Sylvia Ubbens

Sensibles Kind rotzfrech

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Liebe Frau Ubbens,

ich habe seit einiger Zeit Probleme mit meinem 5 jährigem Sohn.
Er ist sehr willensstark und frech mir gegenüber,sehr dominant und will sich mit aller Macht daheim durchsetzen. Er sagt auch immer er sei der Chef.
Ein Nein akzeptiert er nicht.
Sein Tenor ist zu allem was ich sage oder vorschlage "Nein will ich nicht"
Er macht auch einfach Dinge ohne vorher zu fragen, er nimmt sich etwas aus dem Kühlschrank, klaut Süßigkeiten die er dann versteckt usw. Es ist so als sei er daheim alleine. Er ist auch schon einfach über das Gartentor gestiegen und weg gegangen weil er dazu Lust hatte. Er macht was er will.
Das Problem ist nur, dass er das darauf folgende Schimpfen überhaupt nicht erträgt. Er hyperventiliert dann teilweise beim weinen.
Ich fange bei besonders brenzligen Situationen, wie auf die Straße rennen, usw. schon mal an zu schreien wenn er nicht mehr hört. Das ist nicht schön, ich weiß mir dann aber nicht mehr zu helfen.
Ich hab es ihm vorher 1000 mal erklärt.
Es geht zum einen Ohr rein & zum anderen Ohr wieder raus. Teilweise hört er überhaupt nicht was ich sage.
Knackpunkte sind im Alltag das Kleidung wechseln allgemein, auch mit meiner Hilfe, das zu Bett gehen, aber auch das pünktliche Verlassen des Hauses morgens usw. Egal wie früh ich versuche ihn vorzubereiten & umzuziehen, kurz vorher muss er nochmals ins Kinderzimmer und seine Fahrzeuge in eine Reihe stellen oder sonst was. Wir kommen jedesmal zu spät. Irgendwann wird dann aus meiner ruhigen Ansage, dass wir los müssen, langsam der Ton schärfer.
Ich muss zur Arbeit und pünktlich los.
Ihn im Pyjama mitnehmen funktioniert auch nicht, da rastet er richtig aus, wirft Sachen durch die Gegend und auf mich.
Heute Morgen hab ich dann nach meiner Ansage das Haus einige Minuten verlassen. Ich konnte einfach nicht mehr. Er ist total ausgeflippt und hat extrem geweint. Das ging so weit dass er dann Rückenschmerzen und Kopfschmerzen bekam.
Im kindergarten wird er öfters gehauen oder gebissen, weil er sich als Chef benimmt den anderen Kindern gegenüber. Er muss sich immer durchsetzen. Er ist immer bei den allerschlimmsten und stärksten Jungs mit dabei beim Spielen. Aber auch hier verzweifelt er dann deshalb und weint. Er wehrt sich auch nie. Da bekommt er dann doch Angst.
Ich weiß einfach nicht mehr weiter.
Er ist auf der einen Seite total dominant und stur und willensstark, aber auch sehr sehr sensibel und lieb und sehr anhänglich und teilweise schüchtern.
Er verzweifelt manchmal richtig an meiner Schimpferei und sagt dann sein Herz tue ihm weh. Und dass er oft traurig sei, va wenn er morgens alleine aufwacht und es ihm dann einfällt dass ich so oft schimpfe. Mir bricht es dann fast das Herz.
Ich bin schon sehr streng & konsequent. Vielleicht ist das zu viel?? Aber mit Erklärungen komme ich bei ihm nicht weiter. Er macht alles immer wieder.
Wie geht man mit so einem Kind um??
Ich bin so verzweifelt langsam ...
Vielleicht können Sie mir einen Rat geben?

von Wäschesäcken am 27.02.2020, 10:27 Uhr

 

Antwort auf:

Sensibles Kind rotzfrech

Liebe Wäschesäcken,

meine Vorrednerin hat schon sehr gut geantwortet, da kann ich nicht viel hinzufügen und werde die Worte hier nicht wiederholen. Vielleicht ein konkreter Tipp: Setzen Sie sich in einem ruhigen Moment mit Ihrem Sohn, bestenfalls als ganze Familie, zusammen und sprechen darüber, was jedem einzelnen nicht gefällt, aber auch, was gefällt.
Welche Idee hat Ihr Sohn, wie es schöner sein könnte? Können Sie sich darauf einlassen oder einen Kompromiss schließen?
Ihre Idee kann sein, dass Ihr Sohn entscheiden darf, welchen Pullover er morgens anzieht, was es mittags (nicht täglich aber doch regelmäßig) zu essen geben soll usw.. Beziehen Sie ihn auch gerne in die Hausarbeit mit ein. Er wird sich wertgeschätzt fühlen und als Teil des Ganzen verstehen.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 29.02.2020

