Elternforum Rund ums Baby

Bindungsschwierigkeiten

Bindungsschwierigkeiten

Kaiserschnittchen

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Hallo zusammen, das ist mein erster Beitrag zu einem Thema, das mich um den Verstand bringt. Und ich suche hier vielleicht einen Halt, Hilfe oder einfach nur den Austausch. Kurz zu mir: ich bin 35, mein Zwerg war ein absolutes Wunschkind, in der Schwangerschaft entwickelte ich Diabetes (GDM). Ab der Diagnose habe ich eine Diät gemacht und konnte darüber den GDM sehr gut steuern. Mein Partner hat für mich gekocht und ich bin 6 Wochen vor Mutterschutz aus dem Beruf raus. Ich habe mich um mich gekümmert und um meinen Bauch wie nie zuvor. Ich habe meinen Bauch und seinen Bewohner geliebt. Für unser Wunschkind sollte es eine natürliche Geburt sein. Das haben wir alles organisiert. Am Ende waren es 4 Stunden Wehen bis ich vollständig offen war, dann sollte laut Hebamme der Zwerg in den nächsten 2 Stunden da sein. Weitere 4 Stunden später brüllte ich nach einer PDA, etwas was ich nie wollte. Dann Wehenschwäche, Oxytocintopf, und zum Schluss der Kaiserschnitt. Mein Zwerg wurde mir auf die Brust gelegt und ich war glücklich. Dann 4 Tage KH Aufenthalt. Der Zwerg isst nicht wie er sollte. Nimmt nicht adäquat zu. Eine Stillberaterin im KH will mir zeigen wie ich Stillen muss. Sie nimmt den Kopf meines Zwergs und drückt ihn während er schreit so fest in meine Brust, dass er nicht mal mehr Luft holen kann, das müsse man so machen. Es folgt großes Geschrei und sie geht. Ich wüsste ja jetzt wie es funktioniert. Meine Milchproduktion kommt nicht in Gang. Es wird mit Sonde an der Brust zugefüttert und mir eine Pumpe ins Zimmer gestellt. Leider ohne große Erklärung. An Tag 4 dürfen wir gehen. Und dann fängt mein Kopf an zu spinnen. Ich verlasse das KH ohne meinen Bauch. Mein Bauchbewohner ist nicht mehr da. Ich komme unendlich traurig zu Hause an. Ich will mein Baby nicht auf meinem Arm sondern in meinem Bauch. Ich will wieder seelig sein und die Aufmerksamkeit meines Partners haben. Auf der anderen Seite will ich mich nicht vom Bruststillen verabschieden, es ist das Band zwischen mir und meinem Zwerg. Das was kein anderer kann. Und wenn es zur Falsche kommt, dann bin ich gefühlt obsolet. Das alles geht jetzt seit der Geburt rauf und runter. Es ist besser geworden, aber der Wunsch nach der Schwangerschaft und keinem Baby ist doch immer irgendwie ein leises Rauschen im Hintergrund. Ich bin gestresst vom abpumpen, anlegen und Sonde in den Wundwinkel schieben. Ich will schlafen und aufwachen und alles soll gut sein. Der Zwerg schläft bei uns im Bett, im KH schon auf meiner Brust oder in meiner Ellenbeuge. Wenn wir abends schlafen gehen, will ich den Zwerg auch auf meiner Brust haben. Ich mag ihn gar nicht her geben. Da ist irgendwo ganz ganz viel Liebe und Angst und Einsamkeit, Schlafmangel und Überforderung. Danke an alle Leser und die die sich die Mühe machen evtl. zu antworten. Liebe Grüße Kaiserschnittchen


Rote_Nelke

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Antwort auf Beitrag von Kaiserschnittchen

Eine Mutter ist nie überflüssig, egal wie sich die Kinder ernähren. So gesehen kann jede andere Frau mit Milcheinschuss dein Kind stillen Hast du eine Hebamme? Du klingst sehr mitgenommen und könntest eine Wochenbettdepression haben. Rede bitte mit deiner Hebamme oder deinem Gynäkologen darüber. Alles Gute!


