Elternforum Rund ums Kleinkind

Plötzlich großer Bruder….

Plötzlich großer Bruder….

Verenka

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Liebe Elterncommunity,  Mein großer Sohn ist im Mai drei Jahre alt geworden. Seit zehn Tagen haben wir nun seinen kleinen Bruder zu Hause. Wir haben ihn viel darauf vorbereitet und er hat sich auch sehr auf seinen Bruder gefreut. Er freut sich immer noch, erzählt allen von ihm und sagt immer, wie süß sein Bruder sei. Leider muss ich echte "Wesensveränderung" bei meinem großen feststellen. Er streichelt seinen Bruder, und plötzlich wandelt es in zwicken oder hauen um. Er hört nicht mehr, provoziert uns Eltern (vor allem mich als Mama) bis aufs Blut und sagt Dinge wie "böse, blöde Mama", "halt dein Mund" oder "nein, das mache ich jetzt garnicht!"... sowas kenne ich null von ihm. Erschwerend kommt vielleicht noch hinzu, dass in der Kita gerade drei Wochen Ferien sind und somit sein Vormittag Programm wegfällt. Mein Mann ist aber fünf Wochen zu Hause und wir geben uns die größte Mühe, viel Zeit mit ihm alleine zu verbringen. Er durfte auch schon (von ihm gewünscht), einen Tag alleine ohne uns und das Baby bei der Oma verbringen.   Hat jemand von euch Erfahrungen damit? Legt sich das wieder? Ich mache mir wirklich große Sorgen. Und natürlich möchte ich trotz alldem meine Konsequenz nicht verlieren. Gerade was Schimpfwörter oder schlagen angeht, möchte ich trotzdem konsequent bleiben und sage ihm das auch ganz klar. Oder wenn ich etwas fünf mal gesagt habe und er tut es immer noch nicht, werde ich auch schnell mal lauter... danach tut es mir sofort leid, oft weint er dann und ruft nach Papa oder Oma...  Ich hoffe sehr, dass sich das ganze wieder irgendwann legt.    vielen Dank und liebe Grüße,    verenka 


JoMiNa

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Antwort auf Beitrag von Verenka

Hallo, wir haben exakt denselben Altersabstand. Bei uns hat die erste Phase von Wesensveränderung ca. 6-8 Wochen angehalten, wobei es erst nach 10-14 Tagen so richtig losging. (Davor war K1 wohl noch nicht richtig klar, dass das Baby gekommen ist, um zu bleiben.) Die Eifersucht war danach aber nicht weg, sie kam in Wellen wieder. Bevorzugt, wenn K2 etwas Neues gelernt hat, oder K1 selbst einen Entwicklungsschub durchgemacht hat. Mittlerweile sind sie 7 und 4, spielen toll zusammen, und streiten natürlich auch, so wie es sich für Geschwister gehört. Im Rückblick hat K1 erst so richtig K2 als Teil der Familie akzeptiert, als K2 2-2,5 Jahre alt war und mit sprechen angefangen hat. Jedes Kind reagiert anders darauf, "enttrohnt" zu werden. Die beste Vorbereitung nützt leider wenig, kein Kind kann sich den Alltag mit Baby vorstellen. Denke mal zurück, wie es euch ging, als euer erstes Kind 10 Tage alt war. Man ist komplett "überrumpelt", dazu kommt beim Kind noch die Eifersucht auf die Konkurrenz, Angst, dass die Eltern einen nicht mehr so lieben wie vorher... Also versucht, die euch wichtigen Regeln durchzusetzen, und ansonsten dem "Großen" auch mal etwas durchgehen zu lassen. Er befindet sich gerade in einer Ausnahmesituation. Wichtig ist, zu betonen, was er alles schon darf. Ihn mithelfen lassen. Auch mal dem Baby zu sagen "jetzt musst du kurz warten, ich kümmere mich erst um K1", auch wenn es nichts versteht. Oft tappt man auch in die Falle "er ist ja schon groß, er muss XY schon verstehen/können @. Gerade als frischgebackene Mama hat man ja einen starken Beschützerinstinkt gegenüber dem Baby. Da müsst ihr aufpassen, dass ihr nicht zu viele Erwartungen an ihn stellt. Er ist mit 3 noch klein und weit weg von verständnisvoll und vernünftig. Exklusivzeit ist auf jeden Fall hilfreich, sowohl mit Mama als auch mit Papa. Und Auszeiten bei Oma und Opa, wo er komplett im Mittelpunkt stehen darf, sind auch gut. Also ihr macht das schon richtig, wie du schreibst, aber ihr braucht noch eine große Portion Geduld 😉


