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Geschrieben von Andrealine am 02.06.2005, 14:00 Uhr

warum ist eigentlich Toleranz üben so schwer?

Hallo,
die obige Frage beschäftig mich schon eine ganze Weile. Erst habe ich sie damit abgetan, dass es eine Charakterfrage sei, habe dann aber festgestellt, dass selbst Menschen, die ich immer für tolerant hielt, bei bestimmten Themen biestig wurden. Also woran liegt es, dass Toleranz für viele ein Fremdwort ist?
Ist es eine Form von Lebenseinstellung, im Sinne von "laissez-faire"? Hängt es mit eigener innerer Zufriedenheit zusammen? Liegt es an mangelnder Intelligenz oder verengtem Horizont? Hatten intolerante Menschen eine schlechte Kinderstube? Ist es die politische Einstellung (nach dem Motto: konservativ = intolerant)? Oder ist Intoleranz eine Form von Angst?
Ich habe nach wie vor keine Ahnung. Ich wundere mich nur nach wie vor, dass es immer wieder Menschen gibt, die extrem intolerant gegenüber allem Fremden, Anderssein oder anderen Meinungen sind. Das beginnt schon im kleinen (z.B. im Kindergarten) oder im grossen Stil.
Wie seht Ihr das?
Oder interessiert das hier keinen?
Lasst mal hören
Andrea

 
19 Antworten:

Re: warum ist eigentlich Toleranz üben so schwer?

Antwort von Sina26 am 02.06.2005, 14:12 Uhr

Ich glaube, dass jeder in irgendeiner Art, bei irgendeinem Thema intolerant ist.
Viel hat es manchmal auch mit den Normen und Werten der Primärgruppen und die der Gesellschaft und Kultur zu tun.
Und dem Wandel der Zeit.
Die meisten älteren Menschen, stehen Schwulen und Lesben z.B. ganz intolerant gegenüber. Nicht alle natürlich. Ich stehe Sexuallstraftätern ganz intolerant gegenüber und kann es nicht verstehen, dass die am Leben bleiben dürfen. Inzest gehört in einigen Ländern oder bei eingen Stämmen dazu. Hier ist das strafbar. Inzest kann ich auch nicht tolerieren. Woanders gehört das dazu.
Andere können schlechtes Benehmen, wie furzen nicht tolerieren. Mir ist das egal.
So gibt es ganz viele Dinge, in denen einige mehr oder weniger tolerant oder intolerant sind. Je nachdme wie wer aufgewachsen ist und wo.
Mich interessiert das Thema, schön dass du es angeschrieben hast. Lieben Gruß Sina

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Re: warum ist eigentlich Toleranz üben so schwer?

Antwort von maleja am 02.06.2005, 14:12 Uhr

Ich kann Dir da gar nicht so viel weiterhelfen, denn diese Gedanken hab ich auch manchmal. Aber vielleicht sollte man anfangen, bei sich diese Gedanken zu machen. Ich denke von mir, dass ich ein sehr toleranter Mensch bin. Und zwar nicht im Sinne, "ist mir eh wurscht" sondern wirklich im Sinne, sich auch Gedanken über die anderen Gedanken zu machen. Und ich sage mir, jeder auf seine Weise. Und ob einer weiß, gelb, schwarz oder wie auch immer ("sie sind grühün") ist, ist mir sowieso völlig egal.

Aber auch bei mir gibt es Dinge, da hört meine Toleranz auch auf. z.B. eben Intoleranz. Wir sind denjenigen auch nicht tolerant gegeüber. Faschismus, Hooligans, Dummheit allgemein, Stillende mütter, die nebenher rauchen, Umweltverschmutzung (und auch Noramlbürger, die die Umwelt wissentlich verschmutzen, z.B. im Haushalt Sachen verwenden, die man lieber bleiben lassen sollte. Auch so "harmlose" Dinge wie Weichspüler)

Ok, ich hab jetzt eher heftige Sachen rausgesucht, bei der meine Toleranz aufhört. Aber mir fällt auch gerade nichts milderes ein (bis auf die Weichspüler *lach)

Und vielleicht ist für diese Menschen ein Fremder wie für mich ein Rechtsradikaler?!

