Dr. Rüdiger Posth

Entwicklung von Babys und Kleinkindern

Dr. Rüdiger Posth

   

 

KEIN Trennungsschmerz

Hallo Herr Dr. Posth,
ich habe jetzt einiges über den Trennungsschmerz gelesen und bin jetzt eher verunsichert als klarer in unserer Situation.
Wir wohnen ebenfalls im Ausland und haben keine Omas/Opas die als weitere feste Bezugspersonen da sind.
Unser Kleiner (etwas über 1 Jahr) geht seit dieser Woche 2x für ca. 4-5h in eine home day care, d.h. eine lizenzierete (i.d.R.) Frau die eben Kinder zur Betreuung aufnimmt. Sie macht dies schon seit einigen Jahren und hat daneben auch 3 eigene Kinder, wobei das Jüngste wenige Wochen älter als unser Kleiner ist.
Bevor ich ausscheife: Wie erkenne ich, daß es dem Kind gefällt und es keine Trennungsangst hat? Es wird immer über die Aspekte der Angst gesprochen aber nicht über die "umgekehrten" Situation. Sollte es überhaupt nicht weinen? Soll es fröhlich sein (im Gegensatz zu "endlich ist die Mama da") wenn es wieder abgeholt wird?

von silvia25 am 11.09.2003, 17:13 Uhr

 
 

Antwort:

KEIN Trennungsschmerz

Liebe Silvia, das tückische an der Sache mit dem Trennungsschmerz ist, daß unsicher-vermeidende Kleinkinder ungefähr denselben Eindruck in der Fremdesituation machen wie sicher gebundene, die für die Betreuungsperson und-situation spontan eine große Sympathie entwickeln. Die Vermeidung dieser Kinder besteht darin, daß sie sich nicht (mehr) getrauen, ihren Schmerz offenkundig zum Ausdruck zu bringen. Mißt man aber ihre vegetativen Reaktionen (was man tatsächlich getan hat), dann entsprechen die einer hohen, negativen Streßbelastung.
Aber wie gesagt, es gibt auch spontane Sympathie für eine zunächst fremde Betreuungsperson auf derselben Ebene, wie eine Oma auch sofort gemocht wird oder (leider) abgelehnt. Der Wiederbegegnungsschmerz mit der Mutter ist Lösung der inneren Anspannung in der Zeit der Trennung, wobei der Spannungsbogen im Inneren über Stunden Tage und Wochen in unterschiedlicher Intensität aufrecht erhalten werden kann, wie jeder von uns aus eignenr Erfahrung weiß.
Ob und daß ein Kind also in der Fremdbetreuung glücklich und zufrieden, ist nicht so leicht herauszubekommen. Daher hängt das Urteil meist überwiegend von dem Wunschdenken der Mutter, der Eltern und v.a. auch der Betreuerin selbst ab (die unter Erfolgsdruck steht). Ein gutes Zeichen für hohe Akzeptanz einer fremden Person zur Betreuung ist z.B. die Fähigkeit des Kindes, sich von dieser spontan und schnell trösten zu lassen. Viele Grüße

von Dr. med. Rüdiger Posth am 13.09.2003

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