Elternforum Rund ums Baby

Zu pingelig

Zu pingelig

Meliya

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Hallo ich habe vor zwei Monaten mein erstes Kind bekommen und habe das Problem dass ich einfach viel zu pingelig bin. Es stört mich selber auch und ich kann kaum die Zeit mit dem Kleinen genießen weil ich ständig rumnörgel warum er denn jetzt so drauf ist, zu wenig getrunken hat, irgendwie schlapp wirkt, warum er gehustet hat, warum er schreiend wach wird etc pp.. Angefangen hat das Ganze ungefähr zwei Monate vor der Entbindung. Ich hatte große Angst davor mich an Corona zu infizieren und dem Kleinen zu schaden. Vorallem im letzten Monat habe ich mich komplett isoliert und niemanden mehr getroffen. Ich dachte, wenn der Kleine endlich gesund und munter da ist, wird es besser. Aber nein, ganz im Gegenteil, es ist sogar schlimmer geworden. Ich habe Angst vor Besuch, was im Moment sowieso nur meine Schwester, mein Bruder und die Schwester meines Mannes samt Kinder und Ehepartner sind. Die, die regelmäßig kommt ist nur meine Schwester mit ihren Kindern. Jetzt ist es aber so gewesen, dass wir doch alle Corona positiv waren. Auch mein Kleiner mit 6,5 Wochen. Zum Glück geht es ihm gut. Aber ich hatte viele schlaflose Nächte, wo ich einfach nur geweint habe weil ich den Kleinen nicht davor schützen konnte. Wir waren zwei Tage im Krankenhaus mit ihm und der Arzt sagte, ich soll jetzt darauf achten dass er keinen anderen Infekt abbekommt weil sein Immunsystem durch Corona geschwächt ist. Vorallem bei Kindern soll ich vorsichtig sein. Also habe ich den Besuch erstmal komplett gestrichen, auch wenn unsere Quarantäne schon vorbei ist. Ich weiß nur nicht wie lange das so gehen soll. Einerseits habe ich wirklich Angst davor dass ihn etwas erwischt. Andererseits habe ich keine Lust mehr nur zuhause rumzuhocken. Ich habe es so vermisst mich mit meinen Freunden zu treffen. Eine Möglichkeit wäre ja ohne Baby zum Treffen zu gehen, dann habe ich aber wiederum Angst dass ich wieder Corona oder etwas anderes mitschleppe. Zumal alle meine Freunde in der Kita arbeiten. Abgesehen davon, dass ich Angst vor irgendwelchen Viren habe, habe ich vorallem bei meiner Schwester und ihrer Tochter das Bedürfnis, den Kleinen besonders zu schützen. Irgendwie regt es mich auf, wie sie mit ihren zwei Kindern reinstürmt und sich alle über dem Baby versammeln und total hysterisch werden. Dann wollen ihn alle auf den Arm nehmen, auch ihre Kinder. Ja, sie freuen sich und lieben den Kleinen aber ich glaube irgendwie habe ich da das Bedürfnis klarzustellen dass es mein Kind ist. Anfangs hat mein Kleiner Nachts nie durchgeschlafen, ich war sehr lange wach konnte kaum schlafen und war tagsüber hundemüde. Da sagte sie „Gib ihn mir dochmal für eine Nacht ab, dann kannst du dich ausruhen“. Es war sicherlich nett gemeint, keine Frage, aber ich möchte nicht, dass das so ist. Ich finde die Nähe, die sie ihm zeigen möchte zu viel. Ich bin schon lange nicht so eng mit ihr, weil sie es jedesmal mit irgendwelchen blöden Sprüchen versaut und irgendwann hatte ich keine Lust und Nerven dafür und habe mich distanziert. Ich möchte nicht dass es jetzt böse rüberkommt aber es hat seine Gründe. Naja wie geht ihr denn mit solchen Sachen um? Vorallem mit der Angst dass die Kleinen krank werden (Corona, Herpes etc). Kinder werden nunmal krank, das ist mir klar, aber ich glaube Covid macht mich einfach nur verrückt.