Keine Ahnung
Liebe Grüße
Silvia

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Re: warum ist eigentlich Toleranz üben so schwer?

Antwort von Elisabeth mit Fumi & Temi am 02.06.2005, 14:33 Uhr

Ups, ich nehme Weichspüler für die Wäsche, die sich sonst im Trockner elektrisch auflädt. Hast Du mich jetzt nicht mehr lieb *klimper*.

Komischerweise ist das gerade ein Thema bei mir (nein, nicht der Weichspüler, sondern die Toleranz).

Ich kann von mir deutlich sagen, daß Toleranz auch von der jeweiligen Situation abhängt.
Ich halte mich für deutlich liberal bis zur Grenze zum "Gutmenschen", den der Spiegel immer wieder gerne lächerlich macht ;-). Aber seit mein Mann sich genau so aufführt, wie es die eher intoleranten Menschen in meiner Umgebung vorhergesagt haben, fällt es mir sehr schwer, Afrikanern gegenüber noch sehr viel Toleranz aufzubringen. Ich finde das schade und ich hoffe natürlich, daß sich das wieder gibt und ich zu meiner früheren Toleranz Afrikanern gegenüber zurückfinde. Aber IM MOMENT - in MEINER derzeitigen Situation - fällt mir das wirklich sehr schwer (wobei ich mir zugute halte, daß ich das immerhin reflektieren kann).

Verallgemeinern (und nichts anderes ist Intoleranz ja, irgendwie) ist, denke ich, eine sehr menschliche Eigenschaft.

Gruß,
Elisabeth.

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Re: warum ist eigentlich Toleranz üben so schwer?

Antwort von Schwoba-Papa am 02.06.2005, 14:45 Uhr

Ja, ich denke Toleranz ist auch eine Summe der Lebenserfahrungen und der Erziehung. Dazu gehört auch die Gabe sich in andere "reinzuversetzen" zu können.
Ich halte mich auch für Tolerant (was aber auch wieder sehr relativ ist), doch bei manchen Themen und Einstellungen platzt mir der Kragen. Das hängt wahrscheinlich mit Erfahrungen, Hintergrundwissen und meinem "Intellekt" zusammen.
Ich bin aber schon der Meinung zur Toleranz gehört Bildung bzw. eine gewisse Intelligenz !

Grüßle

Grüßle

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Re: warum ist eigentlich Toleranz üben so schwer?

Antwort von Joy1 am 02.06.2005, 14:46 Uhr

Hallo Andrea,

Interessante Frage!

Also ich sehe das so:

Toleranz ist das Akzeptieren von Abweichungen von der "vorgeschriebenen Maßgröße". Die vorgeschriebene Maßgröße, also unsere Maßstäbe und Wertvorstellungen, unsere Normalität hängt natürlich von unserem Kulturkreis und unserem Horizont ab.
Da der Mensch im allgemeinen und oft auch notwendigerweise Situationen, Menschen und Dinge schnell bewertet und nach seinen Maßstäben, sprich Erfahrungen klassifiziert, gelangt auch oft etwas in die Schublade "unzulässige Abweichung". Bei näherer Betrachtung, sofern der Mensch das tut, ändert sich dann zum Glück doch mal diese Beurteilung.
Natürlich hat das etwas mit Angst zu tun, denn Fremdes bedeutet zunächst Unsicherheit. Je selbstsicherer und erfahrener der Mensch ist, desto weniger wird Fremdes ihn aus dem Gleichgewicht bringen. Und es hat auch was mit der jeweiligen Tagesform, der Zufriedenheit zu tun. Geht es mir gut, kann ich geduldig, nachsichtig und verständnisvoll sein. Geht es mir schlecht, neige ich auch mal dazu, ein vorschnelles, unbedachtes Urteil zu fällen.
Aber ich bin so tolerant mit mir, dass ich mir dass verzeihe und mein "Kopf ist rund, damit das Denken öfter mal die Richtung wechseln kann"(`:-).
Solange Intoleranz bei Menschen nur sporadisch auftritt und nicht in festgefahrene Meinungen ausartet, wie die Welt zu sein hat, kann ich gut damit leben. Man kann ja miteinander reden und merkt dabei auch manchmal, dass man selbst einer Sache toleranter gegenüber stehen könnte.

