Kamassi
Guten Abend :) Wir (hier schreibt der Vater aber) "kämpfen" aktuell mit unserem Sohn, der gerade 3 Jahre alt geworden ist. Ungefähr seit ca. 1-2 Monaten hat er ganz eigensinnige Dinge und Wünsche, die er bei Nicht-Erfüllung mit Ausrast-Attacken kontert in Form von Schreien bis zur Besinnungslosigkeit. Generell sei gesagt, dass das Kind sonst nicht auffällig war, nur halt in Punkto sprechen durchaus mit so manchem Mädchen in dem Alter hinterherhing was er jetzt gerade alles in kurzer Zeit aufholt, das laste ich aber generell vielen Jungs an das sie etwas langsamer sind ;-) Meine Frau und ich haben aktuell durchaus Diskussionen was die aktuelle Phase angeht, sie sagt es sind eventuell Züge von Autismus vorhanden, da er z.B. im Schlafsack seine Crocs anziehen möchte und manchmal auch eine Jeanshose...oder er muss seine Spielzeugautos so ziemlich gerade zum Tisch ausgerichtet stehen haben...oder die Rollläden müssen nochmal geöffnet werden und der Weihnachtsstern muss nochmal leuchten, wir dürfen das nicht machen...oder er will einen ganz anderen Schlafanzug als den, den er sich vor 2 Minuten angezogen hat...oder er weiß eigentlich nie was er eigentlich will, obwohl ich als Papa fast alles machen soll und darf. Der kleine Mann sagt das er es will und im Nächsten Moment nicht mehr, er ist über den halben Tag unsicher was er möchte, vor allem Abends. Er weiß nicht welches Hörspiel, wer mit ihm Kuscheln soll, manchmal will er Fernseh gucken was er sonst nur ganz selten darf, dann will er abends Kekse essen, es ergibt in der Masse der Wünsche in Relation zur Realität keinen Sinn. Interessant ist, dass das bei meiner Frau manchmal stärker ausgeprägt ist, da sie ihn nicht so "einbindet" wie ich - ich kann das ganz gut, dass ich selbst die langweiligste Geschichte wie Wäsche ausm Trockner holen als Abenteuer verpacke, fast alles nur mit Stimmlage auf die die Kinder immer schon angesprungen sind. Dann ist der Tag auch oft ein anderer, aber das erfordert viel Aufmerksamkeit und Energie muss ich gestehen. Er selbst ist seit 2 Tagen fast ohne Stimme und absolut heiser, da er seine Schreiattacken so langsam über jegliches Maß hinaus überzieht und wir sind auch ziemlich nerflich am Ende, das belastet uns immens und frisst alle Kräfte die wir haben. Meine Frau ist in der Erziehung schon immer etwas anders gewesen als ich, sie erwartet durchaus von den Kindern (wir haben 2) das sie Folge leisten und behandelt sie manchmal tatsächlich so, als ob sie schon etwas älter sind um ihnen eine gewisse Autonomie zu geben (so würde ich es interpretieren). Ich als Papa bin zwar mehr der "Typ fürs Grobe", aber was Kinder angeht habe ich eine recht ruhige Art und schaffe es oft viel besser ihn zu beruhigen und auf ihn einzugehen, das war auch schon bei unserer Tochter so in dem Alter. Um es nicht zu lang zu machen: Wenn man googelt was Autismus ist, dann gibt es da unzählige Übereinstimmungen, aber kann man einen Dreijährigen der in der -meiner Meinung nach- Trotzphase ist, das unterstellen "nur" weil er die gesamte Welt gerade nicht versteht? Egal was es ist, so geht es natürlich nicht weiter und wir müssen Lösung(en) finden, daher wäre es schön andere Meinungen zu hören zu diesem Mini-Einblick in einen Dreijährigen. Danke :)
Klingt für mich mit deiner Beschreibung wie ein normaler Dreijähriger, der seine Grenzen austestet. Dass seine Wünsche dabei unlogisch sind, liegt daran dass wir Erwachsenen so unfassbar eingefahren sind, was Sinn macht und was nicht. Fragt ihr ihn denn, warum Crocks in den Schlafsack müssen? Oder der Stern nochmal an? Unsere Tochter kann fast alles Merkwürdige erklären. Meist ist es dann für uns immer noch dämlich, aber aus der Sicht einer Vierjährigen trotzdem notwendig. Und dann kann man Kompromisse finden, wie z.B. Socken statt Crocs, wenn die Füße kalt sind. Oder das Ausschalten des Sterns ins Abendritual einbeziehen während der Weihnachtszeit. Ansonsten könnte es sein, dass euer Sohn zu wenig verlässliche Grenzen hat und deshalb immer wilder nach denen sucht und sich ständig umentscheidet. Autonomie und MITentscheiden sind wichtig. Aber die Frage lautet in dem Alter besser: "möchtest du den blauen oder den roten Schlafanzug?" Und nicht "Welchen Schlafanzug willst du?" Letzteres ist je nach Menge der Möglichkeiten viel zu schwer - selbst wenn nur zwei gezeigt werden, weiß Kind ja, dass es eigentlich fünf hat und will dann u.U. einen nicht gezeigten lieber. Gleiches beim Hörspiel. Oder auch bei der Beschäftigung ist weniger mehr. "Willst du mit den Autos spielen oder mir helfen den Tisch zu decken?" Zwei Optionen mit ganz klarer Definition. Klappt hier viel besser als "Magst du spielen oder mit mir Abendessen vorbereiten?" Was soll sie da denn spielen? Mit Mama oder alleine? Würden wir kochen oder Brote schmieren oder nur schon Gemüse schneiden und Papa kocht später? Wie lange dauert dieses Vorbereiten und auf was muss sie dafür verzichten? Da kann ein Kind so viel interpretieren, dass wir Eltern das nachher nie im Leben machen wie sie dachten. Und dann kommt Unsicherheit, Wut und Geschrei durch die Überforderung. Wenn es euch gerade echt zu viel ist, dann wird ein Forum alleine vermutlich nicht die Lösung sein. Sucht euch da gern eine Erziehungsberatung in der Nähe. Gibt es auch kostenlose bei KiTas, Familienzentren, AWO, Caritas, Diakonie,... Meist sind die so erfahren, dass sie schon nach dem ersten Gespräch mit der Familie gute Impulse geben. Autismus-Anzeichen würdet ihr vermutlich auch aus der KiTa gemeldet bekommen falls er denn schon hingeht. Ansonsten könnte das evtl auch helfen, wenn euer Sohn schlicht schlecht ausgelastet ist. Manche Kinder müssen einfach 95% ihrer Wachzeit (im Idealfall draußen) rennen und toben und das können Familien heute selten leisten. Trotzdem kann auch ein täglicher Spielplatz- oder Waldbesuch teils schon Besserung bei kleinen Wutzwergen bringen.
(Klein)Kinder brauchen ein Nest mit klaren Regeln und Grenzen. Ein Nest ohne Grenzen ist kein Nest!
Hallo, weißt du, es gab immer schon Mode-Diagnosen. Und die aktuelle Modediagnose ist Autismus, obwohl der in Wirklichkeit selten ist. Früher war es "Hochbegabung" oder eine "unsichere Bindung", momentan ist es eben Autismus. Jeder dieser Trends dauert einige Jahre, und es werden natürlich auch wieder neue kommen. Aber diese Eigendiagnosen sind meist Unsinn. Und man kann eine ausführliche psychiatrische Untersuchung durch einen Autismusexperten (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie mit Zusatzqualifikation) NICHT durch Google ersetzen. Könnte man das, bräuchte ein Facharzt keine zehn Jahre Studium (fünf Jahre Allgemeinmedizin, fünf Jahre Facharztstudium, danach mehrjährige Klinikerfahrung und Fortbildungen zum Thema Autismusspektrums-Störung). Vergesst "Dr. Google". Ich denke, euer Sohn verhält sich zum einen altersgemäß. Es könnte aber hinzukommen, dass ihr bei der Erziehung ein bisschen Wischi-waschi vorgeht. Manchmal gehen Eltern zu sehr auf jeden Pups ihres Kindes ein: Das Kind sagt "Hü", die Eltern machen "Hü", es sagt "Hott", die Eltern machen Hott. Die totale Unentschlossenheit ist bei Dreijährigen normal. Wenn Eltern aber auf absolut jede Regung des Kindes eingehen, nennt man das Mikro-Management: Eltern verlieren sich in der Gefühlswelt eines Kleinkindes, anstatt selbst klar und straight zu bleiben, damit das Kind Halt, Führung und Orientierung bekommt. Das Problem ist, dass das Kind dann in seiner Unsicherheit bestärkt wird und nicht den Halt bekommt, den es eigentlich gerade besonders brauchen würde. Ich würde versuchen, klarer mit eurem Sohn umzugehen. Reagiert nicht mehr auf jeden skurrilen Wunsch, geht nicht auf jede winzige Regung, jeden Impuls, jede Idee ein. Man darf Dinge auch einfach mal überhören oder für das Kind entscheiden. Kinder wollen gar nicht, dass die Eltern wie zwei Satelliten ständig um seine spontanen, sekündlich wechselnden Impulse kreisen. Ihr entscheidet auch, wer ihn ins Bett bringt, und ihr entscheidet, ob es eine Vorlese-Geschichte oder ein Hörspiel gibt. Dinge zu entscheiden, ist euer Job als Eltern. Ein kleines Kind WILL noch gar nicht der Boss sein, weil es damit sehr überfordert ist. Das geht eurem Sohn auch so, und das zeigt er recht deutlich. Natürlich sollten Kinder im Alltag kleine Dinge auch selbst bestimmen dürfen (welches T-Shirt, welches Hörspiel). Aber was den eigentlichen Familienalltag angeht, also die Abläufe – darüber entscheidet natürlich ihr. Das gilt auch für den Tagesordnungspunkt Insbettbringen. LG
Da stimme ich zu. Ergänzen würde ich, dass es in dem Alter ganz normal ist, dass zwanghafte Verhaltensweisen auftreten. Solange das nur auf einzelne Aspekte im Alltag betrifft (Autos aufreihen, Weihnachtsstern vor dem Schlafen anschauen..), hat das überhaupt nichts mit Autismus zu tun. Das sind einfach Dinge, an die sich das Kind festhalten kann, in einer für das Kind überwältigend großen und komplexen Welt. Wie man damit als Eltern umgeht, habe ich immer im Einzelfall entschieden: Kann das Kind über den Punkt bestimmen, und es stört nicht groß im Alltag? Dann würde ich es zulassen, oder sogar von mir aus anbieten. (So wie oben vorgeschlagen, den Weihnachtsstern von Vornherein in die Abendroutine integrieren.) Ist dagegen der Wunsch nicht umsetzbar, dann verständnisvoll das Kind in seinem Frust auffangen. Maximal eine Alternative anbieten, diese dann aber zuverlässig umsetzen. (Z.B. wenn man etwas auf einen späteren Zeitpunkt verschiebt). In dem Alter helfen erfahrungsgemäß langatmige Erklärungen weniger und können den Frust sogar verstärken. Besser die Situationen vorausschauend vermeiden oder entschärfen. Das kann auch bedeuten, dass man das Kind eine Weile nicht mehr das Hörspiel aussuchen lässt, wenn es damit abends überfordert ist. Oder den Schlafanzug im Bad anstatt im Schlafzimmer anzieht. Und wenn es schon eskaliert ist, helfen meiner Erfahrung nach Worte mehr als Taten. Zum Beispiel alle Tonies wegräumen und nur das eine lassen, auf das man sich geeinigt hat. Oder Schlafanzüge oben in den Schrank und Tür zu, anstatt ewig vor den 3 Schlafanzügen zu sitzen und vom Kind eine Entscheidung zu fordern. Wichtig ist, möglichst erwartbar für das Kind zu sein. Also Hörspiel darf es sich immer aussuchen, aber Schlafbegleitung nicht. Und nicht jeden Abend neu festlegen, wer was entscheidet. Es klingt für mich so, als ob euer Kind mehr Struktur und Zuverlässigkeit braucht, und gerade mit Entscheidungen überfordert ist.
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