Meliya

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Antwort auf Beitrag von Meliya

Ich weiß garnicht wie viele Beiträge ich hier und in anderen Foren geöffnet habe, wie viele Fragen ich der Hebamme, Stillberaterin und dem Kinderarzt hier gestellt habe. Unserem Kinderarzt dürfen wir auch auf Whatsapp schreiben und Fragen stellen. Wie oft ich ihn schon mit ganz langen Texten angetextet habe. Der arme Kerl. Jedesmal ruft er mich an und geht ganz einfühlsam auf mich zu. Ich glaube dass die Hormone auch verrückt spielen. Ich möchte nicht so pingelig sein aber ich kann es nicht überwinden


Tigerblume

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Das sind perfekte Voraussetzungen für eine Psychotherapie und das meine ich ganz ernsthaft. Zum einen das Ausmaß dessen was Du "Pingeligkeit" nennst, zum anderen die Tatsache dass Du Dich dadurch eingeschränkt fühlst und das eigentlich gar nicht willst.


misses-cat

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Das finde ich schon mehr als pingelig, sorry. Mal über eine verhaltenstherapie nachgedacht? Also das du dein kind schützen willst nach der Infektion , vorallem nach dem was der arzt gesagt klar kann man nachvollziehen alles andere finde ich bedenklich, geht ja nich darum das du jetzt 10 Jahre in Therapie bist sondern du mal auf den Boden der Realität geholt wirst


wolfsfrau

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Bis zu einem gewissen Punkt sind seine Gefühle ja normal. Du hast dieses zarte Wesen monatelang in die getragen, warst die schützende Hülle. Jetzt bist du weiterhin dafür da, für das Wohlergehen dieses Babys zu sorgen, nur kommen jetzt noch äußere Einflüsse dazu. Dazu kommt, das dein Baby schon ganz eigene Eigenschaften mitbringt, die du nicht alle beeinflussen kannst - schläft es viel, lange, mit vielen Unterbrechungen. Mag es eine ruhige Umgebung oder viel Trubel? Und dann die Dinge, die man kaum bis gar nicht beeinflussen kann wie Husten, Schnupfen und Corona. Man kann sich isolieren und die Kontakte reduzieren und kriegt es dann doch. Ihr habt es gut überstanden! Das Verhalten deiner Familie hört sich sehr begeistert an. Und schön normal. Wenn es dir besser geht's damit, würde ich die Kontakte reduzieren, vielleicht einmal wöchentlich. Kannst ja sagen, dass ihr Ruhe braucht... Wenn es mit deinen Ängsten schlimmer wird auch die Beratung! Das ist nicht böse gemeint, aber manchmal kommt aus so einem Karussell nicht allein raus, das tut euch allen nicht gut. Deinem Baby auch nicht!


bea+Michelle

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Antwort auf Beitrag von wolfsfrau

Ich schliesse mich den Vorschreiberinnen an. Das ist mehr al pingelig. Bis zu einem gewissen Grad sind Sorgen und Ängste normal aber bei Dir geht das weit darüber. Ich denke auch, Du solltest Dir Hilfe von Aussen holen.


JuniMama-xx-xx-??

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Antwort auf Beitrag von Meliya

Hallo, ich denke dabei vllt an eine -schwelende- Wochenbettdepression oder soetwas und würde dir vorschlagen, eine nette und verständnisvolle unverbindliche Beratungsstelle zB Erziehungsberatung der Kirche oder Landkreis etc aufzusuchen, die es einfach in ein paar netten Gesprächen entweder schaffen, dir wieder den Blick fürs wesentliche zu geben oder eben feststellen, ob du wirklich eine weitergehende professionelle Hilfe benötigst. Alles Gute für dich!


