Ist bio immer besser?

Mädchen wählt Gemüse im Supermarkt aus

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Viele Familien wählen Bioprodukte und fair gehandelte Waren. Doch ist "bio" und "fair" immer besser?

Biologische Ernährung für Kindergarten- und Grundschulkinder: Ist bio immer besser?

Biologische Ernährung ist in: Jeder Supermarkt führt mittlerweile ein umfassendes Sortiment an Bio-Produkten. Bei welchen Produkten bio wirklich Sinn macht und wo man auf bio verzichten kann.

Kriterien für Bio

Die Deutschen lieben bio, deshalb ist Deutsch­land auch der größte und damit wichtigste Markt für Bioprodukte in Europa. 2015 erreichte die Branche einen Jahresumsatz von 8,6 Milliarden Euro - Tendenz steigend. Besonders gerne kaufen wir Deutschen Bioobst, Biogemüse und -kar­toffeln und auch immer mehr Biofleisch. Bioprodukte werden nach den Ökokriterien der EU oder nach den Kriterien der Ökoanbau­verbände wie Natur­land, Bioland oder Demeter hergestellt. Für ökologischen Anbau gelten bestimmte Regeln: Biobauern dürfen keine synthetischen Pestizide und keine Gentechnik verwenden. Sie düngen in der Regel mit Tiermist und achten darauf, durch Fruchtwechsel dem Boden möglichst nicht einseitig Nährstoffe zu entziehen. In der Viehzucht bekommen die Tiere mehr Platz und Auslauf als in konventioneller Tierhaltung. Diese Produktionsweisen wirken sich in der Regel positiv auf die Qualität von Obst, Gemüse, Milch und Fleisch aus.

Bio ist teurer

Durch die große Nachfrage ist bio heute auch im Discounter angekommen: Ob Obst, Gemüse, Milchprodukte - überall im Supermarkt findet man Bioprodukte, die häufig auch als "fair" gehandelt beworben werden. Das Image von Bioprodukten verspricht dem Konsumenten bessere Produkte, weil weniger Spritzmittel eingesetzt werden, die Tiere bessere Lebensbedingungen haben und die Lebensmittelproduzenten ein faires Einkommen für ihre Arbeit erzielen. Wer so viel Positives bekommt, muss als Verbraucher auch bereit sein, deutlich mehr dafür auszugeben: Vergleicht man die Preise der Hausmarke eines großen deutschen Discounters mit den Preisen der dort vertriebenen Biomarke, ist bio um  ca. 75 bis 100 Prozent teurer als die günstige Hausmarke. Gerade Familien, die meist preisbewusster konsumieren, wollen deshalb sicher wissen, ob sie mit den Mehrkosten auch Mehrwert bekommen.

Bio nicht bei allen Produkten besser

Bioware ist zur Massenware geworden. Wahrscheinlich hat sich auch deshalb Stiftung Warentest vor einiger Zeit mit Biolebensmittel beschäftigt. 1237 Lebens­mittel wurden damit untersucht und Geschmack, Schadstoffe und Gesamtqualität beurteilt. Das Ergebnis der Tester: Bio ist nicht bei allen Produkten besser. In herkömmlicher, also Nicht-Bio-Qualität überzeugten Fisch, Milchprodukte, Nudeln, raffinierte Öle, Schokolade und Chips. In Bioqualität besser waren im Test Obst und Gemüse, native Öle, Fleisch, Tiefkühlware und Vollkornprodukte. Kohl, Salat, Tomaten und Kartoffeln in Bio-Qualität enthielten nachweislich mehr Antioxidantien, Vitamine und bioaktive Substanzen, die sich positiv auf unser Herz-Kreislauf-System und unseren Stoffwechsel auswirken können.

Frei von Schadstoffen sind aber auch Bio-Lebensmittel nicht: In Schwarztee und in Grünem Tee fanden die Wissenschaftler potentiell krebserregende Substanzen. Bio-Nudeln enthielten Rückstände eines Schimmelpilzgiftes. Eine bessere Überwachung und Lagerung der eigenen Produkte könnte schädliche Inhaltsstoffe minimieren oder komplett verhindern, so die Empfehlung von Stiftung Warentest.

Wenn auch geschmacklich nicht immer ein Unterschied feststellbar ist. Wer Bio-Ware kauft, unterstützt damit auch die Umwelt und den Tierschutz. Biobauern halten ihre Tiere artgerechter: Sie halten weniger Tiere pro Quadratmeter, die Tiere haben mehr Auslauf und artgerechte Vorrichtungen wie Sitzstangen und Scharräume für Hühner. Auch Stiftung Warentest stellte dies als positiven Aspekt fest.

Auf die Kennzeichnung achten

Wenn es um Biolebensmittel geht, lohnt es sich als Verbraucher wachsam zu sein und genau auf die Bezeichnung zu achten: Nur Produkte, die als "biologisch" oder "bio", "ökologisch" oder "öko" gekennzeichnet sind, genügen auch den Richtlinien der EG-Öko-Verordnung. Diese Kennzeichnungen sind gesetzlich geschützt und gewährleisten, dass ein Produkt zu 95 Prozent nach den Richtlinien der EG-Öko-Verordnung erzeugt wurde. In dieser Verordnung ist aufgelistet, welche Inhaltsstoffe, Zusätze und Hilfsstoffe Bioprodukte enthalten dürfen. Andere Bezeichnungen klingen zwar nach bio, sind es aber in den meisten Fällen nicht. So sind Kennzeichnungen wie "kontrollierter Anbau", "alternativ", "integriert", "natürliche Herstellung" oder "kontrollierter Vertragsanbau" Formulierungen der Marketingabteilungen, die nichts mit bio zu tun haben. Sie sollen verkaufsfördernd wirken, genügen aber in der Regel nicht den strengen Bionormen. Auch sogenannte "Fairtradeprodukte" wie z. B. Kaffee oder Bananen, die beworben werden mit einem fairen Handel zwischen Erzeuger und Großhändler, halten oft nicht, was sich der Verbraucher davon verspricht: Denn nur 20 Prozent des Produktes müssen aus fairem Handel stammen - der Rest wird mit herkömmlich gehandelter Ware "aufgefüllt" oder vermischt.

Gerade Familien, die als Verbraucher bereit sind, deutlich mehr Geld für biologische und fair gehandelte Produkte auszugeben, sollten diese Feinheiten kennen, um beim Einkauf gezielt entscheiden zu können, bei welchen Produkten sich die Mehrausgaben lohnen und wo man sich bares Geld sparen kann.

Zuletzt überarbeitet: September 2018

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