Kaiserschnittchen

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Antwort auf Beitrag von Rote_Nelke

Hallo Rote_Nelke vielen Dank für die Zeit die du dir / ihr euch genommen habt, meinen Beitrag zu lesen. Ich hatte heute einen Termin bei einer Stillberaterin und bin ganz erstaunt und mit großen Augen und einem leichten Herzen wieder hinaus, denn ich habe so Vieles gelernt und es hat funktioniert. Danach habe ich mich heute Mittag meiner Hebamme im Beisein meines Partners geöffnet und auch sie konnte mich verstehen. Die Geburt ist jetzt 11 Tage her und ich versuche uns und vor allem mir den Druck zu nehmen. Liebe Grüße Kaiserschnittchen


Jumalowa

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Das macht mich beim lesen traurig! Ich denke du hast nicht die Unterstützung bekommen die du dringend benötigt hättest. Was für eine furchtbare Stillberaterin, wenn du eines Tages die Kraft hast, bitte lege eine Beschwerde ein! Du solltest Dir schnellstmöglich Hilfe suchen! Hast Du eine Hebamme? Ansonsten gibt es auch wirklich kompetente Stillberaterinnen. Ich meine es gibt auch noch Familienpflegerinnen. Bitte scheue Dich nicht Hilfe an zu nehmen, für Dich. Es wird Euch helfen. Ich hatte nach meinem 3. Kind auch 2 Wochen in denen es mir psychisch nicht so gut ging aber ich hatte eine ganz liebe Hebamme die da auf Mich geachtet hat!


Kaiserschnittchen

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Antwort auf Beitrag von Jumalowa

Hallo Jumalowa, Danke dass auch du dir die Zeit genommen hast meinen Beitrag zu lesen. Deine Antwort gibt mir auch nochmal Mut und Kraft, dass ich nicht alleine bin und ich mir Zeit geben muss. Ich denke ich bin da in einen Teufelskreis geraten. Ich wollte eine natürliche Geburt und bin beim Kaiserschnitt gelandet, über den ich mir nie Gedanken gemacht hatte. Physiologisch sicherten die Ärzte auch immer wieder eine natürliche Geburt zu. Tatsächlich empfand ich den Kaiserschnitt zunächst auch als Erlösung, da ich nicht mehr konnte und mich eine Wehe nach der nächsten überrollte. Ich war dem einfach irgendwann hilflos ausgeliefert. Noch im KH kamen dann Hebamme und Pflegerinnen nach und nach und sagten mir, dass ich nicht traurig sein soll und ich alles gegeben hätte. Und erst durch diese ganzen Menschen, die mich eigentlich aufbauen wollten, wurde ich traurig über all dies und stellte Vieles in Frage. Ebenso stellte ich das Stillen im KH nicht in Frage, außer, dass ich mich massiv über die Stillberaterin ärgerte. Die Stillberaterin von heute war dann wirklich klasse. Ich habe auch noch nicht herausgefunden, warum es im KH anfänglich nicht "schlimm" war und das alles erst mit dem nach Hause kommen anfing. Liebe Grüße Kaiserschnittchen


LuiBee

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Antwort auf Beitrag von Kaiserschnittchen