Viele Grüße,
Joy

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Re: warum ist eigentlich Toleranz üben so schwer?

Antwort von Leolu am 02.06.2005, 15:55 Uhr

Hallo!
Ich finde, Toleranz hat viel mit dem eignen Rechtsempfinden zu tun. Es gibt immer Dinge, die man ganz einfach für falsch hält und die man auch nicht bei anderen tolerieren kann. Ein großer Teil dessen was man als Recht oder unrecht sieht wird einem in der Erziehung begracht, aber vieles merkt man später auch selbst. Ich bin soweit tolerant solange es es dinge gibt die niemand anders gefährden. Ob ich es mag, wennjemand beim essen furtzt oder rülpst ist was anderes, muß nicht sien, aber auch nichts weshalb ich jemanden gleich verurteile, wie gesagt, ich tolerier das, auch wenn ich das nicht unbeidngt gut finde. Man kann andere Leute nicht ändern, was sie so in ihren eigenen Wohnungen machen geht mich nichts an, und kann ich nicht verurteilen, wie gesagt, solange es niemanden gefährdet weder in moralischer noch körperlichen oder Psychischen Form.
LG Nina
@ Maleja eine stillende, rauchende Mama

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@Leolu

Antwort von maleja am 02.06.2005, 19:14 Uhr

Aber Du rauchst bestimmt nicht während Du stillst?
Aber auch wenn nicht, sorry, dafür kann ich trotz allem kein Verständnis aufbringen.

Silvia, die auch gerne ab und zu raucht, aber nicht solange sie gestillt hat

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Re: @Leolu

Antwort von Leolu am 02.06.2005, 19:46 Uhr

Hallo!
Meinst Du jetzt Menschen, die in der einen Hand das Baby haben und in der anderen die Zigarette? Mal ganz davon abgesehen, daß ich mir das kompliziert vorstelle, wär mir das auch zu gefährlich und ich denke, man kanna uch ein paar Minuten ohne Kippe auskommen, das schaff sogar ich:-).
Aber ich habe kurz vor der Geburt iwieder angefangen zu rauchen und tu es immernoch, die Meinung der Schwestern und Ärzte war total unterschiedlich, von eine Zigarette am Tag schon besser nicht mehr stillen bis zu 20 Zigaretten und trotzdem ist Mumi besser als alles andere!
Aber ich habe mal im TV gesehen, daß eine Mutter in der einen Hand ne Kippe und auf dem Arm ein baby mit Flasche hatte, das fand ich auch schon widerwärtig. Beim Essen wird nicht geraucht, egal ob Erwachsener oder baby!
LG
Nina

