Julizweiundzwanzig
Hallo zusammen.
Ich bin gerade einfach nur tierisch erschöpft. Ich habe eine Tochter 2 3/4 und ein Baby fast ein halbes Jahr alt.
Mein Mann hat ADHS.
Unsere große Tochter ist ein fröhliches, hilfsbereites, liebes kleines Mädchen und ich liebe sie über alles. In letzter Zeit mache ich mir aber zunehmend Gedanken, ob sie hyperaktiv sein könnte. Die genetische Komponente spielt dabei ja wohl eine gewichtige Rolle. Phasenweise denke ich: Quatsch, sie ist das absolut nicht! Und phasenweise denke ich: oh je.
Phasenweise kann sie gut alleine spielen, zB mit Knete oder Lego, ist zufrieden und kooperiert gut - so gut man es eben in dem Alter erwarten kann.
Phasenweise fühle ich mich extrem von ihr gestresst und weiß nicht mehr, inwieweit das an mir oder an ihr liegt.
Beispiel: sie hüpft auf dem Trampolin und möchte, dass ich zugucke. Ich schaue zu, und muss aber ab und zu an den Herd zum Umrühren. Trotz Ankündigung ruft sie „Maaama!“ sobald sie mich nicht mehr sieht, ich antworte „ich komme gleich zurück!“ Sie brüllt in einer Tour aus vollem Halse „Mama! Maaama! Maaaama!,…“ bis ich wieder da bin.
Sie möchte bei allem mithelfen. Gut, fördern wir, sie darf bei allem mithelfen, was geht. Manchmal muss ich aber sagen „Nein, das macht Mama alleine“. Sie langt mir trotzdem mittenrein und versucht mitzumachen. Wenn ich dann deutlich sage „Nein, lass das!“ singt sie lauthals Lalilu, laaalilu und irgendwelche Lautmalerei und schwingt dazu mit den Armen.
Wenn sie etwas möchte, zum Beispiel ihren kleinen Löffel zum Essen, kann sie das nie in normalem Tonfall formulieren sondern wird sofort hysterisch „ein Löffel, ein Löffel, wähähä“.
Wenn ich mich mit jemand anderem unterhalte ist sie permanent so laut, dass es kaum möglich ist, sich zu verstehen. Ich glaube, es ist für sie langweilig, aber sie kann keine paar Minuten ruhig sein.
Gestern war so ein besonders anstrengender Tag, weil sie mal wieder in einer Tour pausenlos irgendeinen Quatsch gemacht hat. An Dingen hochklettern. Mit dem Kugelschreiber Möbel anmalen. Das Baby in seiner Wippe mit Wucht runterdrücken, dass es hochschnellt. Wie wild auf dem Bett hüpfen als das Baby gerade einschlafen wollte. Ständiges lautes Singen. Sie muss dann ständig irgendetwas tun, an irgendetwas ziehen, irgendetwas auseinandernehmen, auf irgendetwas laut herumklopfen, gegen irgendwas mit den Füßen bollern …
Ich könnte manchmal aus der Haut fahren!!
Natürlich weiß ich, dass sowas auch völlig normal sein kann. Und vielleicht bin ich einfach gerade besonders dünnhäutig.
Mein Mann hat oft diese typische motorische Unruhe. Am liebsten würde er die ganze Zeit durchs Haus rennen. Ständig singt er, klatscht und stampft (auch das macht mich ganz kirre).
Manchmal schüttelt sie ihre Hände wie wild, was er auch oft macht. Vielleicht hat sie sich das nur abgeschaut?
Sie geht zu einer TaMu, wo wir nie irgendetwas auffälliges rückgemeldet bekommen. Sie verhält sich sozial, ist sprachlich ganz normal gut entwickelt trotz Zweisprachigkeit, war nie aggressiv. Kuschelt gerne und hat am liebsten die ganze Familie immer beisammen. Lange Schreiattacken hat sie eigentlich nie, in der Regel können wir sie rasch beruhigen.
Was meinen die erfahrenen Mamas? Alles ganz normales Kleinkindverhalten?
Bitte beruhigt mich und sagt, dass es an mir liegt!
Danke schon mal fürs Lesen!
Für ein Kind in dem Alter und mit baby- Geschwisterchen klingt das völlig normal...so leid es mir tut, so ist das mit 2 kleinen. Es klingt, als brauche sie ein gutes Verhältnis aus Zuwendung/Aufmerksamkeit aber auch Grenzen. Wie jedes Kind. Und duuuuu brauchst mal ne Pause (: die hast du dir verdient. Es ist völlig verständlich dass die Nerven blank liegen, wenn man permanent gefordert wird. Aber du hast ja eine Tagesmutter, die dich entlastet
„Völlig normal“ klingt beruhigend, danke dir! Und ja, ab und an mal ne Pause ist sicher nötig!
