sohn weiss, dass er ein grosses Sprachrohr hat. Er weiss aber auch, dass wir unsere Beduerfnisse und unser Sprachrohr haben, dass wir ALLE DREI am besten fahren, wenn wir uns GEGENSEITIG hoeren.

Elke, nochwas: es ist total schwer, einiges in einem Posting zu sagen, zu beschreiben. Ich bin sicher, wenn Du uns im Umgang mit unserem Sohn sehen wuerdest, Du ein besseres Bild bekommen wuerdest.

Ausserdem ist mein Deutsch so verdammt umstaendlich und eingerostet geworden; 16 Jahre Ausland.

Lieben Gruss von
Claudia

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Re: Hi

Antwort von Mathildas_mama am 28.05.2006, 20:25 Uhr

Hi, Claudia,

danke für Deine ausführliche Antwort.

Ja, es ist schwer, die ganze Komplexität unseres Zusammenlebens in ein einigermaßen kurzes Posting unterzubringen.

Sehr vieles, was Du sagst, gefällt mir, vor allem zum Beispiel:
"Ich finde, in einer funktionierenden Familie muss es das geben, dass alles ein wenig "verrueck-bar" ist und nicht hammerfest. Dass es viel Grau gibt und nicht nur Schwarz Weiss."

Vieles ergibt sich wirklich erst im Zusammenleben, viele gute Vorsätze, welche man vorher hatte, muß man prompt über Bord werfen.

Allerdings schreibst Du auch:

"Wenn Maxi alleinige Entscheidungskraft haette, gaebe es kein Gleichgewicht. DAs nennt Bluestein Lose-Win. Das Kind ueberschattet die Beduerfnisse der Eltern (das andere Ungleichgewicht ist Win-Lose, die Eltern ueberschatten das Kind). "

Davon redet wiederum doch niemand. Aber: in manchen Dingen, v.a. in den sehr persönlichen Angelegenheiten des Kindes, da sollte das Kind alleinige Entscheidungsfreiheit haben (solange es ungefährlich ist), in anderen - nur mich betreffenden - habe ich die alleinige. Das ist bei Euch sicher genau so, kam nur nicht so klar heraus ;).

Deinem Passus über die Grenzen, die das Kind bekommen möchte und sucht, dem schließe ich mich nicht an, ich weiß aber, daß dies die gängige Aussage der aktuellen Erziehungswissenschaft ist. Ich bin der Meinung, Kinder sollen die Grenzen ANDERER kennen und respektieren lernen.

Grenzenlose Erziehung geht nicht, es gibt objektive Grenzen (ich muß zur Arbeit, Kind muß zur Tamu/Kidnergarten, dazu zieht man sich an etc...) und es gibt subjektive Grenzen (ich will heute mein Lieblingsgericht kochen, mein Mann kann und will nicht den ganzen Tag Barbiespielen *gg*). Uns ist es egal, ob das Kind mit 2 Jahren am Liebsten auf dem Couchtisch saß, bei niemandem anderen wird das gemacht, schließlich mögen andere dies nicht.

Dazu muß ich dem Kind keine Grenzen geben, sondern ich muß wissen, wo MEINE Grenzen sind. Weiß ich das einigermaßen sicher, dann fühlt sich das Kind auch sicher, unsicher wird es, wenn ich stets meine Grenzen überschreiten lasse und dann darüber ungehalten werde. In der Praxis werden wir uns nicht sehr unterscheiden, wir setzen halt nur von ganz unterschiedlichen Seiten an. Und mein Ansatz beinhaltet dann automatisch, daß mein Kind erst dann Grenzen zu spüren bekommt, wenn es mit denen anderer in Konflikt gerät.

So lange kann es durchaus machen, was es will. Da es sich aber um ein soziales Lebewesen in einer Gemeinschaft handelt, kann das nicht passieren:

"Maxi komplett antiauthoritaer zu erziehen, und ihn einfach machen zu lassen was nur ER will hoert sich ausserdem unattraktiv an, weil er dann denkt, die ganze Welt dreht sich nur um seine Person. "

Das hingegen trift auf uns beide zu:

"Dass es nicht wichtig ist, die Gefuehle und die Limits der anderen zu BERUECKSICHTIGEN." :-)))).

LG Elke

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Hallo Claudia:-)

Antwort von abb am 29.05.2006, 9:42 Uhr

Hi... meine Hochachtung vor Deiner Einstellung. Was Du geschrieben hast, funktioniert in unserer Familie ebenfalls tadellos. Und zwar seit dem Kleinkindalter. Das Zauberwort ist Einbeziehung und Respekt. Konflikte lösen, ohne dass es einen Verlierer gibt. Natürlich kann man einem Kind nicht die komplette Entscheidungsfreiheit lassen, damit wäre es überfordert. Aber es liegt in unserer Verantwortung als Eltern, Alternativen aufzuzeigen, zwischen denen das Kind unbedenklich wählen kann.
Es ist zwar anstrengender als die klassische "Nein-Variante", aber es lohnt sich. Wollt ich nur noch mal bestätigend loswerden.
Viele Grüße
Susi

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Elke

Antwort von CIaudiaUSA am 30.05.2006, 17:15 Uhr

Hi Elke!

Ich glaube auch, dass unser STil sich total aehnelt.

Ich kann mich mit allem identifizieren.

Kann ich Dich mal was fragen?

1. Wie kann ich meinem 6 jaehrigen helfen, wenn er bei einem Spiel mit seinen Kumpeln der Verlierer ist? Maxi hat damit Probleme, er laeuft weg oder/und schreit. Ich habe ihm oft gesagt, wenn er mit mir spielt, wieviel Spass es macht, zusammen zu spielen und bla bla bla.

2. Maxi ist sprachverzoegert und hat auch ein paar "Lernschwaechen". Hier in USA wird in der Vorschule - in die er seit August letzten Jahres geht - total viel erwartet, echt Wahnsinn. Ich arbeite zweimal die Woche ehrenamtlich in seiner Klasse mit. Gestern abend sagt er: "Zu Weihnachten wuensche ich mir, schlau zu sein." Elke, ich habe innerlich geheult. Ich habe ihm gesagt, dass ich verstehe, dass er frustriert ist, aber habe ihn auch gefragt: "Meinst Du, Du bist ein guter Kuenstler?" "Ja, Mami!" "Das find ich auch, malst Du mir morgen eine Blume mit Wasserfarben?"

Hast Du noch welche Ideen, wie ich ihm uebermitteln kann, dass es OK ist, nicht der beste, schlauste, tollste sein zu muessen?

3. Ich habe im Geschaeft eine Mutter gesehen, die ihrem Kleinstkind voll eine gezogen hat. Wie reagierst Du in so einer Situation? Muss man wirklich nur weggucken? ICh fuehle mich dabei so schlecht.

Lieben Gruss von
Claudia

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Re: Hallo Susi:-)

Antwort von CIaudiaUSA am 30.05.2006, 17:17 Uhr

Hi Susi!

Stimmt, einiges ist anstrengender, aber, wenn es mit weniger NEIN funktioniert, ist es im Endeffekt fuer alle weniger Stress, viel einfacher, find ich.

Schoener Austausch hier!

Lieben Gruss
von Claudia

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