Schlanker durch tägliches Wiegen? Der kritische Blick auf die Waage Für die einen ist der tägliche Gang zur Waage ein festes Ritual, ähnlich wie das Zähneputzen. Anderen dagegen ist das Messgerät eher ein Dorn im Auge. Durch die ständige Gewichtskontrolle wollen sie sich nicht die gute Laune verderben lassen. Erst wenn die Lieblingsjeans anfängt zu zwicken, wächst die Beunruhigung. Besonders nach einer Diät, wenn die lästigen Pfunde endlich geschmolzen sind, verkümmern viele Waagen als Staubfänger unterm Badezimmerschrank. Ratschläge wie "Mach dir bloß keinen unnötigen Stress mit dem Wiegen" bestärken die frisch Erschlankten in ihrem Beschluss, das ungeliebte Kontrollinstrument aus ihrem Leben zu verbannen. Völlig falsch, behaupten jetzt amerikanische Forscher an der Brown University in Providence. Ihre Empfehlung an alle, die dauerhaft ihr Gewicht halten möchten, lautet: Täglich auf die Waage steigen! Wiegemuffel schnitten schlechter ab An der Studie, die im Fachjournal "The New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, nahmen 314 Männer und Frauen teil, die nach einer erfolgreichen Diät mindestens zehn Prozent ihres Körpergewichts verloren hatten. Nach 18 Monaten hatten diejenigen, die sich täglich auf die Waage stellten und auf Schwankungen ihres Gewichts sofort reagierten, eine sehr viel geringere Rückfallquote als die Kontrollgruppe, die lediglich regelmäßig über gesundes Essen informiert wurde. Hier nahmen 72 Prozent der Teilnehmer mehr als fünf Pfund zu. In der Wiegegruppe dagegen überschritten nur 50 Prozent diese Marke. Gewichtskontrolle allein reicht nicht "Der tägliche Check ist der Schlüssel zum dauerhaften Gewichtsverlust", resümiert Studienleiterin Rena Wing. Doch regelmäßiges Wiegen allein verhindere noch lange nicht, dass die lästigen Pfunde wieder auf die Hüften zurückkehrten. Vor allem müssten die Informationen des Kotrollinstruments genutzt werden, um Änderungen im Essverhalten vorzunehmen und mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Dies bestätigt auch Dr. Andrea Jahnen von xx-well.com in Berlin. Einer permanenten Gewichtskontrolle steht die Ernährungswissenschaftlerin jedoch eher kritisch gegenüber: "Der tägliche Gang zur Waage sollte nicht zum Dogma werden", warnt sie. Wichtiger als die Anzeige des Körpergewichts sei das subjektive Wohlbefinden. Eine wöchentliche Überprüfung hält die Expertin daher für ausreichend, um Gewichtsschwankungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Positives Körpergefühl ist nicht messbar Wichtiger als die messbaren Erfolgsergebnissen während und nach einer Diät findet Jahnen das subjektive Wohlbefinden. "Mit oder ohne Sport tritt während einer Diät nach vier bis acht Wochen eine Stagnationsphase auf, in der es sein kann, dass trotz Kalorienreduktion und sportlicher Aktivität kein Gramm verloren geht", so die Expertin. In dieser Phase sei es wichtig, die Erfolge weniger auf der Waage zu messen als sich vielmehr seines positiven Körpergefühls bewusst zu werden. Auch wenn dieses nicht in Zahlen messbar sei, sei es für die Betroffenen von größerer Bedeutung als alles andere. Schwankungen im Tagesverlauf sind normal Wer regelmäßig auf die Waage steigt, sollte wissen, dass es so etwas wie das absolute Gewicht nicht gibt. Im Laufe des Tages kommt es nämlich immer wieder zu Schwankungen. So macht es einen großen Unterschied, ob ich mich vor oder nach dem Essen wiege oder nach einem Saunabesuch mit hohem Wasserverlust. Jahnen empfiehlt daher, sich möglichst immer zur gleichen Tageszeit auf die Waage zustellen. Der beste Zeitpunkt hierfür sei der Morgen. Wer Wert auf eine präzise Gewichtsanzeige legt, ist mit einer digitalen Waage gut beraten. Im Gegensatz zu ihrem mechanischen Pendant hat sie auf weichen Badematten und Teppichen eine sehr viel geringere Abweichung. Doch egal, welches Messgerät Sie bevorzugen, eines sollten Sie beachten: Messen Sie Ihr Gewicht immer auf der selben Waage. Nur so erhalten Sie vergleichbare Ergebnisse.