Elternforum Rund um die Erziehung

Tochter (3,5) provoziert

Tochter (3,5) provoziert

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Hallo, ich brauche heute auch mal rat. Unsere Tochter hat schon seit längerem die Phase das sie mich provoziert, besonders wenn andere dabei sind oder z. B. beim Einkaufen. Wenn sie mich beim Einkaufen etwas fragt, und ich gebe ihr nicht sofort eine Antwort, wird sie richtig laut und "patzig". Sie legt dann einen Ton an den Tag, das ist mir echt unangenehm. Wenn ich ihr sage sie soll vernünftig reden wirds noch schlimmer. Oder noch ein Beispiel: Ich schiebe den Einkaufswagen, sie sitzt oben drin und schiebt meine Hände weg, weil sie genau dort anfassen will wo ich anfasse. Da ich mir von ihr nicht alles gefallen lasse, schlägt sie irgendwann auf meine Hände und fängt an herumzuschreien. Wenn ich ihre Hände dann festhalte weil sie haut, schreit sie "Las los, las los" als würd ich ihr gott weiß was antun. Das ist mir immer so was von unangenehm, könnte dann im Erdboden versinken. So ein blöder Kreislauf halt, aber ich weiß nicht wie ich reagieren soll. Wenn ich mich mit anderen unterhalte und sie will etwas von mir, fängt sie auch an herumzuschreien, wenn ich nicht sofort auf sie eingehe. Heute eine Situation: wir saßen gemütlich mit Verwandten im Wohnzimmer und meine Tochter fängt an mir in die Nase zu Kneifen...einmal, zweimal...hör auf, dann kneift sie feste, ich halte ihre Hände fest sage nochmal sie solle aufhören. Da haut sie mir plötzlich ins Gesicht. Da war ich auf 180 und hab ihr eine zurückgehauen. Ich weiß, bestimmt die falsche Reaktion... aber was soll ich da tun??? Wie reagiere ich richtig? Wie komme ich aus diesem Kreislauf? Wieso reizt sie mich so?? Bitte um Rat Ronja


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ich habe zwar keine eigenen erfahrungen anzubieten, aber was mir sofort eingefallen ist, wäre folgendes: wie wär´s, wenn du all diese situationen versuchst zu entkräften, indem du einfach mal sofort auf sie eingehst und bei dingen wie "hand dahin wo deine ist" ein spiel draus machst. mich würde es interessieren, was passiert, wenn du mal TOTAL auf sie zugehst. vielleicht ist das ja eine weile machbar für dich? ich wünsch dir ganz viel kraft... grüße, fred-et-ricke


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Hallo, ich habe schon oft festgestellt, dass das Verhalten meines Sohnes sehr von meiner eigenen Tagesform abhängt. Habe ich die innere Ruhe und Gelassenheit, dann kommen solche Situationen, die Du beschreibst und die ich auch sehr gut kenne, kaum vor. An solchen Tagen habe ich nicht im Hinterkopf, das er mich mit seinem Verhalten provozieren will. Wie fred-et-ricke gesagt hat, versuche ich, das ganze mit Humor zu sehen und schwierige Situationen damit zu enkräften, indem ich auf ihn zugehe. Wenn das Kind einen nervt, schaltet man ja selbst gern auf stur, und damit wird die ganze Situation nur noch verfahrener. Ich glaube nicht, dass Dich Deine Tochter gezielt provozieren will, dazu ist sie noch zu klein. Für mich klingt es eher so, als buhle sie um Deine Aufmerksamkeit in Situationen wie Einkaufen und Gästebesuch, wo Du mit Deinen Gedanken woanders bist. Nicht den Gedanken von Provokation im Hinterkopf zu haben ist schon der ersten Schritt für mehr Gelassenheit. Dazwischen gibt es natürlich Zeiten, wo die Nerven blank liegen und diese Gelassenheit fehlt. Das kommt noch oft genug vor und dann reagiere ich auch total falsch. Wir sind eben alle auch nur Menschen. Aber ich freue mich auch über die "guten" Tage. Ich wünsch Dir ganz viel gelassenheit. L.G. Sybille


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Hallo Ronja, ich kann gut verstehen, dass es in so einer festgefahrenen Situation schwer ist, ruhig zu bleiben. Irgendwie nimmt man bei einer gereizten Grundstimmung alles als Provokation wahr, und möchte sich nichts mehr bieten lassen. Vielleicht hilft es Dir, wenn Du Dir überlegst, ob es nur Dir so geht, oder Deiner Tochter auch? Sie erlebt dieselbe gereizte Grundstimmung, und für sie ist es noch schwerer, ihre Emotionen unter Kontrolle zu haben. Für mich wirkt gerade das geschilderte Einkaufen-Beispiel leicht zu lösen. Klar habe ich leicht reden, denn ich muss das nicht jeden Tag mitmachne. Aber vielleicht hilft Dir auch die unbeteiligte Außensicht. Sie will ihre Hände da hin tun, wo Deine sind? Na und? Dann mach ihr doch Platz! Der Schieber vom Wagen ist breit genug, da werdet ihr schon beide hinpassen. Und es wird ihren Charakter sicherlich nicht verderben, wenn sie einen Einkaufswagen dort anfasst, wo sie möchte. Meine Kleine möchte ständig im Warenbereich des Wagens sitzen. Okay, soll sie doch. Muss ich halt die empfindlichen Sachen wo anders hinlegen (unten, Kindersitz), und wir sind beide zufrieden. Wenn sie haut, würde ich auch nicht die Hände festhalten, sondern einfach außer Reichweite gehen und den Einkauf unterbrechen, bis sie sich beruhigt hat. Das mache ich zu Hause beim Spielen auch so, mit großem Erfolg. Meine Kinder machen das auch nach. Wenn eins nach dem anderen haut, sagt das andere "Ich geh weg" und geht erst mal auf Abstand. Das durchbricht (zumindest meistens) den Teufelskreis von Hauen und Zurückhauen. Und es wäre vielleicht auch eine Lösung für die Situation mit dem Nasekneifen gewesen. Festhalten beschränkt das Kind in seiner Bewegungsfreiheit und wird von ihm als Aggression wahrgenommen. Darauf reagiert es eben auch mit Aggression. Weggehen zeigt ihm, dass es durch sein Verhalten jemanden vertreibt. Das will es meist nicht, denn es ist ja gerade auf Aufmerksamkeit und Kontakt aus. Allerdings darf das Weggehen nicht nach Strafe aussehen, so wie: "Du bist böse, mit Dir will ich nichts zu tun haben". Eher wie "Ich möchte nicht, dass man mir weh tut. Ich bin weiter in Ansprechweite und für Dich da, und wenn Du mir nicht mehr weh tust, können wir uns auch wieder anfassen". Und zum Fragen beim Einkaufen: Sie fragt Dich was und erwartet eine Antwort? Ist das nicht normal? Wenn Du sie was fragst, möchtest Du doch auch eine Antwort haben, oder? Klar sind Kinder immer besonders ungeduldig. Oft leben wir Eltern ihnen das aber auch vor. Das Kind soll auch sofort antworten, weil wir eben nicht wahrnehmen, dass es beschäftigt ist, wenn es einfach nur etwas ansieht oder noch überlegt, wie es antworten soll. Der erste Schritt ist vielleicht, auch mit dem Kind geduldiger umzugehen. Der zweite ist es, ihm die Sicherheit zu geben, dass es eine Antwort erhalten wird, wenn auch nicht immer wie aus der Pistole geschossen. Das kann so aussehen, dass Du Dich zunächst wirklich bemühst, immer sofort zu antworten, um erst mal die Spannung rauszunehmen. Und nach einer Weile kannst Du dann sagen: "Ich antworte Dir gleich, wenn ich dies und jenes fertig gemacht habe." Das ist sicherlich nicht ganz leicht, eben weil ihr so festgefahren seid. Aber Deine Tochter ist noch zu klein, um über ihren Schatten zu springen. Das musst Du ihr erst mal vormachen. In ein paar Jahren wird sie es dann von Deinem Vorbild lernen. Ich wünsche Dir ganz viel Geduld!