Verenka

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Antwort auf Beitrag von JoMiNa

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort! :-) Es beruhigt mich sehr, dass es anderen auch so geht. Dann müssen wir wohl noch lange, viel Geduld aufbringen :-))   


natalie_92

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Antwort auf Beitrag von Verenka

Hallo liebes,   wir hatten das letztes Jahr wo meine Tochter geboren wurde. Mein Sohn kam damit wirklich nicht klar. Wirklich 0.   Was soll ich sagen? Es waren die schwersten 4 Monate unseres Lebens. Ehrlich. Da will ich nicht mal irgendwie dies in rosa Farben beschreiben. Es hat sich für uns damals so angefühlt, als ob wir seine kleine perfekte Welt kaputt gemacht haben. Es hat sich gebessert, wo meine Mama zu uns kam( so waren die Umstände bei ihr ) und ich dann wieder mehr Qualitytime mit meinem Sohn haben konnte. Meine Tochter hat auf mir "gewohnt" und er hatte bevor Oma kam gar keine Zeit mit mir. Er wollte aus Kita nicht nach Hause gehen, er hat so geschrien, dass man denken konnte wir machen hier mit ihm schlimme Sachen. Jetzt 1 Jahr später ist es viel besser geworden- er ist mittlerweile 4 Jahre alt- man kann ihm auch erklären, die Kleine ist nicht mehr so anstrengend und man gewöhnt sich an alles. Er liebt seine Schwester sehr, aber eifersüchtig ist er auch. Sobald die kleine was von mir oder meinem Mann will, will er es auch. Und Kampf uM Aufmerksamkeit machen die beide schon jetzt🤣   Es heißt nicht dass jetzt bei euch auch so sein soll. Aber: du musst auch schon jetzt klare Grenzen setzen was er darf und was nicht, besonders mit dem Baby. Das haben wir z.B. verpasst und es war auch das Problem. Abwarten dass es von alleine weggeht, bringt einfach nichts.  zweitens: vergesse nicht, dass dein Sohn auch jetzt eine schwere Phase hat und es hat einfach mit seiner Entwicklung zu tun. drittens: er ist genauso klein wie er vorher hat. Man vergisst es ganz schnell, wenn man zuhause ein paar Tage altes Baby hat. Ich musste mir es immer sagen und meinem Mann auch, weil von "Er versteht das nicht" bis "er ist doch groß" nach der Geburt nur paar Wochen vergangen sind. Er wurde nicht auf einmal erwachsen oder schlauer. Sein Sohn hat jetzt "schwere" Zeiten, muss auch lernen euch zu teilen und Kompromisse einzugehen. Es ist hart und dauert halt. Bei manchen Kindern kürzer, bei manchen länger.   ich wünsche euch auf jeden Fall viel Geduld und starke Nerven❤️


Bonniebee

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Antwort auf Beitrag von Verenka