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Toleranz

Antwort von BineF am 02.06.2005, 23:05 Uhr

Ich finde diese Frage wirklich gut und habe gerade nachgedacht inwiefern ich tolerant bin. Ich, für meinen Teil, toleriere recht viel aber natürlich gibt es auch bei mir Themen wie z.B. Kinder schlagen/klapsen bei denen ich eine feste Meinung habe und diese auch vertrete und es schwer nachvollziehen kann was einige für Ausreden nehmen um das zu erklären.
Ich weiss aber auch das es meine Meinung ist und ich sie niemanden aufzwingen kann und muss es somit tolerieren das es auch die andere Seite gibt. Leider gibt es aber auch Menschen denen es schwer fällt zu akzeptieren das jeder eine andere Meinung hat und sehr stur auf ihren Standpunkt beharren.
Viele Menschen laufen blind mit einer Meinung umher ohne sich nach rechts und links umzuschauen.
Ein schönes Beispiel ist mein Paps der immer versucht hat mit uns Kindern und auch Neffen und Nichten mitzugehen und nicht in seinem Jahrgang stecken zu bleiben, doch auch er musste sich oft eingestehen das er gewisse Tics die einfach zu der Zeit "In" sind nicht mitleben möchte aber es toleriert weil es ja zu unserer Zeit gehört in der wir aufwachsen.
Manchmal find ich es nur schade, wenn man kontroverse Themen anspricht, das sich viele auf den Schlips getreten und angegriffen fühlen, dabei ist es doch auch interessant mal darüber zu sprechen und auszutauschen.

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Re: warum ist eigentlich Toleranz üben so schwer?

Antwort von flo03 am 03.06.2005, 9:51 Uhr

Ich bin für viele Dinge offen und lass mich auch viele Dinge belehren ohne böse zu wirken oder zu sein. Ich finde das kommt auf dem Charakter an was man zulässt und was man abstösst. Ich denke mal es liegt auch viel an die Erziehung der jeweiligen Personen. Meine Eltern haben mich offen erzogen. Sie haben auch ihre Grenzen gehabt, sodass ich mich nicht leicht umkippen lasse. Und es haben nicht alle das glück gehabt. Was ich auch merke ist wie die Leute in Moment drauf sind, denke mal das es mit dem Umfeld zu tuen hat. Tolerant bin ich für vieles und denke das es jeder auf seine Art ist. Biestig bin ich nur wenn mich jemand angreift. Und das muss echt lange geschehen bis es mir hochsprudelt.

LG

Claudia

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jeder darf aber auch mal intolerant sein, oder?

Antwort von Leolu am 03.06.2005, 10:54 Uhr

Hallo!
Ich habe nun ne Weile über das Thema nachgedacht, und mir fielen da auch ein paar Begebenheiten sein, wo ich absolut intoerant und unfair war.
Zum Beispiel habe ich 7 Monates aufs Kindergeld gewartet für mein zweites Kind, das für das erste wurde auch eingestellt, bis die Sache geklärt war. Wir brauchten das Geld dringend, weil wir gerade am umziehen waren. Mein Mann verdiente da zwar nicht schlecht, aber wir brauchten so viel u.a. Kaution. Man hatte mir schon mehrmal fest versichert bis dann und dann wird auf jedenfall ausgezhalt, es kam nichts. Bin also zur Kindergeldkasse und da kam mit zufriedenen Grinsen eine dicke Türkin(?) mit kaopftuch raus (ich schreib es mal genauso wie ich es empfunden habe). Boah, was habe ich da für einen Aufstand gemacht bei der Sachbearbeiterin, warum denn jeder dahegerlaufene Türke für seine acht Blagen Geldd kassiert, die vermtutlich nicht mal in Deutschland sind, kann ja keiner nachprüfen und ich als deutscher Staatsbürger krieg nichts, obwohl es schon längst versprochen war. Ich sollte vielleicht auch blöd tun und nix verstehen, ob ich denn dann was kriege.
Wie gesagt intoleranter geht es nicht, aber selbst wenn ich heute darüber nachdenke, packt mich zwar auch etwas Scham aber immernoch etwas Wut, voralem weil mir das alles nichts gebracht hat, ich saß nur heulend auf dem Arbeitsamt.
Wo ich auch intolerant werde sind z.B. ältere Herrschaften, die der Meinung sie hätten auf grund ihres Alter (Rentner haben ja keine Zeit) Grund sich an der Kasse nach vorne zu schieben (so sagen die das auch), und Mutter mit drei Kindern hat gefälligst höflich zurück zu stecken.
Oder gestandene Mannbilder, die es sich auf Frauenparkplätzen in dunklen Parkhäusern brait machen, die laß ich selten ohne dummen Spruch.
Ich denke, jeder kann und darf auch mal intolerant sein, egal, ob es nun durch aufgekochte Gefühle wie bei mir auf dem A-Amt war oder weil man sein Rechtsempfinden gestört fühlt!
Ich sogar mal einen Behinderten vom Stuhl geschmissen, weil er der Meinung er müsse mich angrabbeln.
Und ich sage auch öfter mal Sache vonwegen "Opa mit hut...." oder "Klar, Sommerschlußverkauf, da kommen die Kopftücher wieder" (übrigens eine Tatsache in meiner Heimatstadt bei dem Schlußverkauf standen morgens um 8 Uhr vor dem Karstadt mind. 50 kopftücher und höchstens 10 Menschen ohne).
Oh, nicht zu vergessen, eine Gruppe richtig dicker Menschen, die der Meinung waren, mich anzumachen, ich soll nicht so viel Platz wegnehmen mit meinem Kinderwagen. Denen habe ich auch erstmal ne Diät empfohlen, dann wär auch genug Platz auf dem Bürgersteig!
Schon während ich das sage, weiß ich, daß es unfair ist, aber es rutscht trotzdem aus mir raus.
LG
Nina

