Lulu36
Hallo, ich bin vor zwei Wochen das erste Mal Mutter geworden. Ich habe das Gefühl, dass mein Mann total überfordert ist. Im Krankenhaus habe ich schwere Geburtsverletzungen erlitten, seit 1 1/2 Wochen sind wir wieder zu Hause und ich habe das Gefühl mein Mann denkt, dass ich wieder total fit bin. Er meint, dass ich mal meine KH Tasche auspacken kann, mein Essen selber machen, Besuch Empfangen use. Mein Beckenboden ist nicht fit, längeres sitzen oder stehen fällt mir schwer... Heute war er total überfordert, er hat gemeckert und war total genervt, weil die Kleine wieder die Windel voll hatte und der Haushalt ihn nervt. Ich muss dazu sagen, dass er vor der Schwangerschaft schon penibel auf Ordnung und Sauberkeit geachtet hat. Selbst jetzt im Wochenbett will er es piko haben und ich denke mir, was ist wichtiger kuscheln mit der Familie oder das Bad wischen. Die Zeit kommt nicht wieder. Als die Kleine heute Abend geschrien hat, war er auch total genervt und meinte zu ihr, ich verstehe im TV nichts wenn du so schreist. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Als ich dann gesagt habe, dass das Geflimmer sowieso nicht gut ist für die Kleine, hat er sie genommen, ist ins Schlafzimmer gegangen und wollte ihr vorlesen. Beim Tragen meinte er dann zu mir: Komm, nicht, dass du noch vom Flimmern stirbst. Und ich dachte wieder, dass ich meinen Ohren nicht traue. Zwei Tage nach der Geburt im KH, am Heiligabend, hatten wir auch Streit, weil ich gesagt habe, dass mir Besuch seiner Eltern zu viel sind wenn sie sich kein Hotel nehmen und den ganzen Tag bleiben. Da meinte er, er würde eher einen Streit mit mir in Kauf nehmen als sie ins Hotel gehen zu lassen. Das hat mich so verletzt. Meine Gefühle waren sowieso schon verrückt und dann sowas in einer solchen Situation. Ich habe Angst, dass ich den falschen Mann geheiratet habe... Wir sind seit 13 Jahren zusammen, aber ich will mich nicht mehr bevormunden lassen und ich habe Angst, ihn allein mit unserer Tochter zu lassen.
Das tut mir total leid zu hören! Dennoch erstmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt deines Kindes. ❤️ Da du sagst, dass du dich nicht mehr bevormunden lassen willst: Verhält sich dein Mann schon länger so?
Dass die Ankunft des Babys den Vater aus der Bahn wirft oder auch überfordert - das kommt sehr oft vor. Das erste Baby stellt das Leben komplett auf den Kopf, und man muss sich selbst zurückstellen, Prioritäten anpassen, Gewohnheiten ändern... Es klingt so, dass dein Mann sich damit gerade etwas schwer tut. Das ist ganz normal, gerade bei Männern, da für sie das Baby während der Schwangerschaft noch nicht real/greifbar war und viele auch nicht den Antrieb haben, sich darauf vorzubereiten. Wie so oft, hilft es, darüber zu sprechen oder auch mal gemeinsam über die Situation zu lachen. Du hast doch bestimmt auch Momente, die du anstrengend und nervig findest. Erzähl ihm sich davon, damit er versteht, dass er nicht alleine ist. Was auch helfen kann, ist sich mit anderen jungen Vätern auszutauschen. Habt ihr da jemanden im Umfeld? Das Wochenbett sollte man natürlich trotzdem nicht auf die leichte Schulter nehmen. Habt ihr denn einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht, oder hast du deinem Mann vorher ausführlich erklärt, was das bedeutet? Vielleicht kann deine Hebamme nochmal das Thema mit ihm besprechen, falls du eine hast. Ob du mit dem "richtigen" Mann zusammen bist, das kann ich dir nicht sagen. Ich denke, das weißt du nach 13 Jahren selbst. Hat er dich schon vor der Geburt "bevormundet", oder war es bisher eine Partnerschaft auf Augenhöhe? Ich weiß nur, dass die meisten Menschen sich wenig ändern. Die Situationen, die du beschreibst, sehe ich gemischt. Das er penibel ist, das wird sich wohl nicht ändern und da müsst ihr Kompromisse eingehen. Dass er das Baby vom Fernseher weggenommen hat und Vorlesen wollte, finde ich sogar süß. Andere wären da einfach sitzen geblieben und hätten die Frau mit Baby weggeschickt. Dass er dazu einen blöden Spruch macht, ist vielleicht einfach seine Art, mit der Situation umzugehen. Ich denke, da bist du aufgrund der Hormone noch etwas ermpfindlich (was aber auch ganz normal ist). Nur den Besuch der Eltern so kurz nach der Geburt hätte ich auch nicht gewollt und ich finde nicht schön, dass er sich da über deinen Kopf hinweg gesetzt hat. Jetzt gilt es erstmal, die erste Zeit durchzustehen und sich mit dem Baby "einzugrooven". Das kann auch mal 3 Monate dauern (Stichwort "3-Monats-Koliken). Bis dahin haben sich auch deine Hormone beruhigt. Und dann siehst du weiter.
Erstmal herzlichen Glückwunsch zu deiner Tochter!
Wenn man seit 13 Jahren zusammen ist, dann weiß man natürlich schon, wer der Mann ist, mit dem man zusammenlebt. Du schreibst ja auch, du willst dich "nicht mehr bevormunden lassen". Er macht das alles nicht erst seit anderthalb Wochen, oder?