Mir ging es nach der Geburt meiner Zwillinge sehr ähnlich. Ich kann dieses Gefühl, das Baby wieder in Bauch haben zu wollen zu 100% nachvollziehen. Bei mir kam mit dem Milcheinschuss der Babyblues, aber vom feinsten. Meine Kinder fühlten sich so fremd an, obwohl ich sie gleichzeitig schon so lieb hatte. Und bei uns war es auch das Problem mit dem Stillen. Ich habe mich so sehr bemüht und gekämpft, bis ich psychisch einfach nicht mehr konnte. Das gipfelte dann in einer heftigen Mastitis, schmerzhafteste Erfahrung meines Lebens, und ich habe den Entschluss gefasst nur noch abzupumpen. Danach ging es dann deutlich bergauf, auch was die Bindung zu meinen Kindern angeht. Der Druck ums Stillen hat da zunächst einiges kaputt gemacht. Das konnten wir aber alles schnell aufholen! Ich habe 6 Monate gepumpt so viel ich konnte und zugefüttert. Meine Milch hat nicht mehr gereicht, weil durch die Mastitis in der Hälfte der einen Brust keine Milch mehr produziert wurde. Aber ich habe mein Bestes gegeben und so hat es sich auch angefühlt und ich konnte meinen Frieden mit der Stillsituation machen. Und die Bindung zu meinen Kindern hat es sicher nicht geschädigt, dass sie ihre Nahrung (großteils ja sogar meine Milch) aus der Flasche bekommen haben. Sie sind jetzt fast 9 Monate alt und mein ein und alles. Und andersrum ist es genauso. Ich bin keineswegs überflüssig, sondern ihr absolutes Zentrum. Bindung entsteht nicht über Ernährung, sondern über Zuneigung und die Erfüllung von Bedürfnissen. Aber ich kann dich verstehen, ich habe anfangs genauso gefühlt wie du. Wenn du eine liebe Hebamme hast, rede mit ihr über das alles. Meine hat mich wohl vor eine waschechten Depression bewahrt. Und versuch dir bewusst zu machen, dass es völlig okay ist, dass du dich erst an das Leben mit Baby gewöhnen und darauf einstellen musst. Es ist soo eine riesen Veränderung, man darf sich Zeit dafür nehmen sich in die neue Rolle als Mama einzufinden. Und je nachdem wie lange die Geburt jetzt her ist, denk auch daran, dass deine Hormone noch absolut im Chaos sind. Fühl dich jedenfalls doll gedrückt. Bei mir wurde es übrigens nach 6 Wochen endgültig besser, nachdem sich das Pumpen eingependelt hatte und auch die Hormone langsam wieder in ihre Bahnen zurück fanden. Alles Liebe :)


Kaiserschnittchen

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Antwort auf Beitrag von LuiBee

Hallo LuiBee! Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast meinen Beitrag zu lesen und zu beantworten. Unser Zwerg wird morgen 14 Tage alt. Dein Beitrag tut mir wirklich sehr gut. Deine Erfahrung zeigt mir, dass ich noch Zeit habe mich einzupendeln und zu "funktionieren". Die ersten Tage zu Hause haben mir einfach den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich empfinde es als schwierig, von einer umsorgten Schwangeren, zu einer "passiven Versorgerin" zu werden. Mit passive Versogerin meine ich, dass ich gefühlt nur noch reaktiv bin. Mein Mann versucht im Haushalt einiges zu machen und sich mit um den Zwerg zu kümmern und ich gucke, dass ich pumpe, zufütter, Milch steigere, irgendwie esse und mich nebei noch an den Zwerg gewöhne und ihn "lesen" lerne. Hast du noch eine Erfahrung für mich, ob du etwas konkret gegen das "Bauchvermissen" unternommen hast oder ob es einfach von selbst irgendwann verschwunden ist. Liebe Grüße Kaiserschnittchen


misssilence

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Antwort auf Beitrag von Kaiserschnittchen

Wie lange ist die Geburt her? Wenn es mehr als drei Wochen sind, informiere dich mal sachte in Richtung postpartale Depression. Unter licht-und-schatten gibt es einen Selbsttest und Ansprechpartner in deiner Nähe. Ich bin da auch durch, aus anderen Gründen, und wäre es nicht erst nach 10 Monaten diagnostiziert worden, wäre unswr erstes Babyjahr sicher anders verlaufen. Bitte schaue danach, von dem was du schreibst, kann es das durchaus sein. Alles Gute!!