Also ich hab 8 Kinder, 2 davon haben nachgewiesen adhs bei mir steht es im Verdacht Für mich hört sich deine Tochter Aktuell völlig normal an, was nicht heißt das sie nicht adhs noch bekommen kann , mein älterer Sohn war bis in die Grundschule völlig unauffällig umd erst in der 2 oder 3 Klasse begannen die Auffälligkeiten
Ja mich am Handy vertippt
Wow, du bist also Vollprofi!
freut mich, dass du sagst völlig normal! Klar schließt das ADHS in Zukunft nicht aus, aber das gilt ja für alles, was theoretisch kommen kann.
Weißt du denn was über die Ursachen für ADHS angesehen von der Genetik? Irgendwas, was man als Eltern tun kann/vermeiden sollte?
Nein da tappt die Forschung ziemlich im Dunkeln, das einzige was man weiß ist das wohl beides Genetik und soziales Umfeld eine Rolle spielen. Bei meiner Tochter ist es kurz nach dem ersten lockdown ausgebrochen, die kam damit überhaupt nicht zurecht, ihre jüngeren Geschwister hatten dagegen keine Probleme. Mein Sohn, heute 14, war in der Kita total unauffällig erst Mitte der Grundschule fing es an und in der 5 Klasse ist es eskaliert, wir haben da bis heute keinen Auslöser gefunden
Ich finde das klingt normal. Du nimmst es aber als "drüber" wahr, weil du ne Pause brauchst. Wenn du kocht, dann kannst du sagen, ja ich schau dir 1x kurz zu, aber dann habe ich zu tun, wir wollen ja essen. Und dann bleib dabei. Halt das aus. Ich habe 3 Kinder, ich weiß, das ist manchmal zum kirre werden. Atmen, ruhig bleiben, Auszeit schaffen, egal wie. Andere Personen, besondere Spielkiste für 10 Minuten exklusive Tee/Kaffeezeit u. ä.. Alles Gute!
Danke dir!!
Selffullfilling Prophecy. Du erwartest doch unterbewusst, dass dein Kind ADHS geerbt hat und deutest die Signale dahingehend. Aber für mich klingt das alles total normal. Kinder sind mega-anstrengend. Da muss man oft die Zähne zusammen beißen und über seine Grenzen hinaus gehen.
Hm, ob ich es unterbewusst erwarte, eigentlich nicht, glaube ich… Seit mir aber mal der Gedanke kam, ging natürlich Kopfkino los. Total normal = super, so soll es sein und darf mich auch manchmal an meine Grenzen bringen!
Unsere K1 ist auch so. Aber an ADHS, obwohl der Vater ADS hat, habe ich nie gedacht.
Okay, eine ähnliche Situation und du machst dir keine Gedanken: sehr schön. Dann habe ich dir hoffentlich nun keinen Floh ins Ohr gesetzt
Hallo :) Spontan würde ich auch sagen, dass viele Dinge in deiner Wahrnehmung „getrübt“ sind durch deinen Mann. Meine große Tochter wird bald 7 und zeigt manche dieser Verhaltensweisen noch. Gerade heute früh musste ich ihr ca. 10x versichern, dass wir, nachdem ich ihre Schwestern abgetrocknet und angezogen habe, nochmal mit ihr alleine in den Pool gehe. Oder sie hat bsp bis heute manchmal Probleme, anderen nicht mittens ins Wort zu fallen, wenn sie ein aus ihrer Sicht super wichtiges Anliegen hat. Oder beim Stillen der beiden Kleinen springt sie aufs Sofa um mir was dringendes zu zeigen. Sie ist einfach ein sehr aktives, oft auch wildes Kind, aber definitiv keins mit ADHS. Alles Gute :)
Danke auch für deine Erfahrung! Ja, vielleicht hast du Recht und sehe ich wie durch einen „Filter“ weil ich da vorbelastet bin. Ich versuche, erstmal entspannter zu bleiben. Und mich auch mal wieder richtig zu entspannen. Euch auch alles Gute!
Warte bis zur Einschulung dann ist es sicher leichter zu diagnostizieren. Mein Kind hat ADS und nur geweint als Baby.
Ja, Abwarten ist sicher das sinnvollste… :) Danke!