Hallo, viele Eltern glauben ja, sie könnten die Eifersucht des älteren Geschwisterkindes vermeiden, indem sie es gut vorbereiten auf das Baby. Und indem sie beide Kinder gleich liebhaben. Aber das klappt nicht. Geschwistereifersucht ist nicht nur völlig normal, sie ist auch ganz unvermeidbar. Jedes ältere Kind leidet darunter, sie ist nur unterschiedlich stark ausgeprägt. Bei uns war es ähnlich heftig wie bei euch, und von den Kindern meiner Freundinnen kenne ich es genauso. Es ist wichtig zu verstehen, dass das Kind rein gar nichts für seine Gefühle kann, und dass man als Mutter damit möglichst gelassen umgehen muss, so gut man das eben schafft. Denn die Eifersucht und Geschwister-Konkurrenz wird euch – in unterschiedlichen Formen – erhalten bleiben, bis eure Kinder von zuhause ausziehen. Man kann damit hadern, oder es einfach akzeptieren. Dann ist man gelassener. Wenn dein Sohn aufs Baby losgeht und es kneift, musst du ihn natürlich sofort aus der Situation herausnehmen. Schimpfe aber nicht lange und rede nicht empört auf ihn ein. Bleibe knapp: "Nein! Wir tun uns nicht weh!", und lenke ihn dann ab. Denn wenn du mit ihm schimpfst, fühlt er sich abgelehnt – und seine Eifersucht auf das Baby wächst sogar noch. Wenn dein Sohn dich beschimpft, reagiere desinteressiert, wende dich einer anderen Tätigkeit zu, reagiere nicht groß. Ein Verhalten, das bei Mama keine Resonanz auslöst, kann vom Kind wieder losgelassen werden. Ein Verhalten dagegen, das mit Aufmerksamkeit belohnt wird (und auch Schimpfen ist Aufmerksamkeit!), verstärkt sich. Dass ein Kind manchmal böse zum Baby ist, heißt nicht, dass es das Geschwisterchen nicht auch liebhat. Wie alle Menschen können auch Kinder viele Gefühle gleichzeitig haben. Meine ältere Tochter hat ihren kleinen Bruder oft arg gepiesackt. Aber als er als Baby mal ins Krankenhaus musste wegen Lungenentzündung hat sie vor Sorge geweint. Die Kinder haben sich lieb, auch wenn man das im Alltag nicht immer sieht.  Eine Freundin von mir ist Psychologin. Sie gab mir damals, als ich auch mal sehr genervt war, einen guten Denkanstoß, vielleicht hilft er auch dir. Sie sagte, Eifersucht ist ein Gefühl, das gemein weh tut. Niemand ist freiwillig eifersüchtig, auch ein Kind nicht. Wenn man nachfühlen möchte, wie schlimm die Eifersucht sich für das Kind anfühlt, soll man sich einfach mal Folgendes vorstellen: Dein Mann kommt eines Abends nach Hause und bringt eine blutjunge, hübsche Blondine mit hüftlangen Haaren mit. Er sagt: "Schau mal, Schatz, das ist die Mandy. Sie wird ab heute bei uns wohnen. Ist sie nicht süß? Gell, da freust du dich aber, dass du jetzt nicht mehr allein bist!" Das Beispiel ist natürlich übertrieben. Aber dasselbe Gefühl von Empörung und Eifersucht, das man in so einem Moment hätte, empfindet das ältere Kind ständig. Ihm wurde erzählt, wie toll es ist, dass jetzt ein neues Baby ankommt. Und dann erlebt es, dass die Eltern hin und weg sind von dem Neuling, dass das Baby nun an erster Stelle kommt, dass es ständig bei Mama auf dem Schoß sein darf, das sich oft alles ums Baby dreht und auch die Verwandten es aufgeregt bewundern. Das alles tut weh, auch wenn das ältere Kind das nicht in Worte fassen kann. Mein Rat: Vertraue deinen Kindern, dass sie das Ganze unbeschadet meistern werden, denn das werden sie. Babys zogen immer schon die Eifersucht der Älteren auf sich, das ist normal, sie verkraften das. Und die Großen verkraften es, dass sie nicht mehr die alleinige Nummer eins sind. Aber natürlich ist das nicht immer leicht für beide Seiten. Hilf beiden dabei, indem du möglichst neutral bleibst. Ergreife nie Partei (auch später bei Streitigkeiten nicht), sondern bleibe lösungsorientiert, ganz egal wer offensichtlich "schuld" ist.  Meine große Tochter war teilweise sehr heftig zum Baby, und hat sich auch später viel mit dem kleinen Bruder gezofft. Ich war auch oft wütend darüber, weil der Kleine viel jünger und deshalb auch schwächer war. Inzwischen sind beide junge Erwachsene. Und was soll ich sagen: Sie verstehen sich wunderbar, sie treffen sich oft, um gemeinsam zu kochen oder etwas zu unternehmen, und sie sind superstolz aufeinander. Bei den Kindern meiner Freundinnen, die teilweise noch schlimmer waren, ist es genauso. Das hätten wir uns zeitweise nicht vorstellen können, als sie Kinder waren. Du musst also weder Angst haben noch dir Sorgen machen. Anstrengend wird es werden, ja, auf jeden Fall. Und manchmal wird es dir extrem schwerfallen, nicht Partei fürs Baby zu ergreifen und nicht mit dem Großen zu schimpfen. Versuche es trotzdem. LG