Merry21

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Liebe Meliya, Ich möchte dich jetzt etwas entlasten. Ich kann einerseits sehr gut mit dir mitfühlen, weil ich auch eher ängstlich bin, außerdem bin ich Psychotherapeutin und kann dadurch vielleicht besser einschätzen als die anderen, welches Ausmaß an Ängsten pathologisch ist. Dazu kann ich dir folgendes sagen: Ich denke, du musst selbst wissen, wie sehr du darunter leidest und dich in deinem Leben und deinem Alltag eingeschränkt fühlst, ob du das Gefühl hast, dass diese Ängste für dich nicht mehr auszuhalten und nicht mehr zu handhaben sind - dann ist eine Psychotherapie sicherlich hilfreich. Nicht weil du irgendwie krank oder verrückt bist, sondern weil wir alle momentan in verrückten Zeiten leben, die ungeahnte und vorher nie gekannte Belastungen und Herausforderungen mit sich bringen, vor allem mit einem Neugeborenen. Mein Baby ist jetzt 6 Monate alt, und ich war recht entspannt was Krankheiten betrifft (selbst was Corona angeht, da ich geimpft war, und für mich soziale Kontakte mit Freunden und Familie das Risiko wert war, zumal ich wusste dass auch die alle geimpft sind... Das war allerdings noch vor Omikron) bis er sich mit 4 Monaten eine harmlose Erkältung eingefangen hat. Er war an sich nie in Gefahr, aber er hat darunter ziemlich gelitten, die Nächte waren der Horror, wir waren so dermaßen unter Schlafentzug, dass es für alle eine Qual war, und das nur wegen einer harmlosen kleinen Erkältung mit Schnupfen. Eine Nacht war es so schlimm, hat er so geweint, dass wir vor Angst ins Krankenhaus gefahren sind, weil wir dachten er bekommt schlecht Luft. Letztlich war da körperlich einfach nichts, aber für Babys ist eben auch die allererste Erkältung eine große Herausforderung und sie können sich nicht anders als durch Schreien ausdrücken. Ich war so froh, als es endlich überstanden war nach unendlich langen 4 Wochen. Danach hatte ich dann plötzlich auch zunehmend Ängste wegen Krankheiten, vor allem Corona aber auch dem RS Virus, weil ich mir dachte, wenn schon eine harmlose Erkältung so viel Stress und Drama mit sich gebracht hat, wie ist das dann erst bei solchen Krankheiten? Ich versuche einfach, das richtige Maß zu finden für mich zwischen Schutz und Sicherheit aber auch sozialen Bedürfnissen und Selbstfürsorge. Aber dafür gibt es keine richtige Lösung, jeder muss für sich entscheiden, und sich flexibel an die Situation anpassen. Ich habe mich entschieden, aktuell wieder etwas vorsichtiger zu sein, zumindest bis die inzidenzen niedriger sind und endlich der Frühling und der Sommer kommen. Ich beschränke meine Kontakte seither auch wieder auf die wichtigsten Menschen, und kann damit bisher ganz gut leben. Eine völlige soziale Isolation kann ich mir für mich nicht vorstellen. Ich habe das mal eine Woche versucht und es ging mit schlecht damit. Meine Schwägerin andererseits hat insgesamt deutlich weniger Bedürfnisse nach sozialem Kontakt, sie ist sowieso von ihrem Wesen her eher eine Einzelgängerin, sodass sie wenig Probleme damit hat, sich sozial weitgehend zu isolieren, solange ihre engste Familie um sie herum ist, sprich ihr Lebensgefährte und ihre Mutter. Damit geht es ihr und ihrem Baby auch gut. Ich könnte das wie gesagt nicht. Jetzt noch mal zu dir: Nachdem ihr Corona jetzt schon durchmachen musstet, und du trotz aller deiner Schutzmaßnahmen nicht verhindern konntest, dass er krank geworden ist, finde ich es total nachvollziehbar, dass man sich irgendwie hilflos fühlt und zunehmend Ängste entwickelt. Wenn man mit dem ersten Kind mal im Krankenhaus gewesen ist, und das so kurz nach der Geburt, das ist schon hart und eine große emotionale Belastung. Ich finde es total normal, dass man sich sehr darum bemüht, dass für die Zukunft möglichst zu verhindern. Auch wenn das nur bedingt möglich ist. Sicherlich mag man etwas entspannter sein, wenn man mehrere Kinder hat und schon vieles mitgemacht hat, aber gerade bei dem ersten Kind ist es doch normal, dass man sich, vor allem wenn man eh ein eher ängstlicher Typ ist, so viele Sorgen macht. Daher finde ich es persönlich von dem was ich von dir gelesen habe, zunächst einmal überhaupt nicht krankhaft, dass du solche Ängste hast. Ich finde sie menschlich und nachvollziehbar. Du musst nur aufpassen, dass sie nicht überhand nehmen, dass du dich dadurch nicht so sehr einschränkt, dass du anfängst wirklich zu leiden oder depressiv zu werden, und keine Freude mehr an deinem Baby und deinem Leben haben kannst, denn das ist für kleine Kinder noch schlimmer als jeder Virusinfekt. Ich will damit sagen, wir Mütter müssen auch auf uns acht geben und uns fragen, wie wir unseren Alltag möglichst gut gestalten können. Dabei sind wir momentan ALLE in dem Dilemma zwischen rausgehen, Menschen treffen, es uns gut gehen lassen einerseits und andererseits ausreichend Sicherheitsvorkehrungen wegen Corona zu treffen und vorsichtig zu sein. Was das Thema Psychotherapie betrifft, lass dir sagen es ist aktuell sehr schwer, einen Platz zu finden, gerade weil durch Corona sehr viele Menschen auf der Suche nach einer Therapie sind. Ich finde wie gesagt wichtig, dass du ausreichend für dich selbst sorgst, dass du trotz Corona mit Menschen in Kontakt bist, die dir gut tun und von denen du Hilfe und Unterstützung bekommst, und wenn das alles nichts hilft, die Ängste immer stärker und immer mehr werden, und dich und dein Baby und deine Familie nur noch einschränken, du diese Ängste aber auch nicht mehr kontrollieren kannst, der Leidensdruck sehr hoch ist, erst dann ist vielleicht wirklich die Frage, ob du die psychotherapeutische Hilfe suchen möchtest. Liebe Grüße und alles Gute, Merry