Antwort auf:

Sensibles Kind rotzfrech

Er scheint ja wirklich sehr sensibel zu sein und es kann schon sein, dass er mit deiner Stenge da nicht zurecht kommt. Also zu viele Dinge von dir grundsätzlich vorgegeben werden, er dadurch wenig Möglichkeiten hat, auch mal selbst etwas zu entscheiden oder auch aus Fehlern zu lernen. Dann wehrt er sich gegen dieses Regelkorsett indem er eben nicht macht, was du ihm "vorschreibst" und dann ... ja, endet es darin, dass du noch strenger wirst, ihr euch streitet usw.
Dann versucht er, im KiGa endlich mal der Chef zu sein - klappt aber auch nicht bzw. in letzter Konsequenz ist er eben kein "Chef", sondern ein Kind, dass um Anerkennung kämpft und auch da wieder "abgewiesen" wird.
Er teilt dir ja eigentlich ziemlich gut mit, das er traurig über die Situation ist. das ist für einen 5-jährigen schon beachtlich.

Mit 5 ist er ja schon durchaus in der Lage, einige Dinge mit zu entscheiden.
Also zB was er anzieht. Oder auch mal ganz offiziell bestimmen zu dürfen, wohin ein Ausflug gemacht wird. Es gibt eigentlich gar nicht so irre viele Dinge, bei denen man ganz streng sein muss mit der Einhaltung. Überleg dir doch mal, welche Dinge dir wirklich wichtig sind. Und bei welchen Dingen es eigentlich nicht so wichtig ist, dass es jetzt genau so, wie du möchtest, gemacht werden muss. Klar habe ich zB die Teller gerne in einer bestimmten Ordnung im Schrank stehen weil ich weiß, das es dann praktischer ist - aber wenn unser Kind die Spülmaschine ausräumt und die Teller anders einräumt, sage ich nichts (oder nur sehr sanft als "du könntest übrigens ...". Er hilft und gibt sich Mühe - das zählt. Nicht, das er es genau so macht wie ich es tun würde oder gerne hätte. Das kann man dann so nach und nach erklären/beibringen.
Mit 5 durfte unser Kind zB alleine zur Eisdiele gehen oder Freude fußläufig besuchen, auf den Spielplatz hinterm Haus. Einzige Bedingung: Bescheid sagen, wenn man woanders mit rein geht. Echte unumstößliche Regeln sind bei uns eher wenige - zB um 20 Uhr ist unten Feierabend. Wenn er so gar nicht müde ist, kann er gerne noch in seinem Zimmer eine CD hören oder was auch immer. Im Gegenzug ist er ziemlich kooperativ, wenn es dann mal sowas gib wie "Jetzt beeilen weil..."

Schreien nutzt sich ziemlich schnell ab - besser wären logische Konsequenzen.

Ich würde dir aber raten, mal eine Erziehungsberatung ins Haus zu holen. Die wird vor Ort sicher besser beurteilen können, ob du evt. zu streng bist. Diese hat auch einen unvoreingenommenen Blick auf euer Kind und kann gut einschätzen, wo es hakt bzw. wie er tickt. Als Eltern ist man oft zu nah dran bzw. es hat sich schon ein Kreislauf eingeschlichen, den man selber gar nicht mehr so erkennt. Da kann ein Blick von außen wirklich helfen.

Wie ist er denn wenn Papa etwas sagt bzw. wie reagiert der Vater und sieht die ganze Situation?

von cube am 27.02.2020

Antwort:

Im KiGa

versteh ich das so, dass es dort keine Probleme mit Regelverletzungen, sich weigern etc gibt? Da ist er eher defensiv?

von cube am 27.02.2020

Antwort auf:

Sensibles Kind rotzfrech

Hallo Cube,
Danke für deine Antwort.
Das Kind ist krank, daher die verspätete Antwort ...
Ja genau, im Kiga hält er sich an die Regeln der Erzieherinnen. Die sind recht resolut und da traut er sich nichts.
Er baut meist den ganzen Tag in der Bauecke und da gibt's dann Streit mit den anderen kindern. Es muss dann eben im Zusammenspiel immer nach meinem Sohn "gebaut" werden, laut Erzieherin. Keinen Millimeter anders. und dann schlagen die anderen zu.
Ich bin da auf die Aussagen der Erzieher angewiesen.
Daheim ist er eben sicher und da lässt er dann die Sau raus.
Er entscheidet ohnehin alles, was er anzieht, was er isst usw.
Nur ein paar Dinge entscheide noch. Ich, morgens aus dem Haus gehen und wann geduscht / gebadet wird usw. Da flippt er dann aus weil er nicht will.
Heute hat er mir erzählt dass er wieder ein Versteck hat, in dem er seine Süßigkeiten versteckt hat um selbst zu entscheiden wann er die isst.
Er macht das dann vorzugsweise abends & das möchte ich nicht, weil er dann total aufdreht.
Beim Vater darf er alles. Er ist oft beruflich unterwegs und hat dann Angst dass sich sein Kind abwendet wenn er streng ist. Über dieses Thema streiten wir regelmäßig, er ändert es nicht. (Dieselbe Sturheit)
Mein Sohn ist auch ein ziemlicher Lausbub und bringt echt Dinger.
Wie soll man da nicht schimpfen...
Ich kämpf echt hart mit mir um mich zusammen zu reissen.
Aber wenn dann wieder die Erde vom Garten gegen die Fenster fliegt usw... Puh

von Wäschesäcken am 03.03.2020

Antwort auf:

Sensibles Kind rotzfrech

Hallo Cube,
Danke für deine Antwort.
Das Kind ist krank, daher die verspätete Antwort ...
Ja genau, im Kiga hält er sich an die Regeln der Erzieherinnen. Die sind recht resolut und da traut er sich nichts.
Er baut meist den ganzen Tag in der Bauecke und da gibt's dann Streit mit den anderen kindern. Es muss dann eben im Zusammenspiel immer nach meinem Sohn "gebaut" werden, laut Erzieherin. Keinen Millimeter anders. und dann schlagen die anderen zu.
Ich bin da auf die Aussagen der Erzieher angewiesen.
Daheim ist er eben sicher und da lässt er dann die Sau raus.
Er entscheidet ohnehin alles, was er anzieht, was er isst usw.
Nur ein paar Dinge entscheide noch. Ich, morgens aus dem Haus gehen und wann geduscht / gebadet wird usw. Da flippt er dann aus weil er nicht will.
Heute hat er mir erzählt dass er wieder ein Versteck hat, in dem er seine Süßigkeiten versteckt hat um selbst zu entscheiden wann er die isst.
Er macht das dann vorzugsweise abends & das möchte ich nicht, weil er dann total aufdreht.
Beim Vater darf er alles. Er ist oft beruflich unterwegs und hat dann Angst dass sich sein Kind abwendet wenn er streng ist. Über dieses Thema streiten wir regelmäßig, er ändert es nicht. (Dieselbe Sturheit)
Mein Sohn ist auch ein ziemlicher Lausbub und bringt echt Dinger.
Wie soll man da nicht schimpfen...
Ich kämpf echt hart mit mir um mich zusammen zu reissen.
Aber wenn dann wieder die Erde vom Garten gegen die Fenster fliegt usw... Puh

Mit der Erziehungsberatung hab ich nen Termin, aber erst in 2 Monaten, die sind voll.
Da hast du schon recht, das is vielleicht zu komplex für ein Forum

von Wäschesäcken am 03.03.2020

Antwort auf:

Sensibles Kind rotzfrech

Liebe Wäschesäcken,

um etwas mehr Entspannung in den Alltag zu bringen, empfehle ich vier Wochen zu investieren, in denen Sie Ihrem Sohn sehr zugewandt sind. Das kann bedeuten, dass Sie Ihren Sohn vom Aufstehen bis zum Ins-Bett-Gehen begleiten. Nach dem Aufstehen bleiben Sie morgens bei ihm, bis er angezogen ist, setzten sich mit ihm an den Frühstückstisch und sind bei ihm im Bad, während er die Zähne putzt usw.. Am Nachmittag setzen Sie sich zum Spielen zu ihm oder geben im kleine Aufgaben, bei denen er Ihnen helfen kann. Usw.. Geben Sie Ihrem Sohn auf diese Weise viel Aufmerksamkeit und zeitgleich wenig Möglichkeiten "frech" zu werden.

Wenn Sie etwas mit Ihrem Sohn besprechen, gehen Sie auf Augenhöhe und sehen ihn an. Bleiben Sie ihm in dem Moment (möglichst) freundlich zugewandt.
Mag er so gar nicht hören oder wird frech, nehmen Sie mit ihm eine Auszeit. "Wir setzen uns jetzt gemeinsam auf das Sofa und klären, was gerade los ist." Regt sich Ihr Sohn dann auf, warten Sie geduldig ab.

Es bedeutet in den nächsten Wochen viel Arbeit auf beiden Seiten. Sie werden aber sicherlich schon nach ein paar Tagen kleine Veränderungen spüren.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 04.03.2020

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