Hallo, ich selbst bin Ergotherapeutin und kann dir aus Erfahrung sagen, dass sowas alle möglichen Ursachen haben kann. Es kann normal sein. Es kann eine hyperaktivität sein. Häufiger als Hyperaktivität sind es aber anderweitige Wahrnehmungsstörungen. Zum Beispiel dass sie Geräusche und das was sie sieht nicht gut verarbeiten kann. Wenn du wissen möchtest ob alles OK ist oder ob du etwas tun kannst bzw solltest kannst du mal einen Termin bei einem Arzt für Kinder und Jugendpsychiatrie machen. Das kann nicht schaden und danach weißt du mehr. Entweder es ist was oder im Optimalfall ist es normal. Aber eine Ferndiagnose ist da schwer zu stellen. LG Cora
Danke dir. Ich hätte etwas Angst, dass wenn man direkt zu einem Arzt geht, dass dann verschiedene Testungen, Abklärungen etc. stattfinden, ggf irgendwelche Diagnosen gestellt werden, die einen viel Nerven und Kraft kosten und vielleicht sogar das Kind stigmatisieren. Selbst wenn sich nach einiger Zeit alles als nicht behandlungsbedürftig herausstellt. Aus Erfahrung weiß ich, wenn man nur lange genug sucht, findet man immer etwas, was entweder kontrollbedürftig oder ein „Verdacht auf…“ irgendwas ist. Und gerade bei der Psyche ist und kleinen Kindern ist Objektivität sehr schwierig. Daher werde ich noch mal mit dem Gang zum Arzt abwarten. Danke aber für deine Gedanken dazu!
Klar werden Testungen gemacht. Wenn der Arzt dann aber tatsächlich etwas behandlungsbedürftiges feststellt machst du es deinem Kind leichter wenn du das frühzeitig weißt. Und es geht ja nicht unbedingt um Medikamente sondern auch um so Dinge wie Ergotherapie. Und mal ehrlich.... Wenn du ständig Bauchschmerzen hast gehst du auch zum Arzt oder? ;)
So ist meine 2,5 jährige Tochter auch. Befreundete Eltern meinen auch, dass sie extrem viel Energie hätte. Mehr als ihre Kinder. Ich habe mir auch schon Gedanken darum gemacht, aber wir als Eltern warten ab bis sie älter ist und schauen wie es sich entwickelt. Damit man für die Schule vorbereitet ist und evtl Ergotherapie erhält. Ansonsten ist es einfach Charaktersache. Aber halt sehr anstrengend. Liebe Grüße
Ja, meine Eltern sagten auch schon, so viel Temperament kennen sie gar nicht von uns als kleine Kinder. Gibt es denn in eurer Familie ADS oder so? Dann bin ich gespannt, wie es sich bei euch- und uns -weiter entwickelt.
Zumindest nicht diagnostiziert. Für mich würde ich es heute nicht mehr ausschließen, ich erkenne mich schon in vielen Punkten wieder.
Das klingt auf jeden Fall furchtbar anstrengend Keine Ahnung ob sie hyperaktiv ist, aber ich fühle mit dir
Danke!
Ich habe grade gedacht, da beschriebt jemand unsere Tochter (sie ist genau 2,5 und seit 8 Monaten große Schwester) Mir ist der Gedanke auf ADHS noch nie gekommen. Ich empfinde sie eher als sehr sensibel, evt gefühlsstark und schnell überreizt. Sie braucht viel co Regulation, ist am liebsten immer bei uns. Wir haben bis jetzt noch nicht über solche Sachen nachgedacht uns lediglich in verschiedene Themen etwas eingelesen, die Lösungsansätze vorschlagen, um mit so vielen Gefühlen umzugehen :)
Vielen Dank! Oh ja, sensibel ist sie auch extrem. Gefühlsstark auch. Sie hat schon als Baby bei melancholischer Musik geweint und das kommt immer noch vor- aus ansonsten heiterem Himmel. Irgendeinen speziellen Tip oder eine Leseempfehlung, die euch geholfen hat?
Ich finde persönlich die Bücher von Nora Imlau ganz gut :)
Klingt für mich erstmal auch normal. Ist natürlich trotzdem anstrengend. Mein Mann hat auch adhs, ich nicht, als Kleinkinder waren wir aber beide sehr aktiv und wild, wenn man unseren Eltern glauben darf - stillsitzen war für uns beide unmöglich. Naja, unser Sohn ist genauso. Ob er adhs geerbt hat, werden wir sehen, wenn er deutlich älter ist. Organisier dir eine Pause, wenn irgendwie möglich, das Verhalten wird sich ja wahrscheinlich nicht so schnell ändern.
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