Meliya

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Antwort auf Beitrag von Merry21

Ich danke dir erstmal für deine ausführliche Antwort und deine einfühlsamen Worte, das schätze ich sehr Ich bin generell kein Typ, der sich alle zwei Tage mit Freunden trifft, jede Woche Familienabende plant etc. Mir reicht unser ruhiger Alltag mit meinem Mann an sich komplett aus. Nichtsdestotrotz braucht man ab und zu dann doch Gesellschaft. Ich bin um ehrlich zu sein nicht an einem Punkt, dass ich sagen würde ich brauche dringend professionelle Hilfe sondern lediglich Erfahrungen von anderen Müttern. Einfach wie sie es so machen und mit der aktuellen Lage umgehen. Ich meine, ich bin ja nicht die einzige die versucht ihr Kind zu schützen.. Eine Wochenbett Depression habe ich auch durchgemacht. Ganz schlimme Tage und eine ganz komische Psyche die man da hat. Mittlerweile geht es mir um Meilen besser. Manchmal scheint sie dennoch leicht durch. Es ist nicht so, dass wenn ich Besuch bekomme, ständig an Bakterien und Viren denke. Ich genieße es auch. Aber bei meiner Schwester habe ich halt diesen Drang klarzustellen dass es einfach mein Kind ist. Bei meinem Bruder habe ich das zum Beispiel nicht. Da gehört aber so viel aus der Vergangenheit mit zu, wie sie drauf ist, ihr Charakter etc. Darauf möchte ich garnicht näher eingehen. Vielen Dank nochmals für deine Antwort, wie gesagt erhofft hatte ich mir nur Erfahrungen von erfahrenen Müttern :) Liebe Grüße