Bisher hast du dich offenbar mit seiner Art arrangiert. Jetzt aber ist eine riesige Herausforderung dazugekommen. In Studien wurde (überraschenderweise) gezeigt, dass die Ankunft eines Babys eine Partnerschaft extrem belastet – trotz aller Freude. Einfach, weil ab jetzt alles anders ist und absolut nichts bleibt wie zuvor. Schlaflosigkeit, Stress, Stillprobleme, Babygeschrei, später auch die Infekte der Kleinen mit weiteren schlaflosen Nächten, die typischen Sorgen mit Kindern und-und-und. All das ist natürlich eine große zusätzliche Belastung. Und dann werden Paar-Themen, die vorher schon nicht in Ordnung waren, fast immer sehr akut. So ist es gerade auch bei euch.
Ich vermute aber, du wirst dich mit der Art deines Mannes erstmal weiterhin arrangieren, so wie du das auch die vielen Jahre zuvor gemacht hast. Wenn du dich hättest trennen wollen, hättest du das vor der Schwangerschaft schon getan. Jetzt mit Baby ist es natürlich nicht unmöglich, aber ungleich viel schwerer, das ist momentan wohl nicht realistisch.
Wenn das Hormonchaos des Wochenbetts vorbei ist, wird auch mehr Routine einkehren bei euch daheim. Bei Männern wie deinem ist es meist die Frau, die sich so gut wie allein ums Baby kümmert. Darauf wirst du dich wohl einstellen müssen. Schon weil du instinktiv dein Baby vor der Lieblosigkeit des Vaters schützen willst. Sei da sehr realistisch – je weniger du dir vormachst, desto leichter fällt es dir vielleicht eines Tages, doch die Konsequenzen zu ziehen. Menschen ändern sich nicht, es haben schon Hunderttausende Frauen gedacht, ihr Partner werde sich eines Tages "ändern", aber das passiert nie.
Ich persönlich muss sagen, ein Mann wie deiner wäre nichts für mich. Er klingt dominant, unempathisch, lieblos und ist offenbar auch nicht bereit, etwas über Babys zu lernen und sich auf ein so kleines Kind und seine Bedürfnisse einzustellen. Auch deine Bedürfnisse sind ihm weitgehend egal. Ich hätte Angst, vor dem, was da noch kommt. Zwanghafte Väter, die keinen Schmutz und keine Unordnung wollen, sind oft aggressive Väter und machen dem kleinen Kind (das immer Schmutz machen wird) Angst. Das ist schädlich und sorgt oft für eine unglückliche Kindheit.
Ich würde jetzt klare Ansagen machen. Sage, was du brauchst und was du nicht brauchst. Sage auch, was das Baby braucht. Diskutiere nicht, streite nicht, argumentiere nicht lange. Sage immer die Wahrheit, aber ohne laut zu werden. Sage deinem Mann auch konkret, was er tun soll (Windel wechseln, Baby baden usw.). Männer können mit konkreten Aufgaben mehr anfangen als mit allgemeinen Klagen.
Wenn er es trotzdem nicht schafft, sich gut ums Baby zu kümmern und sich weiterhin nicht auf eine neue, liebevolle und geduldige Rolle als Vater und Partner einstellen kann, würde ich mich langfristig vor ihm in Sicherheit bringen. Er wird sonst nicht nur dich, sondern auch euer Kind dominieren und abwerten, und dabei würde ich nicht zuschauen.
LG und achte gut auf dich!
Vielen lieben Dank für eure Antworten. Ja, es stimmt, dass ich schon länger den Eindruck habe, dass er versucht mich zu bevormunden. Er fragt auch ständig nach irgendwas. Also wenn ich zb sage:" Kannst du mal eben die Kiste vom Schrank holen?" Dann kommt immer warum. Oder wenn ich etwas bestelle:" was ist das denn wieder?" Ich glaube auch, dass er überlastet ist. Vielleicht sollte er wirklich mal mit einem Freund reden. Ich glaube nur, dass er da auch Probleme hat, weil er immer alles mit sich ausmacht oder dann eben einfach schlechte Laune hat. Ich hoffe, dass es sich in den nächsten Wochen einspielt. Sehr belastend ist leider auch, dass das Stillen einfach nicht klappen will. Ich habe mit Hilfe meiner Hebamme schon viel versucht( Häufiges Anlegen/Abpumpen, Bockshornkleekapseln, Malzbier, Wärmekompressen) aber es kommt einfach nicht mehr Milch, also füttern wir Prä zu. Da macht er immer die Flasche warm und gibt sie ihr, wenn ich sie im Arm habe. Aber auch da ist er ungeduldig. Ich verstehe einfach nicht, wie man so einen kleinen Menschen nicht verstehen kann. Gestern Abend hatte er sie auf dem Arm und dann hat sie am Hals gesucht und ein bisschen gezwickt. Da sagt er zu ihr sorry so nicht und legt sie erstmal ab. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Ich hoffe sehr, dass er sich da in seiner Rolle schneller findet.
Hast du mit deiner Hebamme auch darüber gesprochen? Meinst du dein Partner wäre eher bereit sich von extern nochmal anzuhören warum das Wochenbett wichtig ist und welche Bedürfnisse Babys haben? Er wirkt auf mich so als hätte er selbst nicht viel Liebe erfahren und kann deswegen (noch) wenig Liebe geben. Das ist aber mMn nicht unveränderlich. Nur muss er sich das erst selbst eingestehen.
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