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Re: Toleranz

Antwort von Stephie und Mina am 03.06.2005, 12:24 Uhr

Das ist mal wahrlich ein Interessante Thema.
Gerade ich habe mir in den letzten Jahren sehr viel Gedanken ueber die sog. Toleranz gemacht, weil ich hier in Spanien als "Auslaenderin" ja zur Minderheit gehoere.

Ich selbst halte mich fuer aeusserst tolerant, d.h. ich akzeptiere unterschiedliche Religionen, Erziehungsmethoden, gleichgeschlechtliche Beziehungen, etc., etc.
Selbst habe ich niemals Probleme mit Auslaendern in meinem Land gehabt, ich habe alle toleriert.

Ich selbst habe mir hier schon die schoensten Dinge anhoeren muessen, die wiederholt zu werden nicht wert sind.

Ich will aber nicht gleich von Intoleranz sprechen, wenn man beispielsweise Gegener fanatischer Gruppen, Verbrechen im allgemeinen und anderer sozial-gesellschaftlich nicht ertraeglicher Dinge ist.

Toleranz ist fuer mich den Horizont oeffnen fuer anderes.
Intoleranz hat immer ein wenig mit Egoismus zu tun.
Nur an der Erziehung kann es nicht liegen, denn mein Vater war ein extrem intoleranter, auslaenderfeindlicher Mensch (wenn der wuesste, dass seine Enkelin halbe Spanierin ist - Gott hab ihn selig!!).

Jeder ist fuer sich selbst verantwortlich, denke ich.
Auf jeden Fall laesst es sich leichter leben, wenn man ein wenig toleranter ist....
LG an alle
Stephie

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Re: jeder darf aber auch mal intolerant sein, oder?

Antwort von marit am 03.06.2005, 12:28 Uhr

Klar hat Toleranz sehr viel mit Bildung, Empathie und Erziehung zu tun - wobei ein Faktor alleine da nicht ausreicht: ich kenne durchaus auch sehr gebildete intolerante Menschen. Ich denke, es hängt auch mit dem Anpassungsdruck zusammen, dem man in seiner Kindheit und Jugend ausgesetzt war. Gerade an den älteren Herrschaften kann man das ja erkennen. Wer in der HJ oder im BDM ordentlich auf Linie getrimmt wurde - wo auch kleinste Verhaltensabweichungen bestraft wurden, kann später auch selbst Abweichungen nicht aushalten. Die frühere Kränkung und Verlezung gibt er dann als Aggression weiter. Das zeigt sich auch daran, daß einen an anderen oft gerade die Dinge stören, die an einem selbst kritisiert werden bzw. die man an sich selbst nicht mag. Häufig ist es also eine Projektion (d.h. wenn man gerade 30 kg abgenommen hat, fühlt man sich auf einmal provoziert, wenn man Dicke ungesundes Essen sieht, wenn man selbst häufig zu spät kommt, heißt das noch lange nicht, daß man auch gut auf andere warten kann). Ähnlich das Beispiel von Leolou (das ich ehrlichgesagt ganz schon krass finde), wenn man selbst auf dem Amt sich den Hintern plattsitzen muß (was man als Demütigung empfindet), unterstellt man plötzlich allen anderen Leistungen zu unrecht zu bekommen - dabei sollte man hier doch eigentlich solidarisch sein.

Wer sagt dir denn z.B. Leolou, daß "die Kopftuchtürkin", über die du schimpfst, nicht in einer vergleichbaren Situation bist, wie du? Oder daß sie nur einen neuen Führerschein brauchte? Hier an der Uni gibt es jedenfalls sehr viele Studentinnen mit Kopftuch - und die sind in der Regel ausgesprochen ehrgeizig und fleißig.
Ich bin überigens intolerant, wenn ich so etwas lesen muß: ich finde es erbärmlich und jämmerlich, wenn Menschen, die gerade mal Pech haben im Leben den anderen nicht gönnen können, daß es bei ihnen gerade mal gut läuft. Wenn so eine Haltung dann auch noch an dumpfen Rassismus gekoppelt ist, finde ichs noch unsympathischer. Wenn du Deutsche im Schnäppchenrausch beobachten magst, mußt du nur mal einen Blick ins Geld-Forum hier werfen.

Abgesehen davon: Es gibt ja auch Unterschied zwischen Intoleranz, die den anderen aber trotzdem in Ruhe lässt und Intoleranz, die nach außen aggressiv wird. Für mich gilt einfach die Regel: es ist dort Schluß, wo andere angegriffen werden. Ich finde es nicht toll, wenn Leute im Selbstbedienungsrestaurant ihren Müll auf dem Tisch stehen lassen, aber da zuck ich innerlich mit den Schultern und denk mir "naja, vielleicht schaffts ja auf lange Sicht wenigstens Arbeitspätze", es käme mir auch nie in den Sinn, jemanden wegen seines Aussehens zu beleidigen (und dazu gehört auch ein Kopftuch), aber klar gibts auch Dinge, die ich nicht mitansehen kann. Zuletzt kam mir ein alterer Herr mit einem Koffertrolley entgegen- ich hatte 2 schwere Tragetaschen, ging aber trotzdem einen schritt nach links (weil da gerade platz war) um ihn vorbeigehen zu lassen. da zischt der mich doch allen ernstes wütend an "nichts da junge Dame, in Deutschland wird immer nur nach rechts ausgewichen". Da war ich SO wütend, daß ich ihm sagte, daß sich an dieser Regelung seit Adolf einiges geändert habe (am meisten hat mich dabei aber geärgert, daß er überhaupt davon ausging, daß ich ihm auszuweichen gehabt hätte).

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@marit

Antwort von Heldin04 am 03.06.2005, 12:40 Uhr

Hallo,
das mit dem Ausweichen kenne ich nur zu gut.
Wenn ich, hoch Schwanger, mit Tüten beladen auf dem Gehweg gehe und jeder meint, ich müsse ausweichen und ein Stück auf der Straße gehen. Oder auch immer gern genommen, im Kauhaus einem die Tür vor der Nase zuschlagen.

Gruß Heldin04

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@Leolu - zu Deinem posting..

Antwort von Andrealine am 03.06.2005, 13:04 Uhr

Hallo Nina,
sicherlich hast Du Recht, dass jeder mal intolerant ist, aber das Beispiel mit der "Kopftuchtürkin" zeigt, dass Du nicht intolerant in dem Fall warst, sondern voll beladen mit Vorurteilen bist. Vielleicht kann ich Dir Deine Negativgedanken zum positiven wenden:
1. Mein Schwiegervater hat 20 Jahre lang hier genknüppelt und seine Gesundheit für einen Hungerlohn ruiniert. Er ist dann Anfang der 80er Jahre auf Helmut Kohls Versprechen der "Rückführungsprämie" hereingefallen. Er hat eine Prämie für die Rückkehr in die Türkei von 10 TDM erhalten und musste diese voll versteuern. Seine eingezahlten Rentenbeiträge hat er ausgezahlt bekommen (ebenfalls versteuert) und die Rentenanteile des Arbeitgebers sind verfallen. Mit anderen Worten sie haben ihn wunderbar beschissen. Aber von ihm kein negatives Wort über Deutschland. Im Gegenteil er denkt immer gern daran zurück.
2. In meiner Familie gibt es nicht ein einziges Ehepaar mit 8 Kindern. Meine Schwiegereltern haben 5 Kinder. Meine Schwager alle max. 3, einer sogar nur eines.
3. In der Türkei gibt es mehr weibliche Professorinnen als in der Bundesrepublik.
4. Die Türkei hatte schon vor zig Jahren einen weiblichen Bundeskanzler.
5. Also, wenn ich mich hier in Bayern in den Schlussverkauf stürze, sind das immer die Einheimischen! AB und an sieht man auch mal ein Kopftuch, aber vielleicht bist Du darauf gepolt und fixiert!

Grüsse
Andrea

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wie schon gesagt

Antwort von flo03 am 03.06.2005, 16:16 Uhr

wie schon gesagt hab ich schon oft festgestellt das es auf die Situation ankommt. Siehe stress ärger neid und sonst was.

Allerdings muss ich ehrlich sagen das ich jeden das gönne was sie geschafen haben und oder bekommen.

Ich in auch net gerade Fit und auch net die reichste nur seh ich die Sache anders. Ich lebe für meine Familie und nicht was für mich rundherum läuft.
Ich wünsche mir seit Februar ein 2 Kind es hat bis jetzt noch net geklappt. Deswegen missgönn ich die Frauen doch net das sie ss sind oder Kinder bekommen. Warum auch sie haben auch dafür üben müssen. Leider gibt es neider und sie haben wahrscheinlich nicht gelernt mit ihrem Schicksal umzugehen.
Ist leider so.

LG

Claudia

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noch mal zur Klarstellung!

Antwort von Leolu am 03.06.2005, 17:18 Uhr

Hallo!
Hm, ich weiß nicht ob mich nicht klar genug ausgedrückt habe, ich habe geschrieben, daß jeden in Zuge emotianlen Streß Gedankken kommen können, nicht weder fair noch tolerant sind. Und jeder der behauptet, daß ihm das nie passiert halte ich für einen Heuchler: Man brauch ja nur an den Straßenverkehr zu denken, da trödelt jemand, man selbst hat es eilig, aha, klar Opa mit Hut. Auf der Autobahn, wohnwagen überholt von rechts, ah, glebes Kennzeichen, die Holländer wieder. Ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendwer niemals irgend welche Gedanken hat, ob er /sie dann auch wirklich so meint, ist was anderes. Ich denke qauch nicht, daß jeder Opa nicht autofahren kann und jeder Holländer ein Straßenrowdie ist, aber in der Situation kommt einen schon der gedanke von diesen Vorurteilen auf, und mal ehrlich gesagt, bei Holländern im Straßenverkehr viel mir schon so einiges auf (wohn gleich an der Grenze):-))).
So, da das mit den Türken hier so schlecht aufgefaßt wurde. Ich habe weder zu der Frau selbst noch zu der Sachbarbeiterin diese Person direkt gemeint, sondern ganz allegemein gesprochen, als ich sie da so grinsend rauskommen gesehen habe, kam es halt in mir hoch, weil es hier um die Zukunft meiner familie ging. Und ich kenne welche, die das so genauso gemacht haben wie ich das beschrieben habe. Nämlich Frau und Kinder in der Türkei, sie selbst hier am arbeiten und Kindergld etc. runter geschickt (ist schon 10-15 Jahre her). Da das Leben dort damals (weiß nicht wie es heute ist) viel billiger war, lebte die familie da unten im absoluten Luxus, Häuser, dicke Autos etc.. Und besagter Mann meinte auch ganz dreist, ist schön hier in Deutschland mit Kindergeld, kann ich in der Türkei viel von kaufen!!!! Kenne auch einen noch dreisteren fall, wo hier einer Arbeitlosengeld bekam (Kindergeld etc.) auch, aber nur alle paar Monate mal aus der Türkei kam um sich beim Amt zu melden. Sind also keine Vorurteile, sondern tatsachen, und ich beziehe das bestimmt nicht auf alle Türken. Ganz sicher nicht, kenne viele hart arbeitende Türken, habe sogar von viel erstausstattung von einer türkischen familie gekauft, und habe da auch keine Vorurteile vonwegen Relegion, die waren westlicher und haben mehr Ahnung von Markenklamotten etc. als ich:-). Bei unserer Abschlußfahrt war es auc so, daß die türkischen Mädchen mit durften, aber die Jungs nicht:-). Aber als ich damals diese frau auf dem A-Amt war kamen halt diese Geschichten hoch, die ich von früher kannte, warum durfte ich das nicht ansprechen? Ich habe es ja nicht erfunden!
Und wer meine früheren Postings hier kennt, weiß auch daß ich viele Afrikaner und russen z.B. in meinem Bekannten und Freudneskreis habe.
Aber es ist auch nicht gelogen, wenn ich behaupte, daß man als Deutscher nach dem Brandanschlag in Solingen teilweise einen schweren Stand hatte (also ich wohnte da noch in Solingen). Es war wirklich so, man mußte sich eine zeitlang recht viel anhören, natürlich auch nur von einem Teil der Türken, wir hatten z.B. auch welche in der Klasse, die sich selbst welche vorgenommen haben, die der meinung waren zu behaupten, die dt. Mädchen wären nur zum poppen gut. Der Brandanschlag war nämlich wohl so der Auslöäser, daß viele ihren Frust ausgelassen haben. Übrigens auf der anderen Seite die rechten waren auch nicht besser, muß hier auch gesagt werden! Man traute sich allein nicht mehr auf die Straße aus Angst vor den einen oder anderen Extrimisten.
Nur noch eins: Meine besten Freunde im Kindergarten hießen auch schon Serkan und Sedan:-) Wo ich jetzt wohne, gibt es nicht viele Türken, also habe ich da auch keinen Kontakt!
LG
Nina

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@Leolu

Antwort von maleja am 03.06.2005, 18:56 Uhr

Ich habe dieses Posting von Dir nicht gelesen, aber das vorige. Das, was Du beschreibst hat meiner meinung nichts mit Intoleranz zu tun, sondern mit einzelnen Begebenheiten, die sich dann bei Dir zu Vorurteilen manifestiert haben.
Vorurteile und Intoleranz sind zwar verwandte Eigenschaften, aber trotzdem unterschiedliche.

Mach Dir nochmal GEdanken über das Wort "Intoleranz".

Und Deine Vorurteile, die Du geschildert hast, machen mich schon schaudern. (Auch wenn Du Dich im Nachhinein dafür schämst)

Silvia

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@ Maleja

Antwort von Leolu am 03.06.2005, 20:35 Uhr

Was für Vorurteile habe ich denn? Habe nur von wahren Begebenheiten erzählt und das übertrag ich dann nicht auf die gesamte Masse. Also nicht alle Türken bescheißen ums Kindergeld, nicht alle Holländer können kein Auto fahren, nicht alle Dicken machen einen blöd an, nicht alle Männer parken auf Frauenpakrplätzen. Etc. aber wenn einem sowas passiert, dann fällt einem doch dieses Vorurteil ein, egal, ob man es selbst so sieht oder nicht.